Abu Dhabi: Grand Mosque

Dienstag 27. Juli 2010

Eigentlich ist der Beitrag „Schwanger in Dubai“ längst überfällig. Aber bei gefühlten (und gemessenen) 45+ Graden Außentemperatur schmilzt mein Hirn regelmäßig dahin, wenn ich den Weg vom Auto zur Wohnung gehe nachdem ich morgens Frau A. zur Arbeit gebracht und dann die täglichen Besorgungen erledigt habe. An komplizierte Texte ist dann nicht mehr zu denken (Wie ich es schaffe, bei diesen Temperaturen für fast drei Stunden auf dem Golfplatz zu stehen, weiß ich in der Tat auch nicht so genau). Da trifft es sich gut, dass wir neulich nach langer Zeit wieder einmal in Abu Dhabi waren. Denn auf dem touristischen Programm stand die Sheikh Zayed Moschee, ein wirklich imposanter Bau, bei dem ich auch die Bilder sprechen lassen kann, ohne großartig viel dazu schreiben zu müssen.

Die Moschee ist benannt nach Scheich Zayeed bin Sultan Al Nahyan, dem ersten Präsidenten der UAE. Die vier Minarette an den Ecken des Bauwerks sind 115 Meter hoch, 57 Kuppeln säumen die Außenmauern.


Bevor Frauen den riesigen Innenhof betreten dürfen, müssen sie sich komplett in das lange Schwarze hüllen. Am Eingang werden Leih-Abayas und Schleier ausgegeben, mit denen Frau A. sich Anfangs nicht so recht anfreunden konnte. Später ließ sie sich immerhin ein Lächeln entlocken.

Wie es für Moscheen üblich ist, darf man sie nicht mit Schuhen betreten. In der Grand Mosque werden dieTreter vor dem Eingang ausgezogen und einfach irgendwo stehen gelassen. Das war in der Sulatan Qaboos Moschee in Muskat schon etwas schöner gelöst. Auf dem Gelände dieser ebenfalls sehr schönen Anlage befinden sich überall Fächer, in denen man die Schuhe aufbewahen kann.

Im Inneren der Haupthalle kann man gar nicht anders als ersteinmal ins Schweigen zu verfallen. Der Anblick dieses Bauwerks ist ergreifen. Zwischen den marmornen Säulen finden rund 9000 Gläubige Platz. Sie können weich knieen auf dem größten handgewebten Teppich der Welt.

Die Kuppel über dem großen Gebetsraum  ist 70 Meter hoch, von dort hängt ein 15 Meter langer Kronleuchter mit 10 Metern Durchmesser herunter. Es gibt kein Foto, auf dem ich diese Dimensionen vernünftig darstellen konnte. Man könnte vermutlich stundenlang durch die Moschee gehen und immer wieder irgendwo neue Materialien (allein 15 Marmorsorten wirden verwendet), Formen und Verzierungen entdecken. Bei aller Imposanz fand ich es ein bisschen zuviel an Farben und Formen. Aber beeindruckend schön ist die Moschee trotzdem. Erst recht, wenn man nach der Besichtigung rüber ins Shangri-La Hotel geht und dort einen Feierabenddrink genießt.

Ich fände ja den Gedanken ganz spannend, sich auszumalen, wenn jemand über 500 Mio. Dollar, die der Bau der Moschee gekostet hat, in die Hand nehmen würde, um damit eine Kirche zu bauen. Vielleicht die moderne Version des Kölner Doms.

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Formel 1 in Abu Dhabi

Mittwoch 4. November 2009

Mittlerweile ist schon Dienstag und die Formel-1-Saison 2009 schon so gut wie vergessen. Das Abschlussrennen am vergangenen Sonntag in Abu Dhabi war eine Premiere für den Yas Marina Circuit, der so gerade eben rechtzeitig fertiggestellt wurde. Wir hatten uns schon im Sommer Karten gekauft, um uns das Spektakel einmal aus nächster Nähe anzuschauen. Schon clever, keine Tickets nur für den Renntag am Sonntag herauszugeben, sondern das Qualifiying am Samstag gleich zu inkludieren. So sorgt man für vollere Ränge und auch noch für die eine oder andere Hotelübernachtung in der Stadt, insbesondere den sechs Hotels, die ebenfalls kurz vor dem Rennen für fertig erklärt wurden und ihren Betrieb unter Volllast aufnehmen mussten.

