Bloggen und Chemie

Freitag 26. März 2010

Zu den wirklich ganz wenigen Dingen, an die ich mich auch fast 20 Jahre nach meinem letzten Chemieunterricht erinnere, gehören die Begriffe endotherme Reaktion und exotherme Reaktion. Beispiele dafür sind Wasserkochen und eine Wunderkerze. Dem Wasser muss von außen (exodingsda) ständig Energie in Form von Wärme zugeführt werden, sonst stoppt die Reaktion nach einer Weile. Die Wunderkerze dagegen brennt, einmal angezündet, solange vor sich hin und gibt alle in ihr gespeicherte (endodingsda) Energie in Form von Licht und Wärme an die Umwelt ab,  bis ein schwarzer Stängel übrigbleibt.
Ich fürchte, ich bin ein exothermer Blogger. Wenn ich nicht gelegentlich einen Energieschub von außen bekomme, lasse ich das Schreiben sein. Wenn ich mich etwa über die Dummheit mancher Menschen hier ärgere oder kopfschüttelnd über eine neue Idee der örtlichen Entscheidungsträger in der Zeitung lese, dann hat das meistens gereicht für ein paar Sätze Blogeintrag. Wobei mich das ganze Gedöns von Dubai in der Krise und einige sehr merkwürdige Vorkommnisse hier mich mittlerweile eher gleichgültig lassen. Auch lustige Geschichten oder ein paar nette Fotos von einer Reise liefern eigentlich immer genügend Energie, um mich den Mühen des Schreibens zu unterwerfen. (Manchmal reicht sogar das freundliche Anklopfen von gelangweilten Lesern.) Daran, also an den Reisen, hat es eigentlich nicht gemangelt. Aber vor allem brauche ich einen freien Kopf, dessen Gedanken nicht ständig um Arbeit oder soetwas kreisen (da hilft es übrigens überhaupt nicht, dass ich den größten Teil meines Einkommens ausgerechnet mit Schreiben erziele). Das Wetter muss stimmen, der Wochentag darf nicht zuviele „t“ enthalten und der Mond muss abnehmend sein. Außerdem dürfen weder die Sportschau noch die Simpsons laufen, sonst wird das eh nichts.  Irgendeiner dieser Faktoren hat in den vergangenen Wochen aber immer nicht gestimmt. Deswegen bleibt mein Blogwasser meist kalt.

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Bleiben wir noch kurz in Dubai. Vor einigen Wochen waren wir im Burj Khalifa. Auf der Aussichtsplattform im 124. Stockwerk. Wenige Tage später wurde die Aussichtsplattform wegen nicht näher genannter technischer Schwierigkeiten auf unbestimmte Zeit geschlossen (Ich denke, nicht wegen unseres Besuchs, aber dies ist so eine der Merkwürdigkeiten in Dubai, dass einfach vieles nicht wirklich klappt, aber man auch nicht zugeben mag, was denn nicht funktioniert). Aber egal, von da oben aus wirkt die Stadt eigentlich ganz niedlich, so wie man auf ein Modell schaut:

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Dann wäre da noch Indien als verlängertes Wochenende. Das Fazit ist kein eindeutiger Daumen hoch oder Daumen runter. Landschaftlich ist Indien sicherlich reizvoll (sagt jemand, der gerade einmal mit dem Zug von Delhi nach Agra und zurück gefahren ist), wenn die Leute nur nicht überall ihren Dreck liegenlassen würden. Auch den Städten konnte ich aus diesem Grund wenig abgewinnen – schmutzig und stinkt. Der Taj Mahal dagegen war überwältigend schön (und würde, wenn ich denn die nötige Energie aufbringen könnte, einen eigenen sehr langen Eintrag bekommen) . Ein paar Impressionen:

Der Taj Mahal. Nicht im Bild: die zwei nach Geschlechtern getrennten langen Warteschlangen um 9 Uhr morgens VOR dem Tempelgelände. Vor dem Eingang in den Tempel mussten wir dann noch einmal eine halbe Stunde warten. Das war aber noch gut: Als wir wieder herauskamen, war  die Schlange auf die dreifache Länge angewachsen und wandte sich um beide Seiten des Taj.

Ich gebe es zu: Wenn es um motorisierte Fortbewegung geht, bin ich ein Schisser, dem weniger als vier Reifen und eine gute Knautschzone zu wenig sind. Als der junge Mann uns hier in seinem Motor-Tuktuk durch die Stadt kutschierte, musste ich mich ob seiner eratischen (aber dem allgemeinen Standard entsprechenden) Fahrweise mit Fotografieren von meinem drohenden Tod durch Unfall ablenken.

Nicht das spektakulärste Motiv, aber wer schon einmal versucht hat, bei Sonnenuntergang aus einem fahrenden Zug heraus ein Motiv scharf abzulichten, der weiß, warum ich es ausgewählt habe.

Normaler Zug. Agra-Dehli, 2. Klasse.

Bahnhofskiosk mit Auslage. Durchs Zugfenster fotografiert.

Feierabend irgendwo in einem der unfeineren Viertel von Delhi. Im Hintergrund eine bekannte Moschee, deren Name mir aber gerade nicht einfällt.

Für die letzte unserer drei Nächte in Indien hatten wir uns dann mal eine bessere Bleibe gesucht. Wegen Pool und gutem Frühstück. Zum ersten Mal habe ich in einem Zimmer geschlafen, das einen Butlerknopf hat. Und ja, er kommt tatsächlich, wenn man den KNopf drückt.

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