Auszeit

Sonntag 26. Juli 2009

Zwei Wochen lang haben wir die Hitze und den Staub von Dubai verlassen, um bei traumhaften Wetter (viel Sonne, manchmal Wind, etwas Wolken und echten Regen) ein bisschen Urlaub im hohen Norden zu machen. Hüttenurlaub in Finnland. Zuletzt waren wir 2004 dort, viel zu lange her.

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Die Sommerhütte. Seit Jahrzehnten von der Familie zum Urlauben genutzt und ist noch immer ohne Stromanschluss. Frau A. hat sich deswegen gleich unserer Hauptbeschäftigung gewidmet.

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Frühstück.

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Ein sonniger Tag am See. Das Wasser ist bis in 1,50 Meter Tiefe klar und so sauber, dass wir uns damit problemlos die Zähne putzen konnten.

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Sonnenuntergang.

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Der abendliche Blick aus dem Fenster, wenn wieder mal ein Kapitel fertig gelesen war oder …

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… das Dinner wartete. In diesem Fall Pfifferlinge mit Bratkartoffeln und Rotwein.

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Die Sauna.

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Selbst Regen ist hier kein Grund, gefrustet in der Hütte zu bleiben. Aus Dubai sind wir diese kühle und erfrischende Gefühl auf der Haut nicht mehr gewohnt.

Irgendwie haben wir Dubai nicht vermisst.


Schlaflos in München

Dienstag 16. Juni 2009

Ich liebe den leicht wirren Zustand der Jetlägerigkeit: In welcher Zeitzone bin ich gerade, wie heißt die Stadt da draußen am Fenster und warum bin ich wach, obwohl es noch zappenduster ist?

Gestern abend mit deutlicher Verspätung aus Kabul in Frankfurt gelandet, aber den letzten Zug nach München doch noch erwischt.

Um Mitternacht  hatte das Hotelrestaurant schon zu und alle umliegenden Lokale auch, deswegen gab es gegen Hunger nur noch den wohl weltschlechtesten Döner (Bayerstraße, gegenüber dem Südausgang vom Hauptbahnhof). Liegt mir immer noch schwer im Magen. Halleluja.

Auch ärgerlich: Ich hatte wohl vergessen was Regen ist, sonst hätte ich noch irgendwie einen Mantel ins Gepäck gequetscht.


Ein Nachmittag in Kabul

Sonntag 14. Juni 2009

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Das ist der Blick aus dem Fenster des Hotels, in dem ich diese Nacht verbringen werde. Um rauszuschauen, muss ich mich auf das Bett stellen und strecken, denn vermutlich aus Sicherheitsgründen ist das Fenster recht klein und hoch, sodass niemand kann sehen, was der Zimmerbewohner so macht. Wie genau die Straße dort unten heißt, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass ich gerade in Kabul bin.

Ich habe lange überlegt, ob ich der Einladung folgen soll, die mich für einen halben Tag und eine Nacht mitten in ein Krisengebiet führt (wenn man westlichen Medien glaubt), aber nach einiger Recherche und Gesprächen, schien mir die afghanische Hauptstadt auch nicht wesentlich gefährlicher zu sein, als der Feierabendverkehr von Dubai. Schon im Flugzeug beruhigende Normalität: geschätzte 95 Prozent der Passagiere sind westlicher oder asiatischer Herkunft (junge Männer und alternde Männer, denen man trotz Bauchansatz einen militärischen Werdegang ansieht sind deutlich in der Überzahl, aber auch vereinzelte blonde, alleinreisende Frauen). Der Flug führt über gelb-beige-graue Gerölllandschaften, die manchmal aussehen, wie Farbkleckse auf nasser Seide, dann wie ein dichtes Geäst, dann wie zerrissenes Papier, ein Schwamm oder völlig undefinierbar. Erst kurz vor Kabul mischt sich auch etwas Grün in die Szenerie.kabul_02

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Aber ein wenig Nervös macht es schon, wenn man am gut bewachten Flughafen in den Transferbus einsteigt und noch ein Mann mit schusssicherer Weste auf dem Beifahrersitz Platz nimmt. Soll man sich nun sicher fühlen oder genau das Gegenteil davon.

