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Donnerstag 29. Oktober 2009

Schluss mit der Feierei. Der gestrige Tag war  mit Bier, Kuchen, Daddeln und Abhängen gefüllt, also ganz nach meinem Geschmack. Dafür fühle ich mich heute deutlich älter und ich fürchte, an diesem Zustand wird sich auch nichts mehr ändern.

Praktischerweise passiert derzeit nicht viel in der Stadt, worüber ich mich zu berichten genötigt fühle. (wobei, das stimmt nicht ganz. Es gibt hier fast täglich wieder einen Aufreger/ eine Idiotie, die den Rest der Welt belustigen würde, aber ich will mal eine Weile auf das Meckern verzichten. Nicht gut fürs Gemüt.) Am Wochenende geht es nach Abu Dhabi zur nagelneuen Rennstrecke, auf der Abschlussrennen der Formel-1-Saison  ausgetragen wird. Bin gespannt, ob die Organisation des Spektakels genauso Hi-Tech ist, wie die Strecke selber (habe aber schon jetzt Hinweise darauf, dass ich mir da keine großen Hoffnungen machen sollte (Ja, ja. Mecker, Mecker, Mecker))

 


Weg-Fahr-Sperre

Donnerstag 8. Oktober 2009

Sind wir mal optimistisch und gehen davon aus, dass die Gebäude-, Landschafts- und Straßenplaner in Dubai aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Vor einigen Jahren scheint kaum jemand geglaubt zu haben,  dass es in der Stadt außer dem Auto noch andere Fortbewegungsformen geben könnte, wie etwa Füße, Pfoten, Fahrräder, Kinderwagen oder Skateboards. Entsprechend wurden zwar Straßen gebaut, aber Fußwege (erst recht nicht in ausreichender Breite) , Radwege, abgesenkte Bordsteine oder Brücken über große Straßen fehlten häufig. Spaziergängern, Radfahrern, Eltern mit Babykarren, spielenden Kindern oder Joggern bliebt deswegen nicht viel anderes übrig als ins Auto zu steigen.

Bei neueren Stadtteilprojekten hat sich das wohl geändert. Wir waren in einem kürzlich fertig gestellten Abschnitt der Arabian Ranches, um Freunde zu besuchen, die dort gerade erst hingezogen waren. Als wir einen Spaziergang durch die Gegend machten, war ich überrascht von den Fußwegen entlang der (sogar verkehrsberuhigten) Straßen und den gepflasterten Pfaden, die sich durch die endlos langen Hausreihen schlängelten. Eigentlich alles gut gemacht. Nur dieser Kinderwagen-Stopper mitten im Weg kam uns doch etwas merkwürdig vor:

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Wer sich da wohl wieder verplant hat?


Unterwegs in der Dubai Metro

Donnerstag 1. Oktober 2009

Heute habe ich nachgeholt, was gestern nicht mehr geklappt hatte:  Eine Fahrt mit der Dubai Metro. Insgesamt bin ich positiv überrascht von der Qualität, die dort auf die Betonpfeiler gestellt wurde. Über Farbe und Form der Haltestellen kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Mich erinnern diese schwungvollen Linien und die seitlichen Spitzen an Schulterpanzer von Kriegerausrüstungen in Fantasy-Filmen, irgendwie wirkt diese Form aggressiv auf mich. Die meisten Haltestellen sind übrigens identisch gestaltet, lediglich einige unterirdische Stationen weichen deutlich von dem Schema ab. Mehr dazu ein anderes Mal.

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Dennoch haben sich die Planer viel Mühe gegeben, die Reise so komfortabel wie möglich zu machen. Die Verbindungsgänge zu den Stationen sind bisweilen recht lang , etwa weil sie über die zehnspurige Sheikh Zayed Road oder direkt in Gebäude führen. Zumindest bei der Station Mall of the Emirates  sind daher sogenannte „people mover“ installiert, wie man sie aus Flughafenterminals kennt, die den Fußweg kürzer und angenehmer machen – erst recht, wenn man die Shopping-Schnäppchen hinter sich herzieht. Ob dies der Fitness der ohnehin recht bewegungsfaulen Einheimischen zugute kommt, bezweifle ich allerdings.

