Abu Dhabi: Grand Mosque

Dienstag 27. Juli 2010

Eigentlich ist der Beitrag „Schwanger in Dubai“ längst überfällig. Aber bei gefühlten (und gemessenen) 45+ Graden Außentemperatur schmilzt mein Hirn regelmäßig dahin, wenn ich den Weg vom Auto zur Wohnung gehe nachdem ich morgens Frau A. zur Arbeit gebracht und dann die täglichen Besorgungen erledigt habe. An komplizierte Texte ist dann nicht mehr zu denken (Wie ich es schaffe, bei diesen Temperaturen für fast drei Stunden auf dem Golfplatz zu stehen, weiß ich in der Tat auch nicht so genau). Da trifft es sich gut, dass wir neulich nach langer Zeit wieder einmal in Abu Dhabi waren. Denn auf dem touristischen Programm stand die Sheikh Zayed Moschee, ein wirklich imposanter Bau, bei dem ich auch die Bilder sprechen lassen kann, ohne großartig viel dazu schreiben zu müssen.

Die Moschee ist benannt nach Scheich Zayeed bin Sultan Al Nahyan, dem ersten Präsidenten der UAE. Die vier Minarette an den Ecken des Bauwerks sind 115 Meter hoch, 57 Kuppeln säumen die Außenmauern.


Bevor Frauen den riesigen Innenhof betreten dürfen, müssen sie sich komplett in das lange Schwarze hüllen. Am Eingang werden Leih-Abayas und Schleier ausgegeben, mit denen Frau A. sich Anfangs nicht so recht anfreunden konnte. Später ließ sie sich immerhin ein Lächeln entlocken.

Wie es für Moscheen üblich ist, darf man sie nicht mit Schuhen betreten. In der Grand Mosque werden dieTreter vor dem Eingang ausgezogen und einfach irgendwo stehen gelassen. Das war in der Sulatan Qaboos Moschee in Muskat schon etwas schöner gelöst. Auf dem Gelände dieser ebenfalls sehr schönen Anlage befinden sich überall Fächer, in denen man die Schuhe aufbewahen kann.

Im Inneren der Haupthalle kann man gar nicht anders als ersteinmal ins Schweigen zu verfallen. Der Anblick dieses Bauwerks ist ergreifen. Zwischen den marmornen Säulen finden rund 9000 Gläubige Platz. Sie können weich knieen auf dem größten handgewebten Teppich der Welt.

Die Kuppel über dem großen Gebetsraum  ist 70 Meter hoch, von dort hängt ein 15 Meter langer Kronleuchter mit 10 Metern Durchmesser herunter. Es gibt kein Foto, auf dem ich diese Dimensionen vernünftig darstellen konnte. Man könnte vermutlich stundenlang durch die Moschee gehen und immer wieder irgendwo neue Materialien (allein 15 Marmorsorten wirden verwendet), Formen und Verzierungen entdecken. Bei aller Imposanz fand ich es ein bisschen zuviel an Farben und Formen. Aber beeindruckend schön ist die Moschee trotzdem. Erst recht, wenn man nach der Besichtigung rüber ins Shangri-La Hotel geht und dort einen Feierabenddrink genießt.

Ich fände ja den Gedanken ganz spannend, sich auszumalen, wenn jemand über 500 Mio. Dollar, die der Bau der Moschee gekostet hat, in die Hand nehmen würde, um damit eine Kirche zu bauen. Vielleicht die moderne Version des Kölner Doms.

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Formel 1 in Abu Dhabi

Mittwoch 4. November 2009

Mittlerweile ist schon Dienstag und die Formel-1-Saison 2009 schon so gut wie vergessen. Das Abschlussrennen am vergangenen Sonntag in Abu Dhabi war eine Premiere für den Yas Marina Circuit, der so gerade eben rechtzeitig fertiggestellt wurde. Wir hatten uns schon im Sommer Karten gekauft, um uns das Spektakel einmal aus nächster Nähe anzuschauen. Schon clever, keine Tickets nur für den Renntag am Sonntag herauszugeben, sondern das Qualifiying am Samstag gleich zu inkludieren. So sorgt man für vollere Ränge und auch noch für die eine oder andere Hotelübernachtung in der Stadt, insbesondere den sechs Hotels, die ebenfalls kurz vor dem Rennen für fertig erklärt wurden und ihren Betrieb unter Volllast aufnehmen mussten.

Praktischerweise hatten Freunde noch zwei Karten für das Jamiroquai-Konzert am Freitagabend übrig, sodass wir uns schon früher als geplant auf den Weg machten.

Die Konzerte (bereits am Donnerstag war Beyoncé aufgetreten, für Samstag standen The Kings of Leon (die wohl seit zehn Jahren im Geschäft sind, mehrere Freunde ganz toll finden, mir aber vorher komplett unbekannt waren) und am Sonntag Aerosmith auf dem Programm) waren allesamt gratis (beziehungsweise im Kaufpreis inbegriffen) und fanden neben der Rennstrecke in der viertelfertigen Ferrari Theme World statt, einem Freizeitpark mit beeindruckend großem Bauwerk mit knallrotem Dach und gelben Logo. Das Ganze ist wie der Freizeitpark noch weit von fertig entfernt und sieht bei Tag so aus:

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Im Dunkeln hat das Gelände schon mehr Charme:

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Ich verstehe im Zeitalter von sehr leistungsstarken kompakten Digitalkameras nicht, warum alle Besitzer von Spiegelreflexkameras diese an einem völlig überfüllten Kabäuschen abgeben müssen. Nun, irgendwie habe ich es mit Hilfe zweier Damen  trotzdem geschafft, meine Kamera an der Security vorbeizubringen. Jamiroquai war in guter Stimmung, hat auf der Bühne herumgetobt und alle Lieder gespielt, die ich kenne. Selbstverständlich sind fast alle Aufnahmen mit dem Teleobjektiv verwackelt (Dunkelheit, Bierkonsum), aber einen Schnappschuss ohne Zoom will ich zumindest zeigen.

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Gegen Zehn war Schluss mit Konzert. Damit war der Abend aber erst zur Hälfte vorbei. Zunächst ließen wir uns von einer Reihe freundlicher Herren in Gelb den Weg zeigen, …

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… dann nahmen wir eines der zahlreichen wartenden Shuttlebusse, um uns zum Taxistand bringen  zu lassen.  Selbstverständlich gehörte vor und während des Konzerts mehrfacher Genuss von Bier zum Vergnügen, sodass bei Frau M. (nicht zu verwechseln mit der aus anderen Blogeinträgen bekannten Frau M.)  sich irgendwann die Blase bemerkbar machte. Selbstverständlich waren die Toiletten in der Nähe der Bushaltestelle und des Taxistands bereits geschlossen (22 Uhr!). Also musste sie ihre Konfirmatinnenblase bis zur Rückkehr in die Innenstadt anhalten – eine rund halbstündige Fahrt über eine neue Autobahn, weil der Yas Marina Circuit auf einer der Stadt vorgelagerten Insel (Yas Island) gebaut wurde. Ich weiß nicht mehr genau, wer wann damit anfing (habe aber einen Verdacht), die Fahrzeit etwas lustiger zu gestalten, indem er Frau M. die Geräusche von fließendem Wasser vormachte. Sehr schnell ging es weiter mit Liedtiteln wie „Smoke on the water“ und Shakespeare-Zitaten „To pee or not to pee“, die dann in Wortspielen wie „Let it Pee“, „Pee my little baby“, „I want to pee with somebody“, „Peeano Man“, „Do you like Peenacolada?“ endeten (Ähnlichkeiten mit einer Szene aus dem Spiel „Edna bricht aus“ sind rein zufällig). Lange nicht mehr so gelacht. This evening must be re-pee-ted.

Irgendwann gab Frau M. auf (ich auch) und wir baten den Taxifahrer, der bis dahin noch nicht einmal den Weg auf den Highway gefunden hatte, irgendwo rechts ranzufahren,  um einen Sandhaufen zu bewässern.

Damit war der Abend endlich vorbei? Weit gefehlt. Nur wenige Fahrminuten später stellte Frau M. fest, dass ihr Telefon  nicht mehr bei ihr war. Sie musste es irgendwo auf dem Konzertgelände verloren haben, als sie von einem kahlköpfigen Riesen aus Spaß ein bisschen herumgewirbelt wurde oder eben hinter dem Sandhaufen. Also musste der Taxifahrer wieder umkehren und zum Konzertgelände fahren, wo das Telefon leider nicht lag. Da er nicht fähig (oder willens) war, den besagten Sandhaufen wiederzufinden, gaben wir die Suche für den Abend auf und begaben uns nach einem Absacker (die Küche hatte schon zu) im Radisson Blu Yas Island endgültig auf den Heimweg. (Selbstverständlich fand Frau M. am nächsten Tag sofort den Sandhaufen und das darauf liegende Telefon).

Am nächsten Tag hatten Herr und Frau A. verständlicherweise genug vom Alkohol und wollten etwas Formel-1-Atmosphäre genießen. Deswegen werden sie jetzt nie erfahren, was die Leute in dieser Warteschlange in dem kleinen Häuschen denn alles zu trinken bekamen.

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Das ganze Event war straff durchorganisiert. Busse brachten die Besucher von den weit entfernten Parkplätzen in die Nähe der Tribünen. Dort konnten sie mit ihrer Plastikkarte entweder auf ihre vorbstimmten Sitzplätze gehen oder sich zwischen Ständen verlustieren, wo es Merchandising-Artikel und Fresskram zu happigen Preisen zu kaufen gab. Eigene Getränke oder Essen waren selbstverständlich nicht erlaubt und mussten am Eingang abgegeben werden. Jegliches Gepäck wurde durch einen Scanner geschickt, ich will aber vermuten, dass dort nach Bomben und nicht nach Butterbroten gesucht wurde.

Von der Rennstrecke kann ich so begeistert sein, wie jemand, der zum ersten Mal eine Rennstrecke sieht, aber gleich das Gefühl hat, die vor ihm sei besonders gut gelungen. Was an den guten Plätzen oben auf der Tribüne lag, von der wir einen netten Teil der Strecke und des Yachthafens einsehen konnten. Auch das Yas Hotel war ein ständiger Hingucker. Obwohl Architekten normalerweise eine Abneigung gegen organisch geformte Gebäude haben (bis auf die, die sowas entwerfen, natürlich) und diese abfällig „Blobs“ nennen, war selbst Frau A. von diesem Bau beeindruckt. Mir hat er auch gefallen, ich konnte aber sofort erkennen, dass sich der/die Architekt/in von einem Nassrasierer inspirieren ließ.

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Hier noch ein Foto von dem blobbigen Neubau des Yachtclubs.

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Ja, aber was war denn nun mit dem Rennen, den schnellen Autos, der Atmosphäre, dem Zirkus, den schönen Frauen und Kai Ebel?

Zunächst die Fahrer: Am besten konnte man sie kurz vor dem Rennen bei der Fahrer-Runde sehen, als sie auf einen Anhänger über die Strecke gezogen wurden. Ich dachte immer, RTL-Formel-1-Experte Kai Ebel (der mit den bunten Hemden) wäre ebenfalls dabei, aber da die Interview diesmal nur lange weiße Gewänder trugen, musste er wohl in der Mediengasse bleiben.

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Dann die Autos: Ich hatte zwei Tage Zeit für einen Versuch, so einen Formel-1-Boliden bei vollem Tempo (direkt vor unserem Sitzplatz befand sich ein langer gerader Streckenabschnitt ) zu fotografieren. Nach gefühlten hundert Versuchen hatte ich während des Qualifyings endlich einen Treffer:

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Während des Rennens gelangen dann sogar Aufnahmen mit mehr als einem Auto gleichzeitig.

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In diesen Momenten kam dann auch soetwas wie Rennfeeling bei mir auf, denn durch die absolut notwendigen Ohrstöpsel wird die Kommunikation mit den Sitznachbarn auf ein Minimum reduziert. Die Wagen rasen so schnell an einem vorbei, dass man Einzelheiten nicht wahrnimmt, ja eigentlich nicht einmal weiß, wer drinnen sitzt. Feinheiten wie gute/schlechte Rundenzeiten fliegen an einem vorbei, wer gerade das Feld anführt, wer dahinter ist oder an einem anderen Streckenabschnitt rausgeflogen, erfuhr man nur über den Großbildschirm, auf dem das Rennen live übertragen wurde. Um die Einblendungen zum Stand des Rennens lesen zu können, war aber das Teleobjektiv zwingend nötig. Sonst hätte ich vermutlich nie erfahren, dass Hamilton irgendwann ausgeschieden war und Vettel irgendwann führte. Gelegentlich hatte ich den Verdacht, dass es einen Stadionsprecher gab und dass seine Übertragung auch im Radio zu hören war. Jedenfalls hatten auffällig viele Menschen ein kleines Radio oder sogar einen Mini-Fernseher dabei.

