Schon fertig?

Donnerstag 16. September 2010

Möbel gepackt, Wohnungsschlüssel abgegeben, Jobs gekündigt, Visa gecancelt, Bankkonto aufgelöst, Katze exportfähig gemacht, von allen Freunden verabschiedet, Rückreise organisiert … und noch ein paar Dinge mehr.

Nichts ist schiefgelaufen.

Und es ist sogar noch ein halber Werktag übrig.

Ich bin erstaunt.

Nachtrag, 18.9.2010: Zu früh gefreut. Hätte ich mir doch denken können, dass irgendetwas schiefläuft. Nachdem ich meine Konten aufgelöst und alle Karten vernichtet hatte, musste ich  noch  den Fehlbetrag von 2,45 Dirham auf meinem Kreditkartenkonto mit einer Bareinzahlung ausgeglichen. Ich reichte dem Mann an der Kasse 3 Dirham und dachte, damit sei die Sache erledigt. Gestern habe ich mich spaßeshalber noch einmal eingeloggt, und siehe da. Das Konto, auf das ich jetzt keinerlei Zugriff mehr habe, weist ein Guthaben von 0,55 Dirham auf. Es existiert also noch und wird bestimmt irgendwann auch Kontoführungsgebühren erzeugen. Wo die dann abgebucht werden sollen, weiß ich aber auch nicht. Ist mir auch egal.

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Schluss mit Dubai

Sonntag 5. September 2010

Noch eine Woche, dann ist auch dieser Fastenmonat geschafft. In den letzten drei Wochen war die tägliche Nachrungsaufnahme nur eingeschränkt möglich, da den Fastenden ihr Tun erleichtert wurde, indem fast alle Restaurants und Cafés bis zum Sonnenuntergang geschlossen bleiben. Man muss also in den Supermarkt gehen und anschließend selber kochen. Oder die wenigen Anlaufstellen kennen, in denen man etwas mitnehmen kann oder sogar wie gewohnt sitzen darf. Das sind meistens Restaurants, die zu einem Hotel gehören. Damit sollen wohl die unschuldigen Touristen nicht noch weiter erschreckt werden, denn während des Ramadans haben viele Läden nur eingeschränkte Öffnungszeiten. Auch die Malls sind tagsüber deutlich leerer als sonst.

Während ich diesen EIntrag schreibe, sitze ich übriges im „More Cafe“ im Murooj Rotana Hotel und kümmere mich nicht im geringsten ums Fasten. Bekanntlich dürfen Muslime an diesen Tagen nichts, aber auch garnicht durch den Mund in den Körper führen, also weder essen oder trinken. Auch rauchen ist verboten, solange die Sonne noch scheint. Aber auch nicht-Muslime sind angehalten, dies nicht in der Öffentlichkeit tun, was immer wieder merkwürdige Folgen hat.

So ist beispielsweise der Food Court in der Dubai Internet City nicht geschlossen, sonst müssten ja alle Beschäftigten jeden Tag hungrig ins Büro. Hinter dem Eingang stehen spanische Wände, die den Blick auf das sündige Treiben verhindern – aber wehe jemand will sich draußen eine Zigarette danach anstecken.

Sogar die hochschwangere Frau A. musste sich im Wartezimmer ihres Arztes auf der Toilette „verstecken“, um einen Becher Wasser zu trinken. Noch schöner war aber der Einkaufsbummel neulich, wo einige Süßigkeiten im Pralinenladen eingekauft werden mussten. Auf die Frage „Darf ich mal probieren“ erhielt Frau A. zunächst nur ein ungläubig-verlegenes Lächeln des Verkäufers. Natürlich geht das nicht während Ramadan.

Aber das ist alles eigentlich halb so schlimm. Denn mit ein wenig Planung muss man sich in Dubai nur kaum merklich einschränken, wenn man nicht fastet. Soweit ich weiß, sind in den überwiegend muslimischen Ländern Asiens die Restarants tagsüber ganz normal geöffnet. Scheint so, dass die dortigen Glaubensbrüder und -schwestern nicht so leicht von ihrem Willen abgebracht werden können.

Aber ich wollte ja was ganz anderes schreiben.

Die Nachwirkungen unserer Abschiedsfeier haben fast einen ganzen Tag angehalten. Noch gestern Abend fühlten meine Leber und ich noch die Auswirkungen des flüssigen Fastenbrechens.

Ja. Abschied.

Frau A. und ich haben schon vor einiger Zeit beschlossen, dass der kleine Herr A. in Hamburg zur Welt kommen soll und in Deutschland aufwachsen soll. Zumindest wollen seine Eltern mal wieder ein Jahr dort leben. Deswegen ist in knapp drei Wochen Schluss mit Dubai. Mehr als dreieinhalb Jahre Wüste mit Hochhäusern sind nun auch mehr als genug, finde ich.

Die genauen Details unseres nächsten Ziels werde ich noch nicht verraten, denn ich bin mir nicht ganz sicher, ob in diesem Blog künftig mehr Baby-Content gepostet wird oder ob ich nicht vielleicht doch über das Landleben an der Ostseeküste bloggen soll. Wenn ich aus dem „Weltblog“ ein „Provinzblog“ mache, ist es wohl besser, meinen Wohnort nicht sooo genau zu beschreiben.

Was wäre denn für die Leser interessanter?


Bloggen und Chemie

Freitag 26. März 2010

Zu den wirklich ganz wenigen Dingen, an die ich mich auch fast 20 Jahre nach meinem letzten Chemieunterricht erinnere, gehören die Begriffe endotherme Reaktion und exotherme Reaktion. Beispiele dafür sind Wasserkochen und eine Wunderkerze. Dem Wasser muss von außen (exodingsda) ständig Energie in Form von Wärme zugeführt werden, sonst stoppt die Reaktion nach einer Weile. Die Wunderkerze dagegen brennt, einmal angezündet, solange vor sich hin und gibt alle in ihr gespeicherte (endodingsda) Energie in Form von Licht und Wärme an die Umwelt ab,  bis ein schwarzer Stängel übrigbleibt.
Ich fürchte, ich bin ein exothermer Blogger. Wenn ich nicht gelegentlich einen Energieschub von außen bekomme, lasse ich das Schreiben sein. Wenn ich mich etwa über die Dummheit mancher Menschen hier ärgere oder kopfschüttelnd über eine neue Idee der örtlichen Entscheidungsträger in der Zeitung lese, dann hat das meistens gereicht für ein paar Sätze Blogeintrag. Wobei mich das ganze Gedöns von Dubai in der Krise und einige sehr merkwürdige Vorkommnisse hier mich mittlerweile eher gleichgültig lassen. Auch lustige Geschichten oder ein paar nette Fotos von einer Reise liefern eigentlich immer genügend Energie, um mich den Mühen des Schreibens zu unterwerfen. (Manchmal reicht sogar das freundliche Anklopfen von gelangweilten Lesern.) Daran, also an den Reisen, hat es eigentlich nicht gemangelt. Aber vor allem brauche ich einen freien Kopf, dessen Gedanken nicht ständig um Arbeit oder soetwas kreisen (da hilft es übrigens überhaupt nicht, dass ich den größten Teil meines Einkommens ausgerechnet mit Schreiben erziele). Das Wetter muss stimmen, der Wochentag darf nicht zuviele „t“ enthalten und der Mond muss abnehmend sein. Außerdem dürfen weder die Sportschau noch die Simpsons laufen, sonst wird das eh nichts.  Irgendeiner dieser Faktoren hat in den vergangenen Wochen aber immer nicht gestimmt. Deswegen bleibt mein Blogwasser meist kalt.

***

Bleiben wir noch kurz in Dubai. Vor einigen Wochen waren wir im Burj Khalifa. Auf der Aussichtsplattform im 124. Stockwerk. Wenige Tage später wurde die Aussichtsplattform wegen nicht näher genannter technischer Schwierigkeiten auf unbestimmte Zeit geschlossen (Ich denke, nicht wegen unseres Besuchs, aber dies ist so eine der Merkwürdigkeiten in Dubai, dass einfach vieles nicht wirklich klappt, aber man auch nicht zugeben mag, was denn nicht funktioniert). Aber egal, von da oben aus wirkt die Stadt eigentlich ganz niedlich, so wie man auf ein Modell schaut:

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Dann wäre da noch Indien als verlängertes Wochenende. Das Fazit ist kein eindeutiger Daumen hoch oder Daumen runter. Landschaftlich ist Indien sicherlich reizvoll (sagt jemand, der gerade einmal mit dem Zug von Delhi nach Agra und zurück gefahren ist), wenn die Leute nur nicht überall ihren Dreck liegenlassen würden. Auch den Städten konnte ich aus diesem Grund wenig abgewinnen – schmutzig und stinkt. Der Taj Mahal dagegen war überwältigend schön (und würde, wenn ich denn die nötige Energie aufbringen könnte, einen eigenen sehr langen Eintrag bekommen) . Ein paar Impressionen:

Der Taj Mahal. Nicht im Bild: die zwei nach Geschlechtern getrennten langen Warteschlangen um 9 Uhr morgens VOR dem Tempelgelände. Vor dem Eingang in den Tempel mussten wir dann noch einmal eine halbe Stunde warten. Das war aber noch gut: Als wir wieder herauskamen, war  die Schlange auf die dreifache Länge angewachsen und wandte sich um beide Seiten des Taj.

Ich gebe es zu: Wenn es um motorisierte Fortbewegung geht, bin ich ein Schisser, dem weniger als vier Reifen und eine gute Knautschzone zu wenig sind. Als der junge Mann uns hier in seinem Motor-Tuktuk durch die Stadt kutschierte, musste ich mich ob seiner eratischen (aber dem allgemeinen Standard entsprechenden) Fahrweise mit Fotografieren von meinem drohenden Tod durch Unfall ablenken.

Nicht das spektakulärste Motiv, aber wer schon einmal versucht hat, bei Sonnenuntergang aus einem fahrenden Zug heraus ein Motiv scharf abzulichten, der weiß, warum ich es ausgewählt habe.

Normaler Zug. Agra-Dehli, 2. Klasse.

Bahnhofskiosk mit Auslage. Durchs Zugfenster fotografiert.

Feierabend irgendwo in einem der unfeineren Viertel von Delhi. Im Hintergrund eine bekannte Moschee, deren Name mir aber gerade nicht einfällt.

Für die letzte unserer drei Nächte in Indien hatten wir uns dann mal eine bessere Bleibe gesucht. Wegen Pool und gutem Frühstück. Zum ersten Mal habe ich in einem Zimmer geschlafen, das einen Butlerknopf hat. Und ja, er kommt tatsächlich, wenn man den KNopf drückt.


Burj Khalifa (aka Burj Dubai)

Montag 4. Januar 2010

Als Frau A. und ich am frühen Abend von einem Trip nach Kairo zurückkehrten, wähnten wir uns plötzlich wieder in der ägyptischen Hauptstadt: der Verkehr auf der Stadtautobahn Al Khail Road stand still, Autos standen auf allen Spuren und an beiden Straßenrändern, Menschen rannten herum. Ein bisschen Blaulicht hier, etwas Sirenen dort – irgendwas stimmte nicht, denn um diese Uhrzeit ist der Feierabendverkehr eigentlich weniger  dicht.  Dann kam uns der Gedanke, dass nach sechs Jahren Bauzeit heute ein neues, 1,5 Mrd. Dollar teures Hochhaus feierlich eingeweiht wird (welches eigentlich schon 2008 fertig gewesen sein sollte, der Termin aber dann auf den Nationalfeiertag im Dezember 2009 verschoben wurde und dann sehr plötzlich erneut verlegt wurde auf den 4. Januar, dem  vierjährigen Dienstjubiläum von Sheikh Mohammed, dem Herrscher von Dubai. Scheich Khalifa, Präsident der VAE).