Die Fahrt ins Hotel dauerte nur rund 20 Minuten und viel Gelegenheit zum Fotografieren war nicht. Aber auf mich wirkten die Bewohner Kabuls weder besonders nervös oder feindselig, sondern entspannt und lachend. Das Straßenleben ähnelt dem, das ich auch schon in Pakistan oder Nepal gesehen habe, aber auch aus den ländlichen Teilen der Vereinigten Arabischen Emirate kenne: viele schrullige kleine Läden, bei denen vermutlich selbst der Besitzer nicht so genau weiß, was er eigentlich verkauft: Lammhälften, Autoreifen, Töpfe oder Teppiche.

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Der Eingang zum Hotel ist mit Metalldetektoren ausgerüstet. Wer eine Waffe bei sich trägt, wird aufgefordert, diese am Eingang abzugeben. Im Erdgeschoss ist eine Mall mit Café, junge Afghanen sitzen hier, trinken Kaffee, surfen im Internet -  so wie wohl in jeder Großstadt auch.

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Das Landmark-Hotel ist neu und sauber, die Crews aller afghanischen Fluggesellschaften steigen hier ab, ebenso Diplomaten und Geschäftsleute. Mein Zimmer ist klein, man hört den Lärm der Mall sechs Etagen unter mir und Geräusche aus der Küche. Es gibt ein Restaurant, dessen Buffetangebot nur einen Hauch abwechslungsreicher ist als das einer gemischten libanesischen Fleischplatte, dafür aber gut gewürzt ist und auch ganz ordentlich schmeckt. Umwerfend lecker ist ein Dessert namens Firni, der irgendwie auf Milchbasis zu sein scheint.

Mittlerweile ist es 22 Uhr Ortszeit, im Hotel ist nichts mehr los, die Mall ist zu und ich werde den Ratschlägen folgen, nicht in der Dunkelheit nach draußen zu gehen. Da das Hotel „trocken“ ist, bleiben mir nur amerikanische Spielfilme im Fernsehen, weil ich den Gejaul-Singsang, der in den einheimischen TV-Sendern geboten wird, weder hören mag noch verstehe.

Morgen früh geht es weiter nach good ol’ Europe.


Bericht aus einer anderen Welt

Freitag 12. Dezember 2008

Während der Fahrt zum Hotel traf zuerst meine Nase eine Entscheidung. „Kathmandu stinkt!“, teilte sie mir unmissverständlich mit und untermauerte diese Erkenntnis mit detaillierten Infos über Abgase, fauligen Dreck, Urin. „Kathmandu ist laut“, maulten die Ohren über das pausenlose Gehupe der Autos, Motorräder, Tuk Tuks und Fahrradrikschas. Und, obwohl noch etwas müde vom frühen Aufstehen samt vierstündigen Flug, schließlich meldeten auch die Augen, dass Nepals Hauptstadt dreckig sei. Staubige Straßen, Abfall in den Rinnwegen, Hundekot, schmutzig-rissige Fassaden einstmals hübscher Häuser, armseelig gekleidete Bewohner. „Hässlich, aber lebendig“, formte mein Verstand aus diesen Eindrücken. Genauso hatte ich Mitte der 90er Jahre gedacht, als ich an einem Wintermorgen erstmals durch Ost-Berlin fuhr, wo ich einige Monate arbeiten sollte.

Als das Taxi dann von einer engen Gasse in einen vermüllten Trampelpfad abbog, fürchtete ich eine Sekunde, gleich würden auch noch Straßenräuber aus den Büschen springen und unsere Sachen mitnehmen. Aber nach einigen Metern stoppte der Wagen am Hotel und entließ uns in einen gepflegten Garten mit Sitzbänken, Tischen, gemähtem Rasen, Wasserspiel und einem roten Backsteingebäude mit geschnitzten Fensterrahmen im nepalesischen Stil. Schön.

