Schluss mit Dubai

Noch eine Woche, dann ist auch dieser Fastenmonat geschafft. In den letzten drei Wochen war die tägliche Nachrungsaufnahme nur eingeschränkt möglich, da den Fastenden ihr Tun erleichtert wurde, indem fast alle Restaurants und Cafés bis zum Sonnenuntergang geschlossen bleiben. Man muss also in den Supermarkt gehen und anschließend selber kochen. Oder die wenigen Anlaufstellen kennen, in denen man etwas mitnehmen kann oder sogar wie gewohnt sitzen darf. Das sind meistens Restaurants, die zu einem Hotel gehören. Damit sollen wohl die unschuldigen Touristen nicht noch weiter erschreckt werden, denn während des Ramadans haben viele Läden nur eingeschränkte Öffnungszeiten. Auch die Malls sind tagsüber deutlich leerer als sonst.

Während ich diesen EIntrag schreibe, sitze ich übriges im „More Cafe“ im Murooj Rotana Hotel und kümmere mich nicht im geringsten ums Fasten. Bekanntlich dürfen Muslime an diesen Tagen nichts, aber auch garnicht durch den Mund in den Körper führen, also weder essen oder trinken. Auch rauchen ist verboten, solange die Sonne noch scheint. Aber auch nicht-Muslime sind angehalten, dies nicht in der Öffentlichkeit tun, was immer wieder merkwürdige Folgen hat.

So ist beispielsweise der Food Court in der Dubai Internet City nicht geschlossen, sonst müssten ja alle Beschäftigten jeden Tag hungrig ins Büro. Hinter dem Eingang stehen spanische Wände, die den Blick auf das sündige Treiben verhindern – aber wehe jemand will sich draußen eine Zigarette danach anstecken.

Sogar die hochschwangere Frau A. musste sich im Wartezimmer ihres Arztes auf der Toilette „verstecken“, um einen Becher Wasser zu trinken. Noch schöner war aber der Einkaufsbummel neulich, wo einige Süßigkeiten im Pralinenladen eingekauft werden mussten. Auf die Frage „Darf ich mal probieren“ erhielt Frau A. zunächst nur ein ungläubig-verlegenes Lächeln des Verkäufers. Natürlich geht das nicht während Ramadan.

Aber das ist alles eigentlich halb so schlimm. Denn mit ein wenig Planung muss man sich in Dubai nur kaum merklich einschränken, wenn man nicht fastet. Soweit ich weiß, sind in den überwiegend muslimischen Ländern Asiens die Restarants tagsüber ganz normal geöffnet. Scheint so, dass die dortigen Glaubensbrüder und -schwestern nicht so leicht von ihrem Willen abgebracht werden können.

Aber ich wollte ja was ganz anderes schreiben.

Die Nachwirkungen unserer Abschiedsfeier haben fast einen ganzen Tag angehalten. Noch gestern Abend fühlten meine Leber und ich noch die Auswirkungen des flüssigen Fastenbrechens.

Ja. Abschied.

Frau A. und ich haben schon vor einiger Zeit beschlossen, dass der kleine Herr A. in Hamburg zur Welt kommen soll und in Deutschland aufwachsen soll. Zumindest wollen seine Eltern mal wieder ein Jahr dort leben. Deswegen ist in knapp drei Wochen Schluss mit Dubai. Mehr als dreieinhalb Jahre Wüste mit Hochhäusern sind nun auch mehr als genug, finde ich.

Die genauen Details unseres nächsten Ziels werde ich noch nicht verraten, denn ich bin mir nicht ganz sicher, ob in diesem Blog künftig mehr Baby-Content gepostet wird oder ob ich nicht vielleicht doch über das Landleben an der Ostseeküste bloggen soll. Wenn ich aus dem „Weltblog“ ein „Provinzblog“ mache, ist es wohl besser, meinen Wohnort nicht sooo genau zu beschreiben.

Was wäre denn für die Leser interessanter?

Advertisements

8 Responses to Schluss mit Dubai

  1. tonari sagt:

    … sagen wir mal so: Meine Begeisterung für ausschließliche Bäuerchen-und-Windel-Blogs hält sich in Grenzen 😉
    Ich wünsch Euch einen unkomplizierten Rückumzug und freu mich, dann wieder von Dir (und Euch) zu lesen.

  2. Marina sagt:

    Eine gesunde Mischung aus Baby und Landleben an der Ostsee wäre toll *lach* Ich finde es übrigens eine sehr gute Endscheidung das Kind in Deutschland zur Welt zu bringen….. warum kann ich nicht sagen, Bauchgefühl eben 🙂
    So, jetzt werde ich wieder eine stille Leserin. Alles Liebe und Gute wünscht euch
    Marina

  3. Karen sagt:

    Oh, ihr geht weg?!

    Was so ein kleines Menschlein alles bewirkt… Ich bin ja nach wie vor der Meinung, dass es kein besseres Land zum Kinderkriegen und Kinderhaben gibt als Finnland – und doch frage ich mich von Zeit zu Zeit, ob es eigentlich richtig ist, die Mäusekinder „in der Fremde“ (die es für sie ja eigentlich nicht ist) aufwachsen zu lassen…

    Alles Gute für euch!

  4. Herr A. sagt:

    @ Karen: Schwierige Frage, die Du dir da von Zeit zu Zeit antust. Ohne mich da jetzt schon auszukennen, glaube ich, dass Kinder sich dort zuhause fühlen, wo Mama und Papa sind. So etwas wie „Fremde“ erleben sie in jungen Jahren höchstens im Urlaub oder bei bestimmten Verwandschaftsbesuchen. Wenn Du dich aber an deinem Wohnort fremd fühlst, werden die Kids das auch irgendwann bemerken und sich später dementsprechend verhalten. Ich fürchte, die ganze Migrationshinterungund-Debatte hat hier ihren Kern. Ich werde auch noch einmal darüber schreiben. Aus der anderen Perspektive eben.

    Welche Nachteile siehst Du denn beim Aufwachsen in Finnland?

    @Marina: Bei uns ist es auch ein Bauchgefühl. Man kann nicht pauschal sagen, dass der eine Ort besser sei als der andere. Etwa die Hälfte unseres Freundeskreises hat in Dubai entbunden, die andere Hälfte in Deutschland. Mit unserer Frauenärztin, eine Deutsche übrigens, sind wir sehr zufrieden. Aber bei Komplikationen, die mehr als nur einen guten Arzt erfordern, würde ich mich in Deutschland besser versorgt fühlen.

  5. Karen sagt:

    Nein, ich sehe keine Nachteile, Kinder in Finnland zu bekommen und aufwachsen zu lassen. Im Gegenteil, ich bin fest davon überzeugt, dass es den Kindern hier besser geht als es ihnen in Deutschland gehen würde. (Und das wegen sehr viel mehr Kleinigkeiten als des hochgelobten finnischen Bildungssystems.) Und ich selbst fühle mich hier mindestens 95%ig zu Hause und könnte mir wirklich nicht vorstellen, jemals nach Deutschland zurückzugehen.

    Aber dann sind so Kleinigkeiten: Dass zu uns eben der Nikolaus kommt. Oder dass unsere Kinder bei der Einschulung eine Zuckertüte bekommen werden. Und dass sie das eben NICHT mit ihren finnischen Freunden teilen können, weil die sowas überhaupt nicht kennen.
    Und dann ist es zum Beispiel so, dass beiden Kindern Finnisch immer noch schwerfällt. Sie verstehen es, aber Sprechen fällt ihnen unerwartet schwer. Und wenn dir dann dein Kind sagt:“Eigentlich müssten wir doch in Deutschland wohnen, da wo alle Deutsch sprechen.“, dann tut dir das Herz schon ein bisschen weh.

    Dabei weiss ich, dass Deutschland auch nicht ihre Heimat wäre, weil sie es eben nur aus Urlauben kennen und weil sie dort eben NICHT aufwachsen.

    Aber wirst sehen, was du dir auf einmal für komische Gedanken machst, wenn du erstmal ein Kind hast! 😉

  6. sarah sagt:

    eigentlich ist es egal von wo oder über was sie bloggen.

    hauptsache sie tun es 🙂

    gute heimreise!

  7. Herr A. sagt:

    @ Karen: Das alles kann ich gut nachvollziehen. Ich mache mir einige Gedanken über (die eigene) kulturelle Identität und möchte auch, dass der kleine Herr A. später eine „seelische Heimat“ hat. Ich würde mich freuen, wenn er später zwischen mindestens zwei Orten entschieden kann, in denen er gelebt hat.
    An Dubai fasziniert mich dabei, wenn Freunde erzählen, dass ihre Kinder den Begriff „Ausländer“ bzw. „Expat“ nicht als abwertend empfinden, weil die vielen unterschiedlichen Hautfarben und Augenformen ja allesamt keine Einheimischen sind.

    @ Sarah: ok. mache ich. irgendwie.

  8. Herr R. aus H. bei K. sagt:

    Ostseeküste klingt hervorragend und vor allem nach bei uns um die Ecke.
    Freuen uns auf alle großen und kleinen A.
    Gute Heimreise!!!
    Sven & Co.

%d Bloggern gefällt das: