Keine Zeit

Donnerstag 28. Juni 2007

Kein Post hier, weil ich die letzten Tage iel zu tun hatte und wir heute ins Wochenende abdampfen. Zwei Tage in den omanischen Bergen werden die Schreibfähigkeit sicher wieder wecken.


Tower Power

Sonntag 24. Juni 2007

Hier schreibt Frau A., die für das Blog von Herrn A. jetzt als Co-Autorin künftig über Architektonisches und andere Erlebnisse berichtet.

Jetzt gehts hoch!

Um auch die Gelüste meiner Architekturfreunde zu befriedigen, gibt es jetzt endlich Tower zu sehen. Heute Teil 1, die Sheikh Zayed Road (Experten – wie Herr A. – nennen sie auch SZR) im Überblick…

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Wo Ende der 80er Jahre noch eine Piste war, führt jetzt die „Hauptschlagader Dubais“ teilweise zehnspurige durch die Stadt und verbindet Abu Dhabi mit Sharjah. Um sie herum versammeln sich die höchsten und imposantesten Tower, während direkt dahinter schon wieder flache Villen und Gewerbebauten stehen. Die Sheikh Zayed Road ist für Dubai in etwa das, was Downtown für L.A. ist.

Die kleine Straße auf dem zweiten Foto von rechts ist übrigens nur eine Service Road, die es überall entlang der SZR gibt. Das bedeutet für Autofahrer, das sie nicht einfach rechts ranfahren können, um in ein Geschäft zu gehen. Dafür müssen sie die Service Road benutzen, wobei die Anfahrt meistens schon an einem vorbei ist, wenn man endlich das richtige Geschäft sichtet. So ein Sch***. Besonders, weil man in Dubai fast nie einfach auf der Straße wenden und zurückfahren kann. Aber das ist ein Thema für sich.


Wetten krass

Samstag 23. Juni 2007

Ich weiß nicht, wann ich zuletzt „Wetten dass…?“ gesehen habe. 15 Jahre her, vielleicht. Samstagabende waren bisher immer zu wertvoll, um sich das zu geben.

Hier gibt es gerade nichts besseres zu tun und ich bin zu faul umzuschalten. Leider ist nicht mal der Sat-Empfang gestört. Das ist ja gräßlich: Gottschalk sieht aus wie ein verkokster Friseur, die Deko wirkt einfach nur billig und bei den Gästen auf der Couch fällt mir einfach nichts mehr ein. Bohlen – Hilfe!? Die beiden Model-Puschies sind auch komplett überflüssig.

Schalte wieder ab. Für die nächsten 15 Jahre.


Maut!

Samstag 23. Juni 2007

Erinnert sich noch jemand an die zunächst grandios gescheiterte Einführung des Maut-Systems in Deutschland? Die Betreiber haben es damals nicht geschafft, rechtzeitig ein milliardenschweres System aus Mautstationen auf allen Autobahnen, Empfangsgeräten in LKWs (OnBoard Units) und Bezahlmöglichkeiten aufzubauen. Immerhin funktioniert nach einigen Monaten Verzögerung Weiterentwicklungszeit das Ganze wohl doch recht zuverlässig.

Momentan warten Dubais Autofahrer gespannt genervt auf den 1. Juli. An diesem Tag soll Salik in Betrieb genommen werden, ein Mautsystem, dass auf der Hauptverkehrsader Sheikh Zahed Road nach den Wünschen der Betreiber die Verkehrssituation entspannen und nebenbei rund 600 Mio. Dirham in die Kassen spülen soll. So weit, so gut.

Jeder Autofahrer muss sich einen Aufkleber mit RFID-Chip in die Windschutzscheibe pappen und sobald er unter einer der beiden Maut-Stationen durchfährt, werden 4 Dirham von seinem Konto abgebucht.

Es gibt schon Online-Petitionen und Apelle von Geschäftsleuten, die Einführung zumindest verschieben am liebsten aber gleich begraben wollen. Nicht nur, weil für viele wenigbegüterte Pendler die 4 Dirham einfach zu viel sind. Eigentlich glaubt kaum jemand, dass sich durch die Maut der Dauerstau auf der SZR verringern wird: Es gibt schlicht zu wenig Ausweichmöglichkeiten. Die Maktoum-Bridge über den Creek gleicht schon jetzt oft einem Parkplatz und die neue Floating-Bridge ist noch nicht fertig. Eine Metro wird es erst ab 2009 geben und die von der Behörde versprochenen zusätzlichen Busse und Wassertaxis helfen praktisch niemandem. Die Umwege über die Emirats Road 311 (zu Stoßzeiten ebefalls voll) und die Business Bay Crossing bedeuten so große Umwege und damit Zeitverluste, dass man dann doch lieber das Geld abdrückt.

