Dubais neuester Shopping-Schuppen

Es ist so leicht, sich ins Gespräch zu bringen: einfach etwas bauen, das in irgendeiner Form einen messbaren Rekord enthält, also größer, hoher, teurer, tiefer, länger als alles bisher Dagewesene ist.

Mit der Dubai Mall hat man sich wieder ein paar Superlative mehr an den Persischen Golf geholt: den Rekord für das größte Einkaufszentrum der Welt (eine Fläche von rund einer Million Quadratmetern, die Hälfte davon ist Verkaufsfläche, 14.000 Parkplätze)  und den für das größte Aquarium.

Vergangene Woche hat die Dubai Mall eröffnet, nachdem der  eigentliche Termin, 24. Oktober, nicht eingehalten werden konnte. Fertig ist der Bau aber trotzdem noch nicht. Außen stehen noch einige Baugerüste, Kräne und schweres Gerät, im Inneren verraten unzählige Bretterwände, dass bisher erst rund die Hälfte der 1200 Läden fertig ist. Auf die Cineplex-Anlage, eine der größten im Nahen Osten, die Sega-Republic oder aber zwei Kaufhäuser muss man noch bis 2009/2010 warten.

Der erste Eindruck, wenn man vor der Mall steht: sieht unspektakulär aus.

dubai_mall_13

Hoffentlich lag es nur daran, dass wir von der falschen Seite kamen und als Fußgänger unterwegs waren. Denn Dubais neuster Shoppingtempel steht dicht am Burj Dubai und im Herzen des Neubaugebiets The Old Town, dessen Wohn- und Hotelanlagen von traditioneller arabischer Baukultur inspierert sind (das wird demnächst ein eigener Post). Entsprechend würde man erwarten, dass die neue Mall auch die Belange der wortwörtlichen Laufkundschaft berücksichtigt. Wir mussten allerdings an einem riesigen Parkhaus vorbeilaufen, ehe wir ins Innere gehen konnten. Mangels eines Eingangs sind wir durch eine Einfahrt in die Mall gegangen, was vielleicht ein Fehler war, denn die ersten Meter hatten in etwa den Charme einer unterirdischen Hauptbahnhofs-Passage:

dubai_mall_14

Auf der Rolltreppe nach oben bekamen wir plötzlich Probleme, uns zu unterhalten. Das lag nicht nur am relativ lauten Laufwerk, sondern an der hundertfachen Stimmenkakophonie, die sich an Marmor und Glas widerhallt. Diese Mall ist laut.

Im Zentrum der Mall ist eben jenes weltgrößte Aquarium, das insgesamt 7500 Kubikmeter groß ist und in dem 33000 Tiere leben sollen. Im Vorfeld war bekannt wurden, dass die ursprünglich rund 400 Haifische sich bereits um ein Zehntel reduziert haben, weil sie sich gegenseitig auffraßen.

Einen genauen Blick auf das Aquarium konnte ich nicht werfen – es war zu voll. Aber auf dem Foto erkennt man rechts einen großen Rochen. Und sieht, dass noch nicht sehr viele Pflanzen wachsen.

dubai_mall_10

dubai_mall_09

Was man von diesem Spektakel halten soll, bei dem die Unterwasserwelt zusammengepfercht wird, nur damit möglichst viele Leute hierher kommen? Es gibt wohl einen Bereich, in dem man etwas über die Fische lernen kann. Gesehen habe ich ihn noch nicht, es würde mich aber nicht überraschen, wenn diese Lehrfunktion eher ein Feigenblatt für den rein kommerziellen Ansatz des Aquariums ist.

Wir haben es nicht lange in der Mall ausgehalten: zu laut und zu uninspiriert. Die gesehene Architektur ist recht einfallslos, die meisten Läden hat man auch schon in anderen Einkaufszentren Dubais gesehen. Gleiches gilt auch für die Gastronomie: Starbucks und Konsorten wohin man schaut, den Food Court musste ich zum Glück nicht besuchen . Gut, das Eislauf-Stadium ist wohl einzigartig, aber spricht mich trotzdem nicht an.

dubai_mall_08

dubai_mall_06

dubai_mall_07

dubai_mall_12

Mir ist die Mall schlicht zu groß, ohne dass ich außer platten Füßen etwas davon hätte. Vier Stockwerke, 1200 Läden, wer braucht so viel, wer will da wirklich durchschlendern?

