Zurück in die Zukunft

Samstag 28. Mai 2011

Vor einigen Tagen hat Familie A. einen Kurzurlaub in Dänemark gemacht. In Skagen, ganz im Norden, wo Nord- und Ostsee  mit etwas Wellenschaum und leichtem Geplätscher ineinander übergehen. Welcher Ort könnte passender sein, um den 5. Hochzeitstag zu feiern?

Mit im Gepäck: Eine Flasche gefüllt mit Wünschen von den Gästen unserer Hochzeitsparty, die  aus organisatorischen Gründen erst am 19. August 2006 stattfand – zu öffnen   genau fünf Jahre nach der Trauung. Da lagen wir also an einem sonnigen Donnerstagabend im Bett unseres Hotelzimmers in Skagen und haben bei Schoki und Rotwein die Wünsche rausgeprökelt.

Insgesamt haben unsere Gäste 22 Zettel eingesteckt. Mal sehen, wie Wünsche und Wirklichkeit zusammenpassen.

– Vier Paare hatten weniger Glück als wir und haben sich in der Zwischenzeit getrennt.

– Auf drei Zetteln stehen Namenvon Leuten an die wir uns nicht mehr erinnern können.

– Zwei Gäste hanem eine so saumäßige Handschrift, dass wir nicht wirklich lesen konnten, was sie uns eigentlich gewünscht haben.

– Völlig daneben ging folgender Wunsch: „Ich wünsche dir, dass St. Pauli deutscher Fußballmeister wird. Naja, oder wenigstens, dass sie in die 1. Liga aufsteigen“

– Der Wunsch eines frechen Unterzeichner-Trios ging zur Erleichterung von Frau A. auch nicht ganz in Erfüllung: „Alsdann übermitteln wir den Wunsch, dass Euch diese Botschaft auch mit Euren 3 Kindern erfreut.“

– Viele Wünsche handelten von „sonnigen Tagen“, der Meisterung von „Stürmen und Klippen“, der Fähigkeit zum „gegenseitigen überraschen“, „immer genug Wohlstand“ und „viel Gesundheit“. Im Großen und Ganzen hat das geklappt.

– Ja, wir sitzen auch nach fünf Jahren „immer noch händchenhaltend auf dem Sofa“, liebe Frau K.

– Immerhin ein Wunschzettel hat es ganz gut getroffen,wird darin von Frau D. doch die Hoffnung geäußert, ihre Töchter hätten in fünf Jahren jemanden zum Babysitten. Das klappt demnächst bestimmt.

– Besonders geschickt war der Gratulant, der schrieb“ Welcome to 2011! Ihr wollt wissen, was in 5 Jahren (2016) ist? Ruft uns an! 0172 …  “ – Das werde ich gleich nachher einmal machen.

– Ein Wunsch liegt immer noch in der Flasche. Wer immer das Wort „Riga“ außen auf den Zettel geschrieben hat, muss seine Falttechnik verfeinern. Aber zum 10. Hochzeitstag zerdeppern wir die Flasche und holen den Nachzügler raus.


Erstes halbes Jahr

Montag 16. Mai 2011

Vorhin musste ich mir erst mal den Sabber aus dem linken Ohr wischen. Der Kleine Herr A. hat beim Herumtoben auf dem Bett entdeckt, wie toll es ist, wenn man an Papas Haaren zieht und dabei „Bhbhbhbhbhbbbbbbht…..Bhhbhbhbhbhbht….Bhbhbhbhhbhht“ in sein Ohr brabbelt, an der Ohrmuschel kaut und zwischendurch noch ein lautes „Ahhhhhhhh“ herausquiekt.

Mittlerweile ist der Kleine Herr A. sechs Monate alt. Sein erster halber Geburtstag (und unsere Probezeit als Eltern) ist also rum. Läuft ganz gut, glaube ich. Er steht bereits auf allen vieren auf seiner Spieldecke im Wohnzimmer und bewegt sich in einer Mischung aus Kriechen und Rollen fort. Richtiges Krabbeln wird nicht mehr auf sich warten lassen  und ich fürchte, schon sehr bald müssen wir deutlich mehr als nur die Tischbeine vor den Kopfnüssen des  Kleinen schützen.