Praktischerweise hatten Freunde noch zwei Karten für das Jamiroquai-Konzert am Freitagabend übrig, sodass wir uns schon früher als geplant auf den Weg machten.

Die Konzerte (bereits am Donnerstag war Beyoncé aufgetreten, für Samstag standen The Kings of Leon (die wohl seit zehn Jahren im Geschäft sind, mehrere Freunde ganz toll finden, mir aber vorher komplett unbekannt waren) und am Sonntag Aerosmith auf dem Programm) waren allesamt gratis (beziehungsweise im Kaufpreis inbegriffen) und fanden neben der Rennstrecke in der viertelfertigen Ferrari Theme World statt, einem Freizeitpark mit beeindruckend großem Bauwerk mit knallrotem Dach und gelben Logo. Das Ganze ist wie der Freizeitpark noch weit von fertig entfernt und sieht bei Tag so aus:

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Im Dunkeln hat das Gelände schon mehr Charme:

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Ich verstehe im Zeitalter von sehr leistungsstarken kompakten Digitalkameras nicht, warum alle Besitzer von Spiegelreflexkameras diese an einem völlig überfüllten Kabäuschen abgeben müssen. Nun, irgendwie habe ich es mit Hilfe zweier Damen  trotzdem geschafft, meine Kamera an der Security vorbeizubringen. Jamiroquai war in guter Stimmung, hat auf der Bühne herumgetobt und alle Lieder gespielt, die ich kenne. Selbstverständlich sind fast alle Aufnahmen mit dem Teleobjektiv verwackelt (Dunkelheit, Bierkonsum), aber einen Schnappschuss ohne Zoom will ich zumindest zeigen.

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Gegen Zehn war Schluss mit Konzert. Damit war der Abend aber erst zur Hälfte vorbei. Zunächst ließen wir uns von einer Reihe freundlicher Herren in Gelb den Weg zeigen, …

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… dann nahmen wir eines der zahlreichen wartenden Shuttlebusse, um uns zum Taxistand bringen  zu lassen.  Selbstverständlich gehörte vor und während des Konzerts mehrfacher Genuss von Bier zum Vergnügen, sodass bei Frau M. (nicht zu verwechseln mit der aus anderen Blogeinträgen bekannten Frau M.)  sich irgendwann die Blase bemerkbar machte. Selbstverständlich waren die Toiletten in der Nähe der Bushaltestelle und des Taxistands bereits geschlossen (22 Uhr!). Also musste sie ihre Konfirmatinnenblase bis zur Rückkehr in die Innenstadt anhalten – eine rund halbstündige Fahrt über eine neue Autobahn, weil der Yas Marina Circuit auf einer der Stadt vorgelagerten Insel (Yas Island) gebaut wurde. Ich weiß nicht mehr genau, wer wann damit anfing (habe aber einen Verdacht), die Fahrzeit etwas lustiger zu gestalten, indem er Frau M. die Geräusche von fließendem Wasser vormachte. Sehr schnell ging es weiter mit Liedtiteln wie „Smoke on the water“ und Shakespeare-Zitaten „To pee or not to pee“, die dann in Wortspielen wie „Let it Pee“, „Pee my little baby“, „I want to pee with somebody“, „Peeano Man“, „Do you like Peenacolada?“ endeten (Ähnlichkeiten mit einer Szene aus dem Spiel „Edna bricht aus“ sind rein zufällig). Lange nicht mehr so gelacht. This evening must be re-pee-ted.

Irgendwann gab Frau M. auf (ich auch) und wir baten den Taxifahrer, der bis dahin noch nicht einmal den Weg auf den Highway gefunden hatte, irgendwo rechts ranzufahren,  um einen Sandhaufen zu bewässern.

Damit war der Abend endlich vorbei? Weit gefehlt. Nur wenige Fahrminuten später stellte Frau M. fest, dass ihr Telefon  nicht mehr bei ihr war. Sie musste es irgendwo auf dem Konzertgelände verloren haben, als sie von einem kahlköpfigen Riesen aus Spaß ein bisschen herumgewirbelt wurde oder eben hinter dem Sandhaufen. Also musste der Taxifahrer wieder umkehren und zum Konzertgelände fahren, wo das Telefon leider nicht lag. Da er nicht fähig (oder willens) war, den besagten Sandhaufen wiederzufinden, gaben wir die Suche für den Abend auf und begaben uns nach einem Absacker (die Küche hatte schon zu) im Radisson Blu Yas Island endgültig auf den Heimweg. (Selbstverständlich fand Frau M. am nächsten Tag sofort den Sandhaufen und das darauf liegende Telefon).

Am nächsten Tag hatten Herr und Frau A. verständlicherweise genug vom Alkohol und wollten etwas Formel-1-Atmosphäre genießen. Deswegen werden sie jetzt nie erfahren, was die Leute in dieser Warteschlange in dem kleinen Häuschen denn alles zu trinken bekamen.

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Das ganze Event war straff durchorganisiert. Busse brachten die Besucher von den weit entfernten Parkplätzen in die Nähe der Tribünen. Dort konnten sie mit ihrer Plastikkarte entweder auf ihre vorbstimmten Sitzplätze gehen oder sich zwischen Ständen verlustieren, wo es Merchandising-Artikel und Fresskram zu happigen Preisen zu kaufen gab. Eigene Getränke oder Essen waren selbstverständlich nicht erlaubt und mussten am Eingang abgegeben werden. Jegliches Gepäck wurde durch einen Scanner geschickt, ich will aber vermuten, dass dort nach Bomben und nicht nach Butterbroten gesucht wurde.

Von der Rennstrecke kann ich so begeistert sein, wie jemand, der zum ersten Mal eine Rennstrecke sieht, aber gleich das Gefühl hat, die vor ihm sei besonders gut gelungen. Was an den guten Plätzen oben auf der Tribüne lag, von der wir einen netten Teil der Strecke und des Yachthafens einsehen konnten. Auch das Yas Hotel war ein ständiger Hingucker. Obwohl Architekten normalerweise eine Abneigung gegen organisch geformte Gebäude haben (bis auf die, die sowas entwerfen, natürlich) und diese abfällig „Blobs“ nennen, war selbst Frau A. von diesem Bau beeindruckt. Mir hat er auch gefallen, ich konnte aber sofort erkennen, dass sich der/die Architekt/in von einem Nassrasierer inspirieren ließ.

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Hier noch ein Foto von dem blobbigen Neubau des Yachtclubs.

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Ja, aber was war denn nun mit dem Rennen, den schnellen Autos, der Atmosphäre, dem Zirkus, den schönen Frauen und Kai Ebel?

Zunächst die Fahrer: Am besten konnte man sie kurz vor dem Rennen bei der Fahrer-Runde sehen, als sie auf einen Anhänger über die Strecke gezogen wurden. Ich dachte immer, RTL-Formel-1-Experte Kai Ebel (der mit den bunten Hemden) wäre ebenfalls dabei, aber da die Interview diesmal nur lange weiße Gewänder trugen, musste er wohl in der Mediengasse bleiben.

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Dann die Autos: Ich hatte zwei Tage Zeit für einen Versuch, so einen Formel-1-Boliden bei vollem Tempo (direkt vor unserem Sitzplatz befand sich ein langer gerader Streckenabschnitt ) zu fotografieren. Nach gefühlten hundert Versuchen hatte ich während des Qualifyings endlich einen Treffer:

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Während des Rennens gelangen dann sogar Aufnahmen mit mehr als einem Auto gleichzeitig.

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In diesen Momenten kam dann auch soetwas wie Rennfeeling bei mir auf, denn durch die absolut notwendigen Ohrstöpsel wird die Kommunikation mit den Sitznachbarn auf ein Minimum reduziert. Die Wagen rasen so schnell an einem vorbei, dass man Einzelheiten nicht wahrnimmt, ja eigentlich nicht einmal weiß, wer drinnen sitzt. Feinheiten wie gute/schlechte Rundenzeiten fliegen an einem vorbei, wer gerade das Feld anführt, wer dahinter ist oder an einem anderen Streckenabschnitt rausgeflogen, erfuhr man nur über den Großbildschirm, auf dem das Rennen live übertragen wurde. Um die Einblendungen zum Stand des Rennens lesen zu können, war aber das Teleobjektiv zwingend nötig. Sonst hätte ich vermutlich nie erfahren, dass Hamilton irgendwann ausgeschieden war und Vettel irgendwann führte. Gelegentlich hatte ich den Verdacht, dass es einen Stadionsprecher gab und dass seine Übertragung auch im Radio zu hören war. Jedenfalls hatten auffällig viele Menschen ein kleines Radio oder sogar einen Mini-Fernseher dabei.

