Ich bin ein… wer eigentlich?

Lange bevor die EU mich mit dem Euro zu einer gemeinsamen Identität mit 380 Millionen anderen Menschen  zwingen wollte, habe  ich mich als „Europäer“ betrachtet.  Meinetwegen noch als „deutschstämmigen Europäer“, aber dank der finnischen Gene nie auf nur diese eine Nationalität beschränkt.

Seit zwei Monaten bemerke ich einen interessanten Prozess: In vielen Alltagssituationen (Einkaufen, Autoverkehr, Behördengänge) stelle ich Unterschiede zum bisherigen Leben fest. Meist im nicht ganz so positiven Sinne. Oft genug erkläre ich mir (und anderen) das dann mit Floskeln wie „Wir Westler ticken halt anders“.

Bemerkt? Westler. Ganz plötzlich fühle ich mich also einem diffusen Kulturkreis zugehörig, dessen Agehörige ich kaum kenne und dessen Alltagsleben mir weitestgehend (Ausnahmen sind natürlich Deutschland, Reisen nach Skandinavien, Spanien,  ein paar europäische Hauptstädte, New York, Südamerika (ist das noch „Westen“?)) unbekannt sind. Australische Autofahrer, italienische Behördengänge und Supermärkte im Mittelwesten der USA würden wahrscheinlich ähnlich befremdlich auf mich wirken wie so manches Treiben hier. Und dennoch sehe ich mich als Teil dieser Gemeinschaft. Auch die Wertvorstellungen oder das Verständnis von Gesellschaft und Demokratie sind ja nun nicht wirklich homogen verteilt in der so genannten westlichen Welt, wenn man  Nippel-Alarm und Pornografie in  den USA denkt, Trinkgewohnheiten und andersartige Wahlsysteme in Großbritannien, die Rolle der Frau in einigen südeuropäischen Ländern  und in Skandinavien. Ich war noch nie in Australien, Neuseeland, Kanada oder Griechenland und habe ich nur eine sehr grobe Vorstellung von dem was mich dort erwarten würde.

Also, warum fühle ich mich trotzdem plötzlich als „Westler“, obwohl ich den „Westen“ kaum kenne?
Warum ausgerechnet hier, in einem arabischen Land?

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