Endlich, Argentinien

Ok, lange nichts geschrieben, aber die Reise war bisher einfach zu schoen, als dass wir uns in irgendein Internet-Cafe quetschen wollten. Mittlerweile sind wir in St. Matin de Los Andes, Argentinien, angekommen und es regnet. Eine gute Gegelegenheit, die ersten fuenf Tage Revue passieren zu lassen:

Ueber den Flug von Frankfurt ueber Madrid nach Santigo braucht man nicht viele Worte verlieren – nach 18 Stunden ist man einfach nur froh, dort angekommen zu sein. Das Essen war b*** und die angebotenen Filme (Fluch der Karibik 2, Der Teufel traegt Prada, Mission Impossible 3) auch nicht besser als der Blick auf den Nachthimmel ueber dem Atlantik.

Wer glaubt, Santiago de Chile sei eine unspektakulaere Grossstadt mit ein paar historischen Gebaeuden und viel mehr modernen Buerotuermen, in der man staendig Angst um seine Geldboerse hat und wo man nach einer Besichtigungstour sich dringend die Mischung aus Schweiss, Abgasen und Dreck von der Haut waschen muss – der hat leider recht.

Richtig gefallen hat uns die Stadt nicht. EIn Moloch mit einem unglaublichen Verkehr auf den Hauptstrassen und Bussen, die jedem TUV-Pruefer die Traenen in die Augen treiben wuerden. In den Fussgaengerzonen wird permanent Dudelmusik gespielt, zusaetzlich kommt aus vielen Laeden noch Musik und die Leute sind – fuer europaeische Ohren zumindest – auch nicht gerade leise. Aber alles nicht so schlimm. Lustigerweise stehen auch die Chilenen auf Weihnachtsbaeume und mangels Tannen binden sie halt Zweige eines aehnlichen Baumes zu grossen Pseudo-Baemen zusammen, die sie dann mit Kugeln geschmueckt auf den Zentralen PLatz stellen. Die armen Weihnachtsmaenner in voller Montur tuen mir leid.

Aber Halt, ganz haesslich ist die Hauptstadt dann doch nicht. Der Stadtteil Bellavista ist so eine Art Kuenstlerviertel, in dem man prima Essen und ausgehen kann. UNd da wir niemals ausgeraubt wurden, ist die Angst um die Brieftasche wohl auch gefuehlt groesser als in echt.

Frau A. will diese Stadt aber nur noch mit Burka verschleiert besuchen, weil so ziemlich jeder Chilene sie dort angestart hat. Irgendwann nervt das.

Ausserdem nervig: vor allen Restaurants in der Markthalle steht so eine Art Koberer, der einen anspricht, um ihn ins Restaurant zu locken. Mir ist dabei fast der Hunger vergangen. (War natuerlich trotzdem Essen – Fisch oschmeckt ausgezeichnet hier).

Die Stadt Temuco, wo wir nach zwei Tagen hingeflogen sind, um endlich den Mietwagen zu uebernehmen, ist ebenfalls nur eine kleine SChmaehung wert: Wo ein Reisefuehrer die Adjektive „lebendig“ und geschaeftig“ verwenden wuerde, faellt mir nur schmuddelig und laut ein. So wie man die mexikainsche Stadt Tijuana aus Filmen kennt, nur eben ohne Grenze weit und breit. Zu einem Teil ist das sicher noch typisch deutsche Wahrnehmung, aber dafuer kann ich nichts.

Ausserdem ist die Landschaft drumerhum wunderschoen. Jetzt kommt der angenehme Teil! Die Fahrt Richtung Osten fuehrte entlang tiefblauer Seen, gruener Felder und Waelder und durch die wirklich netten STaedte Villarica und Pucon in das Landhaus San Sebastian. Betrieben wird es von einem deutschen Ehepaar, das vor zehrn Jahren nach Chile ausgewandert ist. Die Zimmer sind komplett aus Holz, etwas sparsam moebliert (kein Fernseher!), dafuer ist das selbst gemachte Brot aber superlecker (wie das Abendessen auch). Am naechsten Tag sind Anke und ich zu unserer ersten Wanderung aufgebrochen. Dazu mussten wir erst rund 20 Kilometer SChotterpiste mit unserem Suzuki-Jeep meistern (kein Problem mit Vier-Gang-Antrieb (leider klappt das Umschalten in den N-Modus nicht). Danach hiess es zwei Stunden den Wanderpfad rauf auf etwa 1000 Meter Hoehe (Hey, ich habe gerade eine Taste gefunden, mit der man Umlaute produzieren kann! ääüüöë Super!) Höhe. Ufffffff! Aber superschön hier. Gigantisch grosse Bäume und drei kristallklare Bergseen, die sich aus Schmelzwasser speisen. Leider viel zu kalt zum Baden. MAcht aber nicht: als Belohnung für die anstrengene Lauferei haben wir uns abends einen Besuch in den Termas Los Pozones gegönnt: Mehrere Warmwasserbecken, die sich aus Thermalquellen speisen und durch Wasser aus einem Gebirgsfluss auf 30 bis 40 Grad heruntergekühlt werden. Genau das richtige, denn am nächsten Tag hatten wir keinen Muskelkater.

Gestern ging es dann weiter über 40 Kilometer Schotterpiste zur argentinischen Grenze. Die liegt an einem Pass, in einer Gebirgskette, die beide Länder trennt (Namen habe ich vergessen). Auch landschaftlich liegen Welten jenseits der Grenze. Gab es auch chilenischer Seite noch hügelige Wälder, so ist hinterm Berg die Landschaft eher flach, trocken und steppig. Dieses „echte“ Patagonien ist wirklich überwältigend. Anke und ich standen erstmal ein paar Minuten mit offenem Mund und haben Fotos gemacht. (Gibt hier leider keine Möglichkeit etwas hochzuladen).

St. Martin de Los Andes ist ein hübscher Touristenort, mit viel Holzbauweise, die einem merkwürdig vertraut vorkommt. Vor allem die Wohnäser sehen hier so aus, als hätte man sie alle aus der Schweiz geklaut. Das Hotel ist so lala, eher eine Backpacker-Absteige, aber für zwei Übernachtungen ausreichend. UNd die Leute sind viel freundlicher hier als in Chile. Anke wird nicht mehr angegafft und in einem Bäckerladen wurden uns ersteinmal ein paar Schokocroissants geschenkt. Die Stadt ist übrigens eine Schokoladen-Hochburg – an jeder Ecke verkauft ein Laden zig Variationen von Schoki. Wer hier länger bleibt, schleppt das Übergewicht wohl nicht im Koffer sondern am Körper mit nach Deutschland.

Auch der Friseur, der mir heute die Haare geschnitten hat, war sehr freundlich. Ich habe zwar bei weitem nicht alles verstanden, was er in seinem nuscheligen Spanisch erzählt hat, aber immerhin weiss ich jetzt, dass heute nachmittag der letzte Spieltag in der argentinischen Fussball-Saison steigt. So wie ich ihn verstanden habe, sind Boca Juniors aus Buenos Aires (ungefähr so kultig wie ST. Pauli) und ein anderer Club punktgleich und spielen heute gegeneinander. Werden wir uns in irgendeiner Kneipe anschauen. Eigentlich wollten wir heute einen Ausritt machen, aber das Wetter spielt ja nicht mit.

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