Noch viel lieber als Krabbeln möchte er allerdings schon hopsen und stehen. Natürlich unterstützt durch Papas helfende Hände. Das Aufrechte kann er natürlich nicht allein, darf er in dem Alter auch noch nicht. Aber wenn er doch mal die Gelegenheit bekommt, dann macht er seinem Spitznamen Duracel alle Ehre. Wenn man diese Energie irgendwie zur Stromerzeugung nutzen könnte, bräuchten wir deutlich weniger Kraftwerke im Land.

Durchschlafen ist leider noch nicht. Aber der Kleine findet immer besser seinen Rhythmus mit immer längeren Schlafphasen. Glaube ich zumindest, denn ich werde durch Hungergeschrei meist später (noch öfter: überhaupt nicht) aus dem Schlaf gerissen als Frau A.  Tatsächlich ist sie die deutlich leidtragendere. Ihr gebührt das viel größere Lob dafür, dass der Kleine nie wirklich Hunger leiden muss, sondern seine Portionen an Muttermilch, Babymilch, Apfel, Pastinake und Kürbis bekommt.

„Bhbhbaaaabhbhbaaaa“ (Papa) ist dafür etwas mehr für die Bespaßung mit Hüpfen, Höhlenbau, Haareziehen, Kitzeln, Babysprech und merkwürdigen Mundgeräuschen zuständig.

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Ein Dank geht an die Krankenschwester, die mir vor einigen Monaten, als ich mit dem schlaflosen Kleinen Herrn A. durch die langen Krankhausflure wanderte, erzählte, sie ,  ihrem Sohn hätte sie immer „Ich geh‘ mit meiner Laterne“ vorgesummt. Dieses Lied ist seitdem eine sehr zuverlässige Methode, den Kleinen Herrn A. zu beruhigen oder sogar in den Schlaf zu schunkeln.

Ich hoffe nur, dass er bei seinem ersten Laternenumzug nicht einfach auf der Straße einschläft.

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Innerhalb welcher Zeitspanne verwandeln sich blonde Haare und blaue Augen eigentlich in braune Haare und braune Augen?

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Der Kleine Herr A. und die Berufswahl

Freitag 22. April 2011

Im Hause A. gibt es ein donnerstägliches Ritual: Herr A. geht vor die Tür und zupft die aktuelle Ausgabe der „Zeit“ aus dem Briefkasten. Diese überreicht er Frau A., die sich üblicherweise sofort das „Zeit Magazin“ herausschüttelt und sich damit ins Bett verdrückt. Dort schlägt sie sofort Seite  6 auf und verschlingt die Kolumne ihres Lieblingskolumnisten Harald Martenstein (wie das vor fünf Jahren aussah, ist hier zu sehen). Wir sprechenseitdem  immer davon, dass Frau A. mit Martenstein ins Bett steigt.

Heute wollte ich Frau A. und dem Kleinen Herrn A. die Kolumne zur Abwechslung vorlesen. Ich sitze auf dem Sofa, den Kleinen auf dem Schoß und und beginne:

„Frau B., berühmt und begütert, hat einen fünfzig Jahre jüngeren Liebhaber. Die Frage ist: Warum machen junge Männer das mit? Warum finden sich Freiwillige, die …“

Sehr viel weiter kam ich nicht, denn der Kleine Herr A. griff nach der Seite, knüllte sie, stopfte sich einen Teil in den Mund und rang dann mit Frau A. um das Papier. Danach sah die Seite so aus:

Der Kleine Herr A. wird wohl später Literaturkritiker. Dies war sein erster Verriss.


Lächerlich

Montag 18. April 2011

Wenn ich zum Kleinen Herrn A. „google, google, google“ sage, fängt er laut an zu lachen. Mit Yahoo, Apple oder Nokia funktioniert das nicht.

Was weiß er, was ich nicht weiß?


