Im Taxi durch Dubai

Mangels eigenem Auto und wegen des immer noch eingezongten Beines bin ich momentan viel mit dem Taxi in Dubai unterwegs. An den Fahrern kann man interessante Sozialstudien betreiben. Die meisten von ihnen kommen aus Indien, Pakistan oder dem Libanon, es waren aber auch schon Sudanesen, Syrer und Afghanen darunter. Wenn man die Herren (eine Taxifahrerin habe ich noch nicht gesehen, es soll aber ein „Pink Taxi“ nur für Frauen geben, welches auch von einer Dame gelenkt wird) ein bisschen erzählen lässt, ergeben sich folgende Gemeinsamkeiten:
– keiner mag Dubai,
– alle finden den Verkehr fürchterlich,
– alle fahren zu schnell und
– alle beklagen sich über die rücksichtslose Fahrweise der Einheimischen.

Am schönsten war bisher die Tour mit einem Taxifahrer aus dem Sudan. Ich hatte seine Karre an der Hauptstraße abgefangen, was mitunter recht lange dauern kann. Wer clever ist, geht während der Gebetszeit zu einer Moschee und wartet neben einem leeren Taxi bis der Fahrer mit beten fertig ist. Der Fahrer jedenfalls sprach sogar einige Sätze Deutsch, weil er in den 90er Jahren in der Nähe von Ulm eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht hatte. Weil es in D aber keine Arbeit gab und er sich nicht allzuwohl fühlte in seiner farbigen Haut, kam er irgendwie nach Dubai.

Meist kommt man mit Englisch in den Taxen gut zurecht, allerdings wurde ich neulich von einem jungen Pakistani gefahren, der neu war in der Stadt und weder mich verstanden hat, noch wusste, wo das Dubai Festival City liegt (fünf Minuten immer nur geradeaus). Getoppt wurde dieser Anfänger aber durch den Fahrer, der mich ins Krankenhaus bringen sollte, damit mein „Zong“ endlich richtig behandelt wird: der Fahrer wusste nicht, wo dieses Krankenhaus ist und hatte auch keine Lust, in der Zentrale nachzufragen. Erst als ich ihm die Telefonnummer gab, rief er dort an, um sich nach der Adresse zu erkundigen! Tatsächlich scheint die Ausbildung zum Taxenlenker nicht allzuschwer zu sein. Immer wieder gibt es Beschwerden (meist von Frauen) über unfreundliche Fahrer und die Verkehrsbehörde hat angeordnet, dass die gelben Wagen elektronisch auf eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Km/h gedrosselt werden sollen. Abgesehen davon, dass dies auch bei den meisten SUV-Besitzern eine gute Idee wäre, könnte die Beschränkung zumindest für ein bisschen mehr Sicherheit sorgen. Neulich hatte ich einen libanesischen Fahrer, den ich noch ba, wegen des frisch operierten Beins doch vorsichtig zu fahren. „No Problem, my friend“, antwortete er und bretterte mit mehr als 140 Zacken über die Straße. Auch mein Hinweis, dass ich es wirklich nicht besonders eilig hätte, zeigte bei ihm keine Reaktion.

Da war mir schon der melancholische junge Inder lieber, mit dem ich nach einem Messebesuch über eine Stunde im Stau stand. Der jammerte darüber, wie viel Schulden er doch hätte, weil sein ehemaliger Geschäftspartner ihn übers Ohre gehauen hatte. Nun müsse er, der er eigentlich Künstler sei, Taxi fahren. Immerhin sei Dank seines Privattaxis nun sein eigener Herr, und wenn er noch drei Jahre hart arbeite, könne er es sich auch leisten, zu seiner Frau nach Indien zurückzukehren.

Apropos Schulden: Einmal bin ich auch in ein Taxi eingesteigen, dass im Emirat Ajman registriert war.  Nachdem ich dem Fahrer gesagt hatte, wohin ich wollte, gab er mächtig Gas. Ich bemerkte, dass der Wagen garkein Taxameter hatte und fragte, was die Fahrt denn kosten würde. Er lachte nur. Etwas später fing er an zu schimpfen über die Stadtverwaltung. Die hatte ihm nämlich schon sechs mal eine Strafe von umgerechnet 500 Euro aufgebrummt, weil er unerlaubterweise in Dubai Kunden aufgenommen hatte (ratet, was ich war). Die Stadt fand er schrecklich, die Autofahrer auch (er selbst fuhr nicht besser), aber leider könne er momentan nicht in seine Heimat zurück. Kabul sei ihm derzeit zu gefährlich. Am Fahrtziel sollte ich entscheiden, wie viel Geld ich ihm geben wolle. Wahrschein lich waren die 40 Dirham zuviel, denn so ein begeistertes Lächeln und eine herzliche Verabschiedung habe ich seitdem nicht mehr erlebt.

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2 Responses to Im Taxi durch Dubai

  1. Andre sagt:

    Dubai ist doch nur schon wegen der Taxifahrten ein Besuch wert… Ohne Sicherheitsgurte und Lebensversicherung fahre ich allerdings ungern mit. Bin mir auch jedes Mal am überlegen, ob ich sagen soll, ich komm‘ aus der Schweiz oder aus Südafrika. Als Schweizer abgestempelt, wird mit während der Rest der Fahrt vorgeheult, wie wenig man als Taxifahrer verdient, als Südafrikaner getarnt verläuft die Diskussion in Richtung meiner weissen Hautfarbe… (ist um einiges angenehmer!)

    PS: Wie geht’s dem Bein? Alles wieder soweit ok, um an die Bar zu humpeln und ein Bier zu bestellen?

    Gruss
    André

  2. Herr A. sagt:

    Sicherheitsgurt ist Pflicht. Am besten auch gleich Augen schließen. Wenn ich denen erzähle, dass ich Deutscher bin, gibt es eigentlich immer nur positive Reaktionen wie „Germany? Very good country!“. Vorgeheult hat mir noch niemand etwas, die wissen also ganz genau, wo in Europa das Geld liegt und wo nicht. Spaßeshalber habe ich mich mal als Finne ausgegeben, damit konnte der Taxifahrer aber so überhaupt nichts anfangen.

    Das mit der Bar können wir gerne demnächst mal in Angriff nehmen.
    Hübsche Blumenfotos übrigens!

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