Ende alter Zöpfe

Montag 28. Juli 2008

Was Haare betrifft, habe ich schon seit Jahren keinerlei Phantasie oder Modebewusstsein meinen Stil gefunden. Weder Grungdezottel, Beckham-Glatzen, Schweini-Igel oder sonstige Modeerscheinungen haben mich in den letzten Jahrzenhnten davon abgebracht, zum Friseur zu gehen und „oben ein bisschen ab und an den Seiten etwas kürzer“ zu bestellen. Meine Individualität lebe ich anders aus, nicht auf dem Kopf. Vermutlich bin ich da in guter Gesellschaft mit 99 Prozent aller Männer.

Was einige langweilig finden, halte ich zumindest für bewährt. Ich hatte einmal sehr lange Haare. Das war in den 70ern. Ich war ich sechs und meine Eltern gingen mit der damaligen Mode. Sie hielten es für schick, wenn ihr Sohn zumindest haarlängentechnisch auf der Höhe der Zeit war. Leider ging es mir irgendwann auf die Nerven, dass meine Mutter beim Arzt von den älteren Damen immer für ihre hübsche Tochter gelobt wurde. Deswegen waren die Haare irgendwann ab. In den folgenden Jahrzehnten habe ich gelegentlich daran gedacht, mir die Haare mal wieder richtig lang wachsen zu lassen, doch das Problem war diese Übergangsphase, in der die Zottel in jede Richtung abstehen, ohne dass ich etwas dabei zu sagen hätte. Wenn man schon 5 Minuten nach dem Frisieren aussieht, als hätte man einen ganztätgigen Ringkampf hinter sich, bringen lange Locken keinen Spaß.

Auch der Gedanke an eine radikale Veränderung nach „ganz kurz“ war immer mal wieder da. Aber zum einen wollte ich vermeiden, irgendwie mit den Spinnern aus der rechten Ecke in Verbindung gebracht zu werden. Außerdem hatte ich immer Befürchtungen, wegen meiner früher sehr schlanken Erscheinung einem Hungerstreikler oder Aidskranken zu ähnlich zu sehen. Ohnehin: Wenn ich mir Fotos aus meinen Twen-Jahren auschaue, finde zumindest ich, dass ich mich nicht revolutionsartig verändert habe. Will heißen: ich sehe immer noch jung und frisch aus (auch wenn leider mittlerweile einige Haare weniger oben auf dem Kopf wachsen, doch das fällt bei Locken weniger stark auf). Was nicht mehr alle Mittdreißiger von sich behaupten können.

Heute war ich das erste Mal seit dem Umzug wieder beim Frisör, der Faulheit wegen bei einem neuen, gleich um die Ecke. Ich sag ihm also „Einen Zentimeter kürzer“. Wie sich später herausstellte, ist er Ägypter und noch nicht lange in Dubai. Vielleicht der Grund, dass er verstand: „Einen Zentimeter kurz.“ Als mir das Missverständnis bewusst wurde, war er mit dem Schneider schon zu weit fortgeschritten, um die Rodung noch zu stoppen.

Also ließ ich ihn mal machen. Ein Foto poste ich noch nicht. Ich will mich erst daran gewöhnen.

Aber so schlimm finde ich den neuen Look nicht. Ein schönes Gesicht kann halt nichts entstellen.

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I can get no sleep

Donnerstag 24. Juli 2008

3 Uhr, weit nach Geisterstunde, ich bekomme kein Auge zu. Übermäßiger Weinkonsum beim Hochparterre und der volle Mond helfen nicht beim Einschlafen.

Google ist gerade mein bester Freund.

Es freut mich, zu lesen, dass ich mittlerweile eine ganz knapp vierstellige Trefferliste erreiche, wenn ich nach Vorname+Nachname suche.
Ich bin berühmt!

Aber leider nicht allein. Suche ich meine beiden Vornamen zusammen (der eine ist in D ziemlich selten und in der Kombination auch nicht unbedingt ein Straßenfeger), spuckt Google bereits 1850 Treffer aus, darunter viele Heinis aus den skandinavischen Ländern. Der Nachname allein bringt über 6100 Einträge.

Nie hat man ein bisschen Exklusivität.

Grmph!


Hasstag

Mittwoch 23. Juli 2008

Ich hasse es, von meinem brandneuen Herd jedesmal eine gewischt zu bekommen, wenn ich ihn anfasse und mir gestern von einem Elektriker, der die Leitungen prüfen sollte, sagen zu lassen, der Herd sei schuld, während heute ein Elektriker des Herd-Herstellers nachweisen konnte, dass die frisch verlegten Leitungen das Problem sind. Das einzige was in dieser leeren Küche kocht, bin ich.

Ich hasse es, bei Geschäftsterminen auf Leute zu warten (wie jetzt gerade in diesem Moment), obwohl sie genau wissen, dass ich es eilig habe und eigentlich etwas von mir wollen. Dann werde ich bockig.

