Traue keinem Einheimischen

Diese Phase der Renovierungsarbeiten in unserem neuen Heim konnte ich heute vorläufig beenden (Damit niemand auf falsche Gedanken kommt: das Gelb und das Rosa wurden mit Weiß überstrichen – nicht umgekehrt). Von der mehrtägigen Farbe-an-die-Wand-Aktion in allen möglichen Körperhaltungen von gebückt bis gestreckt habe ich Rückenschmerzen bekommen, man ist ja keine zwanzig mehr.

Um dem weiteren körperlichen Verfall etwas entgegenzuwirken, wollte ich mich endlich wieder sportlich betätigen. Dafür holte ich die Laufschuhe aus dem Koffer, packte mich einigermaßen warm und windfest ein und lief los. Durch das Dorf bis zum Ortsausgangsschild und dann auf dem Radweg dem nächsten Dorf entgegen. Nach kurzer Zeit verließ mich die Kondition und ich blieb vor einem Haus stehen, von dem aus ein asphaltierter Weg in Richtung Felder führte. Ein grauhaariger Mann mähte Rasen im Garten. Da ich keine Lust hatte, den gleichen Weg, den ich gekommen war, wieder zurückzulaufen, fragte ich den Mann, ob dieser Weg irgendwohin führen würde. Er antwortete sinngemäß, joo, da laufen se geradeaus, dann den Plattenweg entlang, dann links, durch den Wald, dann wieder links und dann kommen see hier wieder raus – und zeigte auf eine kleine Schotterpiste die links vom asphaltierten Weg abging. Eigentlich war ich ja schon nicht mehr frisch, aber der Wind, die Sonne, das Grün motivierten mich zu einer kleinen Extratour.

Also lief ich. Geradeaus an Feldern vorbei, dann auf dem Plattenweg, auf dem erst vor kurzem ein Traktor viel Matschboden verteilt hatte. Dann links, in den Wald. Dann durch den Wald, ich hatte schon ganz vergessen, wie schön es sein kann, zwischen hohen Bäumen zu stehen und morsche Äste unter dem eigenen Gewicht knacken zu hören. Dann hörte der Weg auf und wurde zu einem Trampelpfad. Dann endete auch der Pfad. Und ich stand im Wald. Eigentlich hätte ich mir ja denken können, dass auf die Angaben von Eingeborenen Einheimischen nicht unbedingt Verlass ist. Aber nun war es zu spät. Ich ging weiter durch den Wald in die ungefähre Richtung zurück zur Landstraße. Interessanterweise taten sich immer neue Pfade und Traktorspuren auf, die aus verschiedenen Richtungen kamen, aber in meinem Fall immer recht schnell endeten. Ich frage mich auch, wer zum Teufel mitten in den Wald eine kleine Holzbrücke über einen ausgetrockneten Graben baut, der mit einem großen Schritt überquert ist.

Irgendwann ging es dann nicht mehr weiter, weil ich zwar am Ende des Waldes angekommen war, aber vor einer eingezäunten Koppel stand, auf der einige Rindviecher grasten. Dort rüberzumarschieren kann gutgehen, muss aber nicht. Ich ging also den ganzen Weg zurück, über die Brücke, durch den Wald wieder auf den Plattenweg. Für ein oder zwei Minuten fing ich wieder an zu laufen, entschied mich aber dann für den langsameren Jogging-Spaziergang, also vielleicht eher schnelleres Gehen.

Der Mann war nicht mehr in seinem Garten, als ich die Hauptstraße erreichte. Hat er aber Glück gehabt.

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