Lustigerweise gibt es auch nur zwei Mautstationen. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie viele Pendler die letzte Abfahrt vor und die erste Auffahrt nach der Station nutzen werden, um das Geld zu sparen. Der Stau weitet sich dann halt auf die umliegenden Stadtteile aus.

Zwar werden Leute mit zuwenig Guthaben auf ihrem Salik-Konto per SMS verwarnt. Aber so ganz ist angeblich auch noch nicht raus, wie diejenigen, die keinen Sticker im Auto haben, eigentlich bestraft werden sollen.

Die Informationen darüber, wann, wie und warum das Ganze funktionieren soll, sind glinde gesagt etwas dürftig. In den Blogs wird über Salik momentan mehr geklagt, als über andere merkwürdige Dinge in Dubai.

Dieses Salik hat mehr Ungereimtheiten als ein Netz Löcher. Trotzdem glaube ich, dass es eingeführt wird. Denn die Blamage einer Verschiebung wird sich hier niemand antun. Sonst könnte man ja auf die Idee kommen, hier wäre jemand mit so ein bisschen Maut überfordert.


Kreativitätsmangel

Mittwoch 20. Juni 2007

Aaaargh! Kann mir jemand mal helfen. Ich sitze hier und will ein Interview vom Band abtippen, um daraus einen schönen Text zu schreiben und alles was ich zustande bringe ist Essen kochen, Ameisen jagen, Mails checken und Blogeinträge schreiben!

Was hilft? Kaffee? Kopfstand? Leistungssteigernde Substanzen?


Nummernsammler

Sonntag 17. Juni 2007

Talal Ali Mohammad Khouri hat wieder zugeschlagen: Gestern ersteigerte er wieder ein einstelliges Numernschild. Nach der Nummer „5“ sicherte er sich diesemal die „7“ für 11 Millionen Dirham (rund 2,2 Mio Euro). Und die „50“ hat er sich für schlappe 3 Mio praktisch hinterhergeschmissen bekommen.

Vielleicht wäre der Mann ein Kunde für Schlemihl aus der Sesamstraße:
„Hey, Du“
„Wer, ich?“
„Psssst. Genau. Willst Du eine 2 kaufen?“
„Eine 2?! Ja, ja, ja. Her damit. Ich zahle jeden Preis!“
„…?“


Ich bin ein… wer eigentlich?

Sonntag 17. Juni 2007

Lange bevor die EU mich mit dem Euro zu einer gemeinsamen Identität mit 380 Millionen anderen Menschen  zwingen wollte, habe  ich mich als „Europäer“ betrachtet.  Meinetwegen noch als „deutschstämmigen Europäer“, aber dank der finnischen Gene nie auf nur diese eine Nationalität beschränkt.

Seit zwei Monaten bemerke ich einen interessanten Prozess: In vielen Alltagssituationen (Einkaufen, Autoverkehr, Behördengänge) stelle ich Unterschiede zum bisherigen Leben fest. Meist im nicht ganz so positiven Sinne. Oft genug erkläre ich mir (und anderen) das dann mit Floskeln wie „Wir Westler ticken halt anders“.

Bemerkt? Westler. Ganz plötzlich fühle ich mich also einem diffusen Kulturkreis zugehörig, dessen Agehörige ich kaum kenne und dessen Alltagsleben mir weitestgehend (Ausnahmen sind natürlich Deutschland, Reisen nach Skandinavien, Spanien,  ein paar europäische Hauptstädte, New York, Südamerika (ist das noch „Westen“?)) unbekannt sind. Australische Autofahrer, italienische Behördengänge und Supermärkte im Mittelwesten der USA würden wahrscheinlich ähnlich befremdlich auf mich wirken wie so manches Treiben hier. Und dennoch sehe ich mich als Teil dieser Gemeinschaft. Auch die Wertvorstellungen oder das Verständnis von Gesellschaft und Demokratie sind ja nun nicht wirklich homogen verteilt in der so genannten westlichen Welt, wenn man  Nippel-Alarm und Pornografie in  den USA denkt, Trinkgewohnheiten und andersartige Wahlsysteme in Großbritannien, die Rolle der Frau in einigen südeuropäischen Ländern  und in Skandinavien. Ich war noch nie in Australien, Neuseeland, Kanada oder Griechenland und habe ich nur eine sehr grobe Vorstellung von dem was mich dort erwarten würde.

Also, warum fühle ich mich trotzdem plötzlich als „Westler“, obwohl ich den „Westen“ kaum kenne?
Warum ausgerechnet hier, in einem arabischen Land?


Beleidigte Organe

Samstag 16. Juni 2007

Frau A. geht es leider überhaupt nicht gut. Sie hat gestern Abend ihre Leber hart bestraft (musste aber wirklich sein). Jetzt ist ihr Kopf beleidigt und dröhnt rum. Dass diese Organe immer so zusammenhalten müssen.


Neulich bei der Telekom

Freitag 15. Juni 2007

Frau A. schreibt:

Vor zwei Monaten hat meine Firma zu gleichen Konditionen für drei Villen einen Internet-Anschluss angemeldet. Eine Rechnung für die Installation, den Router und die Grundgebühr haben wir zwar nicht erhalten, aber das Internet wurde uns letzte Woche abgeschaltet.

Also habe ich mich auf den Weg zu Etisalat, der emiratischen Telekom, gemacht, um unsere Rechnung direkt zu bezahlen. Dort wurde ich als Frau auch direkt zur Kasse durchgelassen (in dieser Beziehung liebe ich Dubai), der Mann am Schalter fragte die Accountnummern ab und nannte den zu zahlenden Gesamtbetrag. Ich stutzte jedoch bei der Summe, da sie sich nicht durch drei teilen ließ. Drei Anschlüsse zu den gleichen Konditionen heißt für mich, dass alle das gleiche zahlen. Oder???

Ich bat also den Kassenmann um eine detaillierte Aufführung der Beträge, bzw. einfach um die Rechnung!!!!

Leider konnte er mir damit nicht weiterhelfen und verwies mich an den Kundenservice. Also habe ich mir eine Nummer gezogen, bin lieb zu dem Schalter marschiert und habe mich in die Schlange gestellt. Na gut, ich habe mich aus Versehen, da ich nicht wusste wo ich hinsollte, vor die Schlange gestellt. Der nette Kundenberater hat mich auch sofort zu sich gewunken, obwohl er noch einen Kunden hatte, und hat mich bedient.

Ich bat ihn darum, mir eine Rechnung zu geben und mir den Betrag zu erklären. Eine Rechnung hatte er nicht, er fing aber wild an, die verschiedenen Konditionen auf zuzeichnen. Wir wurden uns nicht einig und ich bat erneut um die Rechnung. Er sah mich an und sagte: „Da wir nicht einer Meinung sind, müssen Sie eine Beschwerde schreiben, bei Etisalat einreichen und Etisalat wird sich dann melden.“ Man beachte: wir hatten kein Internet und die Urlaubszeit beginnt gerade in Dubai!!!!

Also setzte ich einen traurigen Blick auf und sagte, das würde nicht gehen, da wir zuhause kein Internet hätten und mein Mann deshalb schon sehr Böse sei. Schlagartig stand der Mann auf, verschwand für 10 Minuten und kehrte mit drei druckfrischen Rechnungen zurück.

Ich bezahlte den Betrag an der Kasse und fragte den Kassenmann, wie lange es dauern würde bis wir wieder mit dem Internet verbunden werden. Ungefähr einen Tag, sagte er. In-sh-allah. Ich erwiderte, das mein Mann zuhause auf das Internet warten würde und schon sehr böse auf mich sei, da ja ich den Betrag nicht rechtzeitig bezahlt hätte – Innerhalb einer halben Stunde waren wir wieder connected.

So einfach kann Dubai sein….

Nachtrag: Eine andere Taktik funktioniert übrigens ganz hervorragend bei Verkäufern, die einem schnell etwas aufschwatzen wollen: „Das kann ich jetzt nicht allein entscheiden. Da muss ich erst meinen Mann fragen.“

 


Zensur II

Freitag 15. Juni 2007

Riesenmörderaufregung in der Netz-Community: Die deutsche Version von Flickr wird, sagen wir, Teilzensiert. Mir kommen die Tränen. Ich kann von Dubai aus überhaupt keine Flickr-Bilder sehen, sondern bekomme immer nur folgendes Nachricht:

site_blocked.jpg

Das gleiche passiert mir nebenbei auch mit den Seiten von skype.com und bild.de (was aber nicht wirklich schade ist)