Eis, Beton und Flugzeuge

Freitag 28. September 2007

Mich hat jetzt auch die Schnodderitis erwischt. Die mit Kopfschmerzen, roter Nase und Müdigkeit und so.

Daran bin ich nicht ganz unschuldig, denn trotz eindeutiger Signale (Frau A. hat die Schnodderitis schon seit Tagen und allgemeines Unwohlsein von mir), war ich abends halb-beruflich unterwegs.

Zunächst habe ich mir den Kopf ordentlich abgekühlt (daher die rote Nase) in Dubais erster Ice-Bar.

icebar.jpg

Das Chill Out in der Times Square Mall ist rund 140 Quadrameter groß, 40 Tonnen Eis haben die Jungs zu Tischen, Theke und Stühlen geformt; eine zwei Meter lange Nachbildung von Dubais Skyline frostet an der Wand vor sich hin. Für rund 10 Euro Eintritt wird man mit Mütze, Handschuhen und dicker Jacke ausgestattet, ein Begrüßungsdrink ist frei. Alkoholische Getränke gibt es nicht, dafür aber Heißes aus der Tasse und Sandwiches und Salate.

icebar2.jpg

Trotzdem sind wir nach ein paar Minuten wieder raus, weil es bei -6 Grad meinem Mitstreiter zu kalt wurde.

Auf dem Weg zurück in die Stadt kurz an einer Baustelle halt gemacht. In Dubai wird derzeit eine Metro gebaut, entlang der Sheikh Zayed Road stehen schon viele Betonpfeiler, auf denen die Gleisbrücke zusammen montiert wird. Rein größenmäßig sieht das ziemlich beeindruckend aus, wenn der Kran so ein Betonteil hochhievt. Oben werden dann die einzelnen Blöcke miteinander verbunden.
metro.jpg

Danach ging es in ein arabisches Café – einen arabischen Kaffee und eine Shisha mit Apfelaroma (Kopfschmerzen) konsumieren. Kein Foto.

Obwohl schon mitten in der Nacht, war ich noch nicht reif für die Matratze, denn bekanntermaßen haben wir gerade Vollmond. Also noch ein bisschen nachtfotografiert (Müdigkeit). In diesem Fall startende Flugzeuge, die ganz dicht über unserem Dach das Weite suchen. Für einen ersten Versuch mit Langzeitbelichtung ist das Foto ganz gut geworden, denn das dunkle Flugzeug sieht man natürlich nicht, nur die Positionslichter strahlen hell genug.

nachthimmel_flugzeug.jpg

Kein Wunder also, dass ich mich heute schniefig fühle.

Werbeanzeigen

Tower Power: Burj Dubai

Donnerstag 27. September 2007

Er ist (noch) der Größte…

Die Rede ist vom Burj Dubai, dessen Fotos schon hier und hier zu sehen waren. Heute gibt es noch einige Informationen zu dem Turm.

Burj Dubai Burj Dubai Night

Wen man mit dem Auto Richtung Burj Dubai fährt, wird man von Bauzäunen, Baustellenzufahrten und gerade fertiggestellten Neubauten begleitet.

Denn um den Tower herum entsteht an der Sheik Zayid Road ein komplett neuer Stadtteil, Downtown Dubai. Insgesamt 750 000 Menschen werden später einmal in den Hochhäusern und Apartments ein neues zuhause finden. Außerdem werden zur zeit Bürotürmen und die Dubai Mall hochgezogen. Die Mall wird insgesamt 1 Million Quadratmeter (davon 500.000 Quadratmeter Verkaufsfläche) umfassen und somit erst mal die größte Mall der Welt sein (ab ca. 2008 soll dann die Mall of Arabia/Dubailand mit mehr als einer Million Quadratmetern Verkaufsfläche den Rekord übernehmen). Die zur Zeit Größte Mall Dubais, die Mall of the Emirates mit 223.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist dann nur nach ein Winzling (aber immer noch fast doppelt so groß wie die größte Mall in Deutschland, der Ruhr-Park Bochum mit 126.000 m² Mietfläche).

Zurück zum Burj Dubai: Wenn man hinter die Bauzäune sieht, wird man mit unterschiedlichsten Baustilen, Traufhöhen und Materialien konfrontiert. Leider werden die Stilrichtungen hier so ungeschickt miteinander kombiniert, dass es zu keinem homogenen Stadtgefüge kommt.

Die Showrooms der Dubai Mall und des Burj Dubai bieten schon jetzt einen kompletten Blick auf den auf das noch höchste Bauwerk der Welt und viele Informationen zum Burj, wie die Dubaianer ihn liebevoll nennen. Neben einem zwei Etagen hohen Modell gibt es dort zwei Musterwohnungen. Dort kann man besonders gut die gewölbte Fassade wahrnehmen, die dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche bieten soll.

Der Burj weist einen y-förmigen Grundriss mit einer Grundfläche von 7000 Quadratmetern auf, etwas weniger als die Fläche eines Fußballfeld. Um die Stabilität zu erhöhen, verjüngt er sich nach oben hin. Die Außenwände der unteren Stockwerke sollen stellenweise 1,5 Meter dick sein.

Die entgültige Höhe wird vom Bauträger Emaar Properties immer noch geheim gehalten, aber für einen Koloss von vermutlich ca. 850m Höhe wirkt er nicht plump. Dem Architekturkonzern Skidmore, Owings and Merrill LLP (SOM) gelang es durch unterschiedlichen Stufen, die sich spiralförmig nach oben winden, dem Tower eine elegante Leichtigkeit ausstrahlen zu lassen.

Das fertige ca. 189 Stockwerke umfassende Gebäude wird ein Hotel (bis Level 37) des Modehauses Armani, Apartments (Level 38-108) Büros, Suiten und im Level 124 eine Aussichtsplattform mit Außenterrasse beherbergen. Mit 440 Metern ist sie die höchste Terrasse der Welt – und verdammt hoch. Ich war auf der Aussichtsplattform des Maintower in Frankfurt und die liegt bei 200 Metern nicht mal auf der Hälfte. Fertig werden soll der Burj Dubai übrigens 2009, nach 5 Jahren Bauzeit. Das sind ja schöne Aussichten.


Zu Gast bei Emiratis

Sonntag 23. September 2007

Am Wochenende sind wir leicht nervös nach Abu Dhabi gefahren. Unser Freund Mohamed hatte zum Iftar im Hause seiner Eltern eingeladen. Unsere erste Begegnung mit Einheimischen in privater Atmosphäre…

Wenn man sich durch die Arabien-Knigges liest, dann muss man einfach Bammel haben vor so einer Situation. Gesprächsthemen, die als „Tabu“ gelten, gibt es genug, die falsche Aktion mit linker Hand, den Fußsohlen oder der falsche Blick reicht mitunter schon, um den emiratischen Gegenüber zu verärgern. Normalerweise speisen Frauen und Männer zu solchen Ereignissen getrennt, und überhaupt: wer darf wen begrüßen und mit wem darf man überhaupt sprechen?
Soweit die Theaorie – zum Glück sah bei uns die Praxis anders aus.
Der Vater steht schon am Tor des großen Bungalows, kaum ist man ausgestiegen werden wir auch schon herzlich begrüßt und in die Wohnung geleitet. Misstrauisch, desinteressiert, herablassend oder ungebildet wären die letzten Begriffe, die mir zu der Begegnung mit dieser Familie einfallen. vier der sechs Kinder sind an diesem Abend beim Fastenbrechen dabei, die anderen beiden studieren im Ausland. Vater und Mutter sind neugierig und diskussionsfreudig (auch über Politik, Gesellschaft und Familie), schließelich haben sie selbst schon viel von der Welt gesehen, inklusive München Mitte der 80er Jahre, und vielleicht sogar mehr europäische Staaten bereist als ich. Es hilft, dass außer uns noch ein französischer Reitlehrer, eine Italienischelehrerin und eine Arbeitskollegin aus dem Libanon als Gäste dabei sind – die Themen gehen eigentlich nie aus (nur, wenn mal wieder eine der Essensrunden eingelegt wird. Nicht lange raten, ob es geschmeckt hat oder ausreichende Mengen aufgetischt wurden). Etwas schüchtern und zurückhaltend sind nur die beiden Töchter, die wie die Mutter in elegante grüne Gewänder gehüllt, den Kopf verdeckt, das Gesicht aber frei, aufmerksam den Gesprächen folgen, aber nicht so richtig etwas preisgeben. Zumindest hier stimmt vielleicht das Klischee über emiratisches Verhalten.

Eine Begegnung, die richtig Spaß gebracht hat und meine bisherigen Urteile über Land und Leute in eine deutlich positivere Richtung gebogen hat. Nun weiß ich immerhin, dass die Leute zwar wie verrückt auf der Straße unterwegs sind, aber trotzdem nett sein können. Das ist doch schon mal ein Anfang.