„Warm welcome“ trifft die Begrüßung durch den Front Desk Manager des Kanthipur Temple House wohl am Besten. Wie die Reise war, wo wir herkämen, wollte er zunächst wissen, um uns dann das Hotel zu zeigen. Das Restaurant, dessen Fenster von schweren Vorhängen verdunkelt waren, eine kleine Bar, der Garten. Dann er Weg hinauf in den vierten Stock. „Einen Fahrstuhl gibt es hier nicht, das ist Teil unseres Öko-Konzepts“, sagte er und lachte dabei eine Spur zu laut. Auch Tüten oder Flaschen aus Plastik seien in diesem Haus verpönt, fuhr er fort, die Gäste könnten stattdessen Beutel fürs Shopping bekommen und Trinkflaschen aus Metall mitnehmen. Trinkwasser gibt es im Hotel gratis. Der nach vielem Suchen in Dubai gefundene Reiseführer hatte bereits eindringlich davor gewarnt, Leitungswasser in den Mund zu nehmen. Auch das Treppenhaus und die Gänge waren dunkel, alle paar Meter lediglich von ein paar Einergiesparlampen erhellt. „Kathmandu hat ein Problem mit der Energieversorgung“, sagte Saihm (ausgesprochen „Sam“). Deswegen versuche man, sparsam mit Strom umzugehen. Erzählte etwas von Solarenenergie auf dem Dach und Stunden, in denen in der gesamten Stadt der Strom abgestellt würde, und man auf Kerzen umsteigen müsse, auch in diesem Hotel. „Der Zeitplan dafür hängt an der Rezeption“, sagte er. Ohne zu lachen. Dann entließ er uns in ein niedlich eingerichtetes lichtes Zimmer („Wir haben Sie upgegradet von Standardzimmer zum Deluxe Room. Sie zahlen aber nicht mehr“), drückte uns ein Vorhängeschloss in die Hand und ließ uns allein.

Beim Rundgang durch die Innenstadt muss man aufpassen, in den engen Gassen nicht von den Motorrädern und Autos überfahren zu werden, die kurz hupen, ansonsten aber einfach weiterfahren. Auf kleinen Marktplätzen bieten die Händler Gemüse, Schuhe, Kunsthandwerk, aber auch mal Geflügel oder ein halbes Schwein an, an dem sich die Fliegen unter der prallen Sonne zu schaffen machen.

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Kathmandu liegt auf 1400 Metern Höhe in einem Tal, auch im Dezember können die Tagestemperaturen über 20 Grad steigen. Das Tal verhindert den Luftaustausch, entsprechend liegen die Abgase wie ein dicker Schleier über den Straßen. Atemmasken sind ein ziemlich normaler Anblick.

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Ein Stadtbummel ist wie eine kulturelle Zeitreise ins Mittelalter, denn die meisten Häuser sehen so aus, als wären sie seitdem nicht mehr gepflegt worden. Von den Gassen gelangt man durch niedrige Gänge in ruhige Innenhöfe, in denen sich gelegentlich komplette Tempelanlagen befinden.

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Die größeren Exemplare finden sich am Durbar Platz und vor allem aber in Bodnath, einem von Tibetern bewohnten Viertel. Man könnte die um einen Platz angeordneten bunten Häuschen auch in einer italienischen Kleinstadt vermuten, stünde da nicht die riesige Stupa in der Mitte. Dieses buddhistische Bauwerk ragt 36 Meter in den Himmel und gehört zu den größten seiner Art.

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Zwar ist der derzeitige Zustand der Stadt eher nicht so schön, aber sie hat Charakter und ist authentisch, also nicht so ein künstliches Durcheinander wie Dubai. Auch wenn die meisten Bewohner als arm gelten, hatte ich auch abends im Dunkeln, während der Strompause nie Angst, jemand würde mich in eine Ecke ziehen. Eher schon vor den fast unsichtbaren Hundehaufen.

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Ebenso beeindruckend sind die Städte Patan und Bhaktapur mit dem 30 Meter hohen Nyatapola-Tempel, dem größten im gesamten Kathmandu-Tal (hier erst einmal ohne Foto).