Neulich in der Werkstatt

Sonntag 10. April 2011

Natürlich ist ein Leben mit Frau A. und dem Kleinen Herrn A. nicht so langweilig, dass es nichts darüber zu berichten gäbe. Im Gegenteil! Aber viele von den schönen und weniger schönen Dingen, die in den vergangenen Wochen über uns hereingebrochen kamen, sind mir einfach zu privat um sie hier einer breiten Öffentlichkeit zu berichten. Ohne näher auf Dreimonatkoliken und Krabbelversuche, Krankhäuser und Luxushotels einzugehen, kann ich soviel sagen: Die vergangenen Wochen waren schön, aber anstrengend!

Symptomatisch für die Melange aus Übermüdung und mangelnde Konzentration war vielleicht der Werkstattbesuch vor einigen Tagen. Der Silberelch hatte einen Schaden und bedurfte einer Reparatur. Ich hatte bereits am Tag zuvor beim Elch-Händler angerufen und dafür gesorgt, dass die nötigen Teile bestellt wurden. Wenn ich um 7.30 Uhr dort wäre, sagte man mir, könne ich mit viel Glück den Wagen sogar noch am gleichen Tag wieder mitnehmen.

Nun, ich stand um 7.50 Uhr am Tresen und sagte dem freundlich lächelnden Mitarbeiter, die Ersatzteile müssten bereits im Lager sein, schob ihm den Schlüssel rüber, nahm seine Empfehlung für ein Café in der Nähe dankbar an und wankte noch leicht schläfrig von dannen. Glücklicherweise verkaufte mir die Café-Dame einen Kaffee auch noch für den kümmerlichen  Inhalt meines Münzfachs im Portemonnaie, sodass ich bei einer Zeitung etwas munterer wurde. Irgendwann machte ich mich auf den Rückweg zum Autohändler. Beim Anblick der neuen und gebrauchte Autos auf dem  Hof wurde ich erst stutzig, dann nervös: Hier standen keine Elche.

Ich stand wieder am Tresen, der Verkäufer lächelte mich wieder an, ich sagte: „Ich glaube, ich bin falsch hier“, er fragte: „Warum?“, ich sagte: „Sie sind gar nicht der Elch-Händler“, er sagte: „Nein“, ich sagte: „Oh“, er sagte: „Kein Problem, ich habe den Elch-Händler angerufen, gleich kommt jemand und holt den Wagen ab“, ich sagte „…“

Den Autohändler, bei dem ich den Wagen an diesem Morgen abstellte, kannte ich noch von der Suche nach einem Gebrauchtwagen. Er hat einen nordisch klingenden Namen. Beim Elch-Händler war ich zuvor auch nur einmal ganz kurz. Er ist nur  eine Einfahrt weiter, aber nicht so gut erkennbar.


Am Ende eines langen Tages…

Dienstag 30. November 2010

… sehen Frau A. und der kleine Herr A. meist so aus. Als nicht-stillender Elternteil kann ich mir die mit der Milchproduktion und -aufnahme verbundenen Anstrengungen nicht recht vorstellen. Aber ich denke, meine paar fehlenden Stunden Schlaf sind das reinste Ponyschlecken dagegen. Respekt. Euch beiden.


Waschen, wickeln, massieren

Samstag 27. November 2010

Vielleicht sollte ich mir diesen selbstgebauten Wickeltisch patentieren lassen. Der normale Massagegang scheint dem kleinen Herrn A. jedenfalls gut zu gefallen. Den Schleudergang haben wir – noch – nicht ausprobiert. Angst habe ich aber keine, denn die Konstruktion sitzt fest auf der Waschmaschine, ist aber trotzdem gegen starke Vibrationen geschützt. Die Kosten für das Material lagen deutlich unter denen für einen gekauften Tisch. Und ein halber Tag Bastelarbeit ist auch nicht zuviel. Demnächst werde ich an der Vorderseite  eine Seitenwand anbringen, die sich herunterklappen lässt. Dann kann Baby nicht mehr herunterfallen und man bekommt zusätzlichen Platz, wenn das Kind größer wird.