Der eigentliche Hingucker war für mich mit Einbruch der Dunkelheit aber immer wieder das Yas Hotel, denn über Tausende von in der Fassade eingelassenen LEDs erzeugte jemand fantastische Effekte. Hier die Nationalflagge der VAE nach Rennende.

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Insgesamt eine schöne Veranstaltung. Aber wenn ich überlege, dass ich im Fernsehen mehr vom Rennen mitbekomme, besser informiert werde und das Essen nicht drei Stockwerke tiefer gekauft werden muss, dann glaube ich, dass ich nur noch auf Einladung zu einem weiteren Rennen gehen werde.

In einem beliebigen Fußballstadion, sagen wir dem Millerntor, bekomme ich wenigstens die gesamte Spielfläche zu sehen und das Geschehen auf dem Platz mit. Selbst wenn da nicht alles mit Wiederholungen und Zeitlupen (Tore, Fouls) zu sehen ist, kann ich wenigstens meinen Nachbarn fragen, weil der ja keine Ohrenstöpsel trägt.


Weg-Fahr-Sperre

Donnerstag 8. Oktober 2009

Sind wir mal optimistisch und gehen davon aus, dass die Gebäude-, Landschafts- und Straßenplaner in Dubai aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Vor einigen Jahren scheint kaum jemand geglaubt zu haben,  dass es in der Stadt außer dem Auto noch andere Fortbewegungsformen geben könnte, wie etwa Füße, Pfoten, Fahrräder, Kinderwagen oder Skateboards. Entsprechend wurden zwar Straßen gebaut, aber Fußwege (erst recht nicht in ausreichender Breite) , Radwege, abgesenkte Bordsteine oder Brücken über große Straßen fehlten häufig. Spaziergängern, Radfahrern, Eltern mit Babykarren, spielenden Kindern oder Joggern bliebt deswegen nicht viel anderes übrig als ins Auto zu steigen.

Bei neueren Stadtteilprojekten hat sich das wohl geändert. Wir waren in einem kürzlich fertig gestellten Abschnitt der Arabian Ranches, um Freunde zu besuchen, die dort gerade erst hingezogen waren. Als wir einen Spaziergang durch die Gegend machten, war ich überrascht von den Fußwegen entlang der (sogar verkehrsberuhigten) Straßen und den gepflasterten Pfaden, die sich durch die endlos langen Hausreihen schlängelten. Eigentlich alles gut gemacht. Nur dieser Kinderwagen-Stopper mitten im Weg kam uns doch etwas merkwürdig vor:

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Wer sich da wohl wieder verplant hat?


Unterwegs in der Dubai Metro

Donnerstag 1. Oktober 2009

Heute habe ich nachgeholt, was gestern nicht mehr geklappt hatte:  Eine Fahrt mit der Dubai Metro. Insgesamt bin ich positiv überrascht von der Qualität, die dort auf die Betonpfeiler gestellt wurde. Über Farbe und Form der Haltestellen kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Mich erinnern diese schwungvollen Linien und die seitlichen Spitzen an Schulterpanzer von Kriegerausrüstungen in Fantasy-Filmen, irgendwie wirkt diese Form aggressiv auf mich. Die meisten Haltestellen sind übrigens identisch gestaltet, lediglich einige unterirdische Stationen weichen deutlich von dem Schema ab. Mehr dazu ein anderes Mal.

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Dennoch haben sich die Planer viel Mühe gegeben, die Reise so komfortabel wie möglich zu machen. Die Verbindungsgänge zu den Stationen sind bisweilen recht lang , etwa weil sie über die zehnspurige Sheikh Zayed Road oder direkt in Gebäude führen. Zumindest bei der Station Mall of the Emirates  sind daher sogenannte „people mover“ installiert, wie man sie aus Flughafenterminals kennt, die den Fußweg kürzer und angenehmer machen – erst recht, wenn man die Shopping-Schnäppchen hinter sich herzieht. Ob dies der Fitness der ohnehin recht bewegungsfaulen Einheimischen zugute kommt, bezweifle ich allerdings.

