Grmph zum Jahresende

Mittwoch 31. Dezember 2008

Seit Jahren bekomme ich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen – vollkommen berechtigt – freundliche Ermahnungen, dass ich doch mal die Taschen leeren solle, bevor ich meine Hosen in den dreckige-Wäsche-Sack schmeiße. Gestern war ich dran, die saubere Wäsche von der Leine abzuhängen, als plötzlich ein 1-Dirham-Stück auf den Boden kullerte. Und die einzige Hose weit und breit gehörte nicht mir. Was für eine Freude. 😉

Dieses Hochgefühl hielt allerdings nur bis heute morgen an, denn nach einem Anruf und einem schnellen Check im Internet war klar, dass die geplante große  Silvester-Party in der Wüste wohl nicht stattfindet. Unser Sheikh Mo hat aus Respekt vor den Opfern im Gaza-Streifen alle Neujahr-Festlichkeiten  in Dubai abgesagt und die Behörden angewiesen sicherzustellen, das auch sicherzustellen.

Ich erspare mir jetzt mal eine Aussage darüber, ob ich diese Entscheidung gut, angemessen oder berechtigt finde. Ob die vielen Leute hier, die für viel Geld eine Party oder ein Dinner in den Hotels und Clubs gebucht haben – womöglich extra aus Sonstwoheristan eingeflogen sind -, ob die wirklich alle ihre Solidarität mit den Palästinensern zeigen wollen. Freiwillig kann jeder machen, was er will. Erzwungen ist so eine Sache. Zumal die anderen Emirate nicht mitziehen und Shakira wohl heute abend in Abu Dhabi auftreten wird.

Grmph!


Nun aber: Frohes Fest

Montag 22. Dezember 2008

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„Rohes Fest“

Samstag 20. Dezember 2008

So, Erkältung ist ausgestanden. Dafür hat irgendjemand im Mittelmeer eine Internet-Leitung gekappt und das Surfen hier in Dubai zu einer quälend langsamen und abstürzenden Agelegenheit gemacht.

Während ich so warte, bekomme ich schon merkwürdige Ideen:

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Meine kürzlich reparierte Tastatur ist auch schon wieder kaputt.

Und ich muss mal in Ruhe ein paar Dinge klären.

Deswegen wünsche ich allen ein frohes Fest, ein paar besinnliche Tage, ordentlich Pakete unterm Baum und einen guten Rusch.

Bis 09


Sonntag 14. Dezember 2008

Habe ich schon erwähnt, dass ich Erkältungen hasse!? Der Kopf wird weich und aus der Nase läuft bereits die erste Hirnmasse aus. Man denkt langsamer und viel dummes Zeug. Lesen wird irgendwann zu anstrengend, TV zu langweilig (die fünfte Staffel von „24“ auf DVD wird nur in Anwesenheit von Frau A. weiterverfolgt), bleibt nur dem Computer.

Es heißt, ja, dass kurz vor dem Tod, das gesamte Leben noch mal vor dem inneren Auge vorbeizieht. So gesehen, ist eine Erkältung vielleicht die kleine Schwester. Denn ich werde immer sentimental und google nach Sachen aus meiner Kindheit und Jugend: Freunde, Gegenstände, Computerspiele. Kennt noch jemand „Agent USA“ aus den 80er Jahren. Herrje ist die Grafik mies und heute kaum noch erträglich, aber spaß bringt es trotzdem. So etwa eine halbe Stunde lang.


Bericht aus einer anderen Welt

Freitag 12. Dezember 2008

Während der Fahrt zum Hotel traf zuerst meine Nase eine Entscheidung. „Kathmandu stinkt!“, teilte sie mir unmissverständlich mit und untermauerte diese Erkenntnis mit detaillierten Infos über Abgase, fauligen Dreck, Urin. „Kathmandu ist laut“, maulten die Ohren über das pausenlose Gehupe der Autos, Motorräder, Tuk Tuks und Fahrradrikschas. Und, obwohl noch etwas müde vom frühen Aufstehen samt vierstündigen Flug, schließlich meldeten auch die Augen, dass Nepals Hauptstadt dreckig sei. Staubige Straßen, Abfall in den Rinnwegen, Hundekot, schmutzig-rissige Fassaden einstmals hübscher Häuser, armseelig gekleidete Bewohner. „Hässlich, aber lebendig“, formte mein Verstand aus diesen Eindrücken. Genauso hatte ich Mitte der 90er Jahre gedacht, als ich an einem Wintermorgen erstmals durch Ost-Berlin fuhr, wo ich einige Monate arbeiten sollte.

