Kein schöner Tag

Leider war dies heute ein Tag, den man getrost rot hätte durchstreichen und wegschmeißen können.

Um einigen Geschehnissen kurz vorweg zu greifen: Könnte bitte mal jemand zu einem Elektrofachmarkt vom Schlage S****n oder M**** Markt gehen, sich dort einen jungen, nicht zu erfahrenen Verkäufer in der TV-Abteilung schnappen und ihn fragen: „Angenommen, ich hätte 1000 Euro übrig und möchte einen LCD-Fernseher kaufen, welches Gerät würden Sie mir empfehlen?“ Wenn die Antworten ähnlich bekloppt ausfallen wie in Dubai, nehme ich meine Meinung über diese Stadt ein Stück weit zurück (und stelle die noch zu beweisende These auf, dass Verkäufer in Elektrofachmärkten weltweit keine Ahnung haben). Grob gesagt lautet meine Meinung über Dubai als Shopping-Standort nämlich: In Dubai kann man manchmal (!) ganz gut einkaufen – wenn es nur ums Geldsparen geht und man keine Beratung braucht oder will. Denn ein typisches Gespräch verläuft dann ungefähr so:

Verkäufer: „Welche Bildschirmdiagonale wollen Sie denn haben?“
Herr A.: „Ist nicht ganz so entscheidend. Mir kommt es mehr auf die Bildqualität und Verarbeitung an.“

Verkäufer, geht zu einem Gerät, dessen Infoschild Marke X, die Bildschirmdiagonale von 42 Zoll und einen Preis von umgerechnet fast 1000 Euro ausweist: „Ich würde dieses kaufen, Sir. Es ist von X“ (Von vielen Menschen werde ich hier „Sir“ genannt.)
Herr A.: „Und warum?“
Verkäufer: „Es hat 42 Zoll“
Herr A.: „Das sehe ich“
Verkäufer: „Man kann es auf den Tisch stellen oder an der Wand befestigen“
Herr A.: „Ich sehe auch, dass es einen Standfuß hat.“
Verkäufer: „X ist eine gute Marke, Sir“
Herr A.: „Was ist denn an der besser als an Y oder Z?“
Verkäufer: „Die sind auch sehr gut. Dieses Gerät von Y hat Full HD.“
Herr A.: „Und damit bekomme ich ein gutes Fernsehbild?“
Verkäufer: „Leider nein, Sir, Hochauflösendes Fernsehen gibt es in den VAE nicht.“
Herr A.: „Können Sie denn mal von den Werbe-DVDs auf einen Fernsehsender umschalten?“
Verkäufer: „Leider nein, Sir“
Herr A. „Ich kann die Bildqualität nicht ausprobieren?“
Verkäufer: „Nein“, nach kurzem Schweigen, „Hier ist ein Gerät, das kostet 1200.“
Herr A.: „Das kann ich auf dem Preisschild lesen.“
Verkäufer: „Wir haben gerade Ramadan-Promotion, Sie bekommen entweder einen DVD-Rekorder oder ein Lautsprecherset dazu.“
Herr A.: „Und wenn ich beides nicht brauche, bekomme ich den Fernseher dann billiger?“
Verkäufer „Nein“

Wenn man dann ein bisschen weiter fragt, haben die Jungs manchmal sogar ein paar technische Antworten parat. Natürlich ist es unnötig zu erwähnen, dass in drei Läden, die identische Modelle zu identischen Preisen verkaufen, jeder eine andere Empfehlung parat hat.

Schön war auch später die Situation, als Frau A. später in einem anderen Geschäft bei den Trimmrädern weilte und die Verkäufer fragte, ob er Broschüren von dieser Marke hätte.
Verkäufer: „Dies sind Trimmräder.“
Frau A.: „?!?!…. Ja, das sehe ich.“
Verkäufer: „Dies ist von der Marke K******.“
Frau A. „Das steht drauf.“

Den Rest des Dialogs habe ich dann leider nicht mehr mitbekommen…

Zurück dazu, warum der Tag eigentlich großer Mist war. Eigentlich fing alles ganz schön damit an, dass ich aufwachte, nachdem mein Körper meldete, genug Schlaf bekommen zu haben. Der war auch notwendig, denn der vorvergangene Abend hatte viel mit argentinischen Steaks und argentinischem Rotwein zu tun (Nebenbei: Engländer finden es überhaupt nicht lustig, nicht mal im Suff, wenn man ihnen sagt, dass die für sie in Deutschland übliche Bezeichnung „Island Monkeys“ (Inselaffen) sei. Da verstehen sie dann plötzlich keinen Spaß mehr, diese Vorzeigehumoristen. Ein Glück, dass ich nicht noch behauptet habe,  „Inselaffe“ sei auch in deutschen Schulbüchern sehr geläufig.) Gestern haben wir dann alle Feiern ausfallen lassen, weil das Go-Kart-Fahren am Nachmittag sehr müde gemacht hat.