Wenn man genau hinschaut, entdeckt man an vielen der Bauwerke Holzschnitzereien, die Männlein und Weiblein bei ziemlich eindeutigen Aktivitäten zeigen. Es ist nicht so, dass hier nepalesische Pornografie gezeigt würde, die Schnitzereien dienen als Blitzableiter. So ganz habe ich die Auführungen unseres Guides nicht mehr im Kopf, aber eine der Erklärungen besagte in etwa, dass der böse Blitz durch so etwas schönes abgelenkt würde (also vielleicht einen roten Kopf bekäme) un deshalb sein Ziel verfehlt. Eigentlich ein schönerer Schutz gegen Unwetter als diese schnöden Metallstäbe im Rest der Welt.

Überhaupt ist das Leben in Nepal prall gefüllt mit Mythen, Göttern und Geschichten, die ich beim besten Willen nicht schnell zusammenfassen kann. Allerdings habe ich viele Erklärungen aufgenommen und mache vielleicht mal eine Slideshow, um eine Stupa zu erklären oder das Wesen der Götter Shiva (das ist dieses Wesen mit den vielen Armen und dem elefantenförmigen Sohn Ganesha) und Vishnu (blau und vielarmig). Wesentlich weltlicher sind dagegen die Bestattungsrituale: die Totoen werden in Nepal verbrannt (was ein weiterer Grund für die geringer werdenden Waldbestände ud die rauchige Luft ist). Das Ritual findet am Flussufer statt und ist praktisch öffentlich. Die Asche wird ins Wasser gestreut, was unser Guide grinsend mit „alle unsere Flüsse fließen nach Indien“ kommentiert. Der große Nachbar ist in Nepal recht unbeliebt.

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Höhepunkt der Reise, war jedoch im wahrsten Sinne des Wortes ein Rundflug entlang des Himalaya-Gebirges. Natürlich gab es dabei auch den Mount Everest zu sehen. Sehr beeindruckend.

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Dafür liege ich aber nun mit Erkältung im Bett.


Island, Island

Mittwoch 22. Oktober 2008

Weil Island um Zuge der Kreditkrise ja in die Staatspleite gerutscht ist und die Währung um rund 70 Prozent an Wert verloren hat, ist die niedliche Insel derzeit ein günstiges Urlaubsziel. Die Buchungszahlen für das Land sind im Vergleich zu 2007 um 90 Prozent gestiegen. Falls sich ein Leser fragt, was er mit einigen Urlaubstagen anfangen soll, die er vor Jahresende noch abbummeln muss, kann ich nur sagen: Reykjavik!

Ich war Ende November 2005  für einen 4-tägigen Kurzurlaub dort, damals war es noch sauteuer und schweinekalt (jedenfalls wenn man aufs Land fährt, in der Hauptstadt herrscht wegen des Golfstroms vergleichsweise mildes Klima), aber einer der schönsten, witzigsten und landschaftlich abwechslungsreichsten Ausflüge meines Lebens.

Hier, völlig ungeordnet und unkommentiert, einige Bilder. Hach… Und nun zurück zur Arbeit.


Bayern-Tournee, Tage 4,5 und 6 (schluss)

Mittwoch 4. Juni 2008

München.

Irgendwie mag ich die Stadt. Vor fast genau zwei Jahren zum WM-Eröffnungsspiel war ich zum ersten Mal hier, wobei ich außer des Stadions sowie diversen Biergärten und Kneipen nicht viel gesehen mehr viel in Erinnerung habe.

Diesmal war es etwas anders, denn nach Abgabe des Mietwagens und S-Bahn-Fahrt in die City hieß es: laufen.

