Ende alter Zöpfe

Was Haare betrifft, habe ich schon seit Jahren keinerlei Phantasie oder Modebewusstsein meinen Stil gefunden. Weder Grungdezottel, Beckham-Glatzen, Schweini-Igel oder sonstige Modeerscheinungen haben mich in den letzten Jahrzenhnten davon abgebracht, zum Friseur zu gehen und „oben ein bisschen ab und an den Seiten etwas kürzer“ zu bestellen. Meine Individualität lebe ich anders aus, nicht auf dem Kopf. Vermutlich bin ich da in guter Gesellschaft mit 99 Prozent aller Männer.

Was einige langweilig finden, halte ich zumindest für bewährt. Ich hatte einmal sehr lange Haare. Das war in den 70ern. Ich war ich sechs und meine Eltern gingen mit der damaligen Mode. Sie hielten es für schick, wenn ihr Sohn zumindest haarlängentechnisch auf der Höhe der Zeit war. Leider ging es mir irgendwann auf die Nerven, dass meine Mutter beim Arzt von den älteren Damen immer für ihre hübsche Tochter gelobt wurde. Deswegen waren die Haare irgendwann ab. In den folgenden Jahrzehnten habe ich gelegentlich daran gedacht, mir die Haare mal wieder richtig lang wachsen zu lassen, doch das Problem war diese Übergangsphase, in der die Zottel in jede Richtung abstehen, ohne dass ich etwas dabei zu sagen hätte. Wenn man schon 5 Minuten nach dem Frisieren aussieht, als hätte man einen ganztätgigen Ringkampf hinter sich, bringen lange Locken keinen Spaß.

Auch der Gedanke an eine radikale Veränderung nach „ganz kurz“ war immer mal wieder da. Aber zum einen wollte ich vermeiden, irgendwie mit den Spinnern aus der rechten Ecke in Verbindung gebracht zu werden. Außerdem hatte ich immer Befürchtungen, wegen meiner früher sehr schlanken Erscheinung einem Hungerstreikler oder Aidskranken zu ähnlich zu sehen. Ohnehin: Wenn ich mir Fotos aus meinen Twen-Jahren auschaue, finde zumindest ich, dass ich mich nicht revolutionsartig verändert habe. Will heißen: ich sehe immer noch jung und frisch aus (auch wenn leider mittlerweile einige Haare weniger oben auf dem Kopf wachsen, doch das fällt bei Locken weniger stark auf). Was nicht mehr alle Mittdreißiger von sich behaupten können.

Heute war ich das erste Mal seit dem Umzug wieder beim Frisör, der Faulheit wegen bei einem neuen, gleich um die Ecke. Ich sag ihm also „Einen Zentimeter kürzer“. Wie sich später herausstellte, ist er Ägypter und noch nicht lange in Dubai. Vielleicht der Grund, dass er verstand: „Einen Zentimeter kurz.“ Als mir das Missverständnis bewusst wurde, war er mit dem Schneider schon zu weit fortgeschritten, um die Rodung noch zu stoppen.

Also ließ ich ihn mal machen. Ein Foto poste ich noch nicht. Ich will mich erst daran gewöhnen.

Aber so schlimm finde ich den neuen Look nicht. Ein schönes Gesicht kann halt nichts entstellen.

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4 Responses to Ende alter Zöpfe

  1. wortteufel sagt:

    Dooohoooch, bitte! Foto!

  2. Herr A. sagt:

    Später. Vielleicht.

  3. aus Regensburg sagt:

    Foto? Foto!!
    Erst neugierig machen und dann soetwas…

  4. […] alter Zöpfe (Teil 2) Seit meinem ersten Friseurbesuch in der neuen Nachbarschaft ist das Haar wieder etwas nachgewachsen. Da Frau A. sehr viel Gefallen an dem unbeabsichtigt […]

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