Erster Fehlversuch

Donnerstag 13. September 2007

Der erste Anlauf, trotz fehlenden religiösen Hintergrunds einen Ramadan-konformen Tag zu leben, scheiterte praktisch mit dem Aufstehen: ein Gutenmorgenkuss, ein unbedachter Kaffee und später noch ein paar schlechte Gedanken machen diesen Tag ungültig.

Ich glaube, dass die Kontrolle der Gedanken das Schwierigste für mich wären, denn Wut, Ärger, Frust oder Verwünschungen tauchen ja doch recht schnell auf – dazu reicht manchmal schon der Blick auf die unteren Punkte der to-do-Liste. Verzicht auf Essen und Trinken scheinen da vergleichsweise unproblematisch.

Wer sich übrigens fragt, was ich neben dem Auskurieren des Zongs und meiner Karriere als Computer-Golfer so mache, kann hier lesen.

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Einmal werden wir noch wach…

Mittwoch 12. September 2007

… und dann ist Fasten angesagt. Morgen beginnt nämlich Ramadan, der Fastenmonat. Ich bin noch kein Kenner der muslimischen Traditionen, versuche aber mal kurz und in möglichst fehlerfreien Sätzen zu erklären, was Ramadan bedeutet (wer unter den Lesern es besser weiß, ich freue mich gerne über Anregungen und Kritik).

Zunächst mal: Der Fastenmonat Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Kalenders, der sich an den Mondphasen orientiert, die 28 bzw. 29 Tage dauern. Das Mondjahr hat zwar auch 12 Monate, ist aber kürzer als das in weiten Teilen der Welt benutzte Sonnenjahr und der gregorianische Kalender. Eine Folge davon ist, dass (nicht nur) der Ramadan jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt beginnt – in den kommenden Jahren verschiebt sich der Beginn immer weiter in den heißen Sommer hinein.

Das Fasten ist eine der fünf religiösen Pflichten, die im Koran für die Gläubigen festgeschrieben sind (Nebenbei: die anderen Grundsätze sind das Glaubensbekenntnis, die täglichen Gebete, Almosen für die Armen und die Pilgerfahrt).

Unschwer zu erraten hat Fasten nichts mit Gewichtsreduktion zu tun, sondern ist eine Respektbezeugung gegenüber der Religion. Die Fastenden sollen einerseits am eigenen Leib erfahren, wie es den Armen der Gesellschaft ergeht, außerdem können sie mit dem Fasten ihre Selbstdisziplin demonstrieren. Ramadan hat daneben noch eine gesellschaftliche Dimension, denn das öffentliche Leben entschleunigt sich und die Bindung an die Familie wird gestärkt. Alle Muslime, mit denen ich darüber gesprochen habe, freuen sich auf den Fastenmonat, sehen ihn also nicht nur als eine lästige Pflicht. Auch wenn ein direkter Vergleich wohl nicht angebracht ist, erinnert mich diese Stimmung an Weihnachten, wo ja auch eine besondere Stimmung in der Luft liegt, ganze Straßenzüge schmückt und beleuchtet, man sich auf Geschenke, die Familie und das Zusammensein freut.

Ramadan beginnt, wenn die Sichel des Neumondes mit bloßem Auge am Nachthimmel zu erkennen ist. Das Datum für dieses Ereignis lässt sich mathematisch ziemlich exakt im Voraus berechnen, aber dennoch gibt es unterschiedliche Meinungen, wann der Monat beginnt. In manchen Ländern wird die traditionellere Methode verwendet, dass mehrere glaubwürdige Zeugen unabhängig die Sichel sehen müssen. Ohnehin ist durch das weite Ausdehnungsgebiet des Islam von Nordafrika bis Asien ein unterschiedliches Erscheinen des Neumondes mehr als wahrscheinlich, sodass unterschiedliche Anfangstage nicht weiter schlimm sind.