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Die Stationen sind geräumig, vollständig klimatisiert und vermutlich (ich habe mir nur zwei Stationen angeschaut) alle mit Fahrstühlen, Rolltreppen und WC ausgestattet, was ich persönlich eine sehr gute Sache finde. Die Halle ist schön hell, der Fußboden aus weißem Marmor (oder Ähnlichem), die Wege leicht zu finden, da gibt es nichts zu meckern. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Markierungen für Sehbehinderte, die aufgrund ihrer Höhe zur Stolperfalle für Stöckelschuhträgerinnen werden könnten:

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Fahrscheine gibt es für drei Tarifzonen (entfernungsabhängig) und drei Klassen. Ein Einzelfahrschein für die mittlere Zone und Silber-Klasse ist mit 6,50 Dirham (rund 1,30 Euro) deutlich günstiger als eine U-Bahn-Fahrt in Hamburg. Es gibt noch weitere Karten für Vielnutzer, das würde hier aber zu weit führen. Das Papp-Ticket hält man vor das Lesegerät an der Schranke, die sich dann öffnet (wie man es aus Moskau, London oder New York kennt). Neben der normalen Silber-Klasse gibt es in jedem Zug noch ein Abteil für Frauen und Kinder sowie ein  Gold-Abteil. Ich werde mir demnächst eine Fahrt damit gönnen, um die Unterschiede kennenzulernen, heute war ich für die dazu nötigen 11,50 Dirham (2,30 Euro) leider zu geizig. (Das ist schon der Gegenwert einer viertel Tankfüllung).  Ein Blick durch die offene Tür zeigte aber größere Sitze mit Kopfstütze und Armlehnen. Nicht auf dem Bild, ist eine Art Stewardess, die im Abteil mitfährt.

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Wer sich über die Glaswand vor dem Zug wundert: Sie trennt den Bahnsteig von Gleisen und Zug, verhindert also, dass irgendjemand sich aus Dummheit oder mit Absicht vor die Metro werfen kann. Nur wenn der Zug hält, öffnen sich die Schiebetüren und man kann Ein- und Aussteigen. So bleibt auch die gekühlte Luft im Gebäude.

In die Wagons wurde nicht die größtmögliche Anzahl an Sitzen reingequetscht, sondern mehr Platz für das stehende Volk gelassen (das künftig immer häufiger mit Koffern anzutreffen sein dürfte, wenn nach dem Emirates-Terminal auch das Terminal 1 an das Streckennetz angeschlossen ist). Bildschirme zeigen die nächste Haltestelle an, die auch über Lautsprecher durchgesagt wird. Wer da noch falsch aussteigt, ist selber schuld.

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Die Dubai Metro ist als führerlose Bahn konzipiert, wird also vollautomatisch  gesteuert. Wie das bei Störfällen gutgehen soll, werden wir bestimmt bald sehen. Die eigenwillige Streckenführung über und unter Straßen hindurch spürt man schon während der Fahrt, aber nicht so deutlich wie man es von außen vermuten könnte. Der Zug fährt auch recht ruhig. Was man allerdings nicht immer genießen kann, denn auf der Rückfahrt dudelte die gesamte Zeit über eine Werbemelodie der RTA durch die Lautprecher und geht irgendwann stark auf die Nerven. Dafür entschädigt die gute Aussicht nach vorne und hinten.  Bei der Fahrt entlang der Sheikh Zayed Road so ganz ohne bekloppte Autofahrer vor, neben und hinter mir habe ich dann sogar ein paar Hochhäuser gesehen, die vielleicht nicht mehr ganz neu sind, mir aber noch nie aufgefallen waren. Und wenn hier zufällig ein Luftexperte mitliest, möge er mir doch bitte sagen, ob die bräunliche Verfärbung des Himmels über dem Horizont normal ist oder auf eine üble Verschmutzung hinweist.

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Zurück im normalen Wahnsinn

Mittwoch 30. September 2009

Noch keine 24 Stunden zurück und der alltägliche Dubai-Wahnsinn hat mich schon wieder bis knapp vor den Punkt gebracht, wo man am liebsten eine riesige Bissspur in seinem Lenkrad hinterlassen möchte. Da der Wagen aber nur gemietet ist, wird mir das auf Dauer zu teuer.

