Eis, Beton und Flugzeuge

Freitag 28. September 2007

Mich hat jetzt auch die Schnodderitis erwischt. Die mit Kopfschmerzen, roter Nase und Müdigkeit und so.

Daran bin ich nicht ganz unschuldig, denn trotz eindeutiger Signale (Frau A. hat die Schnodderitis schon seit Tagen und allgemeines Unwohlsein von mir), war ich abends halb-beruflich unterwegs.

Zunächst habe ich mir den Kopf ordentlich abgekühlt (daher die rote Nase) in Dubais erster Ice-Bar.

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Das Chill Out in der Times Square Mall ist rund 140 Quadrameter groß, 40 Tonnen Eis haben die Jungs zu Tischen, Theke und Stühlen geformt; eine zwei Meter lange Nachbildung von Dubais Skyline frostet an der Wand vor sich hin. Für rund 10 Euro Eintritt wird man mit Mütze, Handschuhen und dicker Jacke ausgestattet, ein Begrüßungsdrink ist frei. Alkoholische Getränke gibt es nicht, dafür aber Heißes aus der Tasse und Sandwiches und Salate.

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Trotzdem sind wir nach ein paar Minuten wieder raus, weil es bei -6 Grad meinem Mitstreiter zu kalt wurde.

Auf dem Weg zurück in die Stadt kurz an einer Baustelle halt gemacht. In Dubai wird derzeit eine Metro gebaut, entlang der Sheikh Zayed Road stehen schon viele Betonpfeiler, auf denen die Gleisbrücke zusammen montiert wird. Rein größenmäßig sieht das ziemlich beeindruckend aus, wenn der Kran so ein Betonteil hochhievt. Oben werden dann die einzelnen Blöcke miteinander verbunden.
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Danach ging es in ein arabisches Café – einen arabischen Kaffee und eine Shisha mit Apfelaroma (Kopfschmerzen) konsumieren. Kein Foto.

Obwohl schon mitten in der Nacht, war ich noch nicht reif für die Matratze, denn bekanntermaßen haben wir gerade Vollmond. Also noch ein bisschen nachtfotografiert (Müdigkeit). In diesem Fall startende Flugzeuge, die ganz dicht über unserem Dach das Weite suchen. Für einen ersten Versuch mit Langzeitbelichtung ist das Foto ganz gut geworden, denn das dunkle Flugzeug sieht man natürlich nicht, nur die Positionslichter strahlen hell genug.

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Kein Wunder also, dass ich mich heute schniefig fühle.


Tower Power: Burj Dubai

Donnerstag 27. September 2007

Er ist (noch) der Größte…

Die Rede ist vom Burj Dubai, dessen Fotos schon hier und hier zu sehen waren. Heute gibt es noch einige Informationen zu dem Turm.

Burj Dubai Burj Dubai Night

Wen man mit dem Auto Richtung Burj Dubai fährt, wird man von Bauzäunen, Baustellenzufahrten und gerade fertiggestellten Neubauten begleitet.

Denn um den Tower herum entsteht an der Sheik Zayid Road ein komplett neuer Stadtteil, Downtown Dubai. Insgesamt 750 000 Menschen werden später einmal in den Hochhäusern und Apartments ein neues zuhause finden. Außerdem werden zur zeit Bürotürmen und die Dubai Mall hochgezogen. Die Mall wird insgesamt 1 Million Quadratmeter (davon 500.000 Quadratmeter Verkaufsfläche) umfassen und somit erst mal die größte Mall der Welt sein (ab ca. 2008 soll dann die Mall of Arabia/Dubailand mit mehr als einer Million Quadratmetern Verkaufsfläche den Rekord übernehmen). Die zur Zeit Größte Mall Dubais, die Mall of the Emirates mit 223.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist dann nur nach ein Winzling (aber immer noch fast doppelt so groß wie die größte Mall in Deutschland, der Ruhr-Park Bochum mit 126.000 m² Mietfläche).

Zurück zum Burj Dubai: Wenn man hinter die Bauzäune sieht, wird man mit unterschiedlichsten Baustilen, Traufhöhen und Materialien konfrontiert. Leider werden die Stilrichtungen hier so ungeschickt miteinander kombiniert, dass es zu keinem homogenen Stadtgefüge kommt.

Die Showrooms der Dubai Mall und des Burj Dubai bieten schon jetzt einen kompletten Blick auf den auf das noch höchste Bauwerk der Welt und viele Informationen zum Burj, wie die Dubaianer ihn liebevoll nennen. Neben einem zwei Etagen hohen Modell gibt es dort zwei Musterwohnungen. Dort kann man besonders gut die gewölbte Fassade wahrnehmen, die dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche bieten soll.

Der Burj weist einen y-förmigen Grundriss mit einer Grundfläche von 7000 Quadratmetern auf, etwas weniger als die Fläche eines Fußballfeld. Um die Stabilität zu erhöhen, verjüngt er sich nach oben hin. Die Außenwände der unteren Stockwerke sollen stellenweise 1,5 Meter dick sein.

Die entgültige Höhe wird vom Bauträger Emaar Properties immer noch geheim gehalten, aber für einen Koloss von vermutlich ca. 850m Höhe wirkt er nicht plump. Dem Architekturkonzern Skidmore, Owings and Merrill LLP (SOM) gelang es durch unterschiedlichen Stufen, die sich spiralförmig nach oben winden, dem Tower eine elegante Leichtigkeit ausstrahlen zu lassen.

Das fertige ca. 189 Stockwerke umfassende Gebäude wird ein Hotel (bis Level 37) des Modehauses Armani, Apartments (Level 38-108) Büros, Suiten und im Level 124 eine Aussichtsplattform mit Außenterrasse beherbergen. Mit 440 Metern ist sie die höchste Terrasse der Welt – und verdammt hoch. Ich war auf der Aussichtsplattform des Maintower in Frankfurt und die liegt bei 200 Metern nicht mal auf der Hälfte. Fertig werden soll der Burj Dubai übrigens 2009, nach 5 Jahren Bauzeit. Das sind ja schöne Aussichten.


Tower Power: Emirates Tower

Montag 24. September 2007

Zu irgendetwas muß so eine Erkältung ja gut sein. Somit schaffe ich es wenigstens meine Tower Power Serie zu beginnen.

Die Emirates Tower

Die Königinnen unter den Towern in Dubai, bestehend aus dem Jumeirah Emirates Towers Hotel (309,1 Meter hoch, 54 Stockwerke) und dem Emirates Office Tower (354,6 Metern, 56 Stockwerken). Die nach einer 4jährigen Bauphase im Jahr 2000 fertiggestellten Tower liegen zurückversetzt an der Sheik Zayid Road. Durch diese städtebaulich Anordnung, kann der Betrachter die Tower vielmehr als ganzes Wahrnehmen, wenn er durch die Hochhausallee entlang der Hauptverkehrsader Dubais fährt, an der die unterschiedlichsten Tower Spalier stehen.

Die dreiecksförmigen Zwillingstower, die ein tanzendes Paar darstellen sollen, wurden vom Architekten Hazel W.S. Wong (Norr Group) so geschickt zueinander angeordnet, dass sie eine gelungene harmonische Einheit bilden. Der eine Tower kann nicht ohne den anderen stehen. Diese wird noch durch den geschickten Materialwechsel von Glas und Beton in der Fassade verstärkt. Zwei Seiten sind fast massiv, die dritte fast komplett verglast. Hinter ihr befinden sich Atrien, die sich fast über die komplette Länge des Gebäudes erstrecken. Wikipedia behauptet, dass die Geschwindigkeit der Aufzüge im Atrium reduziert werden musste, da einigen Gästen bei der Fahrt in die luftigen Höhen übel wirde. Kann ich sehr gut nachvollziehen, da es mir beinahe selber im Pariser Institut du Monde Arabe passiert wäre. Die Araber wollen halt immer schnell hoch hinaus.

Im Emirates Office Tower befindet sich in der Spitze ein ganz besonderes Büro. Kein geringerer als Seine Hoheit General Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum, Regent Dubais, Vizepräsident und Premierminister der Emirate residiert hier.

