Radfahren in Dubai

Vor einiger Zeit wurde dieses Blog über die Suchbegriffe „Verkehrsregeln für Fahrräder in Dubai“ gefunden. Da Frau A. und ich mittlerweile zu den radelnden Bewohnern dieser aufstrebenden Wüstenstadt gehören, und wir nicht die einzigen sind, will ich mal einen kleinen Überblick über das Verhalten zweirädriger Großstädter in Dubai geben.

Um die Frage nach den Verkehrsregeln kurz zu beantworten:

Es gibt keine.

Radwege zum Beispiel sind hier nicht vorhanden. Zumindest habe ich noch nie welche gesehen. Da es zumindest in unserem Stadtteil eigentlich auch keine Fußwege gibt, die ihren Namen verdienen, denn wenn man abseits der Straße unterwegs ist, geht man entweder auf Sand oder klettert über gepflasterte Streifen vor den Grundstücken, die an der Einfahrt riesige Bordsteine haben, bleibt einem nur die Straße übrig.

In unserem Stadtteil kann man in den Seitenstraßen noch relativ ungefährdet umherfahren. Relativ, weil man jederzeit auf Autos achten muss, die von irgendeiner Seite aus einer Straße, Einfahrt oder sonstwo kommen könnten. Man sollte nicht darauf vertrauen, dass bloß weil man als Radfahrer von rechts kommt oder auf der Vorfahrtstraße unterwegs ist, auch seine Vorfahrt bekommt. Unter den Locals scheint Radfahren nicht besonders verbreitet zu sein, weshalb man im Vergleich mit den 4×4-Monstern,  Bussen, Lastern und Kleinwagen auf der untersten Stufe der Vorfahrts-Hierachie steht. Unter einem sind vielleicht noch die Fußgänger, aber das hängt wiederum davon ab, wer auf dem Rad sitzt und wer vor einem geht (für Frau A. beispielsweise wollte neulich eine Gruppe von Arbeitern partout nicht Platz machen). An Zebrastreifen gilt eine ähnliche Rangordnung: einer von schätzungsweise 40 Fahrern hält an, wenn ein Radler oder Fußgänger die Straße überqueren wollen.

Wo keine Radwege sind, gibt es auch keine Hinweisschilder für Radfahrer, wo sie langfahren dürfen und wo nicht (einzige Ausnahme: an der Einfahrt zum Einkaufszentrum Uptown Mirdif, wohin ich gelegentlich zum Supermarkt radle, steht ein Verbotsschild für Räder und andere Vehikel, an das sich aber niemand, also kleine Kinder, Skater, erwachsene Radfahrer (inklusive mir), hält und dessen Einhaltung auch niemand kontrolliert. Immerhin, und das ist Seltenheit Nummer zwei, steht dort ein Fahrradständer direkt am Anfang des Zentrums.

Aber bloß weil es keine Radwege oder Regeln gibt, heißt es noch lange nicht, dass in Dubai keine Radfahrer unterwegs  wären. Man sieht sie meistens nur ganz kurz, und zwar dann, wenn sie einem auf dem Standstreifen entgegenkommen (!) während man auf der Schnellstraße unterwegs ist. Gelegentlich muss man auch für sie abbremsen, wenn man das Gefühl hat, sie könnten es nicht rechtzeitig schaffen, über die zwei- bis sechsspurige Fahrbahn zu kommen, über die sie ihre Räder mangels Brücken oder Unterführungen schieben müssen, um von einem Stadtteil in den anderen zu kommen.

Immer sind es Männer, die auf den Rädern unterwegs sind und immer sehen diese Geräte aus, als würden sie es nicht mehr lange machen. Leuchten habe ich an diesen Fahrrädern bisher noch nie gesehen – als Frau A. neulich mit dem Rad zur Arbeit gefahren ist, waren einige Kollegen mächtig beeindruckt von ihrem Akku-betriebenen, abnehmbaren Halogenlicht. Selbst eine dynamobetriebene Glühbirne wäre mehr gewesen, als übliche Fahrräder zu bieten haben. Das zweite Aha gab es übrigens, als Frau A. ihr Fahrradschloss hervorholte -, was besonders dann gefährlich wird, wenn es dunkel ist. Richtig: dann fährt man in seinem Auto die Straße (in unserem Stadtteil gibt es fast nirgends Straßenlaternen) entlang und entgegen kommt einem ein unbeleuchtetes Rad mit einem dunkelhäutigen Fahrer (und das hat nichts rassistisches an sich – die meisten Radler sind vom indischen Subkontinent oder angrenzenden Staaten).  Schöne Überraschung.

Doch natürlich ist in Dubai nicht alle Hoffnung für Radler verloren. Denn in anderen Stadtteilen kann man entlang von Promenaden fahren oder auf ruhigen Nebenstraßen oder in Parks. Es gibt auch ein paar westliche Luxus-Rennradler, die immer samstags auf entlegenen Landstraße das Tier in sich rauslassen. Und BMX-Biker habe ich auch schon gesehen.

Ein Teil dieser Fahrräder wurde wohl in Wolfis Bike-Shop gekauft, ein Laden an der Sheikh Zayed Road, der vor eineigen Jahren von einem Schweizer Rad-Enthusiasten aufgemacht wurde. In einem Interview hat er gesagt, dass seine Verkäufe jedes Jahr mehrstellig wachsen. Es kann also nur aufwärts gehen für die Zweiradler.

Denn aus der Zeitung weiß ich auch, dass irgendwann sogar einige Radwege gebaut werden sollen, in den strandnahen Stadtteilen Jumeirah 1-3. Aber bis ich sie nicht selbst gesehen habe, bleibe ich zurückhaltend.

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2 Responses to Radfahren in Dubai

  1. ich war im februar/märz 2010 für drei wochen in dubai… ZUM radfahren! gewöhnungsbedürftig aber sehr gut! mir hat es extrem viel spaß gemacht! mehr unter http://www.alexanderlang.net – inklusive bilder dubais und videos (u.a. auch „live“ von den dortigen autobahnen!)

    • Herr A. sagt:

      Ich habe auch von einer Gruppe begeisterter Radfahrer gehört, die sich ein Mal pro Woche auf ihre Rennräder schwingen und durch die Gegend fahren. Ist bestimmt auch ganz net, wenn man draußen in der Landschaft ist, würde mich auch reizen. Aber der Radleralltag auf den nicht vorhandenen Radwegen, zwischen rücksichtslosen Autofahrern ist mir dann doch zu gefährlich.

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