Mit Sicherheit wird es auch Leute geben, denen die Mall gefällt, die hier noch besser shoppen können als in anderen Malls oder die sich freuen, zum ersten Mal im Leben einen lebendigen Fisch zu sehen oder auf Kufen zu stehen. Mir reicht das nicht für ein schönes Einkaufserlebnis.

Es ist relativ einfach, einen Weltrekord in Höher, Größer, Länger aufzustellen. Beispiele dafür hat Dubai mittlerweile genug. Wesentlich schwieriger ist es, das weltbeste Irgendetwas zu bauen. Schiere Größe ist oft geradezu unvereinbar mit höchster Qualität. Auch davon hat Dubai genug Beispiele. Die neue Mall macht da leider keine Ausnahme.

Nachtrag: Etwas positiver urteilt das Dubaiblog nach einem Rundgang durch die Mall.

Advertisements

4 Responses to Dubais neuester Shopping-Schuppen

  1. Ansku sagt:

    Auch von der Ferne betrachtet kommt es mir oft vor, wie im letzten Absatz so treffend formuliert wurde: Schiere Größe ist oft geradezu unvereinbar mit höchster Qualität. Etwas typisch arabisches findet sich wohl kaum in diesem Einkaufszentrum, vielleicht vom Fußboden abgesehen. Zumindest erwecken die Photos diesen Eindruck. Und ja, es ist jammerschade, dass überall, wo man hinfährt, immer dieselben Läden zu finden sind: Star.bucks, Mc.Do.nalds, IK.EA, H&M…

    Einen sehr schönen Blog haben Sie hier, Herr A.! Ich lese (seit einiger Zeit) sehr gerne hier und es ist immer wieder interessant zu sehen, wie es woanders zugeht.

    Herzliche Grüße aus München,
    Ansku

  2. Herr A. sagt:

    Hallo Ansku,
    Danke für die Blumen für das Blog. So etwas liest man natürlich gerne.

    In der Dubai Mall finden sich schon typisch arabische Waren, etwa Kleidungsläden und Parfümerien. Die Innenarchitektur empfinde ich als arabisch inspiriert, weil viele dekorative Elemente regionaltypisches Flair verbreiten. Und im Vergleich mit deutscher EKZ-Tristesse ist die Mall bestimmt ein Highlight, aber in Dubai gibt es kleinere, schönere.

    Vor dem Umzug empfand ich übrigens die immergleichen Läden überall auch als etwas nerviges. Das hat sich etwas relativiert: Ikea hat uns manches Mal vorm Verhungern gerettet (Gurken, Röstzwiebeln!) und steht auch bei uns in der Wohnung, weil wir da im Gegensatz zu lokalen Anbietern wissen, welche Qualität und welchen Kundenservice wir uns hinstellen. Ähnliches gilt für McD in entlegenen Teilen der Welt – manchmal ist man froh, dem Magen zuliebe auf Garküchen-Experimente verzichten zu können. Aber im Prinzip ist mir authentische Ware auch lieber.

  3. Ansku sagt:

    Oh bitte bitte 🙂

    Ups ja, unter solchen Umständen würde sich diese Einstellung natürlich auch bei mir relativieren, und zwar sehr.

    (Ich hab jetzt aber doch IK.EA eher zufällig als Beispiel genannt, ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, die auch in Dubai zu finden. Die Araber richten sich tatsächlich im doch eher schlichten skandinavischen Stil ein??? Ich bin etwas erstaunt!)

  4. Herr A. sagt:

    Na, Du darfst nicht vergessen, dass in Dubai und den nördlichen Emiraten (Abu Dhabi hat sein eigenes Ikea) auch sehr viele Westeuropäer leben, die sich schnell und günstig einrichten wollen. Man sieht aber auch junge arabische Pärchen in den Gängen. Vielleicht wollen die auch lieber schlichteres nordisches Design statt verspielter Formen?

%d Bloggern gefällt das: