Zu Gast bei Emiratis

Am Wochenende sind wir leicht nervös nach Abu Dhabi gefahren. Unser Freund Mohamed hatte zum Iftar im Hause seiner Eltern eingeladen. Unsere erste Begegnung mit Einheimischen in privater Atmosphäre…

Wenn man sich durch die Arabien-Knigges liest, dann muss man einfach Bammel haben vor so einer Situation. Gesprächsthemen, die als „Tabu“ gelten, gibt es genug, die falsche Aktion mit linker Hand, den Fußsohlen oder der falsche Blick reicht mitunter schon, um den emiratischen Gegenüber zu verärgern. Normalerweise speisen Frauen und Männer zu solchen Ereignissen getrennt, und überhaupt: wer darf wen begrüßen und mit wem darf man überhaupt sprechen?
Soweit die Theaorie – zum Glück sah bei uns die Praxis anders aus.
Der Vater steht schon am Tor des großen Bungalows, kaum ist man ausgestiegen werden wir auch schon herzlich begrüßt und in die Wohnung geleitet. Misstrauisch, desinteressiert, herablassend oder ungebildet wären die letzten Begriffe, die mir zu der Begegnung mit dieser Familie einfallen. vier der sechs Kinder sind an diesem Abend beim Fastenbrechen dabei, die anderen beiden studieren im Ausland. Vater und Mutter sind neugierig und diskussionsfreudig (auch über Politik, Gesellschaft und Familie), schließelich haben sie selbst schon viel von der Welt gesehen, inklusive München Mitte der 80er Jahre, und vielleicht sogar mehr europäische Staaten bereist als ich. Es hilft, dass außer uns noch ein französischer Reitlehrer, eine Italienischelehrerin und eine Arbeitskollegin aus dem Libanon als Gäste dabei sind – die Themen gehen eigentlich nie aus (nur, wenn mal wieder eine der Essensrunden eingelegt wird. Nicht lange raten, ob es geschmeckt hat oder ausreichende Mengen aufgetischt wurden). Etwas schüchtern und zurückhaltend sind nur die beiden Töchter, die wie die Mutter in elegante grüne Gewänder gehüllt, den Kopf verdeckt, das Gesicht aber frei, aufmerksam den Gesprächen folgen, aber nicht so richtig etwas preisgeben. Zumindest hier stimmt vielleicht das Klischee über emiratisches Verhalten.

Eine Begegnung, die richtig Spaß gebracht hat und meine bisherigen Urteile über Land und Leute in eine deutlich positivere Richtung gebogen hat. Nun weiß ich immerhin, dass die Leute zwar wie verrückt auf der Straße unterwegs sind, aber trotzdem nett sein können. Das ist doch schon mal ein Anfang.

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