Kurz notiert

Samstag 7. November 2009

Ich will  jetzt endlich Finnisch lernen. Es gibt Nokia in Dubai, eine finnische Handelskammer, eine finnische Schule und rund 850 Finnen leben in dieser Stadt. Aber niemand kennt jemanden, der Finnischunterricht für Erwachsene gibt.

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Formel 1 in Abu Dhabi

Mittwoch 4. November 2009

Mittlerweile ist schon Dienstag und die Formel-1-Saison 2009 schon so gut wie vergessen. Das Abschlussrennen am vergangenen Sonntag in Abu Dhabi war eine Premiere für den Yas Marina Circuit, der so gerade eben rechtzeitig fertiggestellt wurde. Wir hatten uns schon im Sommer Karten gekauft, um uns das Spektakel einmal aus nächster Nähe anzuschauen. Schon clever, keine Tickets nur für den Renntag am Sonntag herauszugeben, sondern das Qualifiying am Samstag gleich zu inkludieren. So sorgt man für vollere Ränge und auch noch für die eine oder andere Hotelübernachtung in der Stadt, insbesondere den sechs Hotels, die ebenfalls kurz vor dem Rennen für fertig erklärt wurden und ihren Betrieb unter Volllast aufnehmen mussten.

Praktischerweise hatten Freunde noch zwei Karten für das Jamiroquai-Konzert am Freitagabend übrig, sodass wir uns schon früher als geplant auf den Weg machten.

Die Konzerte (bereits am Donnerstag war Beyoncé aufgetreten, für Samstag standen The Kings of Leon (die wohl seit zehn Jahren im Geschäft sind, mehrere Freunde ganz toll finden, mir aber vorher komplett unbekannt waren) und am Sonntag Aerosmith auf dem Programm) waren allesamt gratis (beziehungsweise im Kaufpreis inbegriffen) und fanden neben der Rennstrecke in der viertelfertigen Ferrari Theme World statt, einem Freizeitpark mit beeindruckend großem Bauwerk mit knallrotem Dach und gelben Logo. Das Ganze ist wie der Freizeitpark noch weit von fertig entfernt und sieht bei Tag so aus:

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Im Dunkeln hat das Gelände schon mehr Charme:

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Ich verstehe im Zeitalter von sehr leistungsstarken kompakten Digitalkameras nicht, warum alle Besitzer von Spiegelreflexkameras diese an einem völlig überfüllten Kabäuschen abgeben müssen. Nun, irgendwie habe ich es mit Hilfe zweier Damen  trotzdem geschafft, meine Kamera an der Security vorbeizubringen. Jamiroquai war in guter Stimmung, hat auf der Bühne herumgetobt und alle Lieder gespielt, die ich kenne. Selbstverständlich sind fast alle Aufnahmen mit dem Teleobjektiv verwackelt (Dunkelheit, Bierkonsum), aber einen Schnappschuss ohne Zoom will ich zumindest zeigen.

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Gegen Zehn war Schluss mit Konzert. Damit war der Abend aber erst zur Hälfte vorbei. Zunächst ließen wir uns von einer Reihe freundlicher Herren in Gelb den Weg zeigen, …

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… dann nahmen wir eines der zahlreichen wartenden Shuttlebusse, um uns zum Taxistand bringen  zu lassen.  Selbstverständlich gehörte vor und während des Konzerts mehrfacher Genuss von Bier zum Vergnügen, sodass bei Frau M. (nicht zu verwechseln mit der aus anderen Blogeinträgen bekannten Frau M.)  sich irgendwann die Blase bemerkbar machte. Selbstverständlich waren die Toiletten in der Nähe der Bushaltestelle und des Taxistands bereits geschlossen (22 Uhr!). Also musste sie ihre Konfirmatinnenblase bis zur Rückkehr in die Innenstadt anhalten – eine rund halbstündige Fahrt über eine neue Autobahn, weil der Yas Marina Circuit auf einer der Stadt vorgelagerten Insel (Yas Island) gebaut wurde. Ich weiß nicht mehr genau, wer wann damit anfing (habe aber einen Verdacht), die Fahrzeit etwas lustiger zu gestalten, indem er Frau M. die Geräusche von fließendem Wasser vormachte. Sehr schnell ging es weiter mit Liedtiteln wie „Smoke on the water“ und Shakespeare-Zitaten „To pee or not to pee“, die dann in Wortspielen wie „Let it Pee“, „Pee my little baby“, „I want to pee with somebody“, „Peeano Man“, „Do you like Peenacolada?“ endeten (Ähnlichkeiten mit einer Szene aus dem Spiel „Edna bricht aus“ sind rein zufällig). Lange nicht mehr so gelacht. This evening must be re-pee-ted.

Irgendwann gab Frau M. auf (ich auch) und wir baten den Taxifahrer, der bis dahin noch nicht einmal den Weg auf den Highway gefunden hatte, irgendwo rechts ranzufahren,  um einen Sandhaufen zu bewässern.

Damit war der Abend endlich vorbei? Weit gefehlt. Nur wenige Fahrminuten später stellte Frau M. fest, dass ihr Telefon  nicht mehr bei ihr war. Sie musste es irgendwo auf dem Konzertgelände verloren haben, als sie von einem kahlköpfigen Riesen aus Spaß ein bisschen herumgewirbelt wurde oder eben hinter dem Sandhaufen. Also musste der Taxifahrer wieder umkehren und zum Konzertgelände fahren, wo das Telefon leider nicht lag. Da er nicht fähig (oder willens) war, den besagten Sandhaufen wiederzufinden, gaben wir die Suche für den Abend auf und begaben uns nach einem Absacker (die Küche hatte schon zu) im Radisson Blu Yas Island endgültig auf den Heimweg. (Selbstverständlich fand Frau M. am nächsten Tag sofort den Sandhaufen und das darauf liegende Telefon).

Am nächsten Tag hatten Herr und Frau A. verständlicherweise genug vom Alkohol und wollten etwas Formel-1-Atmosphäre genießen. Deswegen werden sie jetzt nie erfahren, was die Leute in dieser Warteschlange in dem kleinen Häuschen denn alles zu trinken bekamen.

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Das ganze Event war straff durchorganisiert. Busse brachten die Besucher von den weit entfernten Parkplätzen in die Nähe der Tribünen. Dort konnten sie mit ihrer Plastikkarte entweder auf ihre vorbstimmten Sitzplätze gehen oder sich zwischen Ständen verlustieren, wo es Merchandising-Artikel und Fresskram zu happigen Preisen zu kaufen gab. Eigene Getränke oder Essen waren selbstverständlich nicht erlaubt und mussten am Eingang abgegeben werden. Jegliches Gepäck wurde durch einen Scanner geschickt, ich will aber vermuten, dass dort nach Bomben und nicht nach Butterbroten gesucht wurde.

Von der Rennstrecke kann ich so begeistert sein, wie jemand, der zum ersten Mal eine Rennstrecke sieht, aber gleich das Gefühl hat, die vor ihm sei besonders gut gelungen. Was an den guten Plätzen oben auf der Tribüne lag, von der wir einen netten Teil der Strecke und des Yachthafens einsehen konnten. Auch das Yas Hotel war ein ständiger Hingucker. Obwohl Architekten normalerweise eine Abneigung gegen organisch geformte Gebäude haben (bis auf die, die sowas entwerfen, natürlich) und diese abfällig „Blobs“ nennen, war selbst Frau A. von diesem Bau beeindruckt. Mir hat er auch gefallen, ich konnte aber sofort erkennen, dass sich der/die Architekt/in von einem Nassrasierer inspirieren ließ.

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Hier noch ein Foto von dem blobbigen Neubau des Yachtclubs.

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Ja, aber was war denn nun mit dem Rennen, den schnellen Autos, der Atmosphäre, dem Zirkus, den schönen Frauen und Kai Ebel?

Zunächst die Fahrer: Am besten konnte man sie kurz vor dem Rennen bei der Fahrer-Runde sehen, als sie auf einen Anhänger über die Strecke gezogen wurden. Ich dachte immer, RTL-Formel-1-Experte Kai Ebel (der mit den bunten Hemden) wäre ebenfalls dabei, aber da die Interview diesmal nur lange weiße Gewänder trugen, musste er wohl in der Mediengasse bleiben.

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Dann die Autos: Ich hatte zwei Tage Zeit für einen Versuch, so einen Formel-1-Boliden bei vollem Tempo (direkt vor unserem Sitzplatz befand sich ein langer gerader Streckenabschnitt ) zu fotografieren. Nach gefühlten hundert Versuchen hatte ich während des Qualifyings endlich einen Treffer:

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Während des Rennens gelangen dann sogar Aufnahmen mit mehr als einem Auto gleichzeitig.

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In diesen Momenten kam dann auch soetwas wie Rennfeeling bei mir auf, denn durch die absolut notwendigen Ohrstöpsel wird die Kommunikation mit den Sitznachbarn auf ein Minimum reduziert. Die Wagen rasen so schnell an einem vorbei, dass man Einzelheiten nicht wahrnimmt, ja eigentlich nicht einmal weiß, wer drinnen sitzt. Feinheiten wie gute/schlechte Rundenzeiten fliegen an einem vorbei, wer gerade das Feld anführt, wer dahinter ist oder an einem anderen Streckenabschnitt rausgeflogen, erfuhr man nur über den Großbildschirm, auf dem das Rennen live übertragen wurde. Um die Einblendungen zum Stand des Rennens lesen zu können, war aber das Teleobjektiv zwingend nötig. Sonst hätte ich vermutlich nie erfahren, dass Hamilton irgendwann ausgeschieden war und Vettel irgendwann führte. Gelegentlich hatte ich den Verdacht, dass es einen Stadionsprecher gab und dass seine Übertragung auch im Radio zu hören war. Jedenfalls hatten auffällig viele Menschen ein kleines Radio oder sogar einen Mini-Fernseher dabei.

Der eigentliche Hingucker war für mich mit Einbruch der Dunkelheit aber immer wieder das Yas Hotel, denn über Tausende von in der Fassade eingelassenen LEDs erzeugte jemand fantastische Effekte. Hier die Nationalflagge der VAE nach Rennende.

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Insgesamt eine schöne Veranstaltung. Aber wenn ich überlege, dass ich im Fernsehen mehr vom Rennen mitbekomme, besser informiert werde und das Essen nicht drei Stockwerke tiefer gekauft werden muss, dann glaube ich, dass ich nur noch auf Einladung zu einem weiteren Rennen gehen werde.

In einem beliebigen Fußballstadion, sagen wir dem Millerntor, bekomme ich wenigstens die gesamte Spielfläche zu sehen und das Geschehen auf dem Platz mit. Selbst wenn da nicht alles mit Wiederholungen und Zeitlupen (Tore, Fouls) zu sehen ist, kann ich wenigstens meinen Nachbarn fragen, weil der ja keine Ohrenstöpsel trägt.