Innerhalb von zwei Tagen musste ich etwas Papierkram erledigen, der mich zunächst zum emiratischen Konsulat, zum Landgericht und zurück zum Konsulat führte. Und das alles innerhalb von drei Stunden. Und immer kurz vor Büroschluss. Das Problem: die eingereichten Dokumente mit ihren bisherigen Stempeln waren, hm, sagen wir, auslegungsfähig. Man konnte die Stempel auf den eingereichten Papieren anerkennen, konnte aber auch sagen, dass diese nicht von den richtigen Stellen raufgepappt wären und außerdem viel zu alt. Ein Konsulatsmitarbeiter: „Da müssen wir genau sein. Die Bürokratie haben wir von Euch gelernt.“

Nun, zum Glück gibt es Ermessensspielräume und Emiratis sind hilfreiche Menschen.

Es blieb noch genug Zeit für einige Bekannte, die Pinakothek und einen langen Stadtbummel.

(wird hoffentlich noch weiter geschrieben. Muss jetzt zum Flughafen. )


Bayern-Tournee, Tag 3

Dienstag 3. Juni 2008

Alle hatten mich gewarnt. „Was willst Du denn dort?“ war die häufigste Reaktion während der Hochzeitsparty am Vorabend. „Keine Ahnung. Ich war noch nie dort und will es einfach gesehen haben“, war dann meine Antwort.

Doch der Reihe nach: Zunächst war da am Samstag die Trauung und ab dem späten Nachmittag die Feier im Rosarium. Bei der Vorstellung der Anwesenden habe ich das nette Pärchen aus Heide an der Nordsee um den Titel als von am weitesten angereister Gast gebracht, was mir noch immer ein wenig leid tut.

Bilder von der Feier habe ich keine, denn entweder war ich nicht in der Lage, die Kamera korrekt zu bedienen oder die Gäste waren zu schnell für die Belichtungszeit. Neben dem Fazit, dass ein letztes Bier auf so viel Rotwein nicht gut ist für den Wasserhaushalt, muss ich auch noch feststellen, dass Psychologen eigentlich ganz nette Menschen sind. Aber mit Tierärztinnen kommt das Gespräch irgendwie besser in Fahrt.

Aber egal. Jedenfalls habe ich mehrmals zu hören bekommen, warum ich ausgerechnet nach Cham fahren wolle. Cham, für die nicht-Bayern, ist eine Kreisstadt kurz vor der Grenze zur Tschechei.

Ehrlich gesagt habe ich bis heute überhaupt keine Ahnung, warum ich dort hinfahren wollte, statt so schöne Stätde wie Straubing, Altöttig, Passau, Augsburg oder den Chiemsee anzusteuern, die alle in Reichweite einer Tagesreise mit dem Mietwagen gelegen hätten. Über Cham hatten die angesprochenen Gäste nur zu erzählen, dass es dort weder schön noch interessant sei. Damit tut man der Stadt aber unrecht. Denn ohne Cham würden die Franzosen heute nicht zu allen möglichen Anlässen die „Marseillaise“ anstimmen, sondern müssten sich vermutlich mit „Sur le Pont“ begnügen. Denn die französiche Nationalhymne wurde einst dem Grafen Nikolaus von Luckner gewidmet, der unter König Ludwig XVI. einiges geleistet haben muss. Und Luckner wurde, jetzt wenig überraschend, in Cham geboren. Außerdem war Cham 1959 Jahre der Drehort für den Antikriegsfilm „Die Brücke“. Gut, mittlerweile wurde das Bauwerk durch eine modernere Brücke erstetzt, aber geschichtsträchtig ist die Sache irgendwie trotzdem.

Warum also Cham? Ich weiß es nicht. Vermutlich ist es einfach nur so, dass ich mich der Faszination nicht entziehen kann, wenn nicht einmal restlos geklärt ist, wie die Stadt ausgesprochen wird. Also mit „ch“ wie in Kirche oder mehr wie „kam“ , nur mit längerem a-Laut. Es soll sogar Norddeutsche geben, die nach dem Weg nach „Chamidopf“ fragen, weil sie noch nie davon gehört haben, dass „i.d.Opf.“ für „in der Oberpfalz“ steht.
(Was mich daran erinnert, dass mir ein Reisebüro-Mitarbeiter mal von einem Kunden erzählte, der unbedingt mit „Eier Franze“ nach Paris fliegen wollte.)

