Zong 3

Es ist Tag 2 nach meiner Operation. Das bisherige Geschehen in der Zusammenfassung: Frau A. hatte mich einige Tage nach dem „Zong“ davon überzeugt, noch einen zweiten Arzt aufzusuchen. Weil meine Probleme nicht besser wurden und ihr Bauchgefühl Zweifel an der Diagnose des ersten Doktors zeigte. Diesmal fiel meine Wahl auf einen deutschen Arzt. Der musste auch nicht sehr lange rumdiagnostizieren („Stellen Sie sich mal auf die linken Zehenspitzen“ – „Geht nicht“ – „Dann ist die Sache ziemlich klar“), und schickte mich in das International Modern Hospital, wo ein deutscher Chirurg das Dilemma bestätigte.

Am übernächsten Tag (Samstag) kam ich dann unters Messer. Die OP ist soweit gut gelaufen, nur ist das linke Bein natürlich noch komplett zugeschient/gegipst und einbandagiert. Jede falsche Bewegung könnte einen neuen „Zong“ nach sich ziehen.

Wenn man „meine“ Junior Suite 309 betritt (es ist kein staatliches Krankenhaus), dann gelangt man zunächst in einen großen Vorraum, in dem nur eine große Ledercouchgarnitur und ein Fernseher stehen. Ein Besucherzimmer fast wie im Hotel. Dahinter ist erst das Krankenzimmer, welches ich natürlich allein bewohne. Bett, Schrank, Waschbecken und Fernseher an der Wand, dazu ein Blick auf den äußersten Zipfel der Dubai Skyline. Über das Badezimmer schweige ich mich lieber aus, denn von der Größe und Ausstattung her erfüllt es höchstens Jugendherbergsstandard, mit seinen Absätzen und dem kleinen wackeligen Klo (keine Handgriffe an der Seite) ist es für Patienten wie mich eigentlich indiskutabel. Egal. Ich bin mit meinen Krücken jetzt praktisch auf drei Beinen unterwegs und habe auch schon die ersten Ausflüge auf den Flur gemacht.

Denn das Fernsehprogramm alleine reißt hier nun wirklich nicht vom Hocker. Gestern habe ich aus Schlaflosigkeit bis in die Puppen geglotzt und konnte mich an solch schönen Dingen wie Lassie und Karate-Tango erfreuen. Bei Letzterem sprang ein Pärchen in knallroten Kampfanzügen auf einer Bühne herum und vollführte Schritte, Tritte, Sprünge und Schläge zu Tango-Musik vom Band. Mehr hatte das mit südamerikanischen Rhythmen leider nicht zu tun, die hätten genauso zu jeder anderer Musikrichtung springen können. Ich denke, Taekwondo Twist oder Rock’n’Judo hätten da mehr Chancen auf internationalen Erfolg.

Zurück zum Thema: das Essen hier ist zwar nicht superklasse, aber für ein Krankenhaus sehr gut: Ich kann mir mein Frühstück, Mittag und Dinner für den nächsten Tag selber auf einer Liste zusammenkreuzen und auch die Uhrzeit selbst bestimmen. Das ist doch mal was.

Das Personal ist sehr freundlich
und auch kompetent, soweit ich das beurteilen kann. Die Pflegerinnen und Pfleger kommen zumeist von den Philipinen und aus dem Libanon und haben selbst dann noch ein Grinsen übrig, wenn ich versuche, albern zu sein („Wie geht es Ihnen heute“ – „Ein bisschen erschöpft, komme gerade vom Joggen“).

Trotzdem hoffe ich, in drei Tagen wieder nach Hause gehen humpeln zu können.

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10 Responses to Zong 3

  1. Bjørn sagt:

    Vor wenigen Wochen hat es einen alten Freund aus Schulzeiten erwischt. Zong beim Handball. Auch er ist ein paar Tage mit unzusammenhängender Sehne herumgehumpelt („leichte Zerrung, das gibt sich wieder“), bis dann ein zweiter Arzt den Riss korrekt diagnostiziert hat. Bei mir in der Firma hat es auch schon Zongs gegeben. Hoffentlich nimmt das nicht die Ausmaße einer Zong-Epidemie an.

    Ich wünsche Dir gute Besserung und vor allem keine weiteren Zongs.
    Grüße aus der guten alten Hansestadt.

    B & E

  2. Cosmo sagt:

    Schön das es dir gut geht und du bald in deine Wohnung zurückkehren wirst! Anke in Krankenschwesterkluft hat ja dann doch mehr Style als eine Philipina.

    Sei bloß froh, dass du dir eine so legendäre Verletzung zugezogen hast. Quasi eine original Uwe Seeler Verletzung. Andere von uns haben da weniger Glück gehabt und sich z.B. nur ganz ordinäre Hiebverletzungen zugezogen. Kopf hoch wird schon alles wieder werden und zu Hause schmeckt das Bier doppelt so gut.

    Grüße & gute Besserung,
    Cosmo

  3. Kirsten sagt:

    Von mir auch noch mal gute Besserung!

  4. Berit sagt:

    Oh Mann, ich sag’s ja, Euch kann man nicht alleine lassen. Tstststs. Wenn ich das meiner Mutti erzähle, belästigt Sie Euch ab sofort per msn 😉 Und zu Euch fliegen darf ich dann sicherlich auch nicht…
    Aber auf jeden Fall:

    ~*~…~*~ GUTE BESSERUNG! ~*~…~*~

  5. Frau A. sagt:

    Natuerlich kannst du uns besuchen. Soll ich Dir gleich eine Krankenschwesterkluft mit besorgen?

  6. Herr A. sagt:

    @Björn: Vielleicht sind wir Zongs irgendwie Trendsetter. Lässt sich aber alles mit Statistik erklären. Ich habe gelesen, dass die meisten Zongs auf sportlich aktive Männer zwischen 30-50 Jahren entfallen. UNd da wir uns alle in dieser Altersgruppe befinden, sind ein paar Zongs mehr als wahrscheinlich.

    @Cosmo: Hmm, auf der Suche nach einer legendären Krankheit hätte ich mir wahrscheinlich was anderes ausgesucht. Biss nach Kampf mit einen Tiger zum Beispiel. Ich finde ohnehin Axt im Fuß viel cooler als Achillessehnenabriss. Aber das mit dem Bier stimmt schon.

    @Kirsten: Danke

    @Berit: Frau A. kannst Du schon allein lassen, nur mich nicht.

  7. Berit sagt:

    @ Frau A.
    Das ich Euch besuchen kann, ist gut zu wissen. Die Frage ist nur, ob ich noch darf. 😉 Meine Mama ist doch jetzt so besorgt, dass ich als single unter die Räder gerate. Und wenn sie hört, was für ein gefährliches Pflaster Dubai ist, darf ich bestimmt nicht 😉 Zumal mein Papa auch gerade mit einem ZONG durch die Gegend humpelt…

    Aber die Krankenschwesterkluft ist Ende September nicht mehr nötig, oder? Außerdem waren Herr A. und ich uns ja schon einig, dass einige Dinge nur Euch beiden gebühren… 😉 Da muss und will ich mich nicht reinhängen…

  8. Ingo sagt:

    Herzliche Grüße und gute Besserung!
    Hoffe du erholst dich wieder und kommst auf die Beine 🙂
    Krankenhäuser sind ja nix auf die Dauer…

  9. Axel sagt:

    Kaum verfolgt man das Geschehen in der Wüste ein paar Tage nicht, passieren solche Sachen. Tssss…

    Aber da kann ich auch noch eine Zong-Geschichte zum Besten geben, um dir zu zeigen, dass der Zong-Zeitpunkt noch beschissener gewählt werden kann:
    Vor ein paar Wochen war ich auf einem Polterabend, bei dem der künftige Bräutigam, komplett zugeschient nach einem frischen Fußball-Zong, sitzend und später einhändig auf Krücken Scherben zusammenfegen musste.

    Du siehst also, eine Junior-Suite mit Ledersofas und Tango-Karate-Fernsehen ist doch noch ziemlich gut!

    Trotzdem gute Besserung!

  10. Herr A. sagt:

    @Ingo & Axel: Auch hier natürlich Danke. Also wenn ich „auf Krücke“ bin, dann ist das allein schon eine ziemlich anstrengende Angelegenheit. Aber dann noch fegen…? Respekt!
    Ich hatte darüber nachgedacht, ein Zong-Blog zu eröffnen. Allerdings habe ich schon genug Weblogs gefunden, wo einige Zongs ihre Leidens- und Heilungsgeschichte detailliert aufschreiben. Ich konnte mir das nicht durchlesen und die Fotos will ich auch nicht sehen, geschweige denn machen.

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