20.14 UHr DOZ:
Fertig mit Fasten – und pappsatt. Gefühlt habe ich wieder meine 2 Kilo gewonnen, der Gang zur Waage steht aber noch aus. War eine interessante Erfahrung, so ein Ramadan-Tag, aber Wiederholungswahrscheinlichkeit: < 10 %.
18.17 Uhr DOZ:
Ich gehe jetzt mal in die Küche. Für die nächste Stunde halte ich es dann mit Homer Simson: „Keine Zeit, muss essen!“
18.00 Uhr DOZ:
Frau A. stand frisch geduscht neben mir – und hätte damit fast den ganzen Tag zunichte gemacht (ich sag nur: schlimme Gedanken!). Aber so richtig prickelnd finde ich das Extrem-Fasten ansonsten nicht. Klar, die richtigen Erfolgserlebnisse (Euphorie, Entgiftung) stellen sich erst so nach drei Tagen ein, aber ich kann auch mit Nahrungsaufnahme ganz gut leben, sehr gut sogar.
16.55 Uhr DOZ:
Draußen werden die Schatten länger, das Licht gelb-orange – bald geht die Sonne unter. Werde jetzt ein paar Hemden bügeln zur Ablenkung.
16.29 Uhr DOZ:
Auch Frau A. ist wieder daheim. Zum Glück musste ich sie nicht abholen, jetzt mit dem Auto über die vollgestopften Straßen von Dubai ist kein Spaß.
16.21 Uhr DOZ:
Der Mitbewohner kommt seit einigen Tagen schon nachmittags statt abends nach Hause. Begrüßt mich mit den Worten „Ramadan gefällt mir. Ich werde jetzt was Essen.“ Hat mein Magen gehört und will mit in die Küche.
16.15 Uhr DOZ:
Draußen im Pool machen die Nachbarskinder mal wieder einen Höllenlärm. Wartet nur ab, Ihr Blagen, in ein paar jahren freut Ihr euch drauf, Ohne Eseen und Trinken ganz ruhig auf dem Sofa zu sitzen, während der Nachbar sich konzentrieren muss.
15.20 Uhr DOZ:
Da ich in drei Stunden schon wieder Essen darf, muss ich mir langsam Gedanken darum machen, WAS ich denn essen werde. Zuerst eine Dattel, klar. Das ist Tradition. Aber danach. Vor einigen Tagen waren wir zum Iftar, so heißt Die Mahlzeit, mit der abends das Fasten gebrochen wird, mit Freunden im Hotel. Feine Sache. Für umgerechnet 20 Euro konnte man sich dort zwei Stunden lang den Bauch mit arabsichen Speise vollhauen. Fleischberge, riesige Fische, Salate, Gemüse über den ganzen Buffettisch verteilt. Suppen gabs auch, aber die hat keiner angerührt. Nach zwei STunden haben die Kellner den ganzen Kram angeräumt und mit anderen Sachen vollgestellt, die noch mehr dem westlerischen Geschnmack entsprechen. SChon verrückt, aber das nur nebenbei.
Neben Datteln sind hier noch Gerichte beliebt, die so schöne Namen haben wie Harira (Suppe mit Lamm, Linsen und Kichererbsen), Harees, Gamet jallab, Kunafeh, Katyef. Das Meiste davon ist so süßes Zeug, das ich garnicht beschreiben, ja nicht mal auseinanderhalten kann. Darüber kann ich vielleicht noch mal in ein paar Tagen schreiben, wenn wir bei einer Emirati-Familie zum Iftar waren. Heute Abend gibt es erstmal ein Steak. Das werde ich so richtig schön langsam braten (der Grill dauert mir jetzt zu lange), ein bisschen Salz, etwas Gewürze. Dazu Reis, Kichererbsen, Salat und Ofenpommes mit Ketchup.
Meine Zunge ist schon wieder schön feucht, hat aber mittlerweile eine 180er Körnung.
Oh, ich bringe fast 2 Kilo weniger auf die Waage als heute morgen.
14.41 Uhr DOZ:
Ah, geht ein bisschen besser. Der Tiefpunkt scheint überwunden. Nach einer Runde Golf am Rechner kann ich schon etwas klarer denken. Nur mein Kiefer tut weh. Habe ihn wohl zu festgedrückt die letzten Stunden.
Durst quält immer noch, Magen hält die Fresse.
