Heimatfilm

Dienstag 30. September 2008

Heute ist der erste Tag von Eid Al Fitr, was für die muslimische Welt ungefähr genauso wichtig ist wie Weihnachten. Ist also ein praktischer Anlass, sich mal wieder zu beschenken. Drei Monate ohne Fernseher waren ja auch lang genug.

Was die Sache so richtig schön macht: Das neue Gerät war wegen einer-Ramadan-Aktion günstiger als normal, es gab einen DVD-Rekorder gratis dazu und der Satelliten-Schüssel-Mann hat tatsächlich noch gestern abend alles auf dem Dach installiert. Um 20.40 Uhr Ortszeit war alles fertig. Und was gibt es auf diesem riesigen, wunderschönen, modernen Heimkino als Erstes zu sehen?

Großstadtrevier!


Ende alter Zöpfe (Teil 2)

Samstag 27. September 2008

Seit meinem ersten Friseurbesuch in der neuen Nachbarschaft ist das Haar wieder etwas nachgewachsen. Da Frau A. sehr viel Gefallen an dem unbeabsichtigt deutlich zu kurzen Schnitt gefunden hatte, wollte ich  wieder nachschärfen.

Also wieder rein in die Friseurbude und es diesmal mit der unmissverständlichen Anweisung probiert: „Einen Zentimeter kurz, bitte.“ Der Figaro stellt also seine Schneidemaschine ein und legt los.

Dummerweise gehört ein Friseurbesuch zu der Art Dienstleistung, bei der man den Schaden erst erkennt, wenn es praktisch zu spät ist. Nach den ersten Schnitten sagte ich dem Friseur, dass seine bisherige Arbeit kürzer aussehen würde als ein Zentimeter.
Er: „Ja, das ist die kleinste Einstellung.“
Ich: „???!!!(!)“
(Ich habe beschlossen, in diesem Salon niemals nach einem kahlrasierten Kopf zu fragen)

Nachdem die Rapunzel also wieder in den Brunnen gefallen war, ließ ich mich trotz einer gewissen Skepsis gegenüber dem Augenmaß des Friseurs, Syrer übrigens, zu einer Rasur überreden, denn meine drei BArtstoppeln standen weider mächtig aus dem Kinn heraus. Ich glaube, bis auf Chirurgen habe ich noch nie jemand mit einem scharfen Gegenstand an mich herangelassen. Dass da jemand mit so einer langen Klinge  an meinem Hals rumschabt, war also ziemlich ungewohnt, und ständig fürchtete ich, einer von uns müsste niesen und ein bewaffneter Cowboy könnte in den Laden stürmen. Beruhigenderweise passierte nichtsdergleichen und meine Haut blieb von Schnittwunden verschont. Der Barbier bot mir noch eine Gesichtsbehandlung an. Da ich an diesem Tag ohnehin nichts Besseres mehr zu tun hatte, nahm ich auch diese mit.

Zuerst gab es eine nicht völlig unangenehm riechende grüne Paste ins Gesicht, danach rollte der gute Mann noch eine Art Dampfstrahler heran und nebelte meinen Kopf für zehn Minuten damit ein.  Da ich die Augen besser nicht aufmachen wollte, solange der Wasserdampf noch meine Haut auflöste, kam das nach Limetten duftendes feuchtes Handtuch etwas überraschend auf mein Gesicht. Als nächstes gabs eine orangene Peeling Creme, wieder ein feuchtes Tuch drauf – fertig. Dachte ich. Mit geschlossenen Augen irgendwelchen Gedanken nachhängend, hörte ich den Figaro ein Gerät anschmeißen. Im nächsten Moment brutzelte er mir damit ein paar kleine Härchen aus dem Gesicht, es roch nach verbranntem Haar und piekte unangenehm. Aber im Großen und Ganzen habe ich auch das überstanden.

Seitdem bin ich Beau A.


Mit Scheich im Stau?

Samstag 27. September 2008

Vor ein paar Tagen stand ein weißer Mercedes-Geländewagen im allabendlichen Feierabendverkehrsstau auf der Al Wasl-Road. Wenn ich mich nicht völlig verguckt habe, hatte er die Zahl „1“ auf dem Kennzeichen und möglicherweise, aber ich bin ja so schnell auf der freien Gegenrichtung langgefahren, sogar nur „A 1“. Wenn es tatsächlich der Wagen von Dubais Herrscher gewesen sein sollte (ob er wirklich drinsaß, ist noch eine andere Frage), dann beruhigt es mich: auch ein Scheich steht mal im Stau. Es würde zumindest in diesem einen Fall das Gerücht entkräften, dass ganz wichtige Leute eine Art Fernbedienung in ihrem Wagen haben, mit der sie die Ampeln auf eine für sie „Grüne Welle“ schalten können.
Aber vielleicht hatte Scheich Mo auch gerade die Fernbedienung zuhause auf dem Wohnzimmertisch vergessen und saß garnicht im Auto, sondern hatte nur einen Fahrer zum Einkaufen geschickt.


Rotkohl!

Mittwoch 24. September 2008

Manche nennen ihn auch Blaukraut, was natürlich kompletter Unfug ist. Aber egal, wie man Rotkohl nennt – zusammen mit einem Braten und Kartoffeln ist er eine ziemlich leckere Angelegenheit.

Seit unserer Ankunft in Dubai habe ich genau zwei Mal Rotkohl in einem Laden gesehen: Vor einem Jahr von einem holländischen Hersteller im Spinney’s Supermarkt in Mirdif (wo wir auch gleich ein Glas gekauft haben, danach aber nicht mehr dazu gekommen sind, weitere mitzunehmen) und kurz vor unserem Umzug im Park’n’Shop Supermarkt. Der Kohl war aus England, ganz klein gehäckselt und sah sehr knackig aus, nicht so schön schlabbrig. Jedenfalls hatten wir an dem Abend keine Lust mehr, ein Glas mitzunehmen und beim nächsten Besuch war kein Rotkohl mehr im Regal. Und ist auch nie mehr aufgetaucht. Auch auf Nachfrage nicht (Ich sage nur: „Come back the day after tomorrow, Sir.“)
In den letzten Wochen jedenfalls habe ich alle Supermärkte auf Gläser und Dosen mit dunkelrotem Inhalt abgesucht – kein Erfolg. Es in deutschen Foren probiert – keiner hatte einen erfolgreichen Fahndungstipp. Fast hätte ich damit angefangen, mein Gesuch an jede Wand zu sprühen, bis wir letzten Samstag auf der Suche nach einem Ort, in dem man die Sportschau sehen kann, mutig in das „Brauhaus“ gegangen sind. „Mutig“ deswegen, weil man als Deutscher unterhalb des Rentenalter im Ausland  nun einmal nicht in ein deutsches Restaurant geht. Das gilt als spießig. Außerdem sind sie meistens mit dunkelbraunen rustikalen Möbeln ausgestattet, an den Wänden hängen Wimpel und die Flaggen der Bundesländer und aus den Lautsprechern schallen irgendwelche Dudelschlager. Das „Brauhaus“ macht da keine Ausnahme (die beiden anderen Restaurant in der Stadt, „Hofbräuhaus“ und „Keller“ überigens auch nicht). Nun, die Hoffnung auf etwas Bundesliga mussten wir schnell aufgeben (ARD gibt es da nicht, nur ZDF, aber für das Sportstudio erst nach Mitternacht dort hinzugehen, macht auch keinen Sinn). Trotzdem war das Essen (mit Rotkohl natürlich) ganz lecker. Wir fragten nach dem Koch und er kam sogar an den Tisch. Man staune: Über Jahre hatte das deutsche Restaurant keinen deutschen Koch. Seit einigen Wochen hat das Hotel zumindest einen Küchenchef aus Germany, der die Speisekarte ein wenig aufpeppt und den Köchen auch wieder etwas mehr auf die Finger schaut, wenn sie Rinderroulade oder Currywurst anrichten.
Jedenfalls, auf meinen Kommentar, dass der Rotkohl phantastisch war, entgegnete der Küchenchef, dass er ihn selbst gemacht hätte. „Wenn Sie wollen, gebe ich Ihnen das Rezept: frisches Entenfett, Wacholder, etwas Preiselbeeren, und…“ Den Rest erinnere ich nicht mehr genau, zumal ich auch nicht wüsste, wann ich hier mal einen Entenbraten mache, um das Fett abzuschöpfen. Meine Antwort: „Och, ich glaube, ich komme morgen mit einer Tupperdose vorbei.“
So war es dann auch.

Lecker!


Die schreckliche Jumeirah Jane

Mittwoch 24. September 2008

Es gibt einen Typ Dubai-Bewohner, der Frau A. und mir seit einiger Zeit immer mehr auf den Keks geht. Dabei handelt es sich nicht um autofahrende Araber oder inkompetente Inder (diese Alliterationen waren nicht beabsichtigt, passen aber leider). Seit die Ferien vorbei sind, blockiert dieser Typ die Straßen vor den Grundschulen und Colleges der Stadt, um direkt vor dem Eingang die kleinen Gören auszuladen, egal, ob sich dadurch ein Rückstau bis in die nächste Stadt bildet. Anschließend wird ordentlich Gas gegeben – trotz Tempobegrenzung kann man hier ruhig schnell fahren, denn kein Kind wird hier je über eine Straße gehen, Dank der fürsorglichen ich-fahr-dich-bis-vor-die-Tür-Muttis.

