Ein Nachmittag in Kabul

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Das ist der Blick aus dem Fenster des Hotels, in dem ich diese Nacht verbringen werde. Um rauszuschauen, muss ich mich auf das Bett stellen und strecken, denn vermutlich aus Sicherheitsgründen ist das Fenster recht klein und hoch, sodass niemand kann sehen, was der Zimmerbewohner so macht. Wie genau die Straße dort unten heißt, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass ich gerade in Kabul bin.

Ich habe lange überlegt, ob ich der Einladung folgen soll, die mich für einen halben Tag und eine Nacht mitten in ein Krisengebiet führt (wenn man westlichen Medien glaubt), aber nach einiger Recherche und Gesprächen, schien mir die afghanische Hauptstadt auch nicht wesentlich gefährlicher zu sein, als der Feierabendverkehr von Dubai. Schon im Flugzeug beruhigende Normalität: geschätzte 95 Prozent der Passagiere sind westlicher oder asiatischer Herkunft (junge Männer und alternde Männer, denen man trotz Bauchansatz einen militärischen Werdegang ansieht sind deutlich in der Überzahl, aber auch vereinzelte blonde, alleinreisende Frauen). Der Flug führt über gelb-beige-graue Gerölllandschaften, die manchmal aussehen, wie Farbkleckse auf nasser Seide, dann wie ein dichtes Geäst, dann wie zerrissenes Papier, ein Schwamm oder völlig undefinierbar. Erst kurz vor Kabul mischt sich auch etwas Grün in die Szenerie.kabul_02

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Aber ein wenig Nervös macht es schon, wenn man am gut bewachten Flughafen in den Transferbus einsteigt und noch ein Mann mit schusssicherer Weste auf dem Beifahrersitz Platz nimmt. Soll man sich nun sicher fühlen oder genau das Gegenteil davon.

Die Fahrt ins Hotel dauerte nur rund 20 Minuten und viel Gelegenheit zum Fotografieren war nicht. Aber auf mich wirkten die Bewohner Kabuls weder besonders nervös oder feindselig, sondern entspannt und lachend. Das Straßenleben ähnelt dem, das ich auch schon in Pakistan oder Nepal gesehen habe, aber auch aus den ländlichen Teilen der Vereinigten Arabischen Emirate kenne: viele schrullige kleine Läden, bei denen vermutlich selbst der Besitzer nicht so genau weiß, was er eigentlich verkauft: Lammhälften, Autoreifen, Töpfe oder Teppiche.

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Der Eingang zum Hotel ist mit Metalldetektoren ausgerüstet. Wer eine Waffe bei sich trägt, wird aufgefordert, diese am Eingang abzugeben. Im Erdgeschoss ist eine Mall mit Café, junge Afghanen sitzen hier, trinken Kaffee, surfen im Internet –  so wie wohl in jeder Großstadt auch.

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Das Landmark-Hotel ist neu und sauber, die Crews aller afghanischen Fluggesellschaften steigen hier ab, ebenso Diplomaten und Geschäftsleute. Mein Zimmer ist klein, man hört den Lärm der Mall sechs Etagen unter mir und Geräusche aus der Küche. Es gibt ein Restaurant, dessen Buffetangebot nur einen Hauch abwechslungsreicher ist als das einer gemischten libanesischen Fleischplatte, dafür aber gut gewürzt ist und auch ganz ordentlich schmeckt. Umwerfend lecker ist ein Dessert namens Firni, der irgendwie auf Milchbasis zu sein scheint.

Mittlerweile ist es 22 Uhr Ortszeit, im Hotel ist nichts mehr los, die Mall ist zu und ich werde den Ratschlägen folgen, nicht in der Dunkelheit nach draußen zu gehen. Da das Hotel „trocken“ ist, bleiben mir nur amerikanische Spielfilme im Fernsehen, weil ich den Gejaul-Singsang, der in den einheimischen TV-Sendern geboten wird, weder hören mag noch verstehe.

Morgen früh geht es weiter nach good ol’ Europe.

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