Kurz: Natürlich habe ich Straubing, Passau und Augsburg links liegen lassen und bin nach Cham gefahren. Und auf den ersten Blick konnte ich die geringschätzenden Urteile auch verstehen. Denn selbst für einen sonnigen Sonntagmittag wirkte die Innenstadt irgendwie leer. Als hätte die chinesische Regierung auch hier sicherheitshalber mal evakuieren lassen:

Nun mag Cham vielleicht nicht die allerbeeindruckendste Altstadt BAyerns haben und vermutlich gibt es auch nur eine handvoll alter Gebäude, auf die man hier richtig stolz sein kann. Aber eines kann man den Chamern (Chamenitern? Chamensern? Chameuren?) nicht absprechen: Mut zur Farbe! Grundsätzlich empfinde ich süddeutsche Städte als deutlich farbenfroher als beispielsweise in Schleswig-Holstein. Warum dies so sein könnte, weiß ich nicht. Regensburg, Landshut, Kehlheim, München – überall sind die Fassaden der Altstädte in satten oder pastellenen Farben angemalt. In Cham kam mir dies am ausgeprägtesten vor, was sich für eine Stadt, die mit dem Slogan „Stadt am Regenbogen“ wirbt, auch ganz gut so ist. Allerdings bin ich mit den kombinierten Ergebnissen der Fassadenmalerei nicht immer ganz einverstanden:

Und noch ein Pluspunkt für Cham als Fotomotiv. Wenn man ganz gemeine Perspektiven und Bildschnitte wählt, ist die Stadt gut für ein paar Lacher. Den Wortteufel wird’s hoffentlich freuen:

Nach dem Besuch in dieser Stadt bin ich übrigens noch weitergefahren durch die Provinz. Bis zum Fuße des Großen Arbers, wo ich mir einen Kaffee gönnte. Aber warum ich nun ausgerechnet dorthin gefahren bin, kann ich mir beim besten Willen nicht erklären.


Bayern-Tournee, Tag 2

Dienstag 3. Juni 2008

(Anm.: Nach drei langen Tagen ohne Internetzugang arbeite ich mich hier zeitversetzt ab. Die ersten drei Tage sind also nicht „live“ sondern aufgezeichnet.)

Nun, ich war ja nicht zum Vergnügen in Bayern. Und erst recht nicht in Regensburg. Ingo, ein Freund seit Schulzeiten (ich kenne ihn seit der 5. Klasse. Das ist, wenn man so drüber nachdenkt, eigentlich schon ziemlich lang), hat sich nun endlich unter die Haube begeben. Da kann man seinen Hintern schon mal aus Dubai an die Donau verfrachten. Die Trauung im alten Rathaus war wunderbar, die sommerliche Wärme ließ aber eine Klimaanlage in den Räumen wünschenswert erscheinen.

Den größten Schmunzler hatte die Standesbeamtin auf ihrer Seite, als sie feststellte, dass nicht nur das Brautpaar, sondern auch beide Trauzeugen von Beruf Diplom-Psychologen sind. Die mentale Vorbereitung auf den Tag der Tage muss also bestens gewesen sein. Mir ist zudem noch aufgefallen, dass alle vier in der Hausnummer 7 oder 8 wohnen. Kann mir jemand die Hintergründe deuten?

Ich will da aber gar nicht mal soviel Worte machen.

Leicht angeschickert durch den Sekt bin ich dann noch durch die Altstadt gewankt: Kalorien verbrennen, einen Computerreparaturladen suchen und noch etwas Sightseeing machen. Zweitens und Drittens haben geklappt.

Das geschieht in Bayern mit frechen Bären.


Bayern-Tournee, Tag 1

Montag 2. Juni 2008

„Grüß Gott“ – so bin ich schon lange nicht mehr begrüßt worden. Bei strahlendem Sonnenschein an einem warmen Maimorgen in eiem Café in einer kleinen Gasse der Landshuter Altstadt möchte ich auch nichts anderes hören. Die Bestellung war auch das erste Mal seit langer Zeit, dass ich mich mit Bayerisch auseinandersetzen musste.