Ich hasse es, bei Behörden anzustehen, um dann im unpassendsten Moment, ein wichtiges Dokument im Auto gelassen zu haben, was mich dazu zwingt, morgen noch einmal anzustehen. Zumindest hier: Selber schuld.


Ferkel

Montag 21. Juli 2008

Fast egal, welchen Handwerker man in Dubai beauftragt. Keiner von denen räumt danach seinen Dreck weg.

Aber: kein Aufräumen, kein Trinkgeld.


Hitze, Lärm und Sexskandal

Samstag 19. Juli 2008

Ich. Bin. GENERVT!

Heute findet in der neuen Wohnung eine weitere Etappe des Renovierungsmarathons statt. Nach einem überstandenen Einzug und  reichlich Verärgerung über eine vergammelte brandneue Küche sind wir mittlerweile soweit, dass jemand die alten Küchenmöbel entfernt hat und auch  die denkwürdig schlechte Kabel- und Wasserleitungssituation korrigiert hat. Heute sind die Leute bei uns, um ein paar weitere Löcher in die Wand zu bohren, damit unsere Waschmaschine endlich auch einen ABwasseranschluss bekommt. Bei ihrer Renovierung haben die Vermieter nämlich nicht an solche Sachen gedacht. Und der Inder, der den Wasseranschluss verbrochen hat, wusste auch nicht so recht, warum wir noch eine Wasserleitung haben wollen. Lustigerweise müssen wir auch einen Teil des Fußbodens öffnen, weil sich darunter ein Abflussrohr befindet, dass wir hervorragend dafür nutzen können, das Abwasser einzuleiten, statt wie derzeit ein kleines Siel in der Küchenmitte dafür zu missbrauchen.

Außerdem reinigen die Typen gerade die Klimaanlagen. Dafür müssen die natürlich ausgeschaltet sein. Draußen sind rund 50 Grad mit einer dampfbadähnlichen Luftfeuchtigkeit, drinnen fühlt es sich nur graduell besser an. Ich sitze also gerade schweißtriefend im Wohnzimmer und genieße den Bohrlärm. Zufällig wird die Wohnung nebenan auch renoviert, was die schöne Situation hervorbrachte, dass „unsere“ Jungs den Strom abgeschaltet hatten, um die Klimaanlage aufzuschrauben. Um die Filter zu reinigen brauchten sie  aber Wasser. Das floss nicht, weil der Klempner für nebenan die Wasserpumpe abgeklemmt hatte, um die Ordnung  der außen liegenden Wasserleitungen  neu zu gestalten (Wer die Computerspiele der „Myst“-Serie mag, hätte seine Freude an dieser Wasserversorgung: die Rohre sind hier in einem weit verzweigten, schwer durchschaubaren Chaos angeordnet, teilen sich, laufen zusammen,  enden teilweise im Nichts, verschwinden hinter irgendwelchen Löchern und Ecken,  werden durch Schalter und Hebel unterbrochen, deren Wirkung man erst Stunden später an der anderen Seite des Hauses in Form einer großen Pfütze bemerkt. Neulich haben wir einen halben Tag nach der Ursache des Wasserausfalls gesucht, bis wir feststellten, dass jemand den Haupthahn vor dem Grundstück geschlossen hatte. Wahrscheinlich waren das die Bauarbeiter, die draußen die Zufahrt umgebuddelt haben, dabei warum auch immer über die Mauer geklettert sind und dabei einen Wasserhahn abgebrochen haben. Was macht man dann? Man sagt niemandem Bescheid, sondern stellt einfach das komplette Wasser für vier Wohnungen ab.) zugange waren und ). Der Klempner zumindest kam etwas später herein und wollte den Strom anschalten um die neuen Pumpe zu testen – Elektriker mögen bitte weghören: Wasserpumpe und Klimaanlage teilen sich die gleiche Leitung. Das ging natürlich nicht, denn an der Klimaanlage wurde ja noch gewerkelt. Patt.

Eigentlich müsste ich gerade etwas arbeiten. Aber Mein Kopf ist schon wachsweich durch die feuchte Hitze.

Wer hier etwas zu dem Sex-on-the-Beach-Skandal sucht, der neulich Schlagzeilen in Dubai machte (zwei Briten wurden beim Sex am Strand erwischt und müssen nun mit bis zu 6 Jahren Gefängnis rechnen), muss sich daher mit der Zusammenfassung und moralischen Würdigung begnügen, die zum Beispiel beim Hochparterre zu finden ist oder sich diesen ausführlichen Report durchlesen. Mir ist  gerade zu heiß, um über schlüpfrige Details aus dem „britischen Ballermann“ am Persischen Golf zu berichten.

Ich freue mich darauf, dass – mit ein bisschen Glück – Schwedenmöbel hoffentlich nächstes Wochenende die neue Küche einbauen. Wenn bis dahin die Leute hier mit den Bohrungen fertig sind.


Strandbeobachtungen

Freitag 4. Juli 2008

Dass Dubai kein demokratisches Land mit gleichberechtigten Bewohnern ist- diese Erkenntnis ist nicht neu. Meistens bemerkt man dies nicht, nur gelegentlich fällt  es einem auf, dass es Bürger erster bis vierter Klase gibt. Selbst am öffentlichen Strand. Heute war ich zum ersten Mal seit langem an einem Abschnitt des Jumeirah Beach, wo sich Wochenends viele Leute zum Sonnen und Baden hinlegen, zum  Kting, zum Beachvolleyball oder einfach nur für ein Picknick. Während die meisten Strandbesucher mehr oder weniger halbnackt auf ihren Tüchern liegen oder sich im Wasser tummeln, schlendern ständig kleine Gruppen von Männern den Strand auf und ab – relativ vollständig bekleidet und ohne festes Ziel.  Meistens werden diese Typen als „die Inder“ subsummiert, auch wenn vermutlich die wenigsten  diese von Bangladeschis oder Pakistanis unterscheiden könnten. Die „Inder“ am Wochenende für ein paar Stunden ihren weit entfernten Arbeiter-Ghettos nach Jumeirah, um auch etwas von dem dubaianischen Lifestyle mitzuerleben. Auffällig werden sie dadurch, dass bei einigen die Körpergerüche auch noch in fünf Metern Entfernung wahrnehmbar deutlich sind sie vor allem die sonnenbadenden Frauen recht intensiv anstarren, wodurch diese sich (zu recht) gestört fühlen. Vermutlich haben die meisten von Ihnen in ihren Heimatländern solche Anblicke nicht kennen gelernt, außerdem dürften sich die meisten von ihnen relativ einsam fühlen. Ich habe noch nicht erlebt, dass die Typen etwas anderes gemacht hätten, als zu schlendern und zu starren und zu schlendern. Aber Beschwerden über Belästigung oder andere Dinge scheint es wohl gegeben haben.

Heute habe ich erstmals gesehen, dass ein Emirati am Strand entlangging, solche Gruppen gestoppt hat und sich ihre ID-Karten zeigen ließ. Die „Inder“ mussten anschließend in ein kleines Strandkabuff gehen, später stiegen sie in Kleinbusse ein und fuhren weg.  Andere  Strandbesucher mussten  sich,  soweit ich das sehen konnte, nicht gegenüber dem Beamten ausweisen.

Zwar weiß ich nicht, was da genau abgelaufen ist, aber ganz ein komisches Gefühl bleibt  trotzdem.  Einerseits finde ich es ja gut, dass man versucht, den Strand sicher zu halten, aber diese Praxis erinnert mich stark an „Türpolitik“.


„Deutsche“ Literatur in Dubai

Dienstag 1. Juli 2008

Seit dem Umzug verzichten Frau A. und ich vorerst auf einen Fernseher.  Die nächste Videothek ist schlecht sortiert, die übernächste noch nicht getestet. Eigentlich eine gute Gelegenheit, abends mal wieder mehr Bücher zu lesen. Deswegen war ich heute in einer größeren Buchhandlung der Magrudy’s-Kette, denn die meisten kleinen Buchshops in den Einkaufszentren sin nicht sehr üppig ausgestattet:  An  Romanen gibt es diejenigen auf der englischen (?) Bestseller-Liste, dazu eine kleine Wand voll Bücher mit rot-rosa Covern und Schreibschrift-Fonts, die sich wohl nur eine gelangweilte Jumeirah Jane antun kann. Dazu kommen dann noch haufenweise Dubai-Bildbände und ein paar Sachbücher zu Themen jenseits meines Interesses.

Im Magrudy’s ist die Auswahl zwar größer, aber immer noch nicht zufriedenstellend – was auch an meiner Unkenntnis der aktuellen englischsprachigen Literaturszene liegen mag.  Einer meiner Lieblingsautoren T.C.  Boyle ist gerade mal  mit einem Werk vertreten, welches ich auch schon kenne. Was ich nicht vermutet hätte: es gibt ein Regal mit deutschen Büchern. Naja, so ganz stimmt das nicht, denn die Autoren heißen Follett, Rowling, King, Clancy und so weiter. Als einziges  echte deutsches Buch konnte ich einen Wälzer von Charlotte Link erkennen, sowie ein Jugendbuch von einer Bianca mit einem Doppelnamen, der mir aber schon wieder entfallen ist. Nicht ein einziger Klassiker oder etwas aktuelles aus deutschen Landen! Weil mir aber nach Muttersprache war, habe ich einen Island-Krimi mitgenommen, aus einer Reihe, die mir schon öfter ein paar gemütliche Stunden au dem Sofa beschert hat.