Im Hotel Tower befindet sich die unter anderem die Vu´s Bar. Sie liegt im 53. Stockwerk und man hat einen sensationellen Blick über Dubai. Die Ausstattung ist sehr edel, die Getränke sehr teuer und die Frauen unerreichbar (wenn man nicht das nötige Kleingeld dabei hat).

Neben 400 Zimmern (die kleinste Einheit umfasst 44qm) 15 Bars und Restaurants und Offices beherbergen die Emirates Tower selbstverständlich auch eine Mall „The Boulevard“. Luxuriös, schön anzusehen und seeehr teuer.

Die beide Türme sind wunderbar beim Autofahren als Landmark zu gebrauchen, da sie von fast überall erkennbar sind und sich in ihrer Formensprache geschickt von der Masse abheben.

Emirates Tower/Sheik Zayid Road Emirates Tower

Emirates Tower Landmark


Zu Gast bei Emiratis

Sonntag 23. September 2007

Am Wochenende sind wir leicht nervös nach Abu Dhabi gefahren. Unser Freund Mohamed hatte zum Iftar im Hause seiner Eltern eingeladen. Unsere erste Begegnung mit Einheimischen in privater Atmosphäre…

Wenn man sich durch die Arabien-Knigges liest, dann muss man einfach Bammel haben vor so einer Situation. Gesprächsthemen, die als „Tabu“ gelten, gibt es genug, die falsche Aktion mit linker Hand, den Fußsohlen oder der falsche Blick reicht mitunter schon, um den emiratischen Gegenüber zu verärgern. Normalerweise speisen Frauen und Männer zu solchen Ereignissen getrennt, und überhaupt: wer darf wen begrüßen und mit wem darf man überhaupt sprechen?
Soweit die Theaorie – zum Glück sah bei uns die Praxis anders aus.
Der Vater steht schon am Tor des großen Bungalows, kaum ist man ausgestiegen werden wir auch schon herzlich begrüßt und in die Wohnung geleitet. Misstrauisch, desinteressiert, herablassend oder ungebildet wären die letzten Begriffe, die mir zu der Begegnung mit dieser Familie einfallen. vier der sechs Kinder sind an diesem Abend beim Fastenbrechen dabei, die anderen beiden studieren im Ausland. Vater und Mutter sind neugierig und diskussionsfreudig (auch über Politik, Gesellschaft und Familie), schließelich haben sie selbst schon viel von der Welt gesehen, inklusive München Mitte der 80er Jahre, und vielleicht sogar mehr europäische Staaten bereist als ich. Es hilft, dass außer uns noch ein französischer Reitlehrer, eine Italienischelehrerin und eine Arbeitskollegin aus dem Libanon als Gäste dabei sind – die Themen gehen eigentlich nie aus (nur, wenn mal wieder eine der Essensrunden eingelegt wird. Nicht lange raten, ob es geschmeckt hat oder ausreichende Mengen aufgetischt wurden). Etwas schüchtern und zurückhaltend sind nur die beiden Töchter, die wie die Mutter in elegante grüne Gewänder gehüllt, den Kopf verdeckt, das Gesicht aber frei, aufmerksam den Gesprächen folgen, aber nicht so richtig etwas preisgeben. Zumindest hier stimmt vielleicht das Klischee über emiratisches Verhalten.

Eine Begegnung, die richtig Spaß gebracht hat und meine bisherigen Urteile über Land und Leute in eine deutlich positivere Richtung gebogen hat. Nun weiß ich immerhin, dass die Leute zwar wie verrückt auf der Straße unterwegs sind, aber trotzdem nett sein können. Das ist doch schon mal ein Anfang.


Die lieben Nachbarn…

Donnerstag 20. September 2007

sind besch***** I****** mit ******* in den ****** ******!

Ich habe ja akzeptiert, dass es kulturell bedingte Unterschiede im Verhalten von Westeuropäern und Arabern gibt. Kein Problem. Größere Lautstärken (bei Unterhaltungen, Musik im Auto, Schallteppich in Malls) machen ihnen nichts aus und auch der Zeitbegriff ist bei ihnen relativ (Terminabsprachen sind egal, das allgemeine Lebenstempo ist langsam, haben Sie ein Lenkrad in der Hand, muss aber alles schnell gehen) zu unseren Vorstellungen.

