Dubai und Drogen

Ich hatte schon länger vor, einen Post darüber zu schreiben, wie Dubai mit Leuten umgeht, die Drogen, Medikamente oder andere illegale Dinge ins Land bringen. Da wird nämlich nicht lange rumgezimpert. In den Zeitungen steht praktisch jeden Tag ein Bericht über Schmuggler, die am Flughafen festgenommen werden unter dem Verdacht, illegale Dinge ins Land bringen zu wollen. Oft geht es dabei tatsächlich um Drogenkuriere, die den Magen voller Kondome mit Stoff haben. Oft sind es aber auch Fälle, die aus westlicher Sicht, nun ja, kurios anmuten. Vor einigen Tagen wurde der Deutsche festgenommen, der eine Flasche Melatonin gegen Jet-lag dabei hatte und nun im Knast schmort. Immerhin wird das Medikament in den UAE frei in Apotheken verkauft. Praktischerweise haben auch deutsche Medien das mitbekommen und auch noch andere Fälle dokumentiert, etwa die Festnahme eines Briten, der einen Zigarettenstummel mit Kannabis unterm Schuh kleben hatte, oder den Schweizer, der einige Mohnsamen vom Frühstücksbrötchen nach Dubai „schmuggeln“ wollte, sodass ich aus Bequemlichkeit einfach einen Link zu Spiegel Online setze. Auf der Website thetruthaboutdubai.com sind sogar noch einige weitere (aus westlicher Sicht) haarsträubende Beispiele aufgeführt, etwa den UN-Mitarbeiter, der in Afghanistan Drogen vernichtet, und auf seiner Durchreise in Dubai wegen 0,06 Gramm Haschisch und einigen Mohnsamen zu vier Jahren verurteilt wurde. Die gleiche Strafe gabe es für italienische Touristen mit 0,01 Gramm Hasch in der Tasch. Oder eine Schmerzpatientin, die in Dubai eine lindernde Injektion erhielt und am Flughafen festgenommen wurde, weil die Substanz auf der Liste illegaler Medikamente steht. Nicht zu vergessen, der britische DJ Grooverider, der irgendwie „vergessen“ hatte, vor dem Abflug das Marijuana aus seiner Hosentasche zu nehmen.

Drogen in den UAE – Im Prinzip ganz einfach: Man hat etwas verbotenes dabei, wird erwischt und landet für mindestens 4 Jahre im Gefängnis. „Jaaaaaa, sind die denn verrückt! Wegen solch kleiner Mengen, gleich solche Strafen…“, könnte man nun fragen. Na ja. Es ist ja jedem Staat überlassen, festzulegen, welche Dinge verboten sind und wie hart sie bestraft werden sollen. Da gibt es erstmal auch nicht viel zu diskutieren. Bloß weil man aus Westeuropa gewohnt ist, es mit Hasch und Co. nicht so streng zu nehmen und Drogenkonsum zum alltäglichen Straßenbild gehört, müssen diese Maßstäbe nicht überall gelten. Schließlich würde man es in Deutschland auch befremdlich finden, kämen Forderungen aus anderen Ländern, die Strafen etwa für Diebstahl, Schusswaffenbesitz oder Steuerhinterziehung herabzusetzen, weil das soooo schlimm ja auch wieder nicht sei. (Disclaimer, nebenbei: auch ich finde die absolute und undifferenzierte Bestrafung von jeglichem Drogenbesitz oder Konsum nicht besonders glücklich, eben weil der Joint-Stummel unterm Schuh oder die Mohnsamen auch ein Versehen sein könnten. Marginalmengen würden hier schon viele Probleme entschärfen.)