Kopf fühlt sich an wie nach drei Bier, nur ohne Mundgeruch. Eigentlich unverantwortlich, in diesem Zustand Auto zu fahren, aber hier werden Hunderttausende gleich genau das machen. Und weil sie es eilig haben und nicht mehr ganz klar im Kopf sind, drängeln sie, wildwechslen sie einfach die Spuren, fahren über Rot… Aber Vorsicht, Ihr Faster. IN der Zeitung stand heute, dass Die Polizei Euch genau auf dem Kieker hat und stärker als Sonst während der Rushhour patrouilliert, um Ramadan-Rowdies zu schnappen. Nur, fasten die meisten Polizisten nicht selber gerade und bedeutet das nicht, dass sie womöglich lieber in Ruhe den Dienst schieben möchten?
13.41 UHr DOZ:
Schlafen funktioniert auch nicht wirklich. Müdigkeit ist ja nicht das Problem. Der Kopf dröhnt lauter als die Klimaanlage und die Gedanken kommen deutlich langsamer aus dem Kopf. Selbst hier ein paar Sätze zu verfassen, geht nicht ohne Tipp-Fehler. Und ich stelle fest, dass gerade geschriebene Sätze so überhaupt keinen Sinn machen und lösche sie wieder. Vergesslich bin ich auch. Irgendetwas wollte ich noch erledigen, eben gerade. Hmmm. Wenn ich mir vorstelle, dass ich jetzt anspruchsvolle Arbeiten verrichten müsste, nee Danke.
12.48 Uhr DOZ:
Um Texte Korrektur zu lesen , brauche ich deutlich länger als sonst. Fasten und geistige Arbeit passen nicht zusammen. Mein Magen spielt noch immer beleidige Leberwurst und pocht auf sein Recht auf Arbeit. Meine Zunge fühlt sich an wie Sandpapier, 120er Körnung, der Kopf ist ein bisschen schwer.
Zeit für eine kurze Siesta. Vielleicht wache ich dann endlich mit einem endorphin-bedingten Euphoriegefühl auf.
12.14 Uhr DOZ:
Ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig.
11.31 Uhr DOZ:
So langsam kann ich verstehen, warum viele Fastende nach Sonnenuntergang so richtig reinhauen. Vor meinen halluzinogenen Augen fliegen flattern Brotscheiben und freuen sich Würstchen auf den Feierabend…
10.25 Uhr DOZ:
Habe von draußen noch eine Zeitung geholt. Jetzt weiß ich, dass heute um 18.21 Uhr das Fasten gebrochen werden kann. Noch acht Stunden. Ich frage mich, ob in der leeren Wasserflasche auf dem Schreibtisch nicht doch ein paar Tropfen zu finden sind.
10.17 Uhr DOZ:
Mein Magen ist aufgewacht und fragt, wo die üblichen zwei Scheiben Brot mit Marmelade bleiben. Ich habe ihm gesagt, er soll heute einfach mal die Klappe halten. Konnte deutlich ein verärgertes Knurren hören.
Es ist 9.45 Uhr DOZ (Dubai Ortszeit), willkommen zu meinem Versuch, zumindest einen Tag ramadan-konform auszuleben.
Ausgerechnet heute bin ich bereits deutlich zu früh aufgewacht, meine Energie reichte aber nicht aus, um zu prüfen, ob es draußen noch dunkel ist und ich vielleicht schnell noch einen Liter Wasser kippen darf.
Deswegen fühlt sich der Mund jetzt etwas trocken an, aber der Herzschlag ist normal, mein äußeres Erscheinungsbild ohne Kaffeekonsum den morgendlichen Umständen entsprechend, Gewicht: 76 kg.
Frau A. habe ich bereits ins Büro gefahren und meine erste kürzere Wartezeit hinter mir. Das Postamt macht während Ramadan erst um 9 Uhr auf, weswegen ich zehn Minuten in der (noch angenehmen) Morgensonne zusammen mit einigen Indern warten durfte.
Nur ein Autofahrer hat es heute Morgen geschafft, schlechte Gedanken hervorzurufen, die ich aber gleich im Keim erstickt habe.
Ich werde jetzt versuc – meine Konzentrationsfähigkeit scheint bereits ein wenig zu leiden, denn soviele unzusammenhängende Gedankensprünge wie in den letzten Sekunden hatte ich lange nicht mehr – hen, ein bisschen zu Arbeiten. Vorher muss ich noch die Pflanzen gießen, die müssen sich ja meinen Verrücktheiten nicht unterwerfen.