Als das Taxi dann von einer engen Gasse in einen vermüllten Trampelpfad abbog, fürchtete ich eine Sekunde, gleich würden auch noch Straßenräuber aus den Büschen springen und unsere Sachen mitnehmen. Aber nach einigen Metern stoppte der Wagen am Hotel und entließ uns in einen gepflegten Garten mit Sitzbänken, Tischen, gemähtem Rasen, Wasserspiel und einem roten Backsteingebäude mit geschnitzten Fensterrahmen im nepalesischen Stil. Schön.

„Warm welcome“ trifft die Begrüßung durch den Front Desk Manager des Kanthipur Temple House wohl am Besten. Wie die Reise war, wo wir herkämen, wollte er zunächst wissen, um uns dann das Hotel zu zeigen. Das Restaurant, dessen Fenster von schweren Vorhängen verdunkelt waren, eine kleine Bar, der Garten. Dann er Weg hinauf in den vierten Stock. „Einen Fahrstuhl gibt es hier nicht, das ist Teil unseres Öko-Konzepts“, sagte er und lachte dabei eine Spur zu laut. Auch Tüten oder Flaschen aus Plastik seien in diesem Haus verpönt, fuhr er fort, die Gäste könnten stattdessen Beutel fürs Shopping bekommen und Trinkflaschen aus Metall mitnehmen. Trinkwasser gibt es im Hotel gratis. Der nach vielem Suchen in Dubai gefundene Reiseführer hatte bereits eindringlich davor gewarnt, Leitungswasser in den Mund zu nehmen. Auch das Treppenhaus und die Gänge waren dunkel, alle paar Meter lediglich von ein paar Einergiesparlampen erhellt. „Kathmandu hat ein Problem mit der Energieversorgung“, sagte Saihm (ausgesprochen „Sam“). Deswegen versuche man, sparsam mit Strom umzugehen. Erzählte etwas von Solarenenergie auf dem Dach und Stunden, in denen in der gesamten Stadt der Strom abgestellt würde, und man auf Kerzen umsteigen müsse, auch in diesem Hotel. „Der Zeitplan dafür hängt an der Rezeption“, sagte er. Ohne zu lachen. Dann entließ er uns in ein niedlich eingerichtetes lichtes Zimmer („Wir haben Sie upgegradet von Standardzimmer zum Deluxe Room. Sie zahlen aber nicht mehr“), drückte uns ein Vorhängeschloss in die Hand und ließ uns allein.

Beim Rundgang durch die Innenstadt muss man aufpassen, in den engen Gassen nicht von den Motorrädern und Autos überfahren zu werden, die kurz hupen, ansonsten aber einfach weiterfahren. Auf kleinen Marktplätzen bieten die Händler Gemüse, Schuhe, Kunsthandwerk, aber auch mal Geflügel oder ein halbes Schwein an, an dem sich die Fliegen unter der prallen Sonne zu schaffen machen.

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Kathmandu liegt auf 1400 Metern Höhe in einem Tal, auch im Dezember können die Tagestemperaturen über 20 Grad steigen. Das Tal verhindert den Luftaustausch, entsprechend liegen die Abgase wie ein dicker Schleier über den Straßen. Atemmasken sind ein ziemlich normaler Anblick.

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Ein Stadtbummel ist wie eine kulturelle Zeitreise ins Mittelalter, denn die meisten Häuser sehen so aus, als wären sie seitdem nicht mehr gepflegt worden. Von den Gassen gelangt man durch niedrige Gänge in ruhige Innenhöfe, in denen sich gelegentlich komplette Tempelanlagen befinden.