Schnell etwas gegessen und dann mit Stativ, Kamera und Teleobjektiv aufs Dach geeilt, damit noch rechtzeitig ein Schnappschuss vom Feuerwerk fertig wird fürs Blog. Hier ist er also, der Burj Khalifa (früher auch Burj Dubai genannt):

Seine bisher geheim gehaltene Größe von 828 Metern ist etwas enttäuschend, weil manch einer mit einigen Metern mehr gerechnet hatte (aber das Geld wurde am Ende wohl etwas knapp). Dennoch ist es das mit Abstand höchste Gebäude der Welt. Warum der „Burschi“ heute zur völligen Überraschung der Weltöffentlichkeit „Burj Khalifa“ umgenannt wurde, darüber kann man nur spekulieren. Wahrscheinlich wollte (oder musste?) man damit der großzügigen Hilfe des Herrschers von Abu Dhabi und Präsidenten der VAE, Scheich Khalifa bin Zayed al Nahyan, Respekt zollen, der in Momenten höchster finanzieller Not ein paar Milliarden nach Dubai überwiesen hatte. Bei so viel Großzügigkeit ist es doch selbstverständlich,  ein derart symbolträchtiges ikonisches Bauwerk umzubenennen und die eigene Stadt aus dem Namen streichen.

Fotos aus Kairo, wo es auch ein paar ikonische Bauwerke gibt, zwar deutlich kleiner als der Burj, aber dafür auch nach über 2000 Jahren noch schön anzusehen, gibt es dann in den nächsten Tagen.


Formel 1 in Abu Dhabi

Mittwoch 4. November 2009

Mittlerweile ist schon Dienstag und die Formel-1-Saison 2009 schon so gut wie vergessen. Das Abschlussrennen am vergangenen Sonntag in Abu Dhabi war eine Premiere für den Yas Marina Circuit, der so gerade eben rechtzeitig fertiggestellt wurde. Wir hatten uns schon im Sommer Karten gekauft, um uns das Spektakel einmal aus nächster Nähe anzuschauen. Schon clever, keine Tickets nur für den Renntag am Sonntag herauszugeben, sondern das Qualifiying am Samstag gleich zu inkludieren. So sorgt man für vollere Ränge und auch noch für die eine oder andere Hotelübernachtung in der Stadt, insbesondere den sechs Hotels, die ebenfalls kurz vor dem Rennen für fertig erklärt wurden und ihren Betrieb unter Volllast aufnehmen mussten.

Praktischerweise hatten Freunde noch zwei Karten für das Jamiroquai-Konzert am Freitagabend übrig, sodass wir uns schon früher als geplant auf den Weg machten.

Die Konzerte (bereits am Donnerstag war Beyoncé aufgetreten, für Samstag standen The Kings of Leon (die wohl seit zehn Jahren im Geschäft sind, mehrere Freunde ganz toll finden, mir aber vorher komplett unbekannt waren) und am Sonntag Aerosmith auf dem Programm) waren allesamt gratis (beziehungsweise im Kaufpreis inbegriffen) und fanden neben der Rennstrecke in der viertelfertigen Ferrari Theme World statt, einem Freizeitpark mit beeindruckend großem Bauwerk mit knallrotem Dach und gelben Logo. Das Ganze ist wie der Freizeitpark noch weit von fertig entfernt und sieht bei Tag so aus:

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Im Dunkeln hat das Gelände schon mehr Charme:

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Ich verstehe im Zeitalter von sehr leistungsstarken kompakten Digitalkameras nicht, warum alle Besitzer von Spiegelreflexkameras diese an einem völlig überfüllten Kabäuschen abgeben müssen. Nun, irgendwie habe ich es mit Hilfe zweier Damen  trotzdem geschafft, meine Kamera an der Security vorbeizubringen. Jamiroquai war in guter Stimmung, hat auf der Bühne herumgetobt und alle Lieder gespielt, die ich kenne. Selbstverständlich sind fast alle Aufnahmen mit dem Teleobjektiv verwackelt (Dunkelheit, Bierkonsum), aber einen Schnappschuss ohne Zoom will ich zumindest zeigen.

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Gegen Zehn war Schluss mit Konzert. Damit war der Abend aber erst zur Hälfte vorbei. Zunächst ließen wir uns von einer Reihe freundlicher Herren in Gelb den Weg zeigen, …

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… dann nahmen wir eines der zahlreichen wartenden Shuttlebusse, um uns zum Taxistand bringen  zu lassen.  Selbstverständlich gehörte vor und während des Konzerts mehrfacher Genuss von Bier zum Vergnügen, sodass bei Frau M. (nicht zu verwechseln mit der aus anderen Blogeinträgen bekannten Frau M.)  sich irgendwann die Blase bemerkbar machte. Selbstverständlich waren die Toiletten in der Nähe der Bushaltestelle und des Taxistands bereits geschlossen (22 Uhr!). Also musste sie ihre Konfirmatinnenblase bis zur Rückkehr in die Innenstadt anhalten – eine rund halbstündige Fahrt über eine neue Autobahn, weil der Yas Marina Circuit auf einer der Stadt vorgelagerten Insel (Yas Island) gebaut wurde. Ich weiß nicht mehr genau, wer wann damit anfing (habe aber einen Verdacht), die Fahrzeit etwas lustiger zu gestalten, indem er Frau M. die Geräusche von fließendem Wasser vormachte. Sehr schnell ging es weiter mit Liedtiteln wie „Smoke on the water“ und Shakespeare-Zitaten „To pee or not to pee“, die dann in Wortspielen wie „Let it Pee“, „Pee my little baby“, „I want to pee with somebody“, „Peeano Man“, „Do you like Peenacolada?“ endeten (Ähnlichkeiten mit einer Szene aus dem Spiel „Edna bricht aus“ sind rein zufällig). Lange nicht mehr so gelacht. This evening must be re-pee-ted.

Irgendwann gab Frau M. auf (ich auch) und wir baten den Taxifahrer, der bis dahin noch nicht einmal den Weg auf den Highway gefunden hatte, irgendwo rechts ranzufahren,  um einen Sandhaufen zu bewässern.

Damit war der Abend endlich vorbei? Weit gefehlt. Nur wenige Fahrminuten später stellte Frau M. fest, dass ihr Telefon  nicht mehr bei ihr war. Sie musste es irgendwo auf dem Konzertgelände verloren haben, als sie von einem kahlköpfigen Riesen aus Spaß ein bisschen herumgewirbelt wurde oder eben hinter dem Sandhaufen. Also musste der Taxifahrer wieder umkehren und zum Konzertgelände fahren, wo das Telefon leider nicht lag. Da er nicht fähig (oder willens) war, den besagten Sandhaufen wiederzufinden, gaben wir die Suche für den Abend auf und begaben uns nach einem Absacker (die Küche hatte schon zu) im Radisson Blu Yas Island endgültig auf den Heimweg. (Selbstverständlich fand Frau M. am nächsten Tag sofort den Sandhaufen und das darauf liegende Telefon).

Am nächsten Tag hatten Herr und Frau A. verständlicherweise genug vom Alkohol und wollten etwas Formel-1-Atmosphäre genießen. Deswegen werden sie jetzt nie erfahren, was die Leute in dieser Warteschlange in dem kleinen Häuschen denn alles zu trinken bekamen.

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Das ganze Event war straff durchorganisiert. Busse brachten die Besucher von den weit entfernten Parkplätzen in die Nähe der Tribünen. Dort konnten sie mit ihrer Plastikkarte entweder auf ihre vorbstimmten Sitzplätze gehen oder sich zwischen Ständen verlustieren, wo es Merchandising-Artikel und Fresskram zu happigen Preisen zu kaufen gab. Eigene Getränke oder Essen waren selbstverständlich nicht erlaubt und mussten am Eingang abgegeben werden. Jegliches Gepäck wurde durch einen Scanner geschickt, ich will aber vermuten, dass dort nach Bomben und nicht nach Butterbroten gesucht wurde.

Von der Rennstrecke kann ich so begeistert sein, wie jemand, der zum ersten Mal eine Rennstrecke sieht, aber gleich das Gefühl hat, die vor ihm sei besonders gut gelungen. Was an den guten Plätzen oben auf der Tribüne lag, von der wir einen netten Teil der Strecke und des Yachthafens einsehen konnten. Auch das Yas Hotel war ein ständiger Hingucker. Obwohl Architekten normalerweise eine Abneigung gegen organisch geformte Gebäude haben (bis auf die, die sowas entwerfen, natürlich) und diese abfällig „Blobs“ nennen, war selbst Frau A. von diesem Bau beeindruckt. Mir hat er auch gefallen, ich konnte aber sofort erkennen, dass sich der/die Architekt/in von einem Nassrasierer inspirieren ließ.

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Hier noch ein Foto von dem blobbigen Neubau des Yachtclubs.

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Ja, aber was war denn nun mit dem Rennen, den schnellen Autos, der Atmosphäre, dem Zirkus, den schönen Frauen und Kai Ebel?

Zunächst die Fahrer: Am besten konnte man sie kurz vor dem Rennen bei der Fahrer-Runde sehen, als sie auf einen Anhänger über die Strecke gezogen wurden. Ich dachte immer, RTL-Formel-1-Experte Kai Ebel (der mit den bunten Hemden) wäre ebenfalls dabei, aber da die Interview diesmal nur lange weiße Gewänder trugen, musste er wohl in der Mediengasse bleiben.

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Dann die Autos: Ich hatte zwei Tage Zeit für einen Versuch, so einen Formel-1-Boliden bei vollem Tempo (direkt vor unserem Sitzplatz befand sich ein langer gerader Streckenabschnitt ) zu fotografieren. Nach gefühlten hundert Versuchen hatte ich während des Qualifyings endlich einen Treffer:

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Während des Rennens gelangen dann sogar Aufnahmen mit mehr als einem Auto gleichzeitig.

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In diesen Momenten kam dann auch soetwas wie Rennfeeling bei mir auf, denn durch die absolut notwendigen Ohrstöpsel wird die Kommunikation mit den Sitznachbarn auf ein Minimum reduziert. Die Wagen rasen so schnell an einem vorbei, dass man Einzelheiten nicht wahrnimmt, ja eigentlich nicht einmal weiß, wer drinnen sitzt. Feinheiten wie gute/schlechte Rundenzeiten fliegen an einem vorbei, wer gerade das Feld anführt, wer dahinter ist oder an einem anderen Streckenabschnitt rausgeflogen, erfuhr man nur über den Großbildschirm, auf dem das Rennen live übertragen wurde. Um die Einblendungen zum Stand des Rennens lesen zu können, war aber das Teleobjektiv zwingend nötig. Sonst hätte ich vermutlich nie erfahren, dass Hamilton irgendwann ausgeschieden war und Vettel irgendwann führte. Gelegentlich hatte ich den Verdacht, dass es einen Stadionsprecher gab und dass seine Übertragung auch im Radio zu hören war. Jedenfalls hatten auffällig viele Menschen ein kleines Radio oder sogar einen Mini-Fernseher dabei.

Der eigentliche Hingucker war für mich mit Einbruch der Dunkelheit aber immer wieder das Yas Hotel, denn über Tausende von in der Fassade eingelassenen LEDs erzeugte jemand fantastische Effekte. Hier die Nationalflagge der VAE nach Rennende.

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Insgesamt eine schöne Veranstaltung. Aber wenn ich überlege, dass ich im Fernsehen mehr vom Rennen mitbekomme, besser informiert werde und das Essen nicht drei Stockwerke tiefer gekauft werden muss, dann glaube ich, dass ich nur noch auf Einladung zu einem weiteren Rennen gehen werde.

In einem beliebigen Fußballstadion, sagen wir dem Millerntor, bekomme ich wenigstens die gesamte Spielfläche zu sehen und das Geschehen auf dem Platz mit. Selbst wenn da nicht alles mit Wiederholungen und Zeitlupen (Tore, Fouls) zu sehen ist, kann ich wenigstens meinen Nachbarn fragen, weil der ja keine Ohrenstöpsel trägt.


Weg-Fahr-Sperre

Donnerstag 8. Oktober 2009

Sind wir mal optimistisch und gehen davon aus, dass die Gebäude-, Landschafts- und Straßenplaner in Dubai aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Vor einigen Jahren scheint kaum jemand geglaubt zu haben,  dass es in der Stadt außer dem Auto noch andere Fortbewegungsformen geben könnte, wie etwa Füße, Pfoten, Fahrräder, Kinderwagen oder Skateboards. Entsprechend wurden zwar Straßen gebaut, aber Fußwege (erst recht nicht in ausreichender Breite) , Radwege, abgesenkte Bordsteine oder Brücken über große Straßen fehlten häufig. Spaziergängern, Radfahrern, Eltern mit Babykarren, spielenden Kindern oder Joggern bliebt deswegen nicht viel anderes übrig als ins Auto zu steigen.

Bei neueren Stadtteilprojekten hat sich das wohl geändert. Wir waren in einem kürzlich fertig gestellten Abschnitt der Arabian Ranches, um Freunde zu besuchen, die dort gerade erst hingezogen waren. Als wir einen Spaziergang durch die Gegend machten, war ich überrascht von den Fußwegen entlang der (sogar verkehrsberuhigten) Straßen und den gepflasterten Pfaden, die sich durch die endlos langen Hausreihen schlängelten. Eigentlich alles gut gemacht. Nur dieser Kinderwagen-Stopper mitten im Weg kam uns doch etwas merkwürdig vor:

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Wer sich da wohl wieder verplant hat?


Unterwegs in der Dubai Metro

Donnerstag 1. Oktober 2009

Heute habe ich nachgeholt, was gestern nicht mehr geklappt hatte:  Eine Fahrt mit der Dubai Metro. Insgesamt bin ich positiv überrascht von der Qualität, die dort auf die Betonpfeiler gestellt wurde. Über Farbe und Form der Haltestellen kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Mich erinnern diese schwungvollen Linien und die seitlichen Spitzen an Schulterpanzer von Kriegerausrüstungen in Fantasy-Filmen, irgendwie wirkt diese Form aggressiv auf mich. Die meisten Haltestellen sind übrigens identisch gestaltet, lediglich einige unterirdische Stationen weichen deutlich von dem Schema ab. Mehr dazu ein anderes Mal.

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Dennoch haben sich die Planer viel Mühe gegeben, die Reise so komfortabel wie möglich zu machen. Die Verbindungsgänge zu den Stationen sind bisweilen recht lang , etwa weil sie über die zehnspurige Sheikh Zayed Road oder direkt in Gebäude führen. Zumindest bei der Station Mall of the Emirates  sind daher sogenannte „people mover“ installiert, wie man sie aus Flughafenterminals kennt, die den Fußweg kürzer und angenehmer machen – erst recht, wenn man die Shopping-Schnäppchen hinter sich herzieht. Ob dies der Fitness der ohnehin recht bewegungsfaulen Einheimischen zugute kommt, bezweifle ich allerdings.