Vermutlich bedingt durch die Wirtschaftskrise, in der ja auch vielen hiesigen Bauherren das Geld ausgegangen ist, hat sich in den zwei Monaten meiner Abwesenheit nicht sehr viel verändert (Ok, ich hatte den Garten etwas grüner in Erinnerung, aber das liegt sicherlich an der üblen Hitze im September). Vor zwei Jahren stellte man noch mit Erstaunen fest, dass plötzlich ein Hochhaus dort seinen Schatten warf, wo wenige Tage zuvor noch ein staubiger Parkplatz stand.  Wo morgens eine Kreuzung den Autofluss behinderte, stand mittags ein Kreisverkehr und abends ein Autobahnauffahrt. So war das damals, vor der Krise.

Als ich heute quer durch die Stadt fuhr, fiel mir kein einziges Gebäude auf, das ich noch nicht kannte, alle Straßenbaustellen waren noch dort, wo ich sie im August verlassen hatte, wenige neue sind hinzugekommen. Verschoben haben sich lediglich die Stellen des im-Stau-Stehens, was ich aber nicht als positive Veränderung in Erinnerung behalten werde.

Da ja während meiner Abwesenheit die erste Linie Dubai Metro  offiziell eröffnet wurde, wollte ich heute einen Termin mit dem blau-grauen Zug erledigen. Über Fahrpläne konnte ich mich zunächst nicht informieren, weil der Router  sofort nach meiner Ankunft beschloss, mich erst einmal nicht an der digitalen Welt teilhaben zu lassen.

Macht nichts, die nächste Station ist ja nur rund einen Kilometer entfernt (also für Dubai-Verhältnise zu weit zum Laufen). Ich steig also in den Wagen, wartete eine Weile in einem mir bis dahin gänzlich unbekannten Stau, und fuhr dann zur Haltestelle „First Gulf Bank Station“, die vermutlich deswegen so  merkwürdig heißt, weil die Verkehrsbehörde RTA einige Haltestellen-Namen versteigert hat.  Ich bin mir nicht sicher, ob dort tatsächlich eine Bank gleichen Namens zu finden ist, jedenfalls war diese Station noch in der Bauphase. Ich musste also meinen Zeitplan ändern (Mittagessen, Internet reparieren, bloggen).  Nicht im geringsten überrascht war ich, als ich auf der offiziellen Seite  (www.rta.ae) nicht die geringste Information zu bereits eröffneten Stationen finden konnte, weswegen für mich die Abkürzung RTA  nur noch für Relaxing Till Afternoon (Ausruhen bis zum Nachmittag) steht. Fündig wurde ich stattdessen http://www.dubaimetro.eu, die bestimmt von russischen Ganoven mit maliziöser Phishing-Software verwanzt wurde – aber mich  zumindest darüber informiert, dass bislang erst zehn von 29 Haltestellen fertig sind (eigentlich ein überraschend guter Schnitt für diese Gegend, wenn ich es mir so überlege). Vielleicht gibt es dann demnächst einen Fahrbericht auf dieser Seite.

Ein Mitarbeiter eines Callcenters hat sich heute noch auf den letzten Drücker für den Preis „Dümmste Antwort des Monats“ qualifiziert. Ich wollte von ihm wissen, wo denn die Tickets abgeblieben seien für das Formel-1-Rennen am 1. November in Abu Dhabi. Wir hatten sie irgendwann im Juni gekauft, bezahlt und gesagt bekommen, sie würden im Laufe des Septembers per Kurier an uns ausgeliefert werden. Da wir keinen Anruf oder eine e-Mail erhalten hatten, lag es nahe, einmal rechtzeitig nachzufragen. Die Antwort lautete natürlich nicht:

„Oh, Entschuldigung. Wir tragen zum ersten Mal so ein großes Event aus und sind noch etwas unorganisiert. Deswegen hat die Herstellung der Tickets etwas länger gedauert und werden später verschickt. Niemand aus dem Management hielt es für nötig, die Kunden darüber zu informieren. Entschuldigung vielmals.“

Sondern gesagt wurde mir stattdessen:

„Das machen wir so, weil viele Ticktet-Inhaber die Karten in der langen Zeit bis zum Rennen sonst verlegen, verlieren oder vergessen. Das wollen wir nicht, denn die erneute Austellung kostet Gebühren. Deswegen verschicken wir sie bis zum 15.  Oktober an unsere Kunden.“

Dem gibt es erstmal nicht hinzuzufügen. Weil das Mittagessen fertig ist.


