Formel 1 in Abu Dhabi

Mittwoch 4. November 2009

Mittlerweile ist schon Dienstag und die Formel-1-Saison 2009 schon so gut wie vergessen. Das Abschlussrennen am vergangenen Sonntag in Abu Dhabi war eine Premiere für den Yas Marina Circuit, der so gerade eben rechtzeitig fertiggestellt wurde. Wir hatten uns schon im Sommer Karten gekauft, um uns das Spektakel einmal aus nächster Nähe anzuschauen. Schon clever, keine Tickets nur für den Renntag am Sonntag herauszugeben, sondern das Qualifiying am Samstag gleich zu inkludieren. So sorgt man für vollere Ränge und auch noch für die eine oder andere Hotelübernachtung in der Stadt, insbesondere den sechs Hotels, die ebenfalls kurz vor dem Rennen für fertig erklärt wurden und ihren Betrieb unter Volllast aufnehmen mussten.

Praktischerweise hatten Freunde noch zwei Karten für das Jamiroquai-Konzert am Freitagabend übrig, sodass wir uns schon früher als geplant auf den Weg machten.

Die Konzerte (bereits am Donnerstag war Beyoncé aufgetreten, für Samstag standen The Kings of Leon (die wohl seit zehn Jahren im Geschäft sind, mehrere Freunde ganz toll finden, mir aber vorher komplett unbekannt waren) und am Sonntag Aerosmith auf dem Programm) waren allesamt gratis (beziehungsweise im Kaufpreis inbegriffen) und fanden neben der Rennstrecke in der viertelfertigen Ferrari Theme World statt, einem Freizeitpark mit beeindruckend großem Bauwerk mit knallrotem Dach und gelben Logo. Das Ganze ist wie der Freizeitpark noch weit von fertig entfernt und sieht bei Tag so aus:

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Im Dunkeln hat das Gelände schon mehr Charme:

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Ich verstehe im Zeitalter von sehr leistungsstarken kompakten Digitalkameras nicht, warum alle Besitzer von Spiegelreflexkameras diese an einem völlig überfüllten Kabäuschen abgeben müssen. Nun, irgendwie habe ich es mit Hilfe zweier Damen  trotzdem geschafft, meine Kamera an der Security vorbeizubringen. Jamiroquai war in guter Stimmung, hat auf der Bühne herumgetobt und alle Lieder gespielt, die ich kenne. Selbstverständlich sind fast alle Aufnahmen mit dem Teleobjektiv verwackelt (Dunkelheit, Bierkonsum), aber einen Schnappschuss ohne Zoom will ich zumindest zeigen.

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Gegen Zehn war Schluss mit Konzert. Damit war der Abend aber erst zur Hälfte vorbei. Zunächst ließen wir uns von einer Reihe freundlicher Herren in Gelb den Weg zeigen, …

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… dann nahmen wir eines der zahlreichen wartenden Shuttlebusse, um uns zum Taxistand bringen  zu lassen.  Selbstverständlich gehörte vor und während des Konzerts mehrfacher Genuss von Bier zum Vergnügen, sodass bei Frau M. (nicht zu verwechseln mit der aus anderen Blogeinträgen bekannten Frau M.)  sich irgendwann die Blase bemerkbar machte. Selbstverständlich waren die Toiletten in der Nähe der Bushaltestelle und des Taxistands bereits geschlossen (22 Uhr!). Also musste sie ihre Konfirmatinnenblase bis zur Rückkehr in die Innenstadt anhalten – eine rund halbstündige Fahrt über eine neue Autobahn, weil der Yas Marina Circuit auf einer der Stadt vorgelagerten Insel (Yas Island) gebaut wurde. Ich weiß nicht mehr genau, wer wann damit anfing (habe aber einen Verdacht), die Fahrzeit etwas lustiger zu gestalten, indem er Frau M. die Geräusche von fließendem Wasser vormachte. Sehr schnell ging es weiter mit Liedtiteln wie „Smoke on the water“ und Shakespeare-Zitaten „To pee or not to pee“, die dann in Wortspielen wie „Let it Pee“, „Pee my little baby“, „I want to pee with somebody“, „Peeano Man“, „Do you like Peenacolada?“ endeten (Ähnlichkeiten mit einer Szene aus dem Spiel „Edna bricht aus“ sind rein zufällig). Lange nicht mehr so gelacht. This evening must be re-pee-ted.