„Was haben Sie den zu Essen“

„Mir ham so Croissants, diese weichen Brötchen, und Butterbrezeln“

„Ich nehme beides“

Man kann also sagen, meine Bayern-Tournee ist gut gestartet, wenn man mal davon absieht, dass ich gegen 8 Uhr morgens etwas unausgeschlafen aus meinem Flieger taumelte und bei mehreren Autovermietungen vorsprechen musste. Ich hatte den Wagen vor einigen Wochen online bestellt, konnte mich aber beim besten Willen nicht mehr erinnern, bei welcher Firma.

Die ersten Minuten in meinem Mietwagen (Seat, schwarz, keine Automatik) waren Wow! Ich bin es halt nicht mehr gewohnt, sowie grüne Wiesen und Bäume auf einmal zu sehen. Und sanfte Hügel, und Bäche, und Flüsse.

Entsprechend habe ich bei der ersten Etappe der Tour etwas getrödelt und die Autobahn Richtung Regensburg sofort verlassen. Nach dem Frühstück in Landshut habe ich den Zufall entscheiden lassen (Altötting oder Neustadt a.d.Donau?) und bin einfach rechts abgebogen. Die Etappe führte rauf und runter durch die Oberpfalz nach Neustadt an der Donau, Abendbergen und zur Mittagsrast nach Kehlheim.

Dort steht immerhin die älteste Weißbierbrauerei Bayerns. Die Brotzeit im „Weißen Brauhaus“, meine erste richtige Mahlzeit es Tages, sah so aus:

Das gibt’s in Dubai sicher nicht.

Die Ankunft in Regensburg war dan erstmal ein kleines bisschen stressig, denn mein Hotel liegt in der Altstadt und der Weg dorthin ist eng und kurvig. Außerdem voller Fußgängerzonen, Einbahnstraßen und Menschen. Die haben’s überlebt, der Wagen auch.

Und der Weg hat sich gelohnt. Entlang er Donau wehte eine fische Brise, mit 25 Grad, war es für meine Begriffe angenehm kühl und die Sonne neigte sich schön langsam dem Ende zu. Außerdem war auch das Abendessen etwas, das ich seit Monaten nicht mehr zu sehen bekommen habe.


Im Oman

Montag 28. April 2008

Derzeit bin ich auf Reisen durch den südlichen Oman. Das schöne an  Salalah und der  Dhofar-Region ist, dass  die Gegend durch eine  Bergkette von  dem wüstenähnlichen Rest der arabischen  Halbinsel getrennt ist.  Das  bedeutet: viel Regen im  Juli und August  (und viel  Grün) und  im Rest des Jahres heiße, aber erträgliche  Temperaturen. Und schön ist  es auch.

Mein Hotel:

Mein Strand:

Alte Steine (Die Gegend war vor 3000 Jahren der einzige Ort an dem Weihrauch produziert wurde. Damals waren die Händler hier so steinreich, dass man in Rom neidisch den Begriff „glückliches Arabien“ (Felix Arabia) prägte)). Heute hat der Preis nachgelassen und die alten Paläste müssten etwas renoviert werden.

Weihrauch-Bäume:

Die Leute sind hier so wahnsinnig nett, dass man es als Europäer kaum aushält. Im Flugzeug saß ein junger Omani neben mir, wir kamen ins Gespräch, er schlug vor, mir abends die Stadt zu zeigen. Nicht nur, dass er das Restaurant bezahlt hat, auch alle meine Souvenirs hat er heimlich bezahlt bevor ich es tun konnte. „Du bist mein Gast“, war seine lapidare Antwort.  Nun, das schöne ist, mein Misstrauen gegen soviel „gratis“ ist hier völlig unabgebracht. Der wollte wirklich keine Gegenleistung.

Während ich hier faulenze, schreibt Frau A. dass unser Kater, Herr K., eine Notoperation benötigte.  Ich hoffe, es geht ihm wieder besser.