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Die größeren Exemplare finden sich am Durbar Platz und vor allem aber in Bodnath, einem von Tibetern bewohnten Viertel. Man könnte die um einen Platz angeordneten bunten Häuschen auch in einer italienischen Kleinstadt vermuten, stünde da nicht die riesige Stupa in der Mitte. Dieses buddhistische Bauwerk ragt 36 Meter in den Himmel und gehört zu den größten seiner Art.

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Zwar ist der derzeitige Zustand der Stadt eher nicht so schön, aber sie hat Charakter und ist authentisch, also nicht so ein künstliches Durcheinander wie Dubai. Auch wenn die meisten Bewohner als arm gelten, hatte ich auch abends im Dunkeln, während der Strompause nie Angst, jemand würde mich in eine Ecke ziehen. Eher schon vor den fast unsichtbaren Hundehaufen.

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Ebenso beeindruckend sind die Städte Patan und Bhaktapur mit dem 30 Meter hohen Nyatapola-Tempel, dem größten im gesamten Kathmandu-Tal (hier erst einmal ohne Foto).

Wenn man genau hinschaut, entdeckt man an vielen der Bauwerke Holzschnitzereien, die Männlein und Weiblein bei ziemlich eindeutigen Aktivitäten zeigen. Es ist nicht so, dass hier nepalesische Pornografie gezeigt würde, die Schnitzereien dienen als Blitzableiter. So ganz habe ich die Auführungen unseres Guides nicht mehr im Kopf, aber eine der Erklärungen besagte in etwa, dass der böse Blitz durch so etwas schönes abgelenkt würde (also vielleicht einen roten Kopf bekäme) un deshalb sein Ziel verfehlt. Eigentlich ein schönerer Schutz gegen Unwetter als diese schnöden Metallstäbe im Rest der Welt.

Überhaupt ist das Leben in Nepal prall gefüllt mit Mythen, Göttern und Geschichten, die ich beim besten Willen nicht schnell zusammenfassen kann. Allerdings habe ich viele Erklärungen aufgenommen und mache vielleicht mal eine Slideshow, um eine Stupa zu erklären oder das Wesen der Götter Shiva (das ist dieses Wesen mit den vielen Armen und dem elefantenförmigen Sohn Ganesha) und Vishnu (blau und vielarmig). Wesentlich weltlicher sind dagegen die Bestattungsrituale: die Totoen werden in Nepal verbrannt (was ein weiterer Grund für die geringer werdenden Waldbestände ud die rauchige Luft ist). Das Ritual findet am Flussufer statt und ist praktisch öffentlich. Die Asche wird ins Wasser gestreut, was unser Guide grinsend mit „alle unsere Flüsse fließen nach Indien“ kommentiert. Der große Nachbar ist in Nepal recht unbeliebt.

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Höhepunkt der Reise, war jedoch im wahrsten Sinne des Wortes ein Rundflug entlang des Himalaya-Gebirges. Natürlich gab es dabei auch den Mount Everest zu sehen. Sehr beeindruckend.

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Dafür liege ich aber nun mit Erkältung im Bett.


Heute: Kathmandu

Dienstag 9. Dezember 2008

Nach drei internetlosen Tagen in Kathmandu, Nepal, endlich Zeit f[er ein kleines update. Abgesehen von den staendigen Stromabschaltungen um Energie zu sparen und dem GEstank von Motore, Dreck und Exkrementen in den engen Gassender Innenstadt gefaellt das alles sehr gut. Schoene Natur, viele schoene alte Tempel, nette Menschen.

Morgen geht es zurueck, dann gibts auch irgendwannBilder und Texte.


Schreitender Verfall

Montag 1. Dezember 2008

Schauen wir der Wahrheit ins faltige Gesicht: in Dubai altert man schneller. Dreckige Luft, stressiger Verkehr, anstrengende Arbeit, UV-Strahlen. Mittlerweile reichen zwei Hände nicht mehr, um meine grauen Haare an den Schläfen abzuzählen. Zwar tröstet das Sprichwort, Männer würden mit steigendem Alter immer attraktiver, ich glaube aber eher, dass demnächst die Frauen zu mir aufschauen – um mir dann ihren Sitzplatz anzubieten.

Und nun?