Irgendwann gab Frau M. auf (ich auch) und wir baten den Taxifahrer, der bis dahin noch nicht einmal den Weg auf den Highway gefunden hatte, irgendwo rechts ranzufahren,  um einen Sandhaufen zu bewässern.

Damit war der Abend endlich vorbei? Weit gefehlt. Nur wenige Fahrminuten später stellte Frau M. fest, dass ihr Telefon  nicht mehr bei ihr war. Sie musste es irgendwo auf dem Konzertgelände verloren haben, als sie von einem kahlköpfigen Riesen aus Spaß ein bisschen herumgewirbelt wurde oder eben hinter dem Sandhaufen. Also musste der Taxifahrer wieder umkehren und zum Konzertgelände fahren, wo das Telefon leider nicht lag. Da er nicht fähig (oder willens) war, den besagten Sandhaufen wiederzufinden, gaben wir die Suche für den Abend auf und begaben uns nach einem Absacker (die Küche hatte schon zu) im Radisson Blu Yas Island endgültig auf den Heimweg. (Selbstverständlich fand Frau M. am nächsten Tag sofort den Sandhaufen und das darauf liegende Telefon).

Am nächsten Tag hatten Herr und Frau A. verständlicherweise genug vom Alkohol und wollten etwas Formel-1-Atmosphäre genießen. Deswegen werden sie jetzt nie erfahren, was die Leute in dieser Warteschlange in dem kleinen Häuschen denn alles zu trinken bekamen.

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Das ganze Event war straff durchorganisiert. Busse brachten die Besucher von den weit entfernten Parkplätzen in die Nähe der Tribünen. Dort konnten sie mit ihrer Plastikkarte entweder auf ihre vorbstimmten Sitzplätze gehen oder sich zwischen Ständen verlustieren, wo es Merchandising-Artikel und Fresskram zu happigen Preisen zu kaufen gab. Eigene Getränke oder Essen waren selbstverständlich nicht erlaubt und mussten am Eingang abgegeben werden. Jegliches Gepäck wurde durch einen Scanner geschickt, ich will aber vermuten, dass dort nach Bomben und nicht nach Butterbroten gesucht wurde.

Von der Rennstrecke kann ich so begeistert sein, wie jemand, der zum ersten Mal eine Rennstrecke sieht, aber gleich das Gefühl hat, die vor ihm sei besonders gut gelungen. Was an den guten Plätzen oben auf der Tribüne lag, von der wir einen netten Teil der Strecke und des Yachthafens einsehen konnten. Auch das Yas Hotel war ein ständiger Hingucker. Obwohl Architekten normalerweise eine Abneigung gegen organisch geformte Gebäude haben (bis auf die, die sowas entwerfen, natürlich) und diese abfällig „Blobs“ nennen, war selbst Frau A. von diesem Bau beeindruckt. Mir hat er auch gefallen, ich konnte aber sofort erkennen, dass sich der/die Architekt/in von einem Nassrasierer inspirieren ließ.

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Hier noch ein Foto von dem blobbigen Neubau des Yachtclubs.

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Ja, aber was war denn nun mit dem Rennen, den schnellen Autos, der Atmosphäre, dem Zirkus, den schönen Frauen und Kai Ebel?

Zunächst die Fahrer: Am besten konnte man sie kurz vor dem Rennen bei der Fahrer-Runde sehen, als sie auf einen Anhänger über die Strecke gezogen wurden. Ich dachte immer, RTL-Formel-1-Experte Kai Ebel (der mit den bunten Hemden) wäre ebenfalls dabei, aber da die Interview diesmal nur lange weiße Gewänder trugen, musste er wohl in der Mediengasse bleiben.

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Dann die Autos: Ich hatte zwei Tage Zeit für einen Versuch, so einen Formel-1-Boliden bei vollem Tempo (direkt vor unserem Sitzplatz befand sich ein langer gerader Streckenabschnitt ) zu fotografieren. Nach gefühlten hundert Versuchen hatte ich während des Qualifyings endlich einen Treffer:

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Während des Rennens gelangen dann sogar Aufnahmen mit mehr als einem Auto gleichzeitig.

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In diesen Momenten kam dann auch soetwas wie Rennfeeling bei mir auf, denn durch die absolut notwendigen Ohrstöpsel wird die Kommunikation mit den Sitznachbarn auf ein Minimum reduziert. Die Wagen rasen so schnell an einem vorbei, dass man Einzelheiten nicht wahrnimmt, ja eigentlich nicht einmal weiß, wer drinnen sitzt. Feinheiten wie gute/schlechte Rundenzeiten fliegen an einem vorbei, wer gerade das Feld anführt, wer dahinter ist oder an einem anderen Streckenabschnitt rausgeflogen, erfuhr man nur über den Großbildschirm, auf dem das Rennen live übertragen wurde. Um die Einblendungen zum Stand des Rennens lesen zu können, war aber das Teleobjektiv zwingend nötig. Sonst hätte ich vermutlich nie erfahren, dass Hamilton irgendwann ausgeschieden war und Vettel irgendwann führte. Gelegentlich hatte ich den Verdacht, dass es einen Stadionsprecher gab und dass seine Übertragung auch im Radio zu hören war. Jedenfalls hatten auffällig viele Menschen ein kleines Radio oder sogar einen Mini-Fernseher dabei.

Der eigentliche Hingucker war für mich mit Einbruch der Dunkelheit aber immer wieder das Yas Hotel, denn über Tausende von in der Fassade eingelassenen LEDs erzeugte jemand fantastische Effekte. Hier die Nationalflagge der VAE nach Rennende.

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Insgesamt eine schöne Veranstaltung. Aber wenn ich überlege, dass ich im Fernsehen mehr vom Rennen mitbekomme, besser informiert werde und das Essen nicht drei Stockwerke tiefer gekauft werden muss, dann glaube ich, dass ich nur noch auf Einladung zu einem weiteren Rennen gehen werde.

In einem beliebigen Fußballstadion, sagen wir dem Millerntor, bekomme ich wenigstens die gesamte Spielfläche zu sehen und das Geschehen auf dem Platz mit. Selbst wenn da nicht alles mit Wiederholungen und Zeitlupen (Tore, Fouls) zu sehen ist, kann ich wenigstens meinen Nachbarn fragen, weil der ja keine Ohrenstöpsel trägt.


Weg-Fahr-Sperre

Donnerstag 8. Oktober 2009

Sind wir mal optimistisch und gehen davon aus, dass die Gebäude-, Landschafts- und Straßenplaner in Dubai aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Vor einigen Jahren scheint kaum jemand geglaubt zu haben,  dass es in der Stadt außer dem Auto noch andere Fortbewegungsformen geben könnte, wie etwa Füße, Pfoten, Fahrräder, Kinderwagen oder Skateboards. Entsprechend wurden zwar Straßen gebaut, aber Fußwege (erst recht nicht in ausreichender Breite) , Radwege, abgesenkte Bordsteine oder Brücken über große Straßen fehlten häufig. Spaziergängern, Radfahrern, Eltern mit Babykarren, spielenden Kindern oder Joggern bliebt deswegen nicht viel anderes übrig als ins Auto zu steigen.

Bei neueren Stadtteilprojekten hat sich das wohl geändert. Wir waren in einem kürzlich fertig gestellten Abschnitt der Arabian Ranches, um Freunde zu besuchen, die dort gerade erst hingezogen waren. Als wir einen Spaziergang durch die Gegend machten, war ich überrascht von den Fußwegen entlang der (sogar verkehrsberuhigten) Straßen und den gepflasterten Pfaden, die sich durch die endlos langen Hausreihen schlängelten. Eigentlich alles gut gemacht. Nur dieser Kinderwagen-Stopper mitten im Weg kam uns doch etwas merkwürdig vor:

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Wer sich da wohl wieder verplant hat?


Unterwegs in der Dubai Metro

Donnerstag 1. Oktober 2009

Heute habe ich nachgeholt, was gestern nicht mehr geklappt hatte:  Eine Fahrt mit der Dubai Metro. Insgesamt bin ich positiv überrascht von der Qualität, die dort auf die Betonpfeiler gestellt wurde. Über Farbe und Form der Haltestellen kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Mich erinnern diese schwungvollen Linien und die seitlichen Spitzen an Schulterpanzer von Kriegerausrüstungen in Fantasy-Filmen, irgendwie wirkt diese Form aggressiv auf mich. Die meisten Haltestellen sind übrigens identisch gestaltet, lediglich einige unterirdische Stationen weichen deutlich von dem Schema ab. Mehr dazu ein anderes Mal.

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Dennoch haben sich die Planer viel Mühe gegeben, die Reise so komfortabel wie möglich zu machen. Die Verbindungsgänge zu den Stationen sind bisweilen recht lang , etwa weil sie über die zehnspurige Sheikh Zayed Road oder direkt in Gebäude führen. Zumindest bei der Station Mall of the Emirates  sind daher sogenannte „people mover“ installiert, wie man sie aus Flughafenterminals kennt, die den Fußweg kürzer und angenehmer machen – erst recht, wenn man die Shopping-Schnäppchen hinter sich herzieht. Ob dies der Fitness der ohnehin recht bewegungsfaulen Einheimischen zugute kommt, bezweifle ich allerdings.

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Die Stationen sind geräumig, vollständig klimatisiert und vermutlich (ich habe mir nur zwei Stationen angeschaut) alle mit Fahrstühlen, Rolltreppen und WC ausgestattet, was ich persönlich eine sehr gute Sache finde. Die Halle ist schön hell, der Fußboden aus weißem Marmor (oder Ähnlichem), die Wege leicht zu finden, da gibt es nichts zu meckern. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Markierungen für Sehbehinderte, die aufgrund ihrer Höhe zur Stolperfalle für Stöckelschuhträgerinnen werden könnten:

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Fahrscheine gibt es für drei Tarifzonen (entfernungsabhängig) und drei Klassen. Ein Einzelfahrschein für die mittlere Zone und Silber-Klasse ist mit 6,50 Dirham (rund 1,30 Euro) deutlich günstiger als eine U-Bahn-Fahrt in Hamburg. Es gibt noch weitere Karten für Vielnutzer, das würde hier aber zu weit führen. Das Papp-Ticket hält man vor das Lesegerät an der Schranke, die sich dann öffnet (wie man es aus Moskau, London oder New York kennt). Neben der normalen Silber-Klasse gibt es in jedem Zug noch ein Abteil für Frauen und Kinder sowie ein  Gold-Abteil. Ich werde mir demnächst eine Fahrt damit gönnen, um die Unterschiede kennenzulernen, heute war ich für die dazu nötigen 11,50 Dirham (2,30 Euro) leider zu geizig. (Das ist schon der Gegenwert einer viertel Tankfüllung).  Ein Blick durch die offene Tür zeigte aber größere Sitze mit Kopfstütze und Armlehnen. Nicht auf dem Bild, ist eine Art Stewardess, die im Abteil mitfährt.

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Wer sich über die Glaswand vor dem Zug wundert: Sie trennt den Bahnsteig von Gleisen und Zug, verhindert also, dass irgendjemand sich aus Dummheit oder mit Absicht vor die Metro werfen kann. Nur wenn der Zug hält, öffnen sich die Schiebetüren und man kann Ein- und Aussteigen. So bleibt auch die gekühlte Luft im Gebäude.

In die Wagons wurde nicht die größtmögliche Anzahl an Sitzen reingequetscht, sondern mehr Platz für das stehende Volk gelassen (das künftig immer häufiger mit Koffern anzutreffen sein dürfte, wenn nach dem Emirates-Terminal auch das Terminal 1 an das Streckennetz angeschlossen ist). Bildschirme zeigen die nächste Haltestelle an, die auch über Lautsprecher durchgesagt wird. Wer da noch falsch aussteigt, ist selber schuld.

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Die Dubai Metro ist als führerlose Bahn konzipiert, wird also vollautomatisch  gesteuert. Wie das bei Störfällen gutgehen soll, werden wir bestimmt bald sehen. Die eigenwillige Streckenführung über und unter Straßen hindurch spürt man schon während der Fahrt, aber nicht so deutlich wie man es von außen vermuten könnte. Der Zug fährt auch recht ruhig. Was man allerdings nicht immer genießen kann, denn auf der Rückfahrt dudelte die gesamte Zeit über eine Werbemelodie der RTA durch die Lautprecher und geht irgendwann stark auf die Nerven. Dafür entschädigt die gute Aussicht nach vorne und hinten.  Bei der Fahrt entlang der Sheikh Zayed Road so ganz ohne bekloppte Autofahrer vor, neben und hinter mir habe ich dann sogar ein paar Hochhäuser gesehen, die vielleicht nicht mehr ganz neu sind, mir aber noch nie aufgefallen waren. Und wenn hier zufällig ein Luftexperte mitliest, möge er mir doch bitte sagen, ob die bräunliche Verfärbung des Himmels über dem Horizont normal ist oder auf eine üble Verschmutzung hinweist.

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Zurück im normalen Wahnsinn

Mittwoch 30. September 2009

Noch keine 24 Stunden zurück und der alltägliche Dubai-Wahnsinn hat mich schon wieder bis knapp vor den Punkt gebracht, wo man am liebsten eine riesige Bissspur in seinem Lenkrad hinterlassen möchte. Da der Wagen aber nur gemietet ist, wird mir das auf Dauer zu teuer.

Vermutlich bedingt durch die Wirtschaftskrise, in der ja auch vielen hiesigen Bauherren das Geld ausgegangen ist, hat sich in den zwei Monaten meiner Abwesenheit nicht sehr viel verändert (Ok, ich hatte den Garten etwas grüner in Erinnerung, aber das liegt sicherlich an der üblen Hitze im September). Vor zwei Jahren stellte man noch mit Erstaunen fest, dass plötzlich ein Hochhaus dort seinen Schatten warf, wo wenige Tage zuvor noch ein staubiger Parkplatz stand.  Wo morgens eine Kreuzung den Autofluss behinderte, stand mittags ein Kreisverkehr und abends ein Autobahnauffahrt. So war das damals, vor der Krise.

Als ich heute quer durch die Stadt fuhr, fiel mir kein einziges Gebäude auf, das ich noch nicht kannte, alle Straßenbaustellen waren noch dort, wo ich sie im August verlassen hatte, wenige neue sind hinzugekommen. Verschoben haben sich lediglich die Stellen des im-Stau-Stehens, was ich aber nicht als positive Veränderung in Erinnerung behalten werde.

Da ja während meiner Abwesenheit die erste Linie Dubai Metro  offiziell eröffnet wurde, wollte ich heute einen Termin mit dem blau-grauen Zug erledigen. Über Fahrpläne konnte ich mich zunächst nicht informieren, weil der Router  sofort nach meiner Ankunft beschloss, mich erst einmal nicht an der digitalen Welt teilhaben zu lassen.

Macht nichts, die nächste Station ist ja nur rund einen Kilometer entfernt (also für Dubai-Verhältnise zu weit zum Laufen). Ich steig also in den Wagen, wartete eine Weile in einem mir bis dahin gänzlich unbekannten Stau, und fuhr dann zur Haltestelle „First Gulf Bank Station“, die vermutlich deswegen so  merkwürdig heißt, weil die Verkehrsbehörde RTA einige Haltestellen-Namen versteigert hat.  Ich bin mir nicht sicher, ob dort tatsächlich eine Bank gleichen Namens zu finden ist, jedenfalls war diese Station noch in der Bauphase. Ich musste also meinen Zeitplan ändern (Mittagessen, Internet reparieren, bloggen).  Nicht im geringsten überrascht war ich, als ich auf der offiziellen Seite  (www.rta.ae) nicht die geringste Information zu bereits eröffneten Stationen finden konnte, weswegen für mich die Abkürzung RTA  nur noch für Relaxing Till Afternoon (Ausruhen bis zum Nachmittag) steht. Fündig wurde ich stattdessen www.dubaimetro.eu, die bestimmt von russischen Ganoven mit maliziöser Phishing-Software verwanzt wurde – aber mich  zumindest darüber informiert, dass bislang erst zehn von 29 Haltestellen fertig sind (eigentlich ein überraschend guter Schnitt für diese Gegend, wenn ich es mir so überlege). Vielleicht gibt es dann demnächst einen Fahrbericht auf dieser Seite.

Ein Mitarbeiter eines Callcenters hat sich heute noch auf den letzten Drücker für den Preis „Dümmste Antwort des Monats“ qualifiziert. Ich wollte von ihm wissen, wo denn die Tickets abgeblieben seien für das Formel-1-Rennen am 1. November in Abu Dhabi. Wir hatten sie irgendwann im Juni gekauft, bezahlt und gesagt bekommen, sie würden im Laufe des Septembers per Kurier an uns ausgeliefert werden. Da wir keinen Anruf oder eine e-Mail erhalten hatten, lag es nahe, einmal rechtzeitig nachzufragen. Die Antwort lautete natürlich nicht:

„Oh, Entschuldigung. Wir tragen zum ersten Mal so ein großes Event aus und sind noch etwas unorganisiert. Deswegen hat die Herstellung der Tickets etwas länger gedauert und werden später verschickt. Niemand aus dem Management hielt es für nötig, die Kunden darüber zu informieren. Entschuldigung vielmals.“

Sondern gesagt wurde mir stattdessen:

„Das machen wir so, weil viele Ticktet-Inhaber die Karten in der langen Zeit bis zum Rennen sonst verlegen, verlieren oder vergessen. Das wollen wir nicht, denn die erneute Austellung kostet Gebühren. Deswegen verschicken wir sie bis zum 15.  Oktober an unsere Kunden.“

Dem gibt es erstmal nicht hinzuzufügen. Weil das Mittagessen fertig ist.


Jenny und das eckige Schwarze (Zensur II)

Sonntag 12. April 2009

Ich hatte schon davon gehört, dass die Bild-Zeitung seit einigen Wochen oder Monaten auch in Dubai erhältlich sei. Da ich aber nicht viel von diesem Presseerzeugnis halte, (weil ich es nur knapp oberhalb der Kategorie „bedrucktes Klopapier“ ansiedeln würde) habe ich mich nicht darum gekümmert, ob das Zeug tatsächlich irgendwo im Kiosk ausliegt. Letzte Woche ging ich beim Einkauf im Supermarkt unseres Vertrauens ausnahmsweise an der langen Regalwand mit buntem Firlefanz entlang und sah dort tatsächlich eine Ausgabe der Bild herumliegen, achtlos mit britischen Boulevardzeitungen in ein Fach gestopft.

Nun gut, dachte ich mir. Schau wenigstens mal, wie alt das Blatt denn schon ist. Zu meinem Erstaunen lag das Erscheinungsdataum nur einen Tag hinter dem aktuellen Datum. Nicht der einzige Hinweis darauf, dass diese Deutschland-Ausgabe der Bild irgendwo in der Region gedruckt wird, statt sie per Luftpost einzufliegen. Denn die Dubai-Ausgabe sieht an bestimmten Stellen irgendwie ungewohnt aus:

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So unscharf habe ich das Mädel von Seite 1 noch nie gesehen (und selten  einen so uninspirierten Text dazu gelesen, „ungewöhnliche Krabbelei“, hm?) . Auch die letzte Seite mit zwei Aufnahmen von Tennis-Profi Serena Williams wirkt nach der Bearbeitung durch den (Bild-eigenen?) Zensor eher unfreiwillig lustig.

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Tja, so ist das nun mal in einem Land, in dem die Darstellung von Brüsten und Popos (nur den weiblichen, natürlich) nicht gerne gesehen ist – von den staatlichen Stellen. Da müssen dann halt schwarze Rechtecke her, beziehungsweise schwarze Filzstifte, wenn es um importierte Druckerzeugnisse geht. In diesem Land ist aber auch der Austausch von Zärtlichkeiten auf offener Straße eigentlich Tabu, auch wenn mir in letzter Zeit immer mehr arabische Pärchen auffallen, die händchenhaltend durch die Mall schlendern oder im Restaurant turteln. Deswegen habe ich mich auch fast nicht mehr gewundert, dass die anderen Fotos auf der letzten Seite  so überhaupt nicht unkenntlich gemacht wurden. Ich finde, diese riesige Schleckerzunge hätte der Bild-Mann auch wegmachen können. Genauso wie Bonos Kuss auf eine Schulter, mit der er nicht verheiratet ist. Das ist ja schon fast wieder richtig unzüchtig (nach hiesigen Maßstäben).

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Benimm für Dubaianer

Montag 16. März 2009

Vor wenigen Tagen hat der Executive Coucil der Regierung von Dubai einen so genannten „Code of Conduct“ verabschiedet, in dem Standards festgelegt werden, wie sich Besucher und Bewohner dieser Stadt zu verhalten haben.

Neben vielen richtigen (und eigentlich selbstverständlichen) Dingen, wie Du sollst nicht rasen, dich nicht in Warteschlangen vordrängeln und auch die Umwelt nicht versauen, gibt es ein paar Aspekte, die für nicht-arabische/nicht-islamische Leser/Besucher ungewohnt streng sind:

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und auch:

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Den gesamten Katalog gibt es hier
Vielleicht ist es Zufall, dass dieser Verhaltenskodex gerade jetzt veröffentlicht wird, vielleicht liegt es aber auch daran, dass etwas mehr Dezenz eine Voraussetzung war, dass Abu Dhabi dem finanziell notleidenden Bruder hilft?

Das Nachbaremirat Sharjah war vor einigen Jahrzehnten einmal das touristische Zentrum der VAE. Doch dann fehlte das Geld und man musste sich aus Saudi-Arabien welches beosrgen. Im Gegenzug gab es keinen Alkohol mehr und nur noch zünftige Kleidung, was auch heute noch eingehalten wird.


The rain procedure as everey year

Freitag 16. Januar 2009

Vorgestern kam mal wieder eine für dubaianische Verhältnisse nicht unbeträchtliche  Menge Wasser vom Himmel. Es donnerte, der Himmel leuchtete auf wie die Blitzgeräte der Speed Cameras und der Burj Dubai erwies sich als der welthöchste Blitzableiter.

Am nächsten Morgen das unvermeidliche Bild. Es ist etwas unfair, diese Fotos zu zeigen, denn 99 Prozent der Straßen von Dubai waren schon wieder trocken (das dürfte nicht für Sharjah gelten). Aber so bringt es mehr einfach Spaß.

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Grmph zum Jahresende

Mittwoch 31. Dezember 2008

Seit Jahren bekomme ich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen – vollkommen berechtigt – freundliche Ermahnungen, dass ich doch mal die Taschen leeren solle, bevor ich meine Hosen in den dreckige-Wäsche-Sack schmeiße. Gestern war ich dran, die saubere Wäsche von der Leine abzuhängen, als plötzlich ein 1-Dirham-Stück auf den Boden kullerte. Und die einzige Hose weit und breit gehörte nicht mir. Was für eine Freude. ;-)

Dieses Hochgefühl hielt allerdings nur bis heute morgen an, denn nach einem Anruf und einem schnellen Check im Internet war klar, dass die geplante große  Silvester-Party in der Wüste wohl nicht stattfindet. Unser Sheikh Mo hat aus Respekt vor den Opfern im Gaza-Streifen alle Neujahr-Festlichkeiten  in Dubai abgesagt und die Behörden angewiesen sicherzustellen, das auch sicherzustellen.

Ich erspare mir jetzt mal eine Aussage darüber, ob ich diese Entscheidung gut, angemessen oder berechtigt finde. Ob die vielen Leute hier, die für viel Geld eine Party oder ein Dinner in den Hotels und Clubs gebucht haben – womöglich extra aus Sonstwoheristan eingeflogen sind -, ob die wirklich alle ihre Solidarität mit den Palästinensern zeigen wollen. Freiwillig kann jeder machen, was er will. Erzwungen ist so eine Sache. Zumal die anderen Emirate nicht mitziehen und Shakira wohl heute abend in Abu Dhabi auftreten wird.

Grmph!


Gesetzgebung á la Emirates

Montag 1. Dezember 2008

Falls ich mal die Chance bekommen sollte, Drehbücher für eine Politsatire zu schreiben – ich werde mich von der Gesetzgebung a la Dubai inspirieren lassen.

Es werden Gesetze beschlossen, keiner bekommt es mit, plötzlich sind sie in Kraft, dann stellt sich heraus, dass sie nicht so gut funktionieren, also werden sie schnell wieder abgeschafft oder zumindest abgeändert. Manchmal werden die Gesetze vom obersten Chef hier sogar gestoppt, noch bevor sie wirksam werden. So sollten eigentlich ab 1. Dezember die Zulassung für alle Autos, die älter als 20 Jahre alt sind, nicht mehr verlängert werden und der Weiterverkauf von zehn Jahre alten Autos ebenfalls verboten sein.

Damit wollte man versuchen, den täglich schlimmer werdenden Autoverkehr zumindest etwas in den Griff zu bekommen. Gestern aber hat dann der Präsident der VAE die Regelung für die 20-Jährigen wieder kassiert. Begründung: den Leuten mit niedrigen Einkommen soll mehr Zeit gegeben werden, sich um einen neueren Wagen zu kümmern. Na sowas, jetzt bemerkt man erst, dass solche Entscheidungen Konsequenzen haben für große Bevölkerungsschichten? Und dann auch noch die ärmeren, die mit ihren niedrigen Löhnen die Maschinerie Dubais am Laufen halten und jetzt schon finanzielle Probleme durch steigende Mieten und Lebenshaltungskosten haben? Tsss.

Aber es kommt noch besser, im Kampf gegen Verkehrschaos und Luftverschmutzung. Die Einführung der Straßenmaut (Salik) hat ja nur teilweise eine Verbesserung gebracht, da der Verkehr dadurch ja nicht verschwindet, sonden nun auf die Nebenstraßen ausweicht. Eine Metro wird ja frühestens im Herbst 2009 fertig. Gestern stand in der Zeitung, dass im Emirat Sharjah per sofort fast 100 Berufsgruppen (u.a. Bauarbeiter, Servicekräfte, Köche, Wachleute) keinen Führerschein mehr machen dürfen. Ihre Bewerbungen werden nicht angenommen, ein Auto rückt damit in weite Ferne. Ja, wie sollen die diese armen Jungs und Mädels denn sonst von A nach B kommen? Gerade in Sharjah, wo eine Metro nicht mal in Planung ist, und der Fußweg nach Dubai doch recht weit. Warum so plötzlich? Ach nee, ist ja nicht plötzlich. Das Gesetz gab es schon immer, es wurde nur in den vergangenen Jahren etwas gelockert – und nun wird es wieder etwas strenger gehandhabt,  wird ein Beamter in den Gulfnews zitiert. Das ist eine Aussage, die häufig 1:1 übernommen werden könnte, so oft werden hier Gesetzte für eine Weile „vergessen“. Gilt übrigens auch für Einkommenssteuer, die bestimmt auch bald wieder entdeckt wird.

War sonst noch was? Ach ja: die letzten Wochen haben die großen Immobilienfirmen immer wieder gesagt, wie wenig betroffen Dubai von der internationalen Krise sei und hier alles glattlaufe, während Gerüchte über Entlassungen und Baustopps längst die Runde machten. Nun ist es endlich offiziell, dass beispielsweise Nakheel 500 Leute entlässt und auf den Palmen Jumeira und Deira, an der Waterfront und The Universe die Arbeit zumindest langsamer laufen wird.

Unnötig zu erwähnen, dass das soziale Netz für diese Leute ungefähr so dicht geknüpft ist wie ein Stahlseil. Das Gesetz sagt, dass jemand ohne Arbeit 30 Tage Zeit hat, sich einen neuen Job zu suchen, damach wird sein Visum gecancelt und er muss das Land verlassen. Als nach der Pleite der Lehman Brothers die ersten Banker plötzlich arbeitslos waren, haben Regierung und die Freihandelszone DIFC noch Verlängerungen der Frist und finanzielle Hilfen für Härtefälle  versprochen. Mal sehen, ob nun schnell das Gesetz geändert wird, damit alle Expats hier in der Krise ihre Existenz sichern können.


Schietwetter!

Donnerstag 27. November 2008

Es ist schon gemein. Da freut man sich im Rahmen des Deutsch-Arabischen Literaturforums am Ende eines langen touristischen Programms auf eine Theatervorführung und anschließendem Dinner unter freiem  Himmel – und dann regnet es.
In Dubai.
Nicht nur ein paar Tropfen.
Das Stück wurde unterbrochen, das Essen fiel völlig aus. 
Ich musste hungrig ins Bett.

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