Benimm für Dubaianer

Montag 16. März 2009

Vor wenigen Tagen hat der Executive Coucil der Regierung von Dubai einen so genannten „Code of Conduct“ verabschiedet, in dem Standards festgelegt werden, wie sich Besucher und Bewohner dieser Stadt zu verhalten haben.

Neben vielen richtigen (und eigentlich selbstverständlichen) Dingen, wie Du sollst nicht rasen, dich nicht in Warteschlangen vordrängeln und auch die Umwelt nicht versauen, gibt es ein paar Aspekte, die für nicht-arabische/nicht-islamische Leser/Besucher ungewohnt streng sind:

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und auch:

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Den gesamten Katalog gibt es hier
Vielleicht ist es Zufall, dass dieser Verhaltenskodex gerade jetzt veröffentlicht wird, vielleicht liegt es aber auch daran, dass etwas mehr Dezenz eine Voraussetzung war, dass Abu Dhabi dem finanziell notleidenden Bruder hilft?

Das Nachbaremirat Sharjah war vor einigen Jahrzehnten einmal das touristische Zentrum der VAE. Doch dann fehlte das Geld und man musste sich aus Saudi-Arabien welches beosrgen. Im Gegenzug gab es keinen Alkohol mehr und nur noch zünftige Kleidung, was auch heute noch eingehalten wird.

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Gesetzgebung á la Emirates

Montag 1. Dezember 2008

Falls ich mal die Chance bekommen sollte, Drehbücher für eine Politsatire zu schreiben – ich werde mich von der Gesetzgebung a la Dubai inspirieren lassen.

Es werden Gesetze beschlossen, keiner bekommt es mit, plötzlich sind sie in Kraft, dann stellt sich heraus, dass sie nicht so gut funktionieren, also werden sie schnell wieder abgeschafft oder zumindest abgeändert. Manchmal werden die Gesetze vom obersten Chef hier sogar gestoppt, noch bevor sie wirksam werden. So sollten eigentlich ab 1. Dezember die Zulassung für alle Autos, die älter als 20 Jahre alt sind, nicht mehr verlängert werden und der Weiterverkauf von zehn Jahre alten Autos ebenfalls verboten sein.

Damit wollte man versuchen, den täglich schlimmer werdenden Autoverkehr zumindest etwas in den Griff zu bekommen. Gestern aber hat dann der Präsident der VAE die Regelung für die 20-Jährigen wieder kassiert. Begründung: den Leuten mit niedrigen Einkommen soll mehr Zeit gegeben werden, sich um einen neueren Wagen zu kümmern. Na sowas, jetzt bemerkt man erst, dass solche Entscheidungen Konsequenzen haben für große Bevölkerungsschichten? Und dann auch noch die ärmeren, die mit ihren niedrigen Löhnen die Maschinerie Dubais am Laufen halten und jetzt schon finanzielle Probleme durch steigende Mieten und Lebenshaltungskosten haben? Tsss.

Aber es kommt noch besser, im Kampf gegen Verkehrschaos und Luftverschmutzung. Die Einführung der Straßenmaut (Salik) hat ja nur teilweise eine Verbesserung gebracht, da der Verkehr dadurch ja nicht verschwindet, sonden nun auf die Nebenstraßen ausweicht. Eine Metro wird ja frühestens im Herbst 2009 fertig. Gestern stand in der Zeitung, dass im Emirat Sharjah per sofort fast 100 Berufsgruppen (u.a. Bauarbeiter, Servicekräfte, Köche, Wachleute) keinen Führerschein mehr machen dürfen. Ihre Bewerbungen werden nicht angenommen, ein Auto rückt damit in weite Ferne. Ja, wie sollen die diese armen Jungs und Mädels denn sonst von A nach B kommen? Gerade in Sharjah, wo eine Metro nicht mal in Planung ist, und der Fußweg nach Dubai doch recht weit. Warum so plötzlich? Ach nee, ist ja nicht plötzlich. Das Gesetz gab es schon immer, es wurde nur in den vergangenen Jahren etwas gelockert – und nun wird es wieder etwas strenger gehandhabt,  wird ein Beamter in den Gulfnews zitiert. Das ist eine Aussage, die häufig 1:1 übernommen werden könnte, so oft werden hier Gesetzte für eine Weile „vergessen“. Gilt übrigens auch für Einkommenssteuer, die bestimmt auch bald wieder entdeckt wird.

War sonst noch was? Ach ja: die letzten Wochen haben die großen Immobilienfirmen immer wieder gesagt, wie wenig betroffen Dubai von der internationalen Krise sei und hier alles glattlaufe, während Gerüchte über Entlassungen und Baustopps längst die Runde machten. Nun ist es endlich offiziell, dass beispielsweise Nakheel 500 Leute entlässt und auf den Palmen Jumeira und Deira, an der Waterfront und The Universe die Arbeit zumindest langsamer laufen wird.

Unnötig zu erwähnen, dass das soziale Netz für diese Leute ungefähr so dicht geknüpft ist wie ein Stahlseil. Das Gesetz sagt, dass jemand ohne Arbeit 30 Tage Zeit hat, sich einen neuen Job zu suchen, damach wird sein Visum gecancelt und er muss das Land verlassen. Als nach der Pleite der Lehman Brothers die ersten Banker plötzlich arbeitslos waren, haben Regierung und die Freihandelszone DIFC noch Verlängerungen der Frist und finanzielle Hilfen für Härtefälle  versprochen. Mal sehen, ob nun schnell das Gesetz geändert wird, damit alle Expats hier in der Krise ihre Existenz sichern können.


600 Meter im freien Fall

Montag 24. November 2008

Vor einigen Monaten schlichen sich zwei BASE-jumper auf die Baustelle des Burj Dubai, ging nach oben  – und sprang mit einem Fallschirm herunter. Der gute Mann, ein Brite, wurde anschließend festgenommen, verbrachte einige Wochen in U-Haft und musste danach das Land verlassen. Sein Komplize, ein Franzose, wurde schon vor dem Sprung geschnappt.

Der Franzose war aber nicht zum ersten Mal auf dem Turm. Kurz zuvor war er mit einem anderen BASE-jumper ob – und beiden gelang der große Sprung. Unter folgendem Link findet sich ein Video des BASE-Jumps, in dem die beiden Springer auch etwas über die Vorbereitung erzählen. Besonders lustig inde ich, dass sie an den Wachleuten vorbeikamen, weil sie Helme trugen und aussahen wie westliche Ingenieure. Da ist was Wahres dran, denn wenn man nur so aussieht, als gehörte man dorthin, macht so mancher Wachmann in Dubai schnell Tür und Tor auf.

http://current.com/items/89546563/world_record_base_jump.htm


Film-Premiere

Mittwoch 19. November 2008

Unangenehme Gerüche und schlechte Filme waren die Hauptgründe, warum ich noch nie ein Kino Dubais betreten habe. Meist sind die Dinger in einer der Shopping-Malls untergebracht, haben mindestens ein Dutzend Säle, es stinkt penetrant nach Popcorn, die Filme sind reinster US-Mainstream oder indische Produktionen, vermutlich mit viel Herzschmerz, Musik und Getanz. Außerdem, haben mir Kinogänger versichert, seien die vielen Emiratis am Eingang ein sicherer Garant dafür, dass im Saal ständig Telefone klingeln würden und Gespräche dann halt beim laufenden Film stattfinden. Brrrr!

Nun, heute war Premiere für uns. Aus einer Laune heraus wollten wir den neuen Bond sehen und haben uns für das nächstgelegene Kino entschieden. Das Metroplex läge sogar in Gehweite, wäre da nicht die Sheihkh Zayed Road dazwischen und noch eine vierspurige Schnellstraße, die beide nicht legal und ohne lebensgefährliche „chicken runs“ überquert werden können. Aber immerhin hat die Fahrt nur vier Minuten gedauert.

Das Kino hat nur ein halbes Dutzend Säle und gehört keiner Mall an. Daneben steht noch ein älteres Hotel, das war’s. Entsprechend leer und gemütlich ging es im Foyer zu – wir waren praktisch allein. Holten unsere Tickets, zwei Karten für insgesamt 14 Euro, ich hatte es teurer befürchtet und gingen durch verwinkelte Gänge mit Marmorboden in Saal 3. Nachdem wir mehrfach fragen mussten, denn eine erkennbare Ausschilderung gab es nicht.

Außer uns waren nur fünf andere Zuschauer in dem großen Saal, was die Wahl der Plätze vereinfachte. Wir kamen nur fünf Minuten nach dem planmäßigen Beginn des Films rein und hatten schon den Vorspann zur Hälfte verpasst – ich hatte eigentlich einen Werbemarathon wie in Deutschland erwartet.

Ach ja, geklingelt haben die Handys zwei Mal. Hochgerechnet auf einen vollbesetzten Saal wäre das die Hölle geworden.


Wieda auf der Wiesn

Mittwoch 15. Oktober 2008

Ja mei.* Nu san mer heut schoan des zwoate mal auf de Wiesn von Dubai gwesn und es war wieda oa riesngaudi. Moa Lieblingsspruch des Abends war: „Ist es nicht schön, mal an einem Ort zu sein, wo man sich darum Sorgen macht, dass Du nicht genug zu trinken hast?“ Ja, mi lecksts am Arsch, recht hasts! De Buam auf der Bühn‘ de hoams oas gspuit von Blasmusi bis zu dene Spider Murphy Gang und AssiDIssi – „Highway to hell“ is aba auch a guad supersong. Grandiose Kapell’n san des gwesen: ghupft, gtanzt und gspuit hoans wie der junge Strauss. Auf dene Foto schauts der Bua richtig teuflisch aus, gell?

Aber woas mi am meistn verwundern tat, dös warn dies Schwoarzarbeiter. Ja, do legst di nieda! Daheim auf dene echtn Wiesn, da hets des net gebn tun. Und mit dem Stoiber erst recht net. I gloab, schuld san nur die Saupreiß und die SPD.

Aber fesch schauns schoan aus. Besser als wie a blasser beleibter Bayer. Nua des mit dene zehn Krüge Maß, des klappt ni so richtig. A bisserl training täts schon no gbrauchen bis zum nächstn Jahr. Erst recht des arme Madl! Oane Flasch packts gerad oamal! Ja mei!

Und des mit dem tanzen, muss i soagn, des hätt auch schöner ausgeihen könn. Nicht nur in Bayer, auch in Dubai hams mer oan Problem mit dene Hintern. Oane Bank hams später glatt kaputt bekomme.

Na, und diese wuidn Buam. Gerad stands mer fertig für des Gruppnfoto, doa kommts so a Preuss von de seit und schubsts mer um wie halt a Dominostein.

Aber, nächsts Joahr, da pack ma s wieda!

* alle Übersetzungen mit freundlicher Hilfe der chinesisch-indischen Übersetzungssoftware „No Ploblem, Sil“. Für korrekte Rechtschreibung und Grammatik wird keine Gewähr übernommen.



Kurzmeldungen

Sonntag 12. Oktober 2008

* Hamburg meets Bayern – am Freitag traf sich der Hanseatenstammtisch im Oktoberfestzelt für ein paar Biere, Betzeln und Deftiges. Die anderhalbstündige Aufräumpause am Nachmittag wurde in der Poolbar überbrückt, danach zurück ins Zelt und weiter zu einer Party. Samstags keine Kopfschmerzen, aber müde.

* Den all-time-Titel für den schlechtesten Autofahrer von Dubai verleihe ich diese Woche an den freundlichen Mann, der mir auf der zweispurigen Autobahnzufahrt auf der linken Spur entgegengefahren kam. Während ich mit 80 Sachen an dem Geisterfahrer vorbeirauschte, sah ich noch, wie der Typ winkte, als wolle er sich für seinen Fehler entschuldigen. Statt zu wenden blieb er aber auf der linken Spur und fuhr weiter. Ohne Worte.