Das Problem ist nur, dass vielen Reisenden und Touristen gar nicht bewusst ist, dass Drogenbesitz hier deutlich härter bestraft wird als daheim. Zwar sollte sich jeder Reisende grundsätzlich über die Gepflogenheiten des Landes vertraut machen, in das er reisen will. Aber während die strengen Einreiseprozeduren in die USA wohl den meisten Urlaubern geläufig sind, hat Dubai wohl noch den Ruf des hier-liegt-Gold-auf-der-Straße-und-nichts-ist-verboten-Landes. In den mir bekannten Wischiwaschi-Hochglanz-Reiseberichten mit „Höher, Größer, Luxuriöser“-Inhalten kommen solche Themen jedenfalls nicht vor. Auch das Dubai-Marketing kommt einem nicht entgegen, weil man die Stadt lieber als glitzernde Metropole positioniert, in der Drogen, Prostitution, Verkehrsunfälle und Ähnliches einfach nicht gibt: Sucht man auf www.dubaitourism.com nach dem Stichwort „Drogen“ oder „Drugs“, gibt es keine Treffer. Als „Verhaltenstipps“ werden gegeben:

  • Vermeiden Sie es, so zu sitzen, dass Ihre Fußsohlen auf jemanden zeigen.
  • Während des Ramadans sollte man tagsüber in der Öffentlichkeit weder essen, trinken noch rauchen.
  • Militärische Anlagen sowie einheimische Frauen sollen nicht fotografiert werden.
  • Alkohol darf auf öffentlichen Plätzen und Straßen nicht getrunken werden.

Im Abschnitt „Einreise“ gibt es nur Hinweise zu Visavorschriften, Gesundheitsvorschriften und zollfreiem Einkauf. Verbotene Substanzen wie Medikamente oder eben Drogen werden nirgens erwähnt.

Leider sind die Websites von Flughafen, Zoll oder Polizei bei diesem Thema nicht hilfreicher (was aber ein nicht untypisches Phänomen staatlicher Online-Angebote in den Emiraten ist). Auch hier findet man bei der schnellen Suche keine Hinweise, was verboten ist und was nicht.

Zwar gilt auch in Dubai der Grundsatz „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“, macht die Sache aber ein bisschen verständlicher. Auch wenn ich mich persönlich frage, wie Leute auf die Idee kommen, zu glauben, Drogen wären in einem arabischen Land kein so großes Problem. Immerhin können die Erwischten noch glücklich sein, nicht in Saudi Arabien einreisen. Dort werden nämlich (an westlichen, östlichen, südlichen und nördlichen Maßstäben gemessene) noch viel geringere Vergehen mit Gefängnis bestraft, etwa mit einem nicht-verwandten männlichen Geschäftspartner einen Kaffee trinken zu gehen.

Nachtrag, 26.2.2008:
Der Mann mit dem Drogen-Krümel unterm Schuh wurde laut einer Zeitung mittlerweile begnadigt.
Weniger Glück hatte DJ Grooverider – er wurde zu 4 Jahren Knast verurteilt.

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    3 Responses to Dubai und Drogen

    1. wortteufel sagt:

      Ich weiß, es klingt doof, aber mir machen solche Sachen so großen bammel, dass ich da gar nicht mehr hinfahren würde. Aus Angst, dass ich vielleicht in einen Jointstummel vor dem Airport getreten sein könnte und deshalb in den Knast wandern würde.

      Irgend so ein Missgeschick. Mal von der Panik ganz zu schweigen, mir könne jemand was ins Gepäck schmuggeln… Uaah. Horror.

    2. Herr F. sagt:

      Man man, da habe ich aber Glück gehabt, dass ich wieder in HH angekommen bin. Ich denke auch, dass das die Einreise für Cosmo auch nicht einfacher macht.

    3. Michael M sagt:

      Es gibt Infos zur Einfuhr von Medikamenten auf der Seite des Gesundheitsministeriums der UAE: http://www.moh.gov.ae
      unter e-services, drug-regulations, import of medicines bzw. registered medicines sollte man alles benötigte finden – allerdings liest sich das ganze mehr wie „wenn Du was wirklich wichtiges hast, was Du mitführen musst – lass es Dir vom Arzt bestmöglich dokumentieren und nimm max für 1 Monat mit – wenn’s nicht umbedingt nötig ist – lass es zu hause und kauf Dir in Dubai was neues..“

      Grüße

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