Rotkohl!

Manche nennen ihn auch Blaukraut, was natürlich kompletter Unfug ist. Aber egal, wie man Rotkohl nennt – zusammen mit einem Braten und Kartoffeln ist er eine ziemlich leckere Angelegenheit.

Seit unserer Ankunft in Dubai habe ich genau zwei Mal Rotkohl in einem Laden gesehen: Vor einem Jahr von einem holländischen Hersteller im Spinney’s Supermarkt in Mirdif (wo wir auch gleich ein Glas gekauft haben, danach aber nicht mehr dazu gekommen sind, weitere mitzunehmen) und kurz vor unserem Umzug im Park’n’Shop Supermarkt. Der Kohl war aus England, ganz klein gehäckselt und sah sehr knackig aus, nicht so schön schlabbrig. Jedenfalls hatten wir an dem Abend keine Lust mehr, ein Glas mitzunehmen und beim nächsten Besuch war kein Rotkohl mehr im Regal. Und ist auch nie mehr aufgetaucht. Auch auf Nachfrage nicht (Ich sage nur: „Come back the day after tomorrow, Sir.“)
In den letzten Wochen jedenfalls habe ich alle Supermärkte auf Gläser und Dosen mit dunkelrotem Inhalt abgesucht – kein Erfolg. Es in deutschen Foren probiert – keiner hatte einen erfolgreichen Fahndungstipp. Fast hätte ich damit angefangen, mein Gesuch an jede Wand zu sprühen, bis wir letzten Samstag auf der Suche nach einem Ort, in dem man die Sportschau sehen kann, mutig in das „Brauhaus“ gegangen sind. „Mutig“ deswegen, weil man als Deutscher unterhalb des Rentenalter im Ausland  nun einmal nicht in ein deutsches Restaurant geht. Das gilt als spießig. Außerdem sind sie meistens mit dunkelbraunen rustikalen Möbeln ausgestattet, an den Wänden hängen Wimpel und die Flaggen der Bundesländer und aus den Lautsprechern schallen irgendwelche Dudelschlager. Das „Brauhaus“ macht da keine Ausnahme (die beiden anderen Restaurant in der Stadt, „Hofbräuhaus“ und „Keller“ überigens auch nicht). Nun, die Hoffnung auf etwas Bundesliga mussten wir schnell aufgeben (ARD gibt es da nicht, nur ZDF, aber für das Sportstudio erst nach Mitternacht dort hinzugehen, macht auch keinen Sinn). Trotzdem war das Essen (mit Rotkohl natürlich) ganz lecker. Wir fragten nach dem Koch und er kam sogar an den Tisch. Man staune: Über Jahre hatte das deutsche Restaurant keinen deutschen Koch. Seit einigen Wochen hat das Hotel zumindest einen Küchenchef aus Germany, der die Speisekarte ein wenig aufpeppt und den Köchen auch wieder etwas mehr auf die Finger schaut, wenn sie Rinderroulade oder Currywurst anrichten.
Jedenfalls, auf meinen Kommentar, dass der Rotkohl phantastisch war, entgegnete der Küchenchef, dass er ihn selbst gemacht hätte. „Wenn Sie wollen, gebe ich Ihnen das Rezept: frisches Entenfett, Wacholder, etwas Preiselbeeren, und…“ Den Rest erinnere ich nicht mehr genau, zumal ich auch nicht wüsste, wann ich hier mal einen Entenbraten mache, um das Fett abzuschöpfen. Meine Antwort: „Och, ich glaube, ich komme morgen mit einer Tupperdose vorbei.“
So war es dann auch.

Lecker!

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: