Sechs Tage Papa

Die erste Woche als Vater habe jetzt hinter mir – und endlich habe ich mal Zeit für eine kurze Verschnaufpause und kann einen ersten Erfahrungsbericht abgeben.Frau A. legt übrigens Wert auf die Feststellung, dass für sie die Wehen, die am vergangenen Sonntagnachmittag begannen und gegen 20 Uhr so anstrengend wurden, dass wir in die Klink gefahren sind, weit weniger spannend waren als für Herrn A., sondern ziemlich schmerzhaft und anstrengend.  Das wurde natürlich im Krankenhaus während der sechsstündigen Geburtsphase nicht besser, sondern erst erträglich, als der Anästesist eine PDA legte. (Jetzt mal ein bisschen Eigenlob für mich: Dabei wollte er mich rausschicken, aber  ich war zu neugierig, um Kaffee trinken zu gehen. Zwar konnte ich nicht sehen, wie der Anästesist hinten im Rücken von Frau A. rumstocherte, weil ich vorne damit beschäftigt war, ihr Beistand zu geben. Aber interessant war es trotzdem. Auch die letzte Viertelstunde der Geburt war überraschend unblutig. Bei den letzten Presswehen konnte ich genau sehen, wie immer etwas mehr Köpfchen unten herauskam, dann war der kleine Herr A. plötzlich da. Während die Hebamme noch die Nachgeburt rausprökelte, hatte ich nur noch Augen, Ohren, Herz und Seele beim Kind und der Mutter. Keine Spur von Unwohlsein oder Ohnmacht. Mich musste die Hebamme sogar mehrfach auffordern, doch endlich mal die Nabelschnur durchzuschneiden, so beschäftigt war ich. Und als sie uns dann unbedingt die Plazenta zeigen wollte, habe ich auch hingeschaut – so eklig ist das gar nicht. Erinnert ein wenig an eine Pizza mit gehackter Leber. Lobhudel-Exkurs Ende)

Das Meiste von dem, was so über die frische Elternschaft erzählt wird, stimmt: Wir  müssen jetzt  mit wenig Schlaf auskommen (Frau A. naturgegebenermaßen mit weniger als ich), haben kaum Zeit zum Essen, Duschen oder Umziehen  und sind Dauergäste im Badezimmer, wo der provisorische Wickeltisch in die Badewanne geklemmt ist.

Aber trotz der Augenringe und Bartstoppeln (nur bei mir natürlich) sind wir glücklich. Der kleine Herr A. ist so ein braver Bengel, der viel schläft und gelegentlich sogar schon lächelt. Wickeln mag er meist gar nicht, aber wer möchte schon mit einem nassen Lappen am Popo herumgewischt bekommen, wenn er vorher gerade gemütlich geschlafen hat?

Es ist schon faszinierend, dem Kleinen zuzusehen. Wäre der kleine Herr A. ein Computer, dann wäre sein „Betriebssystem“ jetzt ungefähr auf dem Stand von DOS 1.1 – und damit muss er nicht nur alle Grundfunktionen wie Dauerbetrieb (Herzschlag&Atmen), Systemmeldungen (Mimik) und Soundwiedergabe (Schreien&Schnalzen) erfüllen, sondern auch so schwierige Prozesse wie Festplattenreinigung (Windel vollmachen), Virenscanner (Niesen, Spucken & Bäuerchen), Spracherkennung („Da ist ja der kleine Herr A. …!) und visuelle Erfassung (Hell/Dunkel- und Mama/Papa-Unterscheidung) abarbeiten. Eigentlich kaum vorstellbar.

Und die Energieversorgung nicht zu vergessen:  Gestillt zu werden ist ja für ihn ungefähr so selbstverständlich wie  einen Space Shuttle an der Raumstation ISS andocken – ohne Astronautenausbildung, ohne Ahnung warum er eigentlich fliegen soll oder wozu die Schalter und die große Andockwarze vor ihm gut sein sollen. Er weiß nur, dass er trinken möchte. Sofort. Dafür macht er seine Sache schon sehr gut, auch wenn er nicht in jeder Lage sofort eine Punktlandung macht, sondern gelegentlich lieber an der „Andockstation“ herumspielt. Was die Stationsleiterin natürlich nicht immer lustig findet.

Ist es eigentlich normal für ein 6 Tage altes Baby, dass es schon den Kopf alleine drehen kann und mich mit den Augen verfolgt? Dass es außer dem „Buääääähhhh!“-Gesicht auch schon die „Denkerstirn“, „Schmollmund“, „Gähnen“, zufriedenes Lächeln, erstauntes Gesicht und natürlich die entspannte Mimik drauf hat? Oder bildet sich der stolze Papa das alles nur ein?

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One Response to Sechs Tage Papa

  1. Miriam sagt:

    Wirklich ein suessen Fratz habt ihr da hinbekommen!Geniesst die Zeit zu Dritt in vollen Zuegen!

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