Alles Ok. Aber bloß weil Zeit und Schall anders in den Gehirnwindungen verarbeitet werden, brauchen die lieben Nachbarn nicht um halb ein Uhr Nachts damit beginnen, die Wand zu unserem Schlafzimmer mit einer Bohrmaschine in einen schweizer einen arabischen Käse zu verwandeln.

Grrrrr!


Fasten live!

Mittwoch 19. September 2007

20.14 UHr DOZ:
Fertig mit Fasten – und pappsatt. Gefühlt habe ich wieder meine 2 Kilo gewonnen, der Gang zur Waage steht aber noch aus. War eine interessante Erfahrung, so ein Ramadan-Tag, aber Wiederholungswahrscheinlichkeit: < 10 %.

18.17 Uhr DOZ:
Ich gehe jetzt mal in die Küche. Für die nächste Stunde halte ich es dann mit Homer Simson: „Keine Zeit, muss essen!“

18.00 Uhr DOZ:
Frau A. stand frisch geduscht neben mir – und hätte damit fast den ganzen Tag zunichte gemacht (ich sag nur: schlimme Gedanken!). Aber so richtig prickelnd finde ich das Extrem-Fasten ansonsten nicht. Klar, die richtigen Erfolgserlebnisse (Euphorie, Entgiftung) stellen sich erst so nach drei Tagen ein, aber ich kann auch mit Nahrungsaufnahme ganz gut leben, sehr gut sogar.

16.55 Uhr DOZ:
Draußen werden die Schatten länger, das Licht gelb-orange – bald geht die Sonne unter. Werde jetzt ein paar Hemden bügeln zur Ablenkung.

16.29 Uhr DOZ:
Auch Frau A. ist wieder daheim. Zum Glück musste ich sie nicht abholen, jetzt mit dem Auto über die vollgestopften Straßen von Dubai ist kein Spaß.

16.21 Uhr DOZ:
Der Mitbewohner kommt seit einigen Tagen schon nachmittags statt abends nach Hause. Begrüßt mich mit den Worten „Ramadan gefällt mir. Ich werde jetzt was Essen.“ Hat mein Magen gehört und will mit in die Küche.

16.15 Uhr DOZ:
Draußen im Pool machen die Nachbarskinder mal wieder einen Höllenlärm. Wartet nur ab, Ihr Blagen, in ein paar jahren freut Ihr euch drauf, Ohne Eseen und Trinken ganz ruhig auf dem Sofa zu sitzen, während der Nachbar sich konzentrieren muss.

15.20 Uhr DOZ:
Da ich in drei Stunden schon wieder Essen darf, muss ich mir langsam Gedanken darum machen, WAS ich denn essen werde. Zuerst eine Dattel, klar. Das ist Tradition. Aber danach. Vor einigen Tagen waren wir zum Iftar, so heißt Die Mahlzeit, mit der abends das Fasten gebrochen wird, mit Freunden im Hotel. Feine Sache. Für umgerechnet 20 Euro konnte man sich dort zwei Stunden lang den Bauch mit arabsichen Speise vollhauen. Fleischberge, riesige Fische, Salate, Gemüse über den ganzen Buffettisch verteilt. Suppen gabs auch, aber die hat keiner angerührt. Nach zwei STunden haben die Kellner den ganzen Kram angeräumt und mit anderen Sachen vollgestellt, die noch mehr dem westlerischen Geschnmack entsprechen. SChon verrückt, aber das nur nebenbei.

Neben Datteln sind hier noch Gerichte beliebt, die so schöne Namen haben wie Harira (Suppe mit Lamm, Linsen und Kichererbsen), Harees, Gamet jallab, Kunafeh, Katyef. Das Meiste davon ist so süßes Zeug, das ich garnicht beschreiben, ja nicht mal auseinanderhalten kann. Darüber kann ich vielleicht noch mal in ein paar Tagen schreiben, wenn wir bei einer Emirati-Familie zum Iftar waren. Heute Abend gibt es erstmal ein Steak. Das werde ich so richtig schön langsam braten (der Grill dauert mir jetzt zu lange), ein bisschen Salz, etwas Gewürze. Dazu Reis, Kichererbsen, Salat und Ofenpommes mit Ketchup.

Meine Zunge ist schon wieder schön feucht, hat aber mittlerweile eine 180er Körnung.

Oh, ich bringe fast 2 Kilo weniger auf die Waage als heute morgen.

14.41 Uhr DOZ:
Ah, geht ein bisschen besser. Der Tiefpunkt scheint überwunden. Nach einer Runde Golf am Rechner kann ich schon etwas klarer denken. Nur mein Kiefer tut weh. Habe ihn wohl zu festgedrückt die letzten Stunden.
Durst quält immer noch, Magen hält die Fresse.
Kopf fühlt sich an wie nach drei Bier, nur ohne Mundgeruch. Eigentlich unverantwortlich, in diesem Zustand Auto zu fahren, aber hier werden Hunderttausende gleich genau das machen. Und weil sie es eilig haben und nicht mehr ganz klar im Kopf sind, drängeln sie, wildwechslen sie einfach die Spuren, fahren über Rot… Aber Vorsicht, Ihr Faster. IN der Zeitung stand heute, dass Die Polizei Euch genau auf dem Kieker hat und stärker als Sonst während der Rushhour patrouilliert, um Ramadan-Rowdies zu schnappen. Nur, fasten die meisten Polizisten nicht selber gerade und bedeutet das nicht, dass sie womöglich lieber in Ruhe den Dienst schieben möchten?

13.41 UHr DOZ:
Schlafen funktioniert auch nicht wirklich. Müdigkeit ist ja nicht das Problem. Der Kopf dröhnt lauter als die Klimaanlage und die Gedanken kommen deutlich langsamer aus dem Kopf. Selbst hier ein paar Sätze zu verfassen, geht nicht ohne Tipp-Fehler. Und ich stelle fest, dass gerade geschriebene Sätze so überhaupt keinen Sinn machen und lösche sie wieder. Vergesslich bin ich auch. Irgendetwas wollte ich noch erledigen, eben gerade. Hmmm. Wenn ich mir vorstelle, dass ich jetzt anspruchsvolle Arbeiten verrichten müsste, nee Danke.

12.48 Uhr DOZ:
Um Texte Korrektur zu lesen , brauche ich deutlich länger als sonst. Fasten und geistige Arbeit passen nicht zusammen. Mein Magen spielt noch immer beleidige Leberwurst und pocht auf sein Recht auf Arbeit. Meine Zunge fühlt sich an wie Sandpapier, 120er Körnung, der Kopf ist ein bisschen schwer.

Zeit für eine kurze Siesta. Vielleicht wache ich dann endlich mit einem endorphin-bedingten Euphoriegefühl auf.
12.14 Uhr DOZ:
Ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig, ich bin nicht durstig.

11.31 Uhr DOZ:
So langsam kann ich verstehen, warum viele Fastende nach Sonnenuntergang so richtig reinhauen. Vor meinen halluzinogenen Augen fliegen flattern Brotscheiben und freuen sich Würstchen auf den Feierabend…

10.25 Uhr DOZ:
Habe von draußen noch eine Zeitung geholt. Jetzt weiß ich, dass heute um 18.21 Uhr das Fasten gebrochen werden kann. Noch acht Stunden. Ich frage mich, ob in der leeren Wasserflasche auf dem Schreibtisch nicht doch ein paar Tropfen zu finden sind.

10.17 Uhr DOZ:
Mein Magen ist aufgewacht und fragt, wo die üblichen zwei Scheiben Brot mit Marmelade bleiben. Ich habe ihm gesagt, er soll heute einfach mal die Klappe halten. Konnte deutlich ein verärgertes Knurren hören.

Es ist 9.45 Uhr DOZ (Dubai Ortszeit), willkommen zu meinem Versuch, zumindest einen Tag ramadan-konform auszuleben.

Ausgerechnet heute bin ich bereits deutlich zu früh aufgewacht, meine Energie reichte aber nicht aus, um zu prüfen, ob es draußen noch dunkel ist und ich vielleicht schnell noch einen Liter Wasser kippen darf.

Deswegen fühlt sich der Mund jetzt etwas trocken an, aber der Herzschlag ist normal, mein äußeres Erscheinungsbild ohne Kaffeekonsum den morgendlichen Umständen entsprechend, Gewicht: 76 kg.

Frau A. habe ich bereits ins Büro gefahren und meine erste kürzere Wartezeit hinter mir. Das Postamt macht während Ramadan erst um 9 Uhr auf, weswegen ich zehn Minuten in der (noch angenehmen) Morgensonne zusammen mit einigen Indern warten durfte.

Nur ein Autofahrer hat es heute Morgen geschafft, schlechte Gedanken hervorzurufen, die ich aber gleich im Keim erstickt habe.

Ich werde jetzt versuc – meine Konzentrationsfähigkeit scheint bereits ein wenig zu leiden, denn soviele unzusammenhängende Gedankensprünge wie in den letzten Sekunden hatte ich lange nicht mehr – hen, ein bisschen zu Arbeiten. Vorher muss ich noch die Pflanzen gießen, die müssen sich ja meinen Verrücktheiten nicht unterwerfen.


Noch einen Tag bis zur Weltpremiere!*

Dienstag 18. September 2007

Mein letzter Eintrag ist schon einige Tage her, was daran liegt, dass ich etwas beschäftigt war und in Dubai nichts blogbewegendes passiert ist. Das wird sich morgen ändern. Aber erstmal etwas Kleinkram:
– Zum Autofahrer der Woche wird ohne lange Diskussion der junge Mann gewählt, der eine Schnellstraßenabzweigung verpasst hat und mutig rund 300 Meter im Rückwärtsgang (immerhin mit Warnblinker) seinen Fehler korrigiert hat. Ich konnte nicht mehr sehen, wie er dann versuchen musste, aus dem Stand in die linke Spur einer anderen Schnellstraße einzufädeln, wo überlicherweise auch 100 gefahren wird.

– Vor einigen Tagen hatten wir Gäste. Eine Besucherin hat es geschafft, sich versehentlich in unserer Toilette einzusperren. Nach zehn Minuten war sie zwar wieder draußen, aber seitdem lässt mich der Gedanke an ein Klo-Blog nicht mehr los. Diese Idee ist zwar nicht ganz neu – doch das Blog lockedupinrestroom.wordpress.com gehört jetzt erst Mal mir. Über Inhalte denke ich später nach.

Nun aber zur Weltpremiere!*

Bekanntlich haben wir in Dubai und anderswo derzeit Ramadan, mit der Folge, dass Muslims tagsüber nichts essen oder trinken. Ich habe nun meinen inneren Schweinhund soweit überwunden, dass ich mir dies auch einmal antun möchte. Deswegen werde ich morgen, Mittwoch, einen Fastentag einlegen und hier davon berichten. Live-fasting, sozusagen.

Dafür brauche ich aber Unterstützung, denn bisher waren alle guten Vorsätze bereits mit dem Morgenkaffee runtergespült.

* Eine Schnellrecherche bei Google hat zumindest ergeben, dass niemand anders auf diese Idee gekommen ist. Gefühlt ist es also eine Weltpremiere.


Erster Fehlversuch

Donnerstag 13. September 2007

Der erste Anlauf, trotz fehlenden religiösen Hintergrunds einen Ramadan-konformen Tag zu leben, scheiterte praktisch mit dem Aufstehen: ein Gutenmorgenkuss, ein unbedachter Kaffee und später noch ein paar schlechte Gedanken machen diesen Tag ungültig.

Ich glaube, dass die Kontrolle der Gedanken das Schwierigste für mich wären, denn Wut, Ärger, Frust oder Verwünschungen tauchen ja doch recht schnell auf – dazu reicht manchmal schon der Blick auf die unteren Punkte der to-do-Liste. Verzicht auf Essen und Trinken scheinen da vergleichsweise unproblematisch.