Entspannter Abend

Freitag 31. Juli 2009

Auch schön: da geht man abends weg, um sich auf ein Bier mit Freunden in einem Club  zu treffen und das alles endet in Folgendem: Freund J. ist so dermaßen betrunken, dass er an der Bar stehend seine Rechnung einfach zerknüllt und wegwirft. Das finden Barkeeper und später Türsteher natürlich nicht lustig und stoppen ihn draußen. Freund J. zerreisst einem mächtig großen Türsteher das T-Shirt und will dann noch anfangen mit ihm zu diskutieren, ob er den Club wieder betreten darf oder nicht. Herr A. kommt zufällig vorbei und kann beschwichtigen. Nein, Polizei ist nicht nötig, ja, der Junge fährt jetzt im Taxi nach Hause, ja, ich bezahle die Rechnung. Freund J. will nicht ins Taxi einsteigen und versucht es sogar mit einer Kopfnuss – bei mir. Dem danebenstehenden Polizisten kann ich trotzdem irgendwie glaubhaft vermitteln, dass J. nicht einkassiert werden muss, sondern jetzt ganz friedlich imTaxi nach Hause fährt.  Seine holde Freundin finde ich, nicht weniger betrunken, heulend auf der Tanzfläche: jemand ist ihr ordentlich auf den Zeh getreten, sie weiß nicht wo ihr Freund steckt und außerdem hat jemand ihr Handy und das Portemonnaie geklaut.

Ich wüsste gerne, worüber die heute morgen gesprochen haben. Und in welcher Lautstärke.


Zum Teufel mit der Technik

Mittwoch 10. Juni 2009

Nach Wochen verzweifelter Versuche,  wieder einen stabilen Internetzugang in der Wohnung einzurichten (Betonung auf stabil), habe ich es eben endlich geschafft. Ich beziehe meine Daten normalerweise über den Router meines Nachbarn (nennen wir ihn Nr. 1), was in den vergangenen Monaten einigermaßen gut geklappt hat. Anfangs konnte ich das Signal nur direkt an der Wand zu seiner Wohnung auffangen, was sich durch den Kauf eines Repeaters aber verbesserte, der die Signale verstärkt und in unsere Wohnung sendet. Nebenbei konnte dadurch auch der Mieter über uns versorgt werden. Nun lebt aber noch ein vierter Mieter im Haus, der als einziger aus unerklärlichen Gründen kein vernünftigen Zugang hatte und deswegen zurecht verzweifelte. Wie ich, und Nr. 1 braucht er das Internet beruflich und kann deshalb keinen Tag ohne. Nun ist Nr. 1 aber viel auf Reisen und kann sich deswegen kaum um solche Probleme kümmern. Mir war es ja fast egal. Neulich kam Nr. 1 zurück und behob das Problem, indem er einen moderneren Router kaufte und das gleiche drahtlose Netzwerk einrichtete, dabei allerdings ein neues Passwort vergab. Weil er es aber nicht für besonders nötig hielt, mich davon zu informieren, hatte ich eines Tagen überhaupt keinen Zugang mehr, denn dummerweise stellte sich (irgendwann unter Hinzuziehung eines IT-Fachmanns) heraus, dass der neue Router und mein Repeater nicht kompatibel waren, und der Nachbar auch keine Lust hatte, noch mehr Hardware anzuschaffen. Weil der gute Mann dann wieder stark beschäftigt  war, blieb mir zeitweilig nichts anderes übrig, als auf das Dach zu gehen und mich in das Netzwerk von Nachbar Nr. 4 einzuloggen, dessen Zugang mittlerweile einwandfrei funktionierte.   Nr. 1 hatte zwar ein zusätzliches Netzwerk mit einem älteren Router eingerichtet, mir davon aber natürlich nichts erzählt, bis ich ihn mal wieder zu fassen bekam. Immerhin konnte ich seitdem wieder vom Stehpult im Flur aus mit der digitalen Welt kommunizieren. Nur der Repeater blieb nicht ansprechbar (auch ein Firmware-update hatte kein Erfolg), obwohl er sich mit dem neuen Netzwerk verbinden konnte (was auch nicht immer der Fall war). Eben hatte ich die Idee, die Einstellungen des Repeaters wieder in ihren Urzustand zu versetzen. Nun klappts plötzlich und ich habe bessere Laune und kann endlich wieder vom Sofa aus schreiben.
Verwirrend das Ganze?
Finde ich auch.
Will aber nicht mehr weiter drüber nachdenken.