Gesetzgebung á la Emirates

Montag 1. Dezember 2008

Falls ich mal die Chance bekommen sollte, Drehbücher für eine Politsatire zu schreiben – ich werde mich von der Gesetzgebung a la Dubai inspirieren lassen.

Es werden Gesetze beschlossen, keiner bekommt es mit, plötzlich sind sie in Kraft, dann stellt sich heraus, dass sie nicht so gut funktionieren, also werden sie schnell wieder abgeschafft oder zumindest abgeändert. Manchmal werden die Gesetze vom obersten Chef hier sogar gestoppt, noch bevor sie wirksam werden. So sollten eigentlich ab 1. Dezember die Zulassung für alle Autos, die älter als 20 Jahre alt sind, nicht mehr verlängert werden und der Weiterverkauf von zehn Jahre alten Autos ebenfalls verboten sein.

Damit wollte man versuchen, den täglich schlimmer werdenden Autoverkehr zumindest etwas in den Griff zu bekommen. Gestern aber hat dann der Präsident der VAE die Regelung für die 20-Jährigen wieder kassiert. Begründung: den Leuten mit niedrigen Einkommen soll mehr Zeit gegeben werden, sich um einen neueren Wagen zu kümmern. Na sowas, jetzt bemerkt man erst, dass solche Entscheidungen Konsequenzen haben für große Bevölkerungsschichten? Und dann auch noch die ärmeren, die mit ihren niedrigen Löhnen die Maschinerie Dubais am Laufen halten und jetzt schon finanzielle Probleme durch steigende Mieten und Lebenshaltungskosten haben? Tsss.

Aber es kommt noch besser, im Kampf gegen Verkehrschaos und Luftverschmutzung. Die Einführung der Straßenmaut (Salik) hat ja nur teilweise eine Verbesserung gebracht, da der Verkehr dadurch ja nicht verschwindet, sonden nun auf die Nebenstraßen ausweicht. Eine Metro wird ja frühestens im Herbst 2009 fertig. Gestern stand in der Zeitung, dass im Emirat Sharjah per sofort fast 100 Berufsgruppen (u.a. Bauarbeiter, Servicekräfte, Köche, Wachleute) keinen Führerschein mehr machen dürfen. Ihre Bewerbungen werden nicht angenommen, ein Auto rückt damit in weite Ferne. Ja, wie sollen die diese armen Jungs und Mädels denn sonst von A nach B kommen? Gerade in Sharjah, wo eine Metro nicht mal in Planung ist, und der Fußweg nach Dubai doch recht weit. Warum so plötzlich? Ach nee, ist ja nicht plötzlich. Das Gesetz gab es schon immer, es wurde nur in den vergangenen Jahren etwas gelockert – und nun wird es wieder etwas strenger gehandhabt,  wird ein Beamter in den Gulfnews zitiert. Das ist eine Aussage, die häufig 1:1 übernommen werden könnte, so oft werden hier Gesetzte für eine Weile „vergessen“. Gilt übrigens auch für Einkommenssteuer, die bestimmt auch bald wieder entdeckt wird.

War sonst noch was? Ach ja: die letzten Wochen haben die großen Immobilienfirmen immer wieder gesagt, wie wenig betroffen Dubai von der internationalen Krise sei und hier alles glattlaufe, während Gerüchte über Entlassungen und Baustopps längst die Runde machten. Nun ist es endlich offiziell, dass beispielsweise Nakheel 500 Leute entlässt und auf den Palmen Jumeira und Deira, an der Waterfront und The Universe die Arbeit zumindest langsamer laufen wird.

Unnötig zu erwähnen, dass das soziale Netz für diese Leute ungefähr so dicht geknüpft ist wie ein Stahlseil. Das Gesetz sagt, dass jemand ohne Arbeit 30 Tage Zeit hat, sich einen neuen Job zu suchen, damach wird sein Visum gecancelt und er muss das Land verlassen. Als nach der Pleite der Lehman Brothers die ersten Banker plötzlich arbeitslos waren, haben Regierung und die Freihandelszone DIFC noch Verlängerungen der Frist und finanzielle Hilfen für Härtefälle  versprochen. Mal sehen, ob nun schnell das Gesetz geändert wird, damit alle Expats hier in der Krise ihre Existenz sichern können.