Nochmal Mitte 20 sein

Einer der angenehmen Nebeneffekte des Verheiratetseins mit Frau A. ist, dass man einfach aus dem tiefsten Inneren weiß, wohin man gehört. Und auch was sich gehört und welchen Quatsch man besser sein lassen sollte, wenn man nicht einen mittelschweren Ärger riskieren inklusive Gehörschäden riskieren will. Man ist halt keine 25 mehr. Auf der einen Seite bedauere ich daher die Jungspunde in ihrer Sturm-und-Drang-Phase beziehungsweise der Zeit der Irrungen und Wirrungen. Auf der anderen Seite, hach, was waren das für Zeiten!

Ein Kumpel von uns, nennen wir ihn mal Mr. J, macht derzeit genau diese Phase durch. Erlebt seit anderthalb Jahren in Dubai, und wenn ich Frau A. wäre, würde ich ihn vermutlich süß nennen (was sie auch gemacht hat). Eigentlich hat dieser Mr. J eine Freundin, doch ist diese vor einigen Monaten von Dubai nach Sydney gezogen, sodass J. eine Weile eine Fernbeziehung unterhielt. Gestern erzählte er mir, dass er sich vorgestern von ihr getrennt habe. Zu weit weg?, murmelte ich beim Bier am Pool. Ja, so etwa, murmelte er zurück und erwähnte, dass sie gerade in der Stadt sei, kam aber erst später damit raus, dass die Trennung nicht ganz in beiderseitigem Einverständnis zustande kam, sondern er die treibende Kraft gewesen sei. Nun gut, passiert.
Heute rief der Bengel wieder an, weil er mich, besser unsere Alkohollizenz brauchte, um im nächstgelegenen Laden eine Flasche Wein zu kaufen, statt eine Stunde zum nächsten lizenzfreien Store zu fahren. Kein Problem.  Der gute Mann brauchte eine Flasche Wein, weil seine neue Flamme nachher zu ihm kommen wolle (die, ganz nebenbei, wie seine Ex-Freundin auch eine Kollegin ist). Ok, prima. Er: Jaaaaa, aber vorher wollte die Ex noch vorbeischauen, um ihre letzten Sachen mitzunehmen. Ich: Hmmmmmm?! Er: Ja, und nun kommt sie später. Ich habe ihr schon gesagt, dass ich müde bin und schlafe. Ich werde die Sachen dann ins Wohnzimmer stellen.  Ich: Aha. Er: Dann müssen meine Neue und ich  uns im Zimmer einsperren und ganz still sein.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob alles glatt geht. Vermutlich endet das eher wie in einer französischen Verwechslungsklamotte aus den  50er Jahren mit viel Geschrei und Beschimpf, denn wie Frau A. zurecht feststellte: „Frauen riechen soetwas.“
Mr. J fing an, seinen „Plan“ noch einmal zu überdenken. Es ist halt nicht leicht, erwachsen zu werden.

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