Licht aus!

Gestern war ich richtig froh, kein übermäßig großer Pferdenarr zu sein. Ursprünglichb wollte Frau A. mich zum Dubai World Cup schleppen, dem höchstdotierten Pferderennen der Welt. Frau A. hatte der Veranstaltung, die neben Rennfperden im Wesentlichen aus Sommerkleidchen und Riesenhüten besteht, im vergangenen Jahr begeistert beigewohnt und wollte auch bei mir den Funken überspringen lassen (Ohne dass ich dafür ein Kleid tragen müsste, natürlich). Anfang der Woche hatte ich versucht, online Karten für die Veranstaltung zu bestellen, bin aber im wahrsten Sinne des Wortes in letzter Sekunde zu spät gekommen – eine Karte hätte ich noch erklicken können. Auch der Versuch, vorab direkt an derRennbahn noch Karten zu kaufen, endete vor dunklen, verschlossenen Kassenhäuschen.

Nicht ganz ohne Amüsement habe ich dann heute in der Zeitung gelesen, dass nicht alle, die sich für rund 35 Euro einTicket gekauft hatten, auch tatsächlich sehen konnten, wie Curlin über als Erster über die Ziellinie galloppierte und seinen Besitzer um 6 Millionen Dollar reicher machte.
Denn, wie bei Großveranstaltungen nicht völlig unüblich, viele Leute mussten ein bis zu vierstündiges unfreiwilliges Sonnenbad in der Warteschlange nehmen, bevor sie endlich auf das Gelände gelassen wurden. Viele gaben auch schon nach ein oder zwei Stunden auf, sind nach Hause gefahren und haben ihr Ticket verfallen lassen. Mal wieder habe es an zu wenig Einlassstellen gegegen, die Zahl der Zufahrtswege und Parkplätze soll auch verbesserungswürdig gewesen sein, ebenso die Wissenslage der Mitarbeiter und deren Kommunikation gegenüber den genervten Ticketbesitzern. Es ist ja nicht so, dass die Veranstalter von Großevents überrascht sein müssten, dass tatsächlich zehntausende Besucher kommen. Die sind scheinbar schlicht überfordert, wenn es darum geht, das ganze ordentlich zu planen und gelegentlich auch mal genügend Klohäuschen aufzustellen.

Wir hatten stattdessen einen sehr schönen Wochenendausklang ohne Pferde und alberne Riesenhüte. Unser Kumpel Joe hatte bereits am Nachmittag seine Bar und den Pool sperrangelweit für mich geöffnet, abends kam noch Frau A. dazu. Weil irgendjemand in Australien zum Energiesparen aufgerufen hatte, verbrachten wir eine Stunde bei Kerzenlicht. Ursprünglich hatte es Dubai abgelehnt, bei der „Earth Hour“ mitzumachen. Aber irgendjemand war so clever zu sagen: „Ha, diese Hinterdünler sind nicht dazu in der Lage, was richtige Weltstädte mit einem Fingerschnipp hinbekommen.“ Wenn man die Herren hier bei ihrem Stolz packt, werden plötzlich ganz viele Dinge ganz schnell möglich.

Ob draußen in der Stadt wirklich an den größten Türmen das Licht ausging, wissen wir nicht, dazu hätten wir Energie aufwenden müssen, um rauszugehen. Joe zupfte ein paar akkorde aufseiner Gitarre, niemand konnte so richtig mitsingen, sehrlustig. Am meisten gefreut hat sich Frau A. übrigens darüber, dass sie nicht in völliger Dunkelheit Lulu machen musste, sondern ein Teelicht im Bad für die richtige Plätschstimmung sorgte.

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5 Responses to Licht aus!

  1. Kirsten sagt:

    Blind pinkeln ist aber auch wirklich kein Spaß. Obwohl Frau A. das eigentlich von den Damenklos im Millerntorstadion kennen müsste. 😉

  2. Herr A. sagt:

    Wieso, dort kann man sich doch sicher am Geruch orientieren?

  3. Kirsten sagt:

    Mh, gute Frage. Aber ich war da mal im Winter pinkeln, und wenn es so kalt ist, ist meine Nase nicht die beste. 😉

  4. littleb sagt:

    Ich war zwar gefühlt am anderen Ende der Welt, aber das erklärt nicht, warum ich von der Earth hour nichts mitbekommen habe. Oder galt die nur für die östliche Erdhalbkugel 🙂 (wer auch immer das jetzt definieren mag)

  5. Herr A. sagt:

    Tja, da bin ich auch überfragt. Ich hatte mich da auch nicht schlau gemacht und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es DVD statt Gitarre gegeben.

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