In Dubai wurde der Beginn von Ramadan vor einigen Tagen von einer offiziellen Stelle festgelegt. Seitdem informieren Zeitungen die Unwissenden über die wesentlichen Dinge, die in den kommenden vier Wochen passieren.

Wenn morgen früh die Sonnendämmerung beginnt und Hell und Dunkel unterschieden werden können (der Fastentag endet, wenn ein weißer und ein schwarzer Faden nicht mehr voneinander unterschieden werden können, also vermute ich, dass auch der Beginn so festgelegt wid), erschallt das Morgengebet und für Muslims heißt es, während des Tages enthaltsam zu sein. Vor allem Flüssigkeiten und Nahrung (auch Rauchen!) sind verboten, ebenso wie sexuelle Aktivitäten. Da der Körper von allem irdischen rein gehalten werden soll, führt streng genommen auch das versehentliche Verschlucken von Zahnputzwasser oder Sand zur Unwirksamkeit des Fastens und der Tag muss nachgeholt werden. Um mit sich ins Reine zu kommen, sind auch schlechte Gedanken und Wortäußerungen verboten. Die Arbeitszeiten werden in den V.A.E. für Muslime und nicht-Muslime um zwei Stunden verkürzt.

Nicht-Muslime müssen sich nicht an diese Regeln halten, sind aber aufgefordert, sich tagsüber angemessen zu verhalten, weil Ramadan auch eine Zeit der religiösen Besinnung ist. Neben etwas längerer Kleidung bedeutet das auch, nicht in der Öffentlichkeit zu essen oder zu trinken. Hotelrestaurants bieten ihren Gästen abgetrennte Bereiche, einige Food-Ketten verkaufen zum Mitnehmen oder Liefern nach Hause (ich habe den Kühlschrank voll mit Dingen, die man kochen kann).

Ebenfalls vom Fasten ausgenommen sind Kranke, Kinder (die aber natürlich trotzdem wie die Erwachsenen sein wollen, und (manchmal heimlich) halbe Tage fasten oder jeden zweiten Tag), Frauen während der Menstruation, Reisende und Menschen in besonders verantwortungsvollen Berufen. Diese Leute dürfen das Fasten zu anderen Zeitpunkten nachholen.

Nachmittags kommt dann Bewegung in die Stadt, weil alle schnell nach Hause wollen zum Fastenbrechen. Niemand muss schwarze und weiße Fäden mit sich führen, ein Ohr zum nächsten Minarett reicht, denn der Zeitpunkt wird durch das Sonnenuntergangsgebet eingeläutet. Danach geht’s nach Hause, wo das Fastenmahl (Ifftar) aufgetischt wird. Üblicherweise beginnt es mit einigen Datteln. Die anschließenden Speisen werden teilweise nur an Ramadan gegessen (mehr Detail kenne ich noch nicht, aber auch hier gibt es wohl Parallelen zu Weihnachten) und das Mahl zieht sich bis spät in den Abend. Wie gesagt, der soziale Aspekt des Zusammenseins ist hier sehr wichtig, denn auch Freunde und Nachbarn werden eingeladen, bzw. laden ein. Dies gilt insbesondere für die Armen in der Gesellschaft, die entweder direkt das Haus eines Gastgebers betreten dürfen oder an Armenspeisungen teilnehmen.

Zusätzlich zu den fünf täglichen Gebeten gibt es während Ramadan noch das Nachtgebet, welches als sehr wichtig gilt.

Bevor die Sonnendämmerung einsetzt, steht man auf, um das Morgenmahl (Suhur) zu sich zu nehmen. Manche bleiben dann auf bis zum Morgengebet, andere legen sich wieder Schlafen.

***

So, da fehlt sicher noch eine Menge an interessanten Details, aber zumindest ist das mal ein Überblick. IN den nächsten tagen wird es sicher mehr zu diesem Thema geben. Auch wenn mir die religiöse Dimension fehlt, werde ich schauen, ob ich es schaffe, einen Tag nach den Regeln des Ramadan zu leben, wobei mir allein der Gedanke an die Leckereien im Kühlschrank die Sache schon schwer macht.