* Am Donnerstag war ich schon mal am neuen Terminal 3 des Dubai International Airport, das am Dienstag eröffnet wird. Sehr beeindruckend. Der Concourse ist eine fast ein Kilometer lange Halle mit verschwenderisch viel Platz und LIcht. Es gibt ein zwei Hotels mit vier und fünf Sternen, ein Spa, eine Kinderwelt in der First-Class-Lounge und natürlich Shoppingmöglichkeiten und zwei Food Corners. Besonders hübsch finde ich die kleine parkähnliche Fläche mit echten Palmen und Bäumen sowie Wasserspiel und Sitzbank. Eine  kleine Oase, und gleichzeitig eine Weiterentwicklung der Stahlpalmen von Terminal 1.

Der – für meinen Geschmack etwas bunte – Ankunftsbereich liegt komplett unterirdisch unter dem Rollfeld, unzählige Säulen stützen die Betondecke und geben dem Bereich etwas kathedralenartiges. Endlich gibt es auch genügend Schalter für die Einreisekontrolle. Wenn die jetzt auch noch ausreichend besetzt sind, fällt die einstündige Warterei nach der Ankunft hoffentlich bald weg.

* Ich könnte etwas Arbeit von Tisch schubsen, meine Website weiterbasteln und anere wichtige Sachen anpacken. Aber mit Kaffee, Bloggen und etwas Fernsehen kann man den Tag ganz wunderbar langsam anlaufen lassen.


Strandbeobachtungen

Freitag 4. Juli 2008

Dass Dubai kein demokratisches Land mit gleichberechtigten Bewohnern ist- diese Erkenntnis ist nicht neu. Meistens bemerkt man dies nicht, nur gelegentlich fällt  es einem auf, dass es Bürger erster bis vierter Klase gibt. Selbst am öffentlichen Strand. Heute war ich zum ersten Mal seit langem an einem Abschnitt des Jumeirah Beach, wo sich Wochenends viele Leute zum Sonnen und Baden hinlegen, zum  Kting, zum Beachvolleyball oder einfach nur für ein Picknick. Während die meisten Strandbesucher mehr oder weniger halbnackt auf ihren Tüchern liegen oder sich im Wasser tummeln, schlendern ständig kleine Gruppen von Männern den Strand auf und ab – relativ vollständig bekleidet und ohne festes Ziel.  Meistens werden diese Typen als „die Inder“ subsummiert, auch wenn vermutlich die wenigsten  diese von Bangladeschis oder Pakistanis unterscheiden könnten. Die „Inder“ am Wochenende für ein paar Stunden ihren weit entfernten Arbeiter-Ghettos nach Jumeirah, um auch etwas von dem dubaianischen Lifestyle mitzuerleben. Auffällig werden sie dadurch, dass bei einigen die Körpergerüche auch noch in fünf Metern Entfernung wahrnehmbar deutlich sind sie vor allem die sonnenbadenden Frauen recht intensiv anstarren, wodurch diese sich (zu recht) gestört fühlen. Vermutlich haben die meisten von Ihnen in ihren Heimatländern solche Anblicke nicht kennen gelernt, außerdem dürften sich die meisten von ihnen relativ einsam fühlen. Ich habe noch nicht erlebt, dass die Typen etwas anderes gemacht hätten, als zu schlendern und zu starren und zu schlendern. Aber Beschwerden über Belästigung oder andere Dinge scheint es wohl gegeben haben.

Heute habe ich erstmals gesehen, dass ein Emirati am Strand entlangging, solche Gruppen gestoppt hat und sich ihre ID-Karten zeigen ließ. Die „Inder“ mussten anschließend in ein kleines Strandkabuff gehen, später stiegen sie in Kleinbusse ein und fuhren weg.  Andere  Strandbesucher mussten  sich,  soweit ich das sehen konnte, nicht gegenüber dem Beamten ausweisen.

Zwar weiß ich nicht, was da genau abgelaufen ist, aber ganz ein komisches Gefühl bleibt  trotzdem.  Einerseits finde ich es ja gut, dass man versucht, den Strand sicher zu halten, aber diese Praxis erinnert mich stark an „Türpolitik“.