Dieser Typ Dubai-Bewohner, besser Bewohnerin, ist meist blond, blass und britisch. Fährt ein dickes Auto, dass der Ehemann erarbeitet und in dem die ganze Fußball-Nationalmannschaft der VAE bequem Platz finden würde. Der natürliche Lebensraum dieser Spezies sind die Stadtteile Jumeirah 1,2 und 3, mit vielen großen Villen und grünen Gärten. seit unserem Umzug leben wir praktisch mitten drin, auch wenn unser Stadtteil nicht so einen schönen Namen hat.

Aber Jumeirah Jane, so heißt dieser Typus nämlich, hat nicht nur ein für ihre Bedürfnisse (und Einparktalente) völlig überdimensioniertes (Zweit-)Auto, was schon die Vermutung nahelegt, dass  sie ihr gesamtes in Europa angesammeltes Umweltbewusstsein mit dem Umzug nach Dubai wieder abgeschüttelt hat, wie eine lästige Klette. Jumeirah Jane lässt sich die in viele Plastiktüten verteilten Supermarkt-Einkäufe gerne vom Personal zum Auto schieben, das meist nur wenige Meter vom Ausgang entfernt steht.

Mittags trifft sie sich mit anderen Janes im Cafe, um bei einem Caffee Latte darüber zu klagen, wie anstrengend es doch ist, eine Jane zu sein, während im Hintergrund das phillipinische Hausmädchen den Kinderwagen bewacht – ohne, dass sie etwas zu essen oder trinken bekommt.

Jumeirah Jane ist eine dusselige Schnepfe, die zu blöd ist, zu merken, dass sie keinesfalls etwas Besseres ist, bloß weil sie sich einen teuren materialistischen Lifestyle leistet, den ganz nebenbei ihr Mann ihr ermöglicht. Kindererziehung und Haushalt sind keine leichte Sache, aber wenn das Hausmädchen die eigenliche Arbeit macht und dafür auch noch gnadenlos unterbezahlt wird, wozu braucht man dann eigentlich noch Jane? Wichtig ist, dass Jane sich für etwas Besseres hält, und sich daher das Recht herausnimmt, allen anderen auf die Nerven zu gehen.


Ramadan Kareem

Mittwoch 17. September 2008

von Frau A.

Am ersten September hat der Fastenmonat Ramadan begonnen. Das Fasten während Ramadans gehört zu einer der fünf Säulen des Islams. Fasten bedeutet aber nicht nur, tagsüber (von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang) auf Nahrung und Flüssigkeiten zu verzichten. Auch Rauchen, Geschlechtsverkehr, üble Nachrede, etc. sind nicht erlaubt. Ebensowenig erlaubt sind unanständige Gedanken. Wenn also ein indischer Muslime mir auf der Strasse nachschauen würde (was natürlich nie passieren würde) und dabei unfeine Gedanken hätte, müsste er diesen Tag Fasten nachholen. Natürlich würde ich diesen auch niemals darauf aufmerksam machen.

Tagsüber werden zwar Speisen verkauft, aber häufig ist es verboten sie vor Ort zu essen. Viele Restaurants sind auch tagsüber geschlossen. Essen, Trinken und Rauchen in der Öffentlichkeit ist tagsüber verboten. Sobald die Sonne Abends hinter dem Erdball verschwunden ist, beginnt das allabendliche Fastenbrechen, das Iftar genannt wird. Gebrochen wird das Fasten meistens mit Datteln, Wasser, Saft oder Tee. Danach wird erst feste Nahrung zu sich genommen. Angeblich werden während des Ramadans mehr Lebensmittel verbraucht als in anderen Monaten. Kann ich nichts zu sagen, aber als ich eine Kollegin darauf anspreche, erntete ich ein breites Grinsen.

Ich empfinde den Ramadan als sehr angenehme Zeit. Vergleichbar ist es sicherlich mit unserer Vorweihnachtszeit. Die Straßen sind mit bunten Lichtern geschmückt und in den Einkaufszentren gibt es zusätzliche Veranstaltungen. Abends kommen die Muslime mit Freunden und Familien zusammen und das Ende des Ramadans am 30. September wird groß gefeiert.

Meine Kollegen strahlen im Augenblick eine unheimliche Ruhe und Zufriedenheit aus. Sie genießen das allabendliche Zusammenkommen und auch wir Europäer finden uns öfters zu Iftar zusammen.

Ich fahre oft während des Sonnenunterganges von der Arbeit nach hause, weil dann die Strassen relativ frei sind. Heute bin ich schon einwenig früher unterwegs gewesen. Kurz vor dem Sonnenuntergang sind auf der Straße Iftarpakete ausgegeben wurden, deren Inhalt ich euch nicht vorenthalten möchte.


Kein schöner Tag

Sonntag 14. September 2008

Leider war dies heute ein Tag, den man getrost rot hätte durchstreichen und wegschmeißen können.

Um einigen Geschehnissen kurz vorweg zu greifen: Könnte bitte mal jemand zu einem Elektrofachmarkt vom Schlage S****n oder M**** Markt gehen, sich dort einen jungen, nicht zu erfahrenen Verkäufer in der TV-Abteilung schnappen und ihn fragen: „Angenommen, ich hätte 1000 Euro übrig und möchte einen LCD-Fernseher kaufen, welches Gerät würden Sie mir empfehlen?“ Wenn die Antworten ähnlich bekloppt ausfallen wie in Dubai, nehme ich meine Meinung über diese Stadt ein Stück weit zurück (und stelle die noch zu beweisende These auf, dass Verkäufer in Elektrofachmärkten weltweit keine Ahnung haben). Grob gesagt lautet meine Meinung über Dubai als Shopping-Standort nämlich: In Dubai kann man manchmal (!) ganz gut einkaufen – wenn es nur ums Geldsparen geht und man keine Beratung braucht oder will. Denn ein typisches Gespräch verläuft dann ungefähr so:

Verkäufer: „Welche Bildschirmdiagonale wollen Sie denn haben?“
Herr A.: „Ist nicht ganz so entscheidend. Mir kommt es mehr auf die Bildqualität und Verarbeitung an.“

Verkäufer, geht zu einem Gerät, dessen Infoschild Marke X, die Bildschirmdiagonale von 42 Zoll und einen Preis von umgerechnet fast 1000 Euro ausweist: „Ich würde dieses kaufen, Sir. Es ist von X“ (Von vielen Menschen werde ich hier „Sir“ genannt.)
Herr A.: „Und warum?“
Verkäufer: „Es hat 42 Zoll“
Herr A.: „Das sehe ich“
Verkäufer: „Man kann es auf den Tisch stellen oder an der Wand befestigen“
Herr A.: „Ich sehe auch, dass es einen Standfuß hat.“
Verkäufer: „X ist eine gute Marke, Sir“
Herr A.: „Was ist denn an der besser als an Y oder Z?“
Verkäufer: „Die sind auch sehr gut. Dieses Gerät von Y hat Full HD.“
Herr A.: „Und damit bekomme ich ein gutes Fernsehbild?“
Verkäufer: „Leider nein, Sir, Hochauflösendes Fernsehen gibt es in den VAE nicht.“
Herr A.: „Können Sie denn mal von den Werbe-DVDs auf einen Fernsehsender umschalten?“
Verkäufer: „Leider nein, Sir“
Herr A. „Ich kann die Bildqualität nicht ausprobieren?“
Verkäufer: „Nein“, nach kurzem Schweigen, „Hier ist ein Gerät, das kostet 1200.“
Herr A.: „Das kann ich auf dem Preisschild lesen.“
Verkäufer: „Wir haben gerade Ramadan-Promotion, Sie bekommen entweder einen DVD-Rekorder oder ein Lautsprecherset dazu.“
Herr A.: „Und wenn ich beides nicht brauche, bekomme ich den Fernseher dann billiger?“
Verkäufer „Nein“

Wenn man dann ein bisschen weiter fragt, haben die Jungs manchmal sogar ein paar technische Antworten parat. Natürlich ist es unnötig zu erwähnen, dass in drei Läden, die identische Modelle zu identischen Preisen verkaufen, jeder eine andere Empfehlung parat hat.

Schön war auch später die Situation, als Frau A. später in einem anderen Geschäft bei den Trimmrädern weilte und die Verkäufer fragte, ob er Broschüren von dieser Marke hätte.
Verkäufer: „Dies sind Trimmräder.“
Frau A.: „?!?!…. Ja, das sehe ich.“
Verkäufer: „Dies ist von der Marke K******.“
Frau A. „Das steht drauf.“

Den Rest des Dialogs habe ich dann leider nicht mehr mitbekommen…

Zurück dazu, warum der Tag eigentlich großer Mist war. Eigentlich fing alles ganz schön damit an, dass ich aufwachte, nachdem mein Körper meldete, genug Schlaf bekommen zu haben. Der war auch notwendig, denn der vorvergangene Abend hatte viel mit argentinischen Steaks und argentinischem Rotwein zu tun (Nebenbei: Engländer finden es überhaupt nicht lustig, nicht mal im Suff, wenn man ihnen sagt, dass die für sie in Deutschland übliche Bezeichnung „Island Monkeys“ (Inselaffen) sei. Da verstehen sie dann plötzlich keinen Spaß mehr, diese Vorzeigehumoristen. Ein Glück, dass ich nicht noch behauptet habe,  „Inselaffe“ sei auch in deutschen Schulbüchern sehr geläufig.) Gestern haben wir dann alle Feiern ausfallen lassen, weil das Go-Kart-Fahren am Nachmittag sehr müde gemacht hat.

Zurück zu heute. Ich musste gegen Mittag ins Büro, um ungestört (und Frau A. nicht zu stören) ein Telefoninterview nach Saudi-Arabien zu führen. Anders als in Dubai, liegt das Wochenende auf den Tagen Donnerstag und Freitag. Wenn die also wieder arbeiten, lümmle ich lieber im Garten rum. Weil aber das Gespräch seit Wochen hat immer wieder verschoben wurde, beispielsweise wegen falscher Telefonnummern oder den Sommerferien der Ansprechpartner, und dann auch noch Ramadan dazukam, habe ich dafür einen Teil des freien Tages geopfert. Ich sitze also im Büro und gehe eine halbe Stunde vor Gesprächsbeginn noch einmal die Fragen durch, da macht es „pling“ und eine neue Mail trudelt ein. Richtig. Von der Pressestelle, das Gespräch muss leider auf morgen verschoben werden.

Ok, wieder zurück nach Hause, Essen kochen und essen.

Anschließend ging es in die Mall of the Emirates, wo sich ein Teil dieser bereits beschiebenen Dialoge abspielte. Ich glaube, meine Stimmung begann auf dem Parkdeck zu kippen, als wir die Mall wieder verlassen wollten. Da war dann mal wieder jemand in seinem Wagen unterwegs, der der Meinung ist, dass eine Regel wie Rechts-vor-Links für ihn wohl nicht gelten muss, auch wenn es dafür keinerlei offensichtliche Begründung gibt. Eigentlich müsste ich mich längst daran gewöhnt oder zumindest damit abgefunden haben, dass in Dubai viele Menschen ein Auto fahren, denen man nicht mal einen Einmer Scheiße anvertrauen möchte. Leider fahren die genau so – nehmen die Vorfahrt, blinken nicht, biegen in dritter Reihe ab, fahren zu schnell, drängeln und quetschen sich ungeniert an Stellen rein, für die in Deutschland vermutlich selbst der härteste Verkehrsrichter meine Selbstjustiz akzeptabel fände.

Jedenfalls war danach der Tag endgültig für mich gelaufen, ich habe vor mich rumgegrummelt und meine Laune hat sich bis zur Rückkehr nach Hause nicht mehr verbessert. Was mir vor allem für Frau A. leid tut, denn ihre freien Tage sind selten  und die will sie verständlicherweise nicht mit einem mosernden Mufflon verbringen. Aber ich hatte nun einmal das Gefühl, dieser Tag sei völlig nutzlos an mir vorbeigezogen und all diese Verkäufer, Autofahrer und sonstigen Spinner hätten mir meine Zeit geklaut. Wenn man dann am Ende den Kofferraum voller Ikea-Zeugs hat (auch, weil es uns bisher nicht gelungen ist, Möbelgeschäfte zu finden, die eine unserem Geschmack entsprechende Form, Farbe und Verarbeitungsqualität, und einen akzeptablen Preis bieten können), fragt man sich, ob man das nicht auch in anderen Städten haben kann, deren (mir bekanntes) öffentliches Freizeitangebot aus wenig mehr besteht als Essen, Saufen und Shoppen.

Randnotiz: Bei mir machen sich schon gewisse Befürchtungen bezüglich meiner Laune nach meinem ersten Kinobesuch breit. Wenn man das (aus westlicher Harr-A.-Sicht) leicht rücksichtslose bzw. egoistische Verhalten der Jugendlichen hier sieht und dann noch die Hinweisschilder am Eingang zwar  mitgebrachte Getränke, Fotoapparate und Tiere verbieten, nicht aber die Benutzung von Handys im Kinosaal.

So, nun habe ich mich aber genug ausgekotzt. Und dieser Tag ist zum Glück vorbei.