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Die Stationen sind geräumig, vollständig klimatisiert und vermutlich (ich habe mir nur zwei Stationen angeschaut) alle mit Fahrstühlen, Rolltreppen und WC ausgestattet, was ich persönlich eine sehr gute Sache finde. Die Halle ist schön hell, der Fußboden aus weißem Marmor (oder Ähnlichem), die Wege leicht zu finden, da gibt es nichts zu meckern. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Markierungen für Sehbehinderte, die aufgrund ihrer Höhe zur Stolperfalle für Stöckelschuhträgerinnen werden könnten:

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Fahrscheine gibt es für drei Tarifzonen (entfernungsabhängig) und drei Klassen. Ein Einzelfahrschein für die mittlere Zone und Silber-Klasse ist mit 6,50 Dirham (rund 1,30 Euro) deutlich günstiger als eine U-Bahn-Fahrt in Hamburg. Es gibt noch weitere Karten für Vielnutzer, das würde hier aber zu weit führen. Das Papp-Ticket hält man vor das Lesegerät an der Schranke, die sich dann öffnet (wie man es aus Moskau, London oder New York kennt). Neben der normalen Silber-Klasse gibt es in jedem Zug noch ein Abteil für Frauen und Kinder sowie ein  Gold-Abteil. Ich werde mir demnächst eine Fahrt damit gönnen, um die Unterschiede kennenzulernen, heute war ich für die dazu nötigen 11,50 Dirham (2,30 Euro) leider zu geizig. (Das ist schon der Gegenwert einer viertel Tankfüllung).  Ein Blick durch die offene Tür zeigte aber größere Sitze mit Kopfstütze und Armlehnen. Nicht auf dem Bild, ist eine Art Stewardess, die im Abteil mitfährt.

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Wer sich über die Glaswand vor dem Zug wundert: Sie trennt den Bahnsteig von Gleisen und Zug, verhindert also, dass irgendjemand sich aus Dummheit oder mit Absicht vor die Metro werfen kann. Nur wenn der Zug hält, öffnen sich die Schiebetüren und man kann Ein- und Aussteigen. So bleibt auch die gekühlte Luft im Gebäude.

In die Wagons wurde nicht die größtmögliche Anzahl an Sitzen reingequetscht, sondern mehr Platz für das stehende Volk gelassen (das künftig immer häufiger mit Koffern anzutreffen sein dürfte, wenn nach dem Emirates-Terminal auch das Terminal 1 an das Streckennetz angeschlossen ist). Bildschirme zeigen die nächste Haltestelle an, die auch über Lautsprecher durchgesagt wird. Wer da noch falsch aussteigt, ist selber schuld.

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Die Dubai Metro ist als führerlose Bahn konzipiert, wird also vollautomatisch  gesteuert. Wie das bei Störfällen gutgehen soll, werden wir bestimmt bald sehen. Die eigenwillige Streckenführung über und unter Straßen hindurch spürt man schon während der Fahrt, aber nicht so deutlich wie man es von außen vermuten könnte. Der Zug fährt auch recht ruhig. Was man allerdings nicht immer genießen kann, denn auf der Rückfahrt dudelte die gesamte Zeit über eine Werbemelodie der RTA durch die Lautprecher und geht irgendwann stark auf die Nerven. Dafür entschädigt die gute Aussicht nach vorne und hinten.  Bei der Fahrt entlang der Sheikh Zayed Road so ganz ohne bekloppte Autofahrer vor, neben und hinter mir habe ich dann sogar ein paar Hochhäuser gesehen, die vielleicht nicht mehr ganz neu sind, mir aber noch nie aufgefallen waren. Und wenn hier zufällig ein Luftexperte mitliest, möge er mir doch bitte sagen, ob die bräunliche Verfärbung des Himmels über dem Horizont normal ist oder auf eine üble Verschmutzung hinweist.

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