Wer sich übrigens fragt, was ich neben dem Auskurieren des Zongs und meiner Karriere als Computer-Golfer so mache, kann hier lesen.


Einmal werden wir noch wach…

Mittwoch 12. September 2007

… und dann ist Fasten angesagt. Morgen beginnt nämlich Ramadan, der Fastenmonat. Ich bin noch kein Kenner der muslimischen Traditionen, versuche aber mal kurz und in möglichst fehlerfreien Sätzen zu erklären, was Ramadan bedeutet (wer unter den Lesern es besser weiß, ich freue mich gerne über Anregungen und Kritik).

Zunächst mal: Der Fastenmonat Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Kalenders, der sich an den Mondphasen orientiert, die 28 bzw. 29 Tage dauern. Das Mondjahr hat zwar auch 12 Monate, ist aber kürzer als das in weiten Teilen der Welt benutzte Sonnenjahr und der gregorianische Kalender. Eine Folge davon ist, dass (nicht nur) der Ramadan jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt beginnt – in den kommenden Jahren verschiebt sich der Beginn immer weiter in den heißen Sommer hinein.

Das Fasten ist eine der fünf religiösen Pflichten, die im Koran für die Gläubigen festgeschrieben sind (Nebenbei: die anderen Grundsätze sind das Glaubensbekenntnis, die täglichen Gebete, Almosen für die Armen und die Pilgerfahrt).

Unschwer zu erraten hat Fasten nichts mit Gewichtsreduktion zu tun, sondern ist eine Respektbezeugung gegenüber der Religion. Die Fastenden sollen einerseits am eigenen Leib erfahren, wie es den Armen der Gesellschaft ergeht, außerdem können sie mit dem Fasten ihre Selbstdisziplin demonstrieren. Ramadan hat daneben noch eine gesellschaftliche Dimension, denn das öffentliche Leben entschleunigt sich und die Bindung an die Familie wird gestärkt. Alle Muslime, mit denen ich darüber gesprochen habe, freuen sich auf den Fastenmonat, sehen ihn also nicht nur als eine lästige Pflicht. Auch wenn ein direkter Vergleich wohl nicht angebracht ist, erinnert mich diese Stimmung an Weihnachten, wo ja auch eine besondere Stimmung in der Luft liegt, ganze Straßenzüge schmückt und beleuchtet, man sich auf Geschenke, die Familie und das Zusammensein freut.

Ramadan beginnt, wenn die Sichel des Neumondes mit bloßem Auge am Nachthimmel zu erkennen ist. Das Datum für dieses Ereignis lässt sich mathematisch ziemlich exakt im Voraus berechnen, aber dennoch gibt es unterschiedliche Meinungen, wann der Monat beginnt. In manchen Ländern wird die traditionellere Methode verwendet, dass mehrere glaubwürdige Zeugen unabhängig die Sichel sehen müssen. Ohnehin ist durch das weite Ausdehnungsgebiet des Islam von Nordafrika bis Asien ein unterschiedliches Erscheinen des Neumondes mehr als wahrscheinlich, sodass unterschiedliche Anfangstage nicht weiter schlimm sind.

In Dubai wurde der Beginn von Ramadan vor einigen Tagen von einer offiziellen Stelle festgelegt. Seitdem informieren Zeitungen die Unwissenden über die wesentlichen Dinge, die in den kommenden vier Wochen passieren.

Wenn morgen früh die Sonnendämmerung beginnt und Hell und Dunkel unterschieden werden können (der Fastentag endet, wenn ein weißer und ein schwarzer Faden nicht mehr voneinander unterschieden werden können, also vermute ich, dass auch der Beginn so festgelegt wid), erschallt das Morgengebet und für Muslims heißt es, während des Tages enthaltsam zu sein. Vor allem Flüssigkeiten und Nahrung (auch Rauchen!) sind verboten, ebenso wie sexuelle Aktivitäten. Da der Körper von allem irdischen rein gehalten werden soll, führt streng genommen auch das versehentliche Verschlucken von Zahnputzwasser oder Sand zur Unwirksamkeit des Fastens und der Tag muss nachgeholt werden. Um mit sich ins Reine zu kommen, sind auch schlechte Gedanken und Wortäußerungen verboten. Die Arbeitszeiten werden in den V.A.E. für Muslime und nicht-Muslime um zwei Stunden verkürzt.