Selbstdisziplin ist halt nicht jedermanns Sache.


Zensur III

Donnerstag 6. September 2007

Eigentlich nur konsequent: Nach der „Berliner Morgenpost“ wurde nun auch das Online-Angebot der „Welt“ (www.welt.de) durch Etisalat geblockt. Das ebenfalls zum Axel Springer Verlag gehörende Hamburger Abendblatt ist dagegen noch frei lesbar.

Eigentlich inkonsequent: Bild.de ist geblockt, die BamS nicht. Auch Maxim ist nichtgesperrt, während bei der (mindestens) halbnackten Konkurrenz von Playboy und Penthouse der Bildschirm blank bleibt (noch inkonsequenterweise kann man die Damen auf FHM online aber weiterhin besuchen).

Eine politische Linie gegen den Springer Verlag, scheint also nicht dahinterzustecken. Oder… vielleicht doch, aber sie wird einfach nur nicht konsequent umgesetzt. Würde mich nicht wundern.


Hamburg in der Ferne

Donnerstag 6. September 2007

Vorgestern hat endlich wieder der Hamburger Stammtisch in Dubai getagt. Wieder im bewährten Grand Hyatt, wieder einmal sehr nett. Ein paar neue Gesichter (das muss einer sagen, der erst zum zweiten Mal dabei ist) waren auch dabei. Lustigerweise fallen Teile der  Gesprächsanbahnung irgendwie  anders aus als gewohnt. „Wo kommst Du denn her?“ – „Äh, Hamburg natürlich…“ – „Ich meinte ja auch den Stadtteil.“ – „Ach so…“

Nee Jungs un Deerns, datt war doch’n schöner Abend.

Freu mich auf die Wiederholung.


Schweizer, Iren, Italiener…

Dienstag 4. September 2007

War viel zu tun in den vergangenen Tagen, das muss jetzt alles mal aufbereitet werden. Zum Glück hatten die meisten Aktivitäten mit Essen und Trinken zu tun, sodass ich hier gerne darüber berichte.

Zunächst hatte am Donnerstag Herr M. geladen zum Lasagne-Essen. Wir beide kannten ihn nur als in Dubai ansässigen Archtitekten Schweizer Herkunft, der regelmäßig über Architektur in Dubai bloggt.

Kurz: das Essen war hervorragend, ebenso die Weinauswahl, die Nachspeisen, das Schnäpschen und die so illustre wie internationale Gästerunde, die vom Schokoladenimporteur bis zum bis zur Diamantenvermarkterin gemischt war.

Da ist auch verzeihlich, dass Herr M. wohl aus Patriotismus zu später Stunde mein weißes Hemd unter Zuhilfenahme von Rotwein fast in eine Schweizer Flagge verwandelte. Zum Glück ging der Riesenfleck mit Salz und Waschmaschine wieder raus.

Am Samstag ging es dann zum Hopfest 2007 im Irish Village. Das ist so etwas wie ein Oktoberfest für Anfänger: ein großes Zelt mit einigen Tischen, Showbühne mit Band und drei Wände sind vollgestellt mit Bierständen. Eine feine Sache: für umgerechnet 12 Euro Eintritt gab es Gutscheine für ein Getränk und ein fastfoodiges Essen.

Nicht nur, dass das Zelt irgendwann recht voll wurde, die Bierauswahl hat doch einige neue Eindrücke in das internationale Brauwesen gegeben. So wusste ich nicht, dass Italiener Bier herstellen oder dass es ein marrokanisches Bier gibt (das sogar nicht mal schlecht war). Zum Schluss musste es dann aber doch ein Warsteiner sein.

(Sobald WordPress es wieder erlaubt, Bilder hochzuladen, mache ich es auch)