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Die Stationen sind geräumig, vollständig klimatisiert und vermutlich (ich habe mir nur zwei Stationen angeschaut) alle mit Fahrstühlen, Rolltreppen und WC ausgestattet, was ich persönlich eine sehr gute Sache finde. Die Halle ist schön hell, der Fußboden aus weißem Marmor (oder Ähnlichem), die Wege leicht zu finden, da gibt es nichts zu meckern. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Markierungen für Sehbehinderte, die aufgrund ihrer Höhe zur Stolperfalle für Stöckelschuhträgerinnen werden könnten:

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Fahrscheine gibt es für drei Tarifzonen (entfernungsabhängig) und drei Klassen. Ein Einzelfahrschein für die mittlere Zone und Silber-Klasse ist mit 6,50 Dirham (rund 1,30 Euro) deutlich günstiger als eine U-Bahn-Fahrt in Hamburg. Es gibt noch weitere Karten für Vielnutzer, das würde hier aber zu weit führen. Das Papp-Ticket hält man vor das Lesegerät an der Schranke, die sich dann öffnet (wie man es aus Moskau, London oder New York kennt). Neben der normalen Silber-Klasse gibt es in jedem Zug noch ein Abteil für Frauen und Kinder sowie ein  Gold-Abteil. Ich werde mir demnächst eine Fahrt damit gönnen, um die Unterschiede kennenzulernen, heute war ich für die dazu nötigen 11,50 Dirham (2,30 Euro) leider zu geizig. (Das ist schon der Gegenwert einer viertel Tankfüllung).  Ein Blick durch die offene Tür zeigte aber größere Sitze mit Kopfstütze und Armlehnen. Nicht auf dem Bild, ist eine Art Stewardess, die im Abteil mitfährt.

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Wer sich über die Glaswand vor dem Zug wundert: Sie trennt den Bahnsteig von Gleisen und Zug, verhindert also, dass irgendjemand sich aus Dummheit oder mit Absicht vor die Metro werfen kann. Nur wenn der Zug hält, öffnen sich die Schiebetüren und man kann Ein- und Aussteigen. So bleibt auch die gekühlte Luft im Gebäude.

In die Wagons wurde nicht die größtmögliche Anzahl an Sitzen reingequetscht, sondern mehr Platz für das stehende Volk gelassen (das künftig immer häufiger mit Koffern anzutreffen sein dürfte, wenn nach dem Emirates-Terminal auch das Terminal 1 an das Streckennetz angeschlossen ist). Bildschirme zeigen die nächste Haltestelle an, die auch über Lautsprecher durchgesagt wird. Wer da noch falsch aussteigt, ist selber schuld.

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Die Dubai Metro ist als führerlose Bahn konzipiert, wird also vollautomatisch  gesteuert. Wie das bei Störfällen gutgehen soll, werden wir bestimmt bald sehen. Die eigenwillige Streckenführung über und unter Straßen hindurch spürt man schon während der Fahrt, aber nicht so deutlich wie man es von außen vermuten könnte. Der Zug fährt auch recht ruhig. Was man allerdings nicht immer genießen kann, denn auf der Rückfahrt dudelte die gesamte Zeit über eine Werbemelodie der RTA durch die Lautprecher und geht irgendwann stark auf die Nerven. Dafür entschädigt die gute Aussicht nach vorne und hinten.  Bei der Fahrt entlang der Sheikh Zayed Road so ganz ohne bekloppte Autofahrer vor, neben und hinter mir habe ich dann sogar ein paar Hochhäuser gesehen, die vielleicht nicht mehr ganz neu sind, mir aber noch nie aufgefallen waren. Und wenn hier zufällig ein Luftexperte mitliest, möge er mir doch bitte sagen, ob die bräunliche Verfärbung des Himmels über dem Horizont normal ist oder auf eine üble Verschmutzung hinweist.

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