Trauern in Dubai

Am 30. März wurde die Leiche von Scheich Ahmed Bin Zayed Al Nahyan ist tot. Der Halbbruder des Herrschers von Abu Dhabi wurde seit dem 26. März vermisst, nachdem er mit einem Segelflugzeug in Marokko über einem Stausee abgestürzt war. Der Pilot konnte lebend gerettet werden, die  Leiche des Scheichs wurde  erst nach einige Tagen später geborgen. Mein Mitgefühl angesichts dieses Verlusts gilt natürlich der Familie. Auch wirtschaftlich ist der Tod von Scheich Achmed eine Tragödie, denn er war Managing Director der Abu Dhabi Investmentbehörde (ADIA).  ADIA gilt als einer der größten Staatsfonds der Welt. Das verwaltete Vermögen wird auf über 500 Milliarden Euro geschätzt.

Nach Bekanntwerden des Todes wurde im ganzen Land eine dreitägige Staatstrauer angeordnet: Flaggen stehen auf Halbmast und Veranstaltungen wurden abgesagt. Alle in meinem Autoradio gespeicherten Sender (alle englischsprachig) spielten in diesen drei Tagen entweder Klassik oder Panflötenmusik (nur auf einem Sender mit einer eher jugendlichen Zielgruppe lief am ersten Tag so eine Art „Soft-Techno“, das hat sich aber auch geändert), während die lokalen Fernsehsender ununterbrochen Koranverse einblenden, sogar mit englischen Untertiteln.

Es gibt keinen Anlass, sich über diese staatlich verordnete Gedenkenszeit und die öffentlichen Auswirkungen lustig zu machen. Ich finde es bemerkenswert. Bemerkenswert ruhig. Es hat natürlich mit der Staatsform zu tun, dass die Sender und Zeitungen nicht einfach zum Tagesgeschäft übergehen (können). Scheich Ahmed hatte kein politisches Amt inne und mied auch eher die Öffentlichkeit – er war „nur“ der Halbbruder des Herrschers und trotzdem wird drei Tage lang offiziell getrauert. Bei welchen Personen in Deutschland wäre dies der Fall?

Auch wenn die eher mollartige Musik nicht unbedingt stimmungsfördernd ist, gefällt sie mir besser als die hysterische Berichterstattung, die in Deutschland losbricht. UNd zwar schon bei wesentlich unwichtigeren Anlässen (Schneechaos im Januar etwa). Specials  und Sondersendungen rund um die Uhr, Extraseiten in epischen Umfängen, alle anderen Nachrichten werden verdrängt – und doch erfährt man dort nicht wirklich etwas Neues. Oder war die Berichterstattung nach dem Freitod von Jürgen Möllemann oder Robert Enke wirklich a) in diesem Umfan wirklich nötig, und b) irgendwie hilfreich?

P.S.: Frohe Ostern.

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One Response to Trauern in Dubai

  1. tonari sagt:

    Vorstellen könnte ich mir so etwas bei Helmut Schmidt. Das wäre angemessen. Bei anderen Politikern eher nicht. Sie sind zu austauschbar, zu gelackt, zu „beliebig“ und lassen oft keine Persönlichkeit erkennen.

    Auch Dir ein möglichst frohes Osterfest.

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