Der eigentliche Hingucker war für mich mit Einbruch der Dunkelheit aber immer wieder das Yas Hotel, denn über Tausende von in der Fassade eingelassenen LEDs erzeugte jemand fantastische Effekte. Hier die Nationalflagge der VAE nach Rennende.

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Insgesamt eine schöne Veranstaltung. Aber wenn ich überlege, dass ich im Fernsehen mehr vom Rennen mitbekomme, besser informiert werde und das Essen nicht drei Stockwerke tiefer gekauft werden muss, dann glaube ich, dass ich nur noch auf Einladung zu einem weiteren Rennen gehen werde.

In einem beliebigen Fußballstadion, sagen wir dem Millerntor, bekomme ich wenigstens die gesamte Spielfläche zu sehen und das Geschehen auf dem Platz mit. Selbst wenn da nicht alles mit Wiederholungen und Zeitlupen (Tore, Fouls) zu sehen ist, kann ich wenigstens meinen Nachbarn fragen, weil der ja keine Ohrenstöpsel trägt.


Sonntag 10. Februar 2008

Scheinbar geht es mir zu gut, denn  so richtig tiefe Gedankengänge sind derzeit einfach nicht drin. Das Leben plätschert (wenn man das in einem staubtrockenen Land überhaupt schreiben kann) so dahin, ich mache dies, tue das – und schwupps, ist schon wieder Mitte Februar.

Ein kleines Update  zu den vergangenen Wochen:
– Für eine Geschichte musste ich kurz nach Kuwait fliegen und dort einigen interessanten Vorträgen zum Thema Kunstsammeln lauschen. Von der Stadt habe ich nur wenig gesehen: den alten Souq, mein Hotelzimmer mit Meeresblick. Ich hatte den Eindruck, die Menschen dort sind aufgeschlossener Fremden gegenüber, als hier in Dubai. Lag aber vielleicht auch an der Veranstaltung.
– Vergangene Woche haben Frau A. und ich uns westliche Kultur in Form eines Jaques-Brel-Liederabend angetan. Ich mag Chansons. Die recht eingängigen Melodien, die Instrumente (an diesem Abend nur Piano, aber wenn ich an sentimental gestimmte Akkordeons denke … ), die Gestik eines gut aufgelegten Chansoniers. Vermutlich würde ich auch die Texte mögen, in denen oft über kleine Dinge des Alltags, Stimmungen und Gefühle geht, Zustände von Glück bis Trunkenheit (bedingen bisweilen einander), das Leben, das Universum und den ganzen Rest – ich spreche nur leider praktisch kein Wort Französisch. Wer mich gut genug kennt, der wird bestimmt von mir einmal die Geschichte gehört haben, wie ich in der südfranzösischen Provinz, im Zentrum des  niedlichen 4000-Seelen-Örtchens Vic-Fezensac, um genau zu sein, wo ich als Student einige Möbel in ein Bauernhaus abgeliefert habe. Wie ich also in der südfranzösischen Provinz in einem Restaurant eine Mahlzeit bestellte … Die Geschichte endete damals mit einem praktisch rohen Stück Fleisch, aber das erzähle ich ein anders Mal.
– Vorgestern warenFrau A. und ich in Abu Dhabi, wieder mal wieder im Emirates Palace. Diesmal stand keine Preisverleihung an, sondern eine Ausstellung. Derzeit werden dort Teile der Khalili-Sammlung gezeigt, eine der bedeutendsten Sammlungen islamischer Kunst. Schon beeindruckend, welche Kunst und Handwerksqualität dieser Teil der Welt in den letzten 1300 Jahren hervorgebracht hat. Etwa riesige Wandteppiche, oder aufwendig gestaltete und verzierte  Koran-Schriften, persisches Glas, Schmuck aus Baghdad. Schön auch frühe Modelle der Erdkugel und Instrumente, mit denen die Reisenden ihre Position bestimmen konnten.
– Gestern waren wir dann noch beim Bowling. Ich habe meines Wissens zuletzt im Frühjahr 2003 in Estland ein paar Pins umgelegt (und haushoch gewonnen, weil ich gegen zwi junge Damen gespielt habe, die weder viel Ahnung noch Kraft im Arm hatten), für Frau A. war es sogar Premiere. Wäre  meine Performance nicht so wechselhaft gewesen (wie kann man bitte mit zwei Würfen nur einen Pin umlegen? Oder ausgerechnet dann nur einen Sechser werfen, wenn man vorher einen Strike hatte!), hätte ich mich auch jenseits des reinen Spaßfaktors über das Spiel gefreut. Und was macht Frau A.? Semmelt eine Kugel nach der anderen daneben. Erst als ein Kameramann ihre Bemühungen filmt, räumt sie alle Pins mit einem Wurf ab.  Braucht Madame etwa Publikum?
– Ach ja, und dann war ja noch Herr F. unter dem Vorwand einer Dienstreise bei mir und hat, erstens, meinen Rechner wieder  in Schwung gebracht und, zweitens, eine geniale Tour auf Quads mitgemacht. Ich denke, den Fotos im Header und weiter unten kann man leicht ansehen, ob es mir gefallen hat.

Das musste wohl doch mal geschrieben werden.


Zu Gast bei Emiratis

Sonntag 23. September 2007

Am Wochenende sind wir leicht nervös nach Abu Dhabi gefahren. Unser Freund Mohamed hatte zum Iftar im Hause seiner Eltern eingeladen. Unsere erste Begegnung mit Einheimischen in privater Atmosphäre…

Wenn man sich durch die Arabien-Knigges liest, dann muss man einfach Bammel haben vor so einer Situation. Gesprächsthemen, die als „Tabu“ gelten, gibt es genug, die falsche Aktion mit linker Hand, den Fußsohlen oder der falsche Blick reicht mitunter schon, um den emiratischen Gegenüber zu verärgern. Normalerweise speisen Frauen und Männer zu solchen Ereignissen getrennt, und überhaupt: wer darf wen begrüßen und mit wem darf man überhaupt sprechen?
Soweit die Theaorie – zum Glück sah bei uns die Praxis anders aus.
Der Vater steht schon am Tor des großen Bungalows, kaum ist man ausgestiegen werden wir auch schon herzlich begrüßt und in die Wohnung geleitet. Misstrauisch, desinteressiert, herablassend oder ungebildet wären die letzten Begriffe, die mir zu der Begegnung mit dieser Familie einfallen. vier der sechs Kinder sind an diesem Abend beim Fastenbrechen dabei, die anderen beiden studieren im Ausland. Vater und Mutter sind neugierig und diskussionsfreudig (auch über Politik, Gesellschaft und Familie), schließelich haben sie selbst schon viel von der Welt gesehen, inklusive München Mitte der 80er Jahre, und vielleicht sogar mehr europäische Staaten bereist als ich. Es hilft, dass außer uns noch ein französischer Reitlehrer, eine Italienischelehrerin und eine Arbeitskollegin aus dem Libanon als Gäste dabei sind – die Themen gehen eigentlich nie aus (nur, wenn mal wieder eine der Essensrunden eingelegt wird. Nicht lange raten, ob es geschmeckt hat oder ausreichende Mengen aufgetischt wurden). Etwas schüchtern und zurückhaltend sind nur die beiden Töchter, die wie die Mutter in elegante grüne Gewänder gehüllt, den Kopf verdeckt, das Gesicht aber frei, aufmerksam den Gesprächen folgen, aber nicht so richtig etwas preisgeben. Zumindest hier stimmt vielleicht das Klischee über emiratisches Verhalten.

Eine Begegnung, die richtig Spaß gebracht hat und meine bisherigen Urteile über Land und Leute in eine deutlich positivere Richtung gebogen hat. Nun weiß ich immerhin, dass die Leute zwar wie verrückt auf der Straße unterwegs sind, aber trotzdem nett sein können. Das ist doch schon mal ein Anfang.