Nicht-Muslime müssen sich nicht an diese Regeln halten, sind aber aufgefordert, sich tagsüber angemessen zu verhalten, weil Ramadan auch eine Zeit der religiösen Besinnung ist. Neben etwas längerer Kleidung bedeutet das auch, nicht in der Öffentlichkeit zu essen oder zu trinken. Hotelrestaurants bieten ihren Gästen abgetrennte Bereiche, einige Food-Ketten verkaufen zum Mitnehmen oder Liefern nach Hause (ich habe den Kühlschrank voll mit Dingen, die man kochen kann).

Ebenfalls vom Fasten ausgenommen sind Kranke, Kinder (die aber natürlich trotzdem wie die Erwachsenen sein wollen, und (manchmal heimlich) halbe Tage fasten oder jeden zweiten Tag), Frauen während der Menstruation, Reisende und Menschen in besonders verantwortungsvollen Berufen. Diese Leute dürfen das Fasten zu anderen Zeitpunkten nachholen.

Nachmittags kommt dann Bewegung in die Stadt, weil alle schnell nach Hause wollen zum Fastenbrechen. Niemand muss schwarze und weiße Fäden mit sich führen, ein Ohr zum nächsten Minarett reicht, denn der Zeitpunkt wird durch das Sonnenuntergangsgebet eingeläutet. Danach geht’s nach Hause, wo das Fastenmahl (Ifftar) aufgetischt wird. Üblicherweise beginnt es mit einigen Datteln. Die anschließenden Speisen werden teilweise nur an Ramadan gegessen (mehr Detail kenne ich noch nicht, aber auch hier gibt es wohl Parallelen zu Weihnachten) und das Mahl zieht sich bis spät in den Abend. Wie gesagt, der soziale Aspekt des Zusammenseins ist hier sehr wichtig, denn auch Freunde und Nachbarn werden eingeladen, bzw. laden ein. Dies gilt insbesondere für die Armen in der Gesellschaft, die entweder direkt das Haus eines Gastgebers betreten dürfen oder an Armenspeisungen teilnehmen.

Zusätzlich zu den fünf täglichen Gebeten gibt es während Ramadan noch das Nachtgebet, welches als sehr wichtig gilt.

Bevor die Sonnendämmerung einsetzt, steht man auf, um das Morgenmahl (Suhur) zu sich zu nehmen. Manche bleiben dann auf bis zum Morgengebet, andere legen sich wieder Schlafen.

***

So, da fehlt sicher noch eine Menge an interessanten Details, aber zumindest ist das mal ein Überblick. IN den nächsten tagen wird es sicher mehr zu diesem Thema geben. Auch wenn mir die religiöse Dimension fehlt, werde ich schauen, ob ich es schaffe, einen Tag nach den Regeln des Ramadan zu leben, wobei mir allein der Gedanke an die Leckereien im Kühlschrank die Sache schon schwer macht.

Selbstdisziplin ist halt nicht jedermanns Sache.


Zensur III

Donnerstag 6. September 2007

Eigentlich nur konsequent: Nach der „Berliner Morgenpost“ wurde nun auch das Online-Angebot der „Welt“ (www.welt.de) durch Etisalat geblockt. Das ebenfalls zum Axel Springer Verlag gehörende Hamburger Abendblatt ist dagegen noch frei lesbar.

Eigentlich inkonsequent: Bild.de ist geblockt, die BamS nicht. Auch Maxim ist nichtgesperrt, während bei der (mindestens) halbnackten Konkurrenz von Playboy und Penthouse der Bildschirm blank bleibt (noch inkonsequenterweise kann man die Damen auf FHM online aber weiterhin besuchen).

Eine politische Linie gegen den Springer Verlag, scheint also nicht dahinterzustecken. Oder… vielleicht doch, aber sie wird einfach nur nicht konsequent umgesetzt. Würde mich nicht wundern.