Gecko von unten

Dienstag 14. April 2009

Sie kleben förmlich an Hauswänden, Zimmerdecken und Bäumen, regungslos, bis sich eine Beute nähert. Geckos sind allgegenwärtig in Dubai, und trotzdem schwer zu fassen. Diese kleinen Biester sind blitzschnell, wenn es darum geht, sich vor einem neugierigen Menschen zu verstecken. Ausnahme ist der Schwanz, der manchmal zurückbleibt, wenn ein Gecko mal wieder mit unserer Katze gespielt hat.

Gestern hat so ein kleiner Fratz nicht aufgepasst, als er sich an einer Fensterscheibe ausruhte. Vielleicht konnte er mich von „unten“ nicht sehen, jedenfalls reichte die Zeit für einige Aufnahmen, dann war das Tier wieder weg.  Wirklich praktisch, solche Klebefüße.

gecko von unten

(Klick aufs Bild macht’s größer)


Jenny und das eckige Schwarze (Zensur II)

Sonntag 12. April 2009

Ich hatte schon davon gehört, dass die Bild-Zeitung seit einigen Wochen oder Monaten auch in Dubai erhältlich sei. Da ich aber nicht viel von diesem Presseerzeugnis halte, (weil ich es nur knapp oberhalb der Kategorie „bedrucktes Klopapier“ ansiedeln würde) habe ich mich nicht darum gekümmert, ob das Zeug tatsächlich irgendwo im Kiosk ausliegt. Letzte Woche ging ich beim Einkauf im Supermarkt unseres Vertrauens ausnahmsweise an der langen Regalwand mit buntem Firlefanz entlang und sah dort tatsächlich eine Ausgabe der Bild herumliegen, achtlos mit britischen Boulevardzeitungen in ein Fach gestopft.

Nun gut, dachte ich mir. Schau wenigstens mal, wie alt das Blatt denn schon ist. Zu meinem Erstaunen lag das Erscheinungsdataum nur einen Tag hinter dem aktuellen Datum. Nicht der einzige Hinweis darauf, dass diese Deutschland-Ausgabe der Bild irgendwo in der Region gedruckt wird, statt sie per Luftpost einzufliegen. Denn die Dubai-Ausgabe sieht an bestimmten Stellen irgendwie ungewohnt aus:

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So unscharf habe ich das Mädel von Seite 1 noch nie gesehen (und selten  einen so uninspirierten Text dazu gelesen, „ungewöhnliche Krabbelei“, hm?) . Auch die letzte Seite mit zwei Aufnahmen von Tennis-Profi Serena Williams wirkt nach der Bearbeitung durch den (Bild-eigenen?) Zensor eher unfreiwillig lustig.

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Tja, so ist das nun mal in einem Land, in dem die Darstellung von Brüsten und Popos (nur den weiblichen, natürlich) nicht gerne gesehen ist – von den staatlichen Stellen. Da müssen dann halt schwarze Rechtecke her, beziehungsweise schwarze Filzstifte, wenn es um importierte Druckerzeugnisse geht. In diesem Land ist aber auch der Austausch von Zärtlichkeiten auf offener Straße eigentlich Tabu, auch wenn mir in letzter Zeit immer mehr arabische Pärchen auffallen, die händchenhaltend durch die Mall schlendern oder im Restaurant turteln. Deswegen habe ich mich auch fast nicht mehr gewundert, dass die anderen Fotos auf der letzten Seite  so überhaupt nicht unkenntlich gemacht wurden. Ich finde, diese riesige Schleckerzunge hätte der Bild-Mann auch wegmachen können. Genauso wie Bonos Kuss auf eine Schulter, mit der er nicht verheiratet ist. Das ist ja schon fast wieder richtig unzüchtig (nach hiesigen Maßstäben).

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Ruhephase

Mittwoch 8. April 2009

Hier im Blog ist es recht ruhig geworden in letzter Zeit. Der Grund dafür liegt in einer Mischung aus „keine Zeit, wegen zuviel zu tun“ und „nix zu schreiben, wegen zuwenig Input“. Mit anderen Worten: das Leben verlauft derzeit etwas monoton vor sich hin, es gibt wenige Highlights, aber zum Glück auch keine wirklichen Tiefpunkte. Vor allem gibt es nichts Neues. Ja, gelegentlich regnets hier, aber fällt mir kaum noch auf. Beruflich läuft es seitwärts. Das Verkehrschaos ist etwas besser geworden, seit immer mehr Leute die Stadt verlassen (mussten). In den Zeitungen steht immer noch soviel Schrott, dass ich jeden Morgen das Gesicht schmerzhaft verziehen muss. Und Erfolge beim Golfspielen sind etwas spärlicher geworden, seit ich die Bälle treffe – mit dem genau Zielen klappt’s dagegen  noch nicht so.

Das Phänomen nennt sich Alltag, glaube ich. Dazu kommt eine gewisse Unzufriedenheit über die derzeitige wirtschaftliche Situation in Dubai. Mir ist klar, dass unser deutscher und der dubaianischer Freundeskreis sich nicht wirklich vergleichen lassen, weil er daheim bunt gemischt ist und hier zu  einem großen Teil aus Architekten und Journalisten besteh. Aber aus Deutschland habe ich bisher nicht eine Hiobsbotschaft vernommen, im Gegenteil: Manche Freunde wechseln sogar momentan scheinbar problemlos ihren Job.  In Dubai sieht es dagegen schon ziemlich übel aus: Mehr als ein Freund stand plötzlich ohne Job da und muss in der Kahlschlagphase noch woanders unterschlüpfen. Verbessert die Stimmung nicht unbedingt.

Wenn ich übrigens „Genervt von der Welt“ bei Google eingebe, taucht als erster Treffer ein Artikel bei welt.de auf – Das gefällt mir.

Eine richtig überzeugende Lösung gegen Blogunlust ist mir bisher nicht über die Tastatur gelaufen, deswegen wird es wohl noch eine Weile ruhig zugehen hier. Mir fehlt etwas die Inspiration. Es sei denn, einer der Mitleser hat eine konkrete Frage, die er/sie/es schon immer über Dubai beantwortet haben wollte.