Der Kleine Herr A. und die Berufswahl

Freitag 22. April 2011

Im Hause A. gibt es ein donnerstägliches Ritual: Herr A. geht vor die Tür und zupft die aktuelle Ausgabe der „Zeit“ aus dem Briefkasten. Diese überreicht er Frau A., die sich üblicherweise sofort das „Zeit Magazin“ herausschüttelt und sich damit ins Bett verdrückt. Dort schlägt sie sofort Seite  6 auf und verschlingt die Kolumne ihres Lieblingskolumnisten Harald Martenstein (wie das vor fünf Jahren aussah, ist hier zu sehen). Wir sprechenseitdem  immer davon, dass Frau A. mit Martenstein ins Bett steigt.

Heute wollte ich Frau A. und dem Kleinen Herrn A. die Kolumne zur Abwechslung vorlesen. Ich sitze auf dem Sofa, den Kleinen auf dem Schoß und und beginne:

„Frau B., berühmt und begütert, hat einen fünfzig Jahre jüngeren Liebhaber. Die Frage ist: Warum machen junge Männer das mit? Warum finden sich Freiwillige, die …“

Sehr viel weiter kam ich nicht, denn der Kleine Herr A. griff nach der Seite, knüllte sie, stopfte sich einen Teil in den Mund und rang dann mit Frau A. um das Papier. Danach sah die Seite so aus:

Der Kleine Herr A. wird wohl später Literaturkritiker. Dies war sein erster Verriss.


Lächerlich

Montag 18. April 2011

Wenn ich zum Kleinen Herrn A. „google, google, google“ sage, fängt er laut an zu lachen. Mit Yahoo, Apple oder Nokia funktioniert das nicht.

Was weiß er, was ich nicht weiß?


Neulich in der Werkstatt

Sonntag 10. April 2011

Natürlich ist ein Leben mit Frau A. und dem Kleinen Herrn A. nicht so langweilig, dass es nichts darüber zu berichten gäbe. Im Gegenteil! Aber viele von den schönen und weniger schönen Dingen, die in den vergangenen Wochen über uns hereingebrochen kamen, sind mir einfach zu privat um sie hier einer breiten Öffentlichkeit zu berichten. Ohne näher auf Dreimonatkoliken und Krabbelversuche, Krankhäuser und Luxushotels einzugehen, kann ich soviel sagen: Die vergangenen Wochen waren schön, aber anstrengend!

Symptomatisch für die Melange aus Übermüdung und mangelnde Konzentration war vielleicht der Werkstattbesuch vor einigen Tagen. Der Silberelch hatte einen Schaden und bedurfte einer Reparatur. Ich hatte bereits am Tag zuvor beim Elch-Händler angerufen und dafür gesorgt, dass die nötigen Teile bestellt wurden. Wenn ich um 7.30 Uhr dort wäre, sagte man mir, könne ich mit viel Glück den Wagen sogar noch am gleichen Tag wieder mitnehmen.

Nun, ich stand um 7.50 Uhr am Tresen und sagte dem freundlich lächelnden Mitarbeiter, die Ersatzteile müssten bereits im Lager sein, schob ihm den Schlüssel rüber, nahm seine Empfehlung für ein Café in der Nähe dankbar an und wankte noch leicht schläfrig von dannen. Glücklicherweise verkaufte mir die Café-Dame einen Kaffee auch noch für den kümmerlichen  Inhalt meines Münzfachs im Portemonnaie, sodass ich bei einer Zeitung etwas munterer wurde. Irgendwann machte ich mich auf den Rückweg zum Autohändler. Beim Anblick der neuen und gebrauchte Autos auf dem  Hof wurde ich erst stutzig, dann nervös: Hier standen keine Elche.

Ich stand wieder am Tresen, der Verkäufer lächelte mich wieder an, ich sagte: „Ich glaube, ich bin falsch hier“, er fragte: „Warum?“, ich sagte: „Sie sind gar nicht der Elch-Händler“, er sagte: „Nein“, ich sagte: „Oh“, er sagte: „Kein Problem, ich habe den Elch-Händler angerufen, gleich kommt jemand und holt den Wagen ab“, ich sagte „…“

Den Autohändler, bei dem ich den Wagen an diesem Morgen abstellte, kannte ich noch von der Suche nach einem Gebrauchtwagen. Er hat einen nordisch klingenden Namen. Beim Elch-Händler war ich zuvor auch nur einmal ganz kurz. Er ist nur  eine Einfahrt weiter, aber nicht so gut erkennbar.