Zurück zu heute. Ich musste gegen Mittag ins Büro, um ungestört (und Frau A. nicht zu stören) ein Telefoninterview nach Saudi-Arabien zu führen. Anders als in Dubai, liegt das Wochenende auf den Tagen Donnerstag und Freitag. Wenn die also wieder arbeiten, lümmle ich lieber im Garten rum. Weil aber das Gespräch seit Wochen hat immer wieder verschoben wurde, beispielsweise wegen falscher Telefonnummern oder den Sommerferien der Ansprechpartner, und dann auch noch Ramadan dazukam, habe ich dafür einen Teil des freien Tages geopfert. Ich sitze also im Büro und gehe eine halbe Stunde vor Gesprächsbeginn noch einmal die Fragen durch, da macht es „pling“ und eine neue Mail trudelt ein. Richtig. Von der Pressestelle, das Gespräch muss leider auf morgen verschoben werden.

Ok, wieder zurück nach Hause, Essen kochen und essen.

Anschließend ging es in die Mall of the Emirates, wo sich ein Teil dieser bereits beschiebenen Dialoge abspielte. Ich glaube, meine Stimmung begann auf dem Parkdeck zu kippen, als wir die Mall wieder verlassen wollten. Da war dann mal wieder jemand in seinem Wagen unterwegs, der der Meinung ist, dass eine Regel wie Rechts-vor-Links für ihn wohl nicht gelten muss, auch wenn es dafür keinerlei offensichtliche Begründung gibt. Eigentlich müsste ich mich längst daran gewöhnt oder zumindest damit abgefunden haben, dass in Dubai viele Menschen ein Auto fahren, denen man nicht mal einen Einmer Scheiße anvertrauen möchte. Leider fahren die genau so – nehmen die Vorfahrt, blinken nicht, biegen in dritter Reihe ab, fahren zu schnell, drängeln und quetschen sich ungeniert an Stellen rein, für die in Deutschland vermutlich selbst der härteste Verkehrsrichter meine Selbstjustiz akzeptabel fände.

Jedenfalls war danach der Tag endgültig für mich gelaufen, ich habe vor mich rumgegrummelt und meine Laune hat sich bis zur Rückkehr nach Hause nicht mehr verbessert. Was mir vor allem für Frau A. leid tut, denn ihre freien Tage sind selten  und die will sie verständlicherweise nicht mit einem mosernden Mufflon verbringen. Aber ich hatte nun einmal das Gefühl, dieser Tag sei völlig nutzlos an mir vorbeigezogen und all diese Verkäufer, Autofahrer und sonstigen Spinner hätten mir meine Zeit geklaut. Wenn man dann am Ende den Kofferraum voller Ikea-Zeugs hat (auch, weil es uns bisher nicht gelungen ist, Möbelgeschäfte zu finden, die eine unserem Geschmack entsprechende Form, Farbe und Verarbeitungsqualität, und einen akzeptablen Preis bieten können), fragt man sich, ob man das nicht auch in anderen Städten haben kann, deren (mir bekanntes) öffentliches Freizeitangebot aus wenig mehr besteht als Essen, Saufen und Shoppen.

Randnotiz: Bei mir machen sich schon gewisse Befürchtungen bezüglich meiner Laune nach meinem ersten Kinobesuch breit. Wenn man das (aus westlicher Harr-A.-Sicht) leicht rücksichtslose bzw. egoistische Verhalten der Jugendlichen hier sieht und dann noch die Hinweisschilder am Eingang zwar  mitgebrachte Getränke, Fotoapparate und Tiere verbieten, nicht aber die Benutzung von Handys im Kinosaal.

So, nun habe ich mich aber genug ausgekotzt. Und